Motorradurlaub Pyrenäen 2022

Auf der Suche nach dem perfekten Motorradurlaub starten wir einen neuen Versuch: Macht eine Wochentour durch die Pyrenäen mit anschließendem Chill-Programm an der Küste glücklich?

// Auf geht’s! //
** ToUrlaub Teil 1: MOTORRADTOUR DURCH DIE PYRENÄEN **
Tour 1: Argeles-sur-Mer – Bellver de Cerdanya // Tour 2: Bellver de Cerdanya – Collbató // Tour 3: Collbato – Coll de Nargó // Tour 4: Coll de Nargó – Sort //
Tour 5: Sort – Ainsa // Tour 6: Ainsa – Lourdes // Tour 7: Lourdes – Carcassonne // Tour 8: Carcassonne – Argeles-sur-Mer //
** ToUrlaub Teil 2: STRANDURLAUB in SÜDFRANKREICH **
Tour 9: Galamus-Schlucht // Tour 10: Küstentour // Tour 11: Collioure // Es geht heimwärts! //
Tourlaub-Fazit // Tourkarten //

Vorgeplänkerl

Nachdem unser schöner Pyrenäen-Plan vor zwei Jahren dem bösen C-Wort zum Opfer fiel, wagen wir uns erneut an den unerfüllten Traum. Angesichts der nach wie vor andauernden Unsicherheiten allerdings zu zweit, statt mit unserem Trupp. Obendrein lassen wir das mit dem Motorradtransport und dem Flug und streichen die einwöchige Moppedtour Richtung Heimat. Stattdessen verzurren wir Großkatze und Streety auf dem Anhänger und juckeln runter gen Süden.

Der Plan:
Eine Woche lang mit den Motorrädern durch die Pyrenäen kurven. Anschließend knapp zwei Wochen Strandurlaub an der französichen Mittelmeerküste, gespickt mit der ein oder anderen Tour durch das Katharerland.

Organisatorische Herausforderung

Wegen des spanischen Feiertags in der ersten Motorradtour-Woche buchen wir sämtliche Hotels in den Pyrenäen vor.
Während wir die Unterkünfte nach dem Kriterium „sichere Abstellmöglichkeit für unsere Motorräder“ auswählen, ist es damit für die restlichen zwei Wochen nicht getan. Schließlich brauchen wir nicht nur ein geschütztes Plätzchen für die Moppeds, sondern auch für den Anhänger und der Pkw will ebenfalls irgendwo abgeparkt werden.

Fündig werden wir bei einer Immobilienagentur in Argeles-Plage:
Jene hat ein Appartment im Programm, das sich in einem kleinen Häuschen in erster Strandreihe versteckt.
Eingezäuntes Grundstück inklusive, auf dem Auto, Anhänger und Motorräder locker Platz finden. Obendrein gibt’s eine Garage.
Aber…

Wo lassen wir das Gespann, während wir uns in den Pyrenäen vergnügen?

Eigentlich brauchen wir für die erste Nacht lediglich eine Butze mit abgeschlossenem Parkplatz, auf dem das Gespann eine Woche lang stehen darf.
Easy, oder?

Die örtliche Tour-Information unterstützt uns netterweise mit einigen Hotel-Tipps, verweist aber ansonsten auf die Webseite des Ferienorts, auf der sich die Suche auf Hotels mit Parkplatz eingrenzen lässt.

Von sieben im Spätherbst angemailten Hotels lässt sich gerade mal eins zu einer Antwort herab. Die passt uns allerdings so gar nicht in den Kram, denn an Juni-Wochenenden vermietet man erst ab zwei Übernachtungen und mit gesicherten Parkplätzen kann man auch nicht dienen.

BOAH, iss das DOOF, wenn man die Sprache nicht so fließend spricht, dass man sich einfach kurz ans Telefon schwingen kann, um die Hotels abzutelefonieren!

Als der Abreise-Termin bedrohlich nahe rückt, buchen wir aus der Not heraus ein stornierbares Hotel über Booking.com. Natürlich nicht, ohne unsere Zusatzfrage nach einem Parkplatz zu stellen.

Postwendend erhalten wir eine semi-positive Antwort von wegen: „Wir können aufgrund der Hauptreisezeit zwar nix versprechen, tun aber unser Möglichstes, Euren Wunsch zu erfüllen“.

Hurra, immerhin etwas!

 

Auf geht’s!

1.400 Kilometer durchbrezeln? – Nee danke!

An unserem typischen Zwischenübernachtungs-Hotel, dem ibis Mâcon Sud Crêches, gibt’s wenig zu meckern:
Wie man’s von diesen One-Night-Touri-Bunker kennt, steht er mitten in einem Industriegebiet.

Zimmer mit Balkon oder Terrasse gibt es nicht, aber wer Badezeug dabei hat, kann juchzend im Außenpool plantschen. Ansonsten bietet die Anlage ein Restaurant mit kleiner Terrasse und ordentliches Essen zu relativ humanen Preisen.


 
Gepflegtes Außengelände rund um das ibis-Hotel.

Anreise – die Zweite…

Anfahrtstag zwo gestaltet sich weitaus stressiger: Je südlicher, desto heiß, vor allem, wenn die Sonne spätestens mittags gnadenlos frontal in den Innenraum brennt.
Jammern auf hohem Niveau, denn als das Thermometer bei Montpellier die 42-Grad-Marke knackt, feiern wir unsere Weichei-Anreise auf vier Rädern mit funktionierender Klimaanlage.

Alles in allem verläuft die Fahrt beinahe staufrei und so trudeln wir bereits am frühen Abend am Zielort ein.

Argeles-sur-Mer

Das okzitanische Städtchen an der Côte Vermeille zählt über 10.000 Einwohner und umfasst mehrere Stadtteile.

Neben dem küstenfernen „Dorf“ ist da Argeles-Plage mit seinem sieben Kilometer langen Sandstrand, der sich nördlich bis Saint-Cyprien zieht.

 
Argeles-Port

Am südlichen Ortsende liegt Argeles-Port mit seinem Hafen und dahinter das gemütliche Le Racou mit einem weiteren kleinen Sandstrand.
Hier beginnt die Côte Vermeille, die sich bis zur spanischen Grenze bei Cerbère zieht. Geprägt ist die Purpurküste durch hohe Felsen, windgeschützte Buchten, Fischerhäfen und kleinen Stränden, während sich über den Orten die Hänge der Weinlage Banyuls tummeln.

In Argeles-sur-Mer gibt es einige Supermärkte und hinter dem Hauptstrand eine Fußgängerzone, in der sich ein Restaurant an das nächste kuschelt.

25 Kilometer nordwestlich liegt Perpignan, 25 Kilometer südlich verläuft die spanische Grenze und bis Andorra sind’s gerade mal 185 Kilometer.

Der perfekte Basisort, oder?

Eigentlich hatten wir noch ein As im Ärmel, denn die Immo-Agentur stellte uns eine Garage in Aussicht, so ihre Objekte nicht ausgebucht sein sollten.
Als wir von unterwegs den Status abfragen, hat man leider schlechte Nachrichten. Mit der Garage wird das nix, aber zumindest dürfen wir in der Agentur einen Rucksack mit Medikamenten und Elektrokrams deponieren, der die Woche im aufgeheizten Auto garantiert nicht überstehen würde.

Zwischenübernachtungshotel: Hotel de la Plage des Pins

Unsere Unterkunft für die erste Nacht ist nur durch den Hotel- und einen Großparkplatz von der Strandpromenade und dem langen Sandstrand getrennt. Zum Hotel gehört ein Pool und Fahrzeuge lassen sich gegen Gebühr auf dem hoteleigenen, umzäunten und schrankengesicherten Parkplatz abstellen.

Beim Check-in sorgt die freundliche Hotel-Dame zunächst für einen Schock, als sie betont, dass im geparkten Pkw keinerlei Gepäck verbleiben darf.
Sch… Was nu? Schließlich können wir unsere Koffer nicht auf die Moppeds schnallen?

Ehe wir völlig verzweifeln, verkündet sie die beste Nachricht des Tages: Unser Krams darf die Woche im Gepäckraum des Hotels verbringen.
Alle Probleme auf einen Schlag gelöst. *TSCHAKKA!*


Hinter Gittern!

Nach dem Abladen der Moppeds und der Gepäckschlörerei sind wir dank leckerer Temperaturen eigentlich fix und alle.
Unsere knurrenden Mägen sehen das anders, also kurz nochmal los in die City.

Hilfe, Menschen!

In der Fußgängerzone wimmelt es nur so vor Menschenvolk, das dicht an dicht durch die Fußgängerzone flaniert und genauso eng in den Restaurants zusammen hockt.
Oh, Corona gibt’s hier nicht mehr? – Fein!

Google empfiehlt eine Pizzeria am Hauptstrand. Hier stehen die Tische zumindest ein Stück weit auseinander und da uns die Pizzen munden, sehen wir gnädig über die kredenzten Getränke in Dosen hinweg.

 

** ToUrlaub Teil 1: MOTORRADTOUR DURCH DIE PYRENÄEN **

 

Tour 1: Argeles-sur-Mer – Bellver de Cerdanya [Samstag, 18.06.2022]

Eile ist heute kaum geboten, denn unser Etappenziel ist gerade mal 135 Kilometer entfernt.
(Yepp, bewusst so geplant für den Fall, dass wir uns vormittags um den Verbleib unseres Gespanns hätten kümmern müssen.)

So lassen wir uns gechillt das gute Frühstück munden, sehen aber in Erwartung eines heißen Tages dennoch zu, zeitig aufzubrechen.

Attacke!

Wir wählen die klassische Route (N116) über Prades und Puigcerda.


 
Erster Eindruck:
In den Pyrenäen gibt’s unheimlich viel Landschaft und motorradfreundliche Betriebe.

Die Piste ist ganz nett, aber wenig spektakulär und wie vermutet, erreichen wir das Tagesziel viel zu früh.
Also eben eingecheckt, für abends einen Tisch im Restaurant reserviert und unser Gepäck aufs Zimmer geschlört.

Etappenhotel 1: Hotel Bellavista in Bellver de Cerdanya

Das Hotel mit Restaurant, Bar und Außenterrasse liegt unmittelbar an der Durchgangsstraße N-260 und wer ab Ende Juni hier aufschlägt, darf sich auf einen erfrischenden Sprung in den Pool freuen.

Unser geräumiges Doppelzimmer ist per Aufzug erreichbar, der Balkon hingegen winzig, aber immerhin fasst er zwei Stühle.


Besser ein kleiner Balkon als keiner!

Leider fehlt ein abgeschlossener Parkplatz und unsere Motorräder müssen wider Erwarten im Freien parken.
Wir haben jedoch freie Parkplatzwahl: entweder direkt neben dem Hotel oder auf der anderen Straßenseite, wo es zumindest ein Überdach gibt.

Unseren Moppeds giert’s nach frischem Benzin. – Warum also nicht Spaß mit dem Nützlichen verbinden?

Auf nach Andorra!

Wir folgen der N-260 nach La Seu d’Urgell und wechseln dort auf die N-145 nach Sant Julia de Loria.
Die breit ausgebaute Straße ist nicht die Erfüllung und auch landschaftlich bleibt der WOW-Effekt zunächst aus, aber zumindest macht die Tankerei in Andorra mehr Laune als auf dem restlichen europäischen Kontinent.

Blöd nur, dass wir nicht daran denken, uns in Andorra mit Tabakwaren einzudecken, denn die Laster-Stengel sind dort tatsächlich noch ’nen Tacken günstiger als in Spanien oder Luxemburg…


Wenn man bei DEM Benzinpreis frohlockt, muss in der Welt was im Argen sein!



Auf dem Rückweg gibt’s dann DOCH noch ein kleines Highlight:
Ein Hauch von Wild-West auf der N-260.

Als wir durchtranspiriert zurückkehren, ist’s immer noch weit vor 20 Uhr und damit viel zu früh zum Essenfassen.
Um die Zeit zu überbrücken, schlüpfen wir in kurze Klamotten und schlendern ins urige Dorf.

Bellver de Cerdanya

Das Örtchen liegt auf einer kleinen Anhöhe auf der anderen Seite des Rio Segre.
Über der Altstadt thront die Kirche Santa Maria de Bellver und Sant Jaume und wem der Elan fehlt, dort hochzujapsen, kann einen Aufzug mit Ausblick bemühen.

 

 
Bellver de Cerdanya

Unterhalb des Dorfes wartet eine Fülle an Restaurants und vermutlich hätten wir uns besser dort niederlassen sollen, denn die Begeisterung für die später im Hotel-Restaurant georderte Paella hält sich schwer in Grenzen. Als wir den klimatisierten Speisesaal verlassen und die „Bar-Snacks“ der im Vorraum hockenden Gäste erspähen, übermannt uns prompt ein Hauch inbrünstigen Neids. – Egal. Lassen wir den Tag einfach mal auf der Bar-Terrasse ausklingen…


Bar-Terrassen-Blick auf die beleuchtete Altstadt

Das Bierchen mundet, der Kellner taut im Laufe des Abends zunehmend auf und lässt uns zu vorgerückter Stunde sogar kostenlos Kuchen zukommen.


Kuchen mit Bier ist selbst für Nicht-Gourmets wie unserereiner ein absolutes No-Go,
jedoch wissen wir die äußerst nette Geste sehr zu schätzen!

 

Tour 2: Bellver de Cerdanya – Collbató [Sonntag, 19.06.2022]

Das Frühstück ist ordentlich und das Wetter zieht gleich.

Stellt sich nach dem Aufsatteln nur die Frage: Welche Route sollen wir nehmen?
Über Alp auf die N-260, um kurvenreich über den Coll de Toses nach Ribes de Freser und Ripoll zu wedeln?
Oder doch lieber ab durch die Mitte über den Coll de la Creueta?

Letztgenannte gewinnt, was wir wenig später kurz bereuen:
Kaum haben wir die Hauptstraße verlassen, durchqueren wir ein Wenige-Seelen-Dorf.
Prompt stammelt das Navi wirr vor sich her und ehe wir uns versehen, stranden wir auf einem schräg angelegten Schotterparkplatz in einer engen Sackgasse.
Na DAS fängt ja schon gut an!

Wenige Minuten später ist unser TomTom wieder auf Spur.
So hoppeln wir zurück auf eine Landstraße, die diese Bezeichnung tatsächlich verdient und bestaunen mit jedem gefahrenen Kilometer den unglaublichen Landschaftswechsel.

Coll de la Creueta: Ja sind wir denn in den Schottischen Highlands?

Kurz hinter der Passhöhe ignorieren wir die unsinnig erscheinende Navi-Ansage, rechts abzubiegen, da der Weg offenbar zu einem Parkplatz führt.
Ein Fehler?


Coll de la Creueta: weite Sicht und herrlich zu fahren.


Verdammt windig hier oben!

Vermutlich nicht, aber spätestens in La Pobla de Lillet haben wir’s offenkundig komplett vergeigt: So landen wir nicht in Guardiola de Bergueda, um uns über Cercs auf die C-26 Richtung Borreda zu schrauben, sondern stattdessen auf der B-402/GI-402, dem Coll de Merolla.

Voll verfranst! *TOLL…*

Das Thermometer klettert von warm nach heiß, von heiß nach heißer und wir haben Durst.
Auf den folgenden knapp dreißig Kilometern bis Ripoll treffen wir auf KEINE einzige geöffnete Bar, sondern ausschließlich auf Kurven, Kurven und nochmals Kurven!
Dazu raubt mir die Navi-Tante mit ihren fordernden Daueransagen den letzten Nerv: „Biegen Sie links ab, dann WENDEN Sie!“
Boaaah – DAS ist echt so’n Moment, wo das Kurvenwedeln keinen Spaß mehr macht!

Aus Verzweiflung halten wir im ersten Mini-Kaff, das sich uns in den Weg wirft, um endlich einen Blick auf die Karte zu werfen.
Eigentlich gibt’s nur zwei Möglichkeiten: Entweder das ganze kurvige Stück zurück oder dumm mitten in der prallen Sonne rumstehen eine alternative Route finden.

Findet sich auch tatsächlich, dauert aber seine Zeit, denn blöderweise lässt sich plötzlich keine Route mehr von „MyRouteApp“ aufs Smartphone exportieren und folglich auch nicht aufs Navi ziehen. *GRUMBEL*

Noch fünf Minuten länger und wir kriegen ’nen Sonnenstich!
Also Schluss mit dem vergeblichen Gefummel, das Tagesziel handish ins Navi gehämmert und schnell los, endlich wieder Fahrtwind spüren!

Die Route führt uns nicht nur durch Ripoll, sondern ehe wir uns versehen auch auf die Autobahn.
Sch… was drauf: Zumindest hat die nächstbeste Raststätte was gegen den Durst!

Als wir die 77.000-Einwohner-Stadt Manresa erreichen, kommt uns zugute, die Routen daheim eher zufällig nochmal gecheckt zu haben.
Da wir uns so grob an die Streckenführung erinnern, gelingt’s uns, der vom TomTomRider anvisierten Stadtrundfahrt zu entrinnen und wir landen auf der einsamen, aber leider geschwindigkeitslimitierten BP-1101.

// MONTSERRAT-GEBIRGE

Vor dem Aussichtspunkt „Can Maçana“ wechseln wir auf die BP-1103 Richtung Kloster Montserrat und da ist es wieder, das Dilemma:
Kurven fahren oder staunen?


WOW-Effekt im bizarren Montserrat-Gebirge!

Kloster Montserrat

Auf den letzten Metern vor dem Kloster springt uns plötzlich eine Schranke vor die Reifen. – Was nun? Einfach umfahren?
Theoretisch möglich, aber nee, lass uns menn lieber brav ein Ticket ziehen.

Oben auf dem Hügel angelangt, kann man theoretisch bis zum Ende der Sackgasse fahren. Praktisch turnt jedoch ein Männeken mit Bin-ich-wichtig-Weste auf der Straße herum, dessen strenger Blick jeglichen Gedanken an eine eigenmächtige Durchfahrt im Keim erstickt. Ok, dann halt wenden und rauf auf den riesigen Parkplatz, wo uns der freundliche Parkplatzmensch schon von weitem zu den Motorradstellplätzen winkt.


Schattenparker

Angesichts des Menschenvolks missfällt uns der Gedanke, unsere vollbeladenen Maschinen sich selbst überlassen, drum schiebt einer Wache, während der (oder besser gesagt DIE) andere Richtung Kloster schlurft.

Die Schwarze Madonna und das Lichtermeer

Kurz vor Toreschluss ist’s zum Glück relativ leer und die Hitze gerade wieder erträglich.

Also zunächst die Treppe hinaufgeschleppt, über den riesigen Vorplatz gestiefelt und intuitiv den rechten Eingang genommen.
Gut so, denn jener führt seitlich am Kirchenschiff vorbei, dann wenige Stufen hoch und schon steht man in einer kleinen, prunkvollen Nische, in der die glänzende Statue La Morenata hockt.

Anfassen und Fotografieren ist – zumindest aktuell – strengstens untersagt.
Dass niemand schummelt, überwacht ein eigens dort geparkter Angestellter mit finsterem Blick.

Na gut, dann halt eben kurz den Heiligenschein aufsetzen, bedächtig innehalten und die Nische auf der anderen Seite wieder verlassen.

  
Kloster Montserrat

Lichterglanz

Wie es der „Zufall“ so will, passiert man unweigerlich ein riesiges, buntes Lichtermeer. Ebenso wenig zu übersehen sind die direkt gegenüber platzierten Rollwagen mit vielen hundert Kerzen. Rot, blau, gelb oder grün: Hier haste freie Auswahl, kannst Dir zum „Schnäppchenpreis“ von vier Euro ein Kerzlein schnappen und sie an der „heiligen Flamme“ entzünden.
Nepp hin, Nepp her: Meine Liebsten haben sich schließlich ihre eigene Kerze verdient! 😉


Da funkeln die Kerzen mit all den guten Wünschen andächtig vor sich hin.

Noch haben die Läden im unteren, der Straße zugewandten Klostergemäuer-Bereich geöffnet, zumindest, so lang, bis die letzte Zahnradbahn den Klosterberg verlässt. Neben einem Andenkenladen lockt ein Restaurant mit Raststätten-Flair und eine Eisdiele.
Café Frappé oder Milchshakes? – Kennt man hier leider nicht.

Eben noch die Parktickets zahlen und dann los…?

Keine Chance, denn der Parkautomat will ums Verrecken kein Bargeld sehen. – Und nu?
Ergo el Señor Head-of-Parkplatz befragt, ob man nicht bei ihm zahlen könne, doch der schüttelt vehement den Kopf: Nein, das sollen wir doch bitteschön an der Kasse unten an der Schranke erledigen, hier oben am Automaten sei es für Motorräder viel zu teuer.
*GUTER Mann!!*

Parkgebühren am Kloster Montserrat

Ein Parkgebühren-Schild sucht man an der Einfahrtschranke vergeblich und wer keine böse Überraschung erleben will, tut gut daran, sich vorab schlau zu machen.

Autos, Motorräder, Vans und Co parken die ersten dreißig Minuten kostenlos.
Bleibt man länger, werden – bis zu einem Aufenthalt von 24 Stunden – folgende Parkgebühren fällig:

  • Motorräder: 3.50 Euro
  • Autos (Vorderachshöhe bis 1.75 und Gesamthöhe bis 2 Meter): 6.50 Euro
  • Vans/Wohnmobile &Co (Voderachshöhe ab 1.75 oder einer Gesamthöhe bis 3 Meter): 20 Euro

Achtung Nicht-Motorrad-Fahrer:
Ist Euer Vehikel höher als drei Meter? Dann zählt es als Bus und Ihr werdet staunen:
In dem Fall berappt Ihr bereits für die erste halbe Stunde 40 Euro und wer länger bleibt, latzt 80!

Alles Infos rund ums Parken findet Ihr hier:
>> muntanyamontserrat.gencat.cat

Nachdem wir die Schranke hinter uns gelassen haben, nehmen wir die BP-1121 nach Monistrol de Montserrat und wechseln kurz auf die C-55, um sie an der Ausfahrt zur B-112 auch schon wieder zu verlassen. Jene ist wirklich nett, führt sie doch hübsch kurvenreich hoch nach Collbató.

Die Hotelanfahrt gestaltet sich etwas tricky, aber egal, das Navi kennt den Weg.
Das wiederum weiß der einheimische Autofahrer nicht, der plötzlich wild winkend vor uns hält, um uns zum Anhalten zu bewegen und es sich nicht nehmen lässt, uns bis zum Hotel zu lotsen. Häää? Woher wusste er, wohin wir wollten?

Etappenhotel 2: Hotel Montserrat Training Center, Collbató

Da am nächsten Tag eine größere Veranstaltung im Hotel stattfindet, können wir weder seitlich noch vor dem Gebäude, geschweige denn im Innenhof parken und müssen stattdessen den ätzenden, oberen Parkplatz erklimmen.


Montserrat Training Center

Während die geräumige Eingangshalle einen guten Eindruck macht, lassen uns der fleckige Teppich und der schmale, düstere Zimmerflur in den oberen Geschossen an unserer Hotel-Wahl zweifeln.
Hinter der Eingangstür zu unserem „Superior-Doppelzimmer“ verbirgt sich jedoch ein großer Raum mit Balkon.
Letztgenannter liegt ruhig nach hinten heraus, mit Blick auf die Bäume und den dahinter liegenden Pool.


Balkonblick: Wer mag, kann seinem Zimmer-Nachbarn die Hand reichen.

Zu meckern gibt’s eigentlich nix, es sei denn, die Zimmergenossen sind sich wenig vertraut, denn dann könnte die halbseitig beklebte Bad-Glaswand für peinlichen Momente sorgen.


Wer zum Teufel kam auf die glorreiche Idee, sich diese gläsernen Badezimmer auszudenken?

Nix für Lauffaule!

Dass das Hotel fernab vom Schuss liegt, war uns klar. Dass es nur kleinere Snacks anbietet und die nächste – angeblich sehr gute – Möglichkeit zum Essenfassen zweieinhalb Kilometer entfernt ist, ebenfalls. (>> www.lacassolacollbato.com)
Kein Problem, sind wir doch gut zu Fuß?

Was wir nicht bedachten, sind die mitunter steilen Straßen Spaniens und wer runter läuft, muss zwangsläufig irgendwann auch wieder rauf. Das bei der Wärme?

Folglich fragen wir den gutgelaunten Portier nach einem Taxi, doch offenbar ist das hier im Nest keine Option.
Nichtsdestotrotz hat er für uns einen Plan B: Gibt es doch zwei empfehlenswerte Lieferdienste?

Da der gute Mann sich netterweis erbarmt, die Speisen telefonisch zu ordern, streichen wir den Spaziergang leichten Herzens aus unseren Abendgestaltungsplänen und machen es uns auf der vorderen Hotel-Terrasse gemütlich.

Geliefert wird frühestens ab 20.30 Uhr, aber bis der Lieferbote um die Ecke rollt, ist’s locker neun.
Bis dahin erdreisten uns, die angenervte Hotelbar-Lady mit unserer gierigen Großbestellung („Dos cervezas por favor“) beim Chillen zu stören.

Die Selbstabholer-Getränke werden ausschließlich in Plastikbechern serviert, aber immerhin sind die gelieferten Burger echt klasse und ein ruhiger Abend auf dem Balkon ist auch nicht zu verachten.


Hotel-Blick aufs Montserrat-Gebirge
(Nur für Leute mit langem Smartphone-Arm, denn ansonsten stehen diverse Häuser im Weg.)

 

Tour 3: Collbato – Coll de Nargó [Montag, 20.06.2022]

Der sterile Frühstücksraum hat was von Jugendherberge, aber obwohl wir die einzigen Gäste zu sein scheinen, ist das Frühstücks-Buffet reichlich gefüllt.

Über El Bruc umfahren wir das Montserrat-Gebirge aus westlicher Richtung und treffen erneut auf die wunderschöne, verkehrsarme BP-1102.
Hinter Manresa wechseln wir auf die lebhafte C-55 Richtung Cordona, um am Ortseingang über die BV-4235 zurück in die Einsamkeit zu dümpeln.

Eine Sightseeing-Fahrt durch Berga? – Bloß nicht!
So durchqueren wir kurz vor dem Ort ein kleines Industriegebiet und landen wundersamerweise auf dem Coll de la Mina (BV/LV 4241), der einsam und waldreich nach Sant Llorenc de Morunys führt.

Trotz geringer Einwohnerzahl überrascht das kleine Örtchen unterhalb des Porta-del-Comte-Massifs mit einer erstaunlichen Dichte an Bars und Restaurants.
Hilft aber nix, wenn man keinen geeigneten Parkplatz für die Moppeds erspäht?

Für Parkplatz-Sucherei fehlt uns gerade der Nerv und als der Himmel zu allem Überfluss Lachtränen lässt, wird’s uns irgendwie zu blöde.
– Kaffee ade und ab dafür!

Coll de Jou

Mehr als zwei-drei Tropfen haben die Wolken gerad nicht auf Lager und als wir den Coll de Jou überqueren, meldet das Thermometer trotz trüben Himmels immer noch 29 Grad.
Prima, denn so können wir uns aufs Fahren konzentrieren und werden nicht ständig durch diese Traumlandschafts-Bestaunerei aus dem Flow gerissen…

Krasse Felslandschaft am Col de Jou

Nach einer gefühlten Ewigkeit ohne jeglichen Begegnungsverkehr mündet die LV-4021 in die L401 und führt an Käffern wie Oden, Cambrils und Anlinya vorbei.
Als sie plötzlich auf die verkehrsreiche C-14 trifft, schrecken wir erstaunt hoch.
Aber nutzt ja nix, denn nur so erreichen wir unser heutiges Ziel.

Etappenhotel 3: Hotel Betriu, Coll de Nargó

Der Familienbetrieb liegt direkt an der verkehrsreichen Durchgangsstraße, gleich neben einer Tankstelle.

Unsere Motorräder können entweder vor dem Haus oder – auf Nachfrage – abends nach 20 Uhr in der Waschstraße parken.
(… aus der sie allerdings spätestens am frühen Morgen wieder befreit werden müssen.)

Zimmer mit Balkon gibt’s leider nicht, aber unsere Bleibe im ersten Stockwerk ist sehr großzügig und ratzfatz per Treppe (oder Aufzug) erreicht.


Draußen lässt sich’s wahlweise an den Tischen neben dem Haus oder auf der schmalen Terrasse am Hoteleingang hocken.

Seid Ihr angenervt von all den Fliegen? – Dann verkrümelt Euch einfach in die innen angesiedelte Bar mit ihrer großen, umlaufenden Theke.


Lustig im Pool herumplantschen geht natürlich auch.

Vorm Abendessen nochmal eben fix über Oliana nach Bassella? – Ah nö:
Das dort angesiedelte Motorradmuseum hat eh seit 17 Uhr geschlossen und guck doch mal die tiefschwarzen Wolken dort hinten in der Ferne?

Auf zu Plan B: ein wenig die Haxen vertreten.

Beim Dorfrundgang erwartet uns – bis auf einen Supermarkt – ein großes „Nichts“. Macht aber nix, denn wir haben eh vor, im Hotel zu speisen.
Gute Entscheidung: Kochen können sie hier definitiv!

 

Tour 4: Coll de Nargó – Sort [Dienstag, 21.06.2022]

Der Hausherr fragt nach unseren Frühstückswünschen und kredenzt uns eine deftige Variante mit leckerem Rührei, Saft und sehr gutem Kaff.

Leider zeigt sich der Himmel weiterhin trüb und die C-14 Richtung Norden ähnlich befahren wie gestern.
Erst als wir in Adrall auf die N-260 wechseln und über den Coll de Canto rollen, hat uns die Einsamkeit wieder.

Port de la Bonaigua

Noch ist es trocken, also lassen wir unser Nachtquartier in Sort links liegen und folgen der C-13.
Die mutiert hinter Llavorsi zur C-28 und windet sich schließlich hoch zum Port de la Bonaigua.

Links – rechts -links…
Juchhu, endlich mal eine Handvoll echter Kehren!


  

Der 2.072 Meter hohe Port de la Bonaigua verbindet die Comarca Pallars Sobirà mit dem Vall d’Aran.

Kaffee auf der Passhöhe? – Kannste knicken, denn sämtliche Lokale sind verrammelt.

Sich angesichts der rücksichtslosen, straßenüberquerenden Rindviecher zu beschweren bringt übrigens auch nix, denn jene sind eindeutig in der Überzahl. 😉


Kühe!

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Llavorsi

Der Blick gen Norden verheißt nix Gutes.
So canceln wir die geplante Weiterfahrt zum Col du Portillon und machen kurzerhand kehrt.

Eben noch ’nen Kaff-Stopp im sonnigen Llavorsi, bevor wir nach Sort zurückkehren, wo ein trüber Himmel auf uns wartet.


Hübsches Städtchen Llavorsi

Sort

Sort heißt übersetzt „Glück“.
DAS ist uns tatsächlich hold, denn trotz einsetzender Tröpfelei während unseres Stadtrundgangs, schaffen wir’s noch relativ trocken zum Hotel.


 
Wie krass muss der Wildfluss Noguera Pallaresa erst bei Sonnenschein ausschauen?

Kaum haben wir’s uns mit einem Bierchen auf dem (eigentlich) wettergeschützten Mauersims vor dem Haus gemütlich gemacht, schüttet es plötzlich wie aus Eimern und der Wind fegt ums Eck, als wenn’s kein Morgen gäbe.

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Binnen kürzester Zeit fällt das Thermometer um ganze zehn Grad und wir frohlocken angesichts der Tatsache, lange Hosen und Pullis im Gepäck zu wissen.

Etappenhotel 4: Hotel Les Brases, Sort

Das Hotel liegt im Norden des Ortes, direkt an der C-13, an dessen Fuße der bei Kajak-Paddlern gefragte Wildfluss Noguera Pallaresa rauscht.

  
Motorradfreundliches Hotel

Unsere Motorräder übernachten in einer Garage hinter dem Gebäude und wer möchte, kann von Ende Juni bis Mitte September das zweihundert Meter entfernte Schwimmbad nutzen.

Das Erdgeschoss teilen sich eine gut besuchte Bar und ein Restaurant und die zahlreichen Sitzgelegenheiten im Außenbereich zeugen davon, dass das Wetter hier nicht ausnahmslos schlecht sein kann.

Unser Zimmer in der zweiten Etage hat leider nur einen „spanischen Balkon“, ist aber per Aufzug erreichbar und bietet einen netten Blick auf den wilden Fluss.


Außergewöhnliche Zimmer-Einrichtung im Hotel Les Brases.

 
Hier gibt’s tatsächlich ein Bügeleisen(!) und im Bad
überraschen durchdachte Einweg-Artikel wie Rasierer, Zahnbürsten und Zahnpasta.

Tipp:
Über das Hotel lassen sich offenbar Endurotouren mit Mietmotorrädern buchen:
>> www.motostrailadventure.com

Essenfassen mal anders

Als das Restaurant gegen 20 Uhr zum Leben erwacht, wundern wir uns über das kuriose Prozedere:

  • Wähle von der großen Menü-Tafel Dein Wunschmenü und
  • zahle an der Kasse.
  • Lasse Dich an einen freien Tisch führen
  • und Dir binnen kürzester Zeit Gang für Gang servieren.


Menü-Auswahl im Hotel „Les Brases“

War’s gut? – Naja…

 

Tour 5: Sort – Ainsa [Mittwoch, 22.06.2022]

Entgegen der Wettervorhersage hat sich’s am Morgen darauf tatsächlich ausgeplätschert und es ist – angenehm – frisch.

Nach einem eher enttäuschenden Frühstück folgen wir der N-260 Richtung Süden, die sich neben dem Noguera Pallaresa durch die Berge schlängelt. Kurz vor der Schlucht Congast de Collegats verengt sich die Straße und mehrere Tunnel schützen die rot-schimmernde Bergkulisse vor den neugierigen Blicken der Vorbeifahrenden.

Tipp: Wer die Schlucht abseits der Tunnel betrachten möchte, parke sein Fahrzeug auf dem Parkplatz „Les Morreres“, nördlich des Tunnel de l’Argenteria und promeniere über den direkt nebenher führenden Weg.
[Google-Plus-Code: 822P+62 Pujol, Spanien]

Ab La Pobla de Segur geht’s sodann zunächst unspektakulär nordwärts und schließlich westwärts über den „Coll (Port) de Creu de Perves“ nach El Pont de Suert.

Abwechslungsreiche Landschaft auf der N-260, der „Eje Pirenaico“.

Hinter Les Bordes heißt es:

Adios Katalonien – hola Aragonien!

Über den Coll de Espina und den Coll de Fadas erreichen wir Castejon de Sos und rasten auf der Terrasse einer Bar.

Neue Region, eigene Gesetze:
Während wir gestern in Katalonien noch tiefenentspannt im Freien qualmen durften, ist es hier zwar irgendwie erlaubt, irgendwie aber auch nicht. So erklärt uns der Wirt, dass wir zwar auf der Terrasse rauchen dürfen, er auf den Tischen aber keine Aschenbecher aufstellen darf. Ergo mögen wir doch bitte einfach den Großen am Bar-Eingang nutzen.

Beinahe hätten wir die Pause sausen lassen, da uns in diesem Moment nur noch fünfzig Kilometer von unserem Tagesziel trennt.
Im Nachhinein jubeln wir, denn zum einen sind die „Patatas Bravas“ echt der Hit und überhaupt…

Überraschung: unverhofft kommt oft!

Westlich von Castejon de Sos folgen wir zunächst der N-260, die über Campo nach Las Colladas und den Coll de Foradada nach Ainsa führt.

Eigentlich, denn kaum haben wir die grandiose Schlucht Congosto de Ventamillo mit seinen hundert Meter hohen Steilhängen durchfahren, stehen wir plötzlich vor einer Straßensperrung.
Ok-ok, vorab wiesen diverse Schilder darauf hin, aber wer kann schon ahnen, dass sie es wirklich Ernst meinen? 😉

Netterweise hat man einen Arbeiter abgestellt, der den „völlig überraschten“, motorisierten Passanten hilft, eine geeignete Route zu finden, die Sperrung zu umfahren.

Doof jetzt, aber uns bleibt wohl nix anders, als (fast) den kompletten Weg zurückzufahren und einen großen Haken über Bonansa, Roda-de-Isabena (A-1605) und Graus zu schlagen.

Im Nachhinein freuen wir uns ’nen Pin, denn ohne die Umleitung hätten wir weder die imposante Congosto de Obarra passiert, noch gesehen, wo der >> Bungalowpark Isabena (www.isabena.eu) angesiedelt ist.

Hinter Roda de Isabena ist der Landschaftszauber allerdings schnell am End und die folgenden dreißig Kilometer bis Graus ziehen sich unendlich…

Congosto de Olvena

Sowohl die A-2011 über La Puebla de Castro als auch die N-123 über Olvena münden in die A-138 nach El Grado.
Wir sind kaum böse, den etwas längeren Weg über die Nationalstraße gewählt zu haben, denn so durchqueren wir die gigantische Schlucht „Congosto de Olvena„.

Als wir rechts hinter dem Tunnel „Olvena Nr. 2“ einen Haltepunkt erspähen, werfen wir sofort den Anker.
Dass es sich um keinen gewöhnlichen Aussichtspunkt handelt, sondern um eine reguläre Straße, die hoch ins Örtchen Olvena führt, raffen wir erst später.

Tipp: Wer dem schmalen Weg folgt, kann sich an gigantischen Felsen ergötzen!

 

 
Puente dell Diablo y Puente de la Sierra:
Augen-Orgasmus de Luxe in der Schlucht, in der tief unten der Rio Esera plätschert.

Wunderwelt Wasser: Stauseen en masse


Der Anblick des türkisfarbenen Embalse El Grado entlockt uns einen tiefglücklichen Seufzer.

Auch auf der weiteren Route erhaschen wir immer mal wieder einen Blick auf den sich nördlich anschließenden Embalse de Mediano und sind entzückt!

Angeberwissen:
Der Mediano-Stausee gehört zu einem der Größten Nordspaniens. Einst musste das kleine Örtchen Mediano dem türkis leuchtenden Gewässer weichen.
Spätestens wenn der Pegelstand im August und September auf Niedrigwerte sinkt, luken die einstige Dorfkirche und einige Ruinen aus dem Gewässer hervor!

Tipp:
Lust auf eine geführte Kanu-Tour durch den Stausee El Grado oder Mediano?
Das EKM Adventure Sports Center macht’s möglich!
>> deportesaventuraekm.com/actividades/canoas

Etappenhotel 5: Hotel Sanchez, Ainsa

Fährt man Ainsa aus südlicher Richtung an, liegt die Einfahrt zum Hotelparkplatz unmittelbar links hinter der Brücke, die sich über den Fluss Ara spannt.
Der Weg führt runter zum per Rolltor verschlossenen Hotelparkplatz und wer mag, kann gegen Aufpreis einen Stellplatz in der Tiefgarage buchen.


Brücken-Blick auf den Fluss Ara

Als wir unser Doppelzimmer mit Terrasse betreten, sind wir sofort schockverliebt und bedauern zutiefst, nur EINE Übernachtung gebucht zu haben.
Und das nicht nur, weil dort ein Wasserkocher und Nescafé auf uns wartet…

 

Wer die Terrassen-Holztür öffnet, landet auf einer riesigen Gemeinschaftsterrasse mit Flussblick.

Noch ein kurzer Spaziergang durch den historischen Ortskern auf dem Hügel, bevor wir uns schließlich auf der Hotel-Terrasse niederlassen.

Essen im Restaurant oder in der Bar? – Diesmal keine Frage und sind sehr zufrieden, uns für Letztgenannte entschieden zu haben: Das Essen ist wirklich top!

Merkwürdige Sitten in Aragonien

Insgesamt verleben wir einen entspannten Abend, müssen uns aber doch wundern:

  • Ein blutjunges Kellner-Frollein mimt Arroganz in Perfektion und hat sich’s offenbar zur Aufgabe gemacht, Gäste jenseits ihrer Altersgrenze geflissentlich zu übersehen.
    Hey, Lady: Die Performance ist durchaus ausbaufähig, denn die „hohe Kunst des Ignorierens“ ist erst dann perfekt, wenn Deine Kundschaft sie nicht offenkundig bemerkt? 😉

  • Überraschung auch in Sachen Nichtraucherschutz:
    Die harmlos gedachte Frage nach einem Aschenbecher lässt den Kellner fast in Schnappatmung verfallen, denn offenbar ist Rauchen auf der Terrasse hier schwer verpöhnt.
    Wer dennoch an einem Sargnagel nuckeln möchte, darf seinem Laster aber gern auf dem Bürgersteig nachgehen…
    Ok, nehmen wir so hin, aber spätestens in dem Moment, als andere Gäste lustig Kringel in die Luft qualmen, ohne den kleinsten Rüffel zu kassieren, staunen wir nur noch Bauklötze. Und die Moral von der Geschicht? – Frag bloß nach einem Ascher nicht!

Ps: Nee, wir sind ja gar nicht so und klar nehmen wir Rücksicht auf Nichtraucher, denn schließlich können die nix für unser Laster.
Verstehen müssen wir die Vorschrift aber nicht: Rauchen AUF der Terrasse ist nicht erlaubt, sich DIREKT DANEBEN zu stellen aber sehr wohl, so lange die Füße halt auf dem Bürgersteig stehen. – Was soll’n das? *Kopfschüttel*

 

Tour 6: Ainsa – Lourdes [Donnerstag, 23.06.2022]

Nach einer geruhsamen Nacht und einem guten Frühstück befreien wir unsere Moppeds aus der Garage und haben Glück im Unglück, denn während es in Ainsa trocken ist, ist’s rund herum fleißig am meimeln. Leider je westlicher, desto nass! *MIST*

So streichen wir sowohl Torla und den Ordesa-Nationalpark aus unserem Tourplan, als auch den Puerto de Cotefablo mit anschließender länderübergreifender Passage über Biescas und den Coll du Pourtalet nach Laruns. *SCHNIEF*

Stattdessen folgen wir der A-138 über Labuerada und Escalona nach Lafortunada, immer hübsch am Rio Cinca entlang, der die Straße bis Bielsa begleitet.

 

Congosto de Las Devotas

Hinter Labuerda erwartet uns erneut eine phänomenale Schlucht mit echtem BOAH-Effekt.

Congosto De Las Devotas

Doch was ist das? – Kommen uns doch hinter der nächsten Biegung tatsächlich Moppedfahrer in Regenzeugs entgegen…?


Nasse Straßen sind nicht nett!

Zirka zwölf Kilometer hinter Bielsa führt der etwas über drei Kilometer lange Aragnouet-Bielsa-Tunnel rüber nach Frankreich.


Na? Was erwartet uns wohl hinter dem Tunnel?

Fix in die Regenpelle schlüpfen oder Augen zu und durch?

Tatsächlich ist’s auf der französischen Seite ebenfalls nass, aber die Sonne gibt schon wieder ihr Bestes und folglich dampft der Asphalt lustig vor sich hin.

Alles in allem bleibt uns auch auf dem weiteren Weg nach Arreau jeglicher Guss von oben erspart.

Rüber auf die D918 über den Col d’Aubisque und den Col de Tourmalet?
Heute keine Option, denn auch dort tummeln sich böse dunkle Wolken.

So tröddeln wir lieber öde, aber dafür trocken um den Höhenzug herum.

Lourdes

Nachdem ein vierzehnjähriges Mädchen 1858 Marienerscheinungen hatte, mutierte das Städtchen zum gefragten Pilgerort.
Dass dies auch heute noch so ist, bestätigt sich spätestens, als wir das Ortseingangsschild passieren:
Verkehrstechnisch herrscht in der wimmeligen Kleinstadt Chaos pur und so sind wir überglücklich, eine Unterkunft am Stadtrand gebucht zu haben.

Etappenhotel 6: Hotel Residence Zenitude l’Acacia, Lourdes

Unser Navi hat offenbar den Schalk im Nacken:
Folglich fahren wir die Hütte einfach mal falsch herum an und landen prompt auf einem großen Parkplatz mit schräg angelegten Parkbuchten.
Hier ein Motorrad parken? – Außer ganz unten absolut unmöglich!

Hätten wir vorab die Rezeption aufgesucht, hätten wir erfahren, dass es auf der anderen Seite des Gebäude-Komplexes einen weiteren schrankenverschlossenen, dafür aber ebenerdigen Parkplatz gibt.

Da wir auch bei dieser Unterkunft bereits bei der Buchung nach einem sicheren Stellplatz gefragt haben, drückt man uns ungefragt eine Fernbedienung in die Hand, die das Tor zur Tiefgarage öffnet. Praktischerweis stehen unsere Moppeds bereits direkt davor und von der Garage führt ein Aufzug zum Studio.

Von außen macht die Anlage mit Pool einen guten Eindruck, aber innen sieht’s leider anders aus:
Wer die Fahrt mit dem Aufzug verschmäht, lernt bereits im Hausflur das Gruseln:
Ähnlich wie schon in der Garage müffeln die unverputzten Wände durchdringend nach Rohbau.

Auch das angemietete Studio erweist sich als eher usselig:
Das Ausklapp-Bett ist durchgelegen, man duscht in einer vorhangfreien Duschbadewanne und hockt auf einem winzigen Balkon.
Naja, für eine Nacht geht ja fast alles, zumal die Anlage fußläufig zu sämtlichen Attraktionen liegt.


Die Anlage „Residence Zenitude l’Acacia“ in Lourdes.

Dank ausgehändigtem Ortsplan finden wir relativ schnell zur berühmten Basilika.
Dass es im Ort derart hügelig ist überrascht uns dann doch!

Rosenkranz-Basilika in Lourdes

Das Gelände rund um die Rosenkranz-Basilika ist sehr weitläufig und kostenlos zugänglich.


 

Auf dem Vorplatz der Rosenkranz-Basilika startet allabendlich um 21 Uhr eine Lichterprozession.

Grotte de Massabielle

Rechts hinter der prunkvollen Basilika findet sich die berühmte Grotte.
Unmittelbar davor hat man einige Bänke sowie einen Geistlichen und diverse Nonnen platziert, die offenbar den Rosenkranz (oder was auch immer?) rauf und runterbeten.

Während ein Teil der Besucher auf den Bänken hockt und andächtig dem Gebrabbel lauscht, schieben sich andere im Entenmarsch durch die dahinter liegende Felsennische. Stau ist förmlich vorprogrammiert, denn die Leute lassen es sich kaum nehmen, ihre Patschhände, Taschentücher, Kreuz-Ketten oder was auch immer intensiv an der Grotten-Felswand zu reiben. Wenn’s denn hilft?


Da isse, die Quelle in der Grotte von Lourdes


Wer mag, kann auf dem Gelände sein Gewissen gegen Geld erleichtern,
Kerzen in verschiedenen Größen erstehen oder Kleinere in der Kapelle entzünden.

Das heilige Wasser von Lourdes

Rechts vor der Basilika, noch ein ganzes Stück vor der Grotte, hat man eine ganze Batterie Wasserhähne installiert, aus denen man das „heilige, heilende Wasser“ abzapfen kann.
Kostenlos, aber: Haste denn einen Behälter dabei?

Tipp:
Besorgt Euch lieber vorab ein Fläschchen in einem der zahlreichen Touri-Läden im Ortskern oder alternativ im Kitschladen-Viertel links neben der Basilika, denn auf dem Gelände zahlt Ihr locker mal das Vierfache!


Wen’s interessiert:
Offenbar findet in Lourdes jährlich eine Motorrad-Wallfahrt statt.
>> pelerinage-motards.fr
>> www.facebook.com/pelerinagedesmotardsdelourdes

Lourdes-City

Im Ort wimmelt es nur so vor Hotels und Heiligen-Lädchen.
Natürlich darf auch eine zünftige „Fressmeile“ nicht fehlen, auf der jedes Restaurant aufdringlich um seine Gäste buhlt.
Natürlich eng an eng platziert, aber kein Problem: Bei soviel Beterei und Segen gibt’s schließlich kein Corona!

 
Der türkisfarbene Gave de Pau durchfließt das Örtchen.

Wahllos stürmen wir das nächstbeste Restaurant, das einen freien Außenplatz bieten kann und sind von der (einwandfreien) Qualität des Essens doch überrascht.

Leider beginnt’s zu regnen und als es doller wird, treten wir freiwillig den Heimweg an.

Folglich lauschen wir dem Singsang der Lichterprozession nur noch aus der Ferne.
Ob wir was verpasst haben???

 

Tour 7: Lourdes – Carcassonne [Freitag, 24.06.2022]

Eigentlich hatten wir keine großen Erwartungen an das mitgebuchte Frühstück, aber das ist dann doch ganz ordentlich.

Heute erwartet uns ausnahmsweise eine etwas längere Etappe, drum große Freude, dass es trotz dunkler Wolken trocken ist.

Um Fahrzeit zu sparen und dem schwächelnden Wetter zu entkommen, klemmen wir uns von Tarbes bis Saint-Gaudens auf die Autobahn Richtung Toulouse.
Großer Fehler, eine Abfahrt eher zu nehmen, denn folglich krakeelt die Navi-Tante mir gnadenlos ihre „Bitte-wenden-Ansagen“ in den Gehörgang…

Unsere Frei-nach-Schnauze-Fahrt endet schließlich in Saint-Girons, wo wir ratlos einen Stopp einfügen.
Wo geht’s nur weiter?

Kurz Google-Maps befragt, einen Hauch Erleuchtung inhaliert und der D117 gefolgt, bis wir nach zirka zehn Kilometern tatsächlich einen Wegweiser entdecken.

Ab durch die Höhle: Le-Mas-d’Azil!

Der zeigt nach links und wir folgen der D119, bis wir nach sechzehn Kilometern das kaum übersehbare Südportal der Höhle von Mas d’Azil erspähen.


Südportal der Höhle von Mas d’Azil.

Rechts vor der Höhleneinfahrt gibt’s einen relativ großen Parkplatz und Sanitäranlagen.
Unmittelbar vor dem Höhleneingang findet Ihr das kleine Cafe-Restaurant „Maison de la Grotte Le Mas d’Azil“, wo Ihr diverse einfache Gerichte ordern könnt.
>> www.sites-touristiques-ariege.fr/patrimoine-culturel/grotte-du-mas-dazil

Selbstredend durchfahren wir die Höhle in beide Richtungen und lassen es uns nicht nehmen, sie obendrein auch zu Fuß zu erkunden.
Tipp: Im Höhlen-Inneren gibt’s ein Info-Zentrum, in dem man für 9 Euro Eintritt mehr über die ersten Menschen erfährt, die den Ort besiedelten.

  
Ein Fußmarsch durch die Grotte lohnt sich unbedingt!
Rechts des Fußwegs verläuft die Straße, links plätschert der Fluss Ara.

Mitten durch die Höhle

Klickt Euch doch mal bei Youtube rein?

Höhlen-Durchfahrt von Süd nach Nord…
>> youtu.be/4G69jdrMWhc

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… und von Nord nach Süd.
>> youtu.be/W7RibW2SFLo

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Im Anschluss geht’s auf ziemlich direktem Weg zu unserem letzten Etappenziel.

Carcassonne

Unsere Unterkunft liegt doch höher als gedacht und unser Navi hat nix Besseres zu tun, als uns möglichst skurril durch enge Straßen zu lotsen und uns mit maximal überforderten Dosen-Lenkern zu konfrontieren. *Augenroll*

Etappenhotel 7: B&B La Rapiere, Carcassonne

Unser Hotel liegt östlich der Cité, direkt unterhalb der Burg.
An das Gelände grenzt der große „Parkplatz Nr. 1“, von dem aus man in wenigen Minuten den Haupteingang „Porte Narbonnaise“ erreicht.

Im Objekt lassen sich diverse Unterkünfte mieten und wir feiern unsere Wahl, das „Doppelzimmer mit Terrasse“ gebucht zu haben.


Das große Zimmer ist geschmackvoll eingerichtet
und auf dem Bett hat man Handtücher kunstvoll zu einem Schwan drapiert.

Der Terrassen-Ausgang iss nix für Gehbehinderte.
Wer’s aber rauf geschafft hat, wird mit einem traumhaften Ausblick auf die Festung belohnt.

 
Aussichtsreiche Tanzpalast-Terrasse mit chilligen Möbeln.


Auch im Außenbereich Restaurant-Bar lässt sich’s nett hocken und die nachts beleuchtete Festung anhimmeln.

Motorradparkplätze

Auf dem Gelände gibt’s einen – etwas erhöht liegenden – Auto-Parkplatz, aber keine geschützten Stellplätze für Motorräder und wir parken unsere Schätzken hinter dem Gebäude. (Nicht wirklich diebstahlsicher, da das Gelände vom öffentlichen Parkplatz aus begehbar ist, jedoch macht der Ort nicht den Eindruck eines schwer kriminellen Pflasters.)

Auf zur Burg-Erkundung: die Cité de Carcasonne

Trotz fortgeschrittener Uhrzeit ist’s in der Altstadt rappelvoll. Absolut unmöglich, ein vernünftiges Foto ohne störende Passanten zu schießen, geschweige denn, zwei freie Plätzchen auf der Außenterrasse eines Restaurants zu ergattern.

Erst nach der x-ten Runde durch die Cité haben wir Erfolg und lassen uns in einem Lokal mit winziger Terrasse sehr ordentliche Burger servieren.

 
Burg Carcassonne bei Tag…

 
… und bei Nacht.

Tipp:
Steht man direkt vor der Festung, verliert das Konstrukt unweigerlich an Imposanz.
Besser, man betrachtet die grandiose Ritterburg zünftig aus der Ferne.
Angeblich gelingt dies hervorragend vom gut zwei Kilometer entfernen Hafen…

In Carcassonne lassens sich übrigens diverse Hausboote mieten, um damit fröhlich auf dem Canal du Midi herummzuchippern, Schleusenfahrten inklusive.
Wer weniger Zeit mitbringt, kann aber auch ein Ausflugsboot entern, um ein Weilchen auf dem Kanal zu relaxen.
>> www.tourisme-carcassonne.fr/decouvrir/le-canal-du-midi

Carcassonne-Infos:

 

Tour 8: Carcassonne – Argeles-sur-Mer [Samstag, 25.06.2022]

Das Frühstück ist nicht die Erfüllung, aber für französische Verhältnisse doch eher gut und die gutgelaunte Frühstücksdame reißt sich förmlich ein Bein aus, um die Gäste zufrieden zu stellen.

Viel Action erwarten wir heute nicht:
Schließlich trennen uns gerade mal 130 Kilometer von dem Küstenort, in dem wir die nächsten zwei Wochen unser Unwesen treiben werden.

Je näher die Küste, desto Wind!

Als wir die Corbières durchqueren, staunen wir nicht schlecht:
So viele Kurven und landschaftliches „WOW“ hatten wir in dieser Gegend gar nicht erwartet!

Spätestens in Küstennähe steigt der Stresspegel, denn der Verkehr wird dichter und obendrein bläst ein strammer Wind, der Hungerhaken sicherlich vom Bock pusten würde. Immerhin macht er die Hitze erträglich.

Mitten in der schönsten Nachmittagshitze stoßen wir am Zielort auf eine – zumindest in den Sommermonaten -gesperrte Straße.
Logisch, dass wir uns folglich völlig verfransen.
Ja grinst doch einfach mal blöde, Ihr Badeshorts-Touris!

Als wir die Immo-Agentur erreichen, machen wir echt drei Kreuze:
Eben kurz rein, die Schlüssel und den abgeparkten Rucksack einsammeln und rüber ins Ferienhäuschen direkt nebenan.

Fix in kurze Klamotten geschlüpft und per pedes zum Zwischenübernachtungs-Hotel, um unser Gespann nebst Gepäck einzusammeln. Dann zurück zum Haus, den Anhänger abhängen und per Dose zum großen Supermarkt am Ortsrand, um uns mit Lebensmitteln für die nächsten Tage einzudecken.

Abends fallen wir groggy in die Koje:
Willkommen im Urlaub, Teil 2!

 

** ToUrlaub Teil 2: STRANDURLAUB in SÜDFRANKREICH **

Ja, wir lieben das Meer, sind aber diesmal nicht ausschließlich zum Spaß hier;
Seit Beginn der Covid-Pandemie und der damit einhergehenden Salzluft-Abstinenz haben sich diverse Haut-Wehwechen eingeschlichen, die dringend mal bekämpft werden wollen.

Zwei Wochen Nur-Strand erscheint uns aber dennoch maßlos übertrieben, ergo haben wir noch einige Motorradtouren ins Katharerland geplant.

Letzten Endes werden daraus gerade mal zwei, denn:

  • es ist heiß, heiß,
  • in der Umgebung lodern diverse Feuer
  • und obendrein pustet der Wind an manchen Tagen so kräftig, dass es einen locker aus dem Sattel haut.

 
Argeles-Plage: Weitläufiger Strand mit Blick auf das Albères-Massiv

 

Tour 9: Galamus-Schlucht

Etwa siebzig Kilometer nordwestlich von Argeles liegt eine zwei Kilometer lange Schlucht, die Gorges de Galamus.
Jene führt von Cubières-sur-Cinoble im Norden nach Saint-Paul-de-Fenouillet im Süden.

Wir entscheiden uns für den südlichen Einstieg und das ist gut so:
Auf dem Parkplatz 2 du Belvedere, knapp fünf Kilometer hinter Saint-Paul-de-Fenouillet, gibt’s ein kleines Café und Toiletten.
Von hier aus könnt Ihr in zirka dreißig bis sechzig Minuten zur Ermitage Saint-Antoine de Galamus kraxeln.

Wer’s einfacher haben will, wandert zirka 350 Meter durch die einspurige Schlucht und steigt von die Treppen hinunter in den Tunnel.
Noch Lauf-Faulere parken auf dem kleinen Parkplatz „P3 de l’Ermitage“, direkt vor dem Nordeingang.

Ermitage Saint-Antoine de Galamus

Ein Eremit baute eine Kirche in den Hang und benannte sie nach „Antoine dem Großen“, einem christlichen, ägyptischen Einsiedler-Mönch.
Jener gilt als Vater der Mönche und wird als Schutzpatron der Bauern und ihren Viechern verehrt.

Heute zeigt sich die Schlucht noch verschlafen und einsam, aber just als wir sie verlassen, werkeln zwei Arbeiter fleißig an einer Ampel herum, die in der Hochsaison die Durchfahrt regelt.

Sicherlich eine sehr gute Idee, denn die Straße ist so eng, dass keine zwei Autos nebeneinander passen und Ausweichbuchten sind Mangelware.

Tipp:
Wer runter zum Flüsschen Agly möchte, kann es über den nördlichen Schluchteingang versuchen, denn dort führt ein schmaler, geröllbehafteter Weg hinunter.
Alternativ bucht doch einfach eine geführte Canyon-Tour bei Oxygene-Adventure?
www.oxygen-aventure.com

Wo nur geht’s zur Verdouble-Schlucht?

Laut „Internet“ wartet ganz in der Nähe eine weitere Attraktion: die Verdouble-Schlucht mit ihren terrassenförmigen Bademöglichkeiten. – Da müssen wir hin!
>> www.tourisme-corbieres-minervois.com/de/explorer-nos-incontournables/rivieres-lac-et-baignade/les-gorges-du-verdouble/

Über das winzige Cubieres-sur-Cinoble geht’s über die D14 durch Felder und Wiesen nach Soulatge, Duilhac-sous-Peyrepertuse und schließlich nach Cucugnan.
Laut Google erreicht man die Schlucht über den Col de la Croix Dessus, direkt gegenüber dem Chateau de Peyrepertuse, aber irgendwie verpassen wir wohl die Einfahrt.

Ergo versuchen wir’s von der anderen Seite (Cucugnan), stranden allerdings nach Durchfahren eines stetig schmaler werdenden Bauernpfads in einer Sackgasse.
Faxen dicke, zumal Google in unmittelbarer Nähe vor einer dank Waldbrans gesperrten Straße warnt.

Chateau de Queribus

Also wechseln wir in Cucugnan auf die D123 und schwenken auf dem Col de l’Auzine spontan hoch zur ehemaligen Katharerburg, dem Chateau de Queribus.

Die asphaltierte Straße endet abrupt auf einem schräg angelegten Parkplatz mitten im Nirgendwo. Immerhin wartet dort neben einem Toilettenhäuschen ein kleines Café mit inkludiertem Souveniershop.

Wer sich zur Burgruine auf den 728 Meter hohen Felsen hochquälen möchte, muss zirka fünfzehn Minuten einplanen, sollte aber bereit sein, sieben Euro fuffzig zu zahlen.

>> www.cucugnan.fr/en/accueil-english

 
Chateau de Queribus

Lassen wir das und folgen lieber der D19 nach Maury. Schließlich wartet dort schon das nächste Highlight.

Les Orgues d’Ille-sur-Têt

Auch die Besichtigung der wundersamen Felsformation müssen wir knicken, denn just auf dem Weg dorthin tobt ein weiterer Waldbrand.
Nicht so einfach hier mit den Ausflügen ins Hinterland!

Ok, dann Plan B!

So fahren wir halt nach Sainte-Marie-la-Mer, wo wir ursprünglich ein Ferienhäuschen mieten wollten.


Auch ganz nett hier in Saint-Marie-Plage.

Schließlich schwingen wir uns auf die unspektakuläre, dafür aber aussichtsreiche Küstenstraße über Canet-en-Roussillon und Canet-Plage zurück nach Argeles-Plage.

 

Tour 10: Küstentour

Südlich von Argeles führt die D914 an Collioure und Port Vendres vorbei nach Banyuls-sur-Mer und Cerbere.



Cerbere

Folgt man der Straße, erreicht man über den Col de Belitres die französisch-spanische Grenze und landet schließlich im spanischen Portbou.


Hola Espana!

Von dort geht’s über den Coll del Frare nach Colera und El Port.


Auf der Küstenstraße gibt’s mehrere Aussichts-Rastplätze.
Da sie jeweils auf der Meerseite liegen, lassen sie sich besser aus Fahrtrichtung Süd-Nord anfahren.

Gut ausgebaute Küstenstraße D914/N-260 mit vielen flüssig zu fahrenden Kurven und einer Top-Aussicht.

Port de la Selva

Vor El Port verlassen wir die N-260 und folgen der GI-612 zum schmucken Küstenörtchen El Port de la Selva, um dort auf die GI-613 zu wechseln.
Hinter dem Abzweig nach Cadaqués mutiert das Sträßchen zur GI-614 und von hier oben bietet sich ein unglaublicher Blick auf den Küstenort Rosas.

Leider ist die komplette Schlängelstraße mittlerweile auf 50 Stundenkilometer limitiert und – anders als bei unserem Urlaub 2016 – sehr stark befahren. Überholen so gut wie unmöglich und dank der entsprechenden Beschilderung auch meist nicht erlaubt.

Gutelaune-Straßen

Rosas

Da wir bei der Hitze keine Lust auf eine Stadtrundfahrt haben, peilen wir die Zitadelle am Ortsrand an.
Prompt finden wir zwei Plätzchen auf dem kleinen Motorradparkplatz unmittelbar an der Strandpromenade.
Gleich nebenan liegt ein Café mit schattiger Terrasse in der ersten Etage, so dass wir unsere Moppeds auch während der Pause im Blick haben.

Boah, iss dat nicht schön?

Weil’s so nett war, nehmen wir denselben Weg zurück, aber offenbar haben sich all die Schnarchnasen abgesprochen und warten nur darauf, vor uns einzuscheren und uns den Kurvenspaß zu verhageln.

Alternative zur Küstenstraße

Route 1:
Ursprünglich hatten wir eine alternative Route für den Rückweg geplant, die uns bei unserer Pyrenäen-Tour 2016 begeisterte:
Man fahre über Biure (GIV-5044) auf die GI-502 und dann über Darnius, Macanet de Cabrenys und Tapis zurück ins französische Coustouges. (Bis hierhin nicht nur landschaftlich der Hit!)

Über Saint-Laurent-de-Cerdans erreicht man schließlich die breite und eher öde D115 und kann über Arles-sur-Tech und Amelie-les-Bains-Palada zurück nach Argeles-sur-Mer cruisen.

Route 2:
Wer sich für den Rückweg über die Küstenstraße wählt, findet ab Banyuls eine Ausweich-Piste:
Von dort führt die D86 kurvenreich durch die Weinberge, um bei Collioure erneut auf die D914 zu treffen.

In den Weinbergen lohnt ein Abstecher zum Tour de Madeloc, von dem aus man einen fantastischen Rundblick genießt. Während man früher über den steilen Weg bis hoch zum Turm fahren konnte, ist die Einfahrt mittlerweile gesperrt, so dass sich die 1.7 Kilometer lange Strecke nur zu Fuß zurücklegen lässt.

 

Tour 11: Collioure

Das schmucke Städtchen Collioure ist zirka drei Kilometer (Luftlinie) von Le Racou entfernt und theoretisch könnte man einfach rüberwandern, muss aber entweder kraxeln oder viereinhalb Kilometer Fußweg in Kauf nehmen.

Wir ziehen für die Tour ein Ausflugsboot vor, das mehrmals täglich ab Port-Argeles dorthin tuckert.

Parkplätze in Collioure

Parkmöglichkeiten sind im geschichtsträchtigen Ort rar gesät und die Stellplätze am Hafenbecken „Quaie de l’Amirauté“ sind den Anwohnern vorbehalten. Unmittelbar davor gibt’s jedoch Motorradparkplätze, die – angeblich – kostenlos befahren werden können.

Hier findet Ihr Infos zu den Parkmöglichkeiten in Collioure: >> www.collioure.fr/fr/stationnement

Das Örtchen zählt zwar nur knapp 3.000 Einwohner, aber tagsüber erhöht sich die Zahl der Menschen locker auf mindestens das Doppelte. Dabei bevölkern die Besichtigungslustigen bevorzugt das Schloss am Meeresufer, in dem einst die Könige von Mallorca residierten, die Kirche Notre-Dame-des-Anges oder den Glockenturm mit seiner rosafarbenen Kuppel.

Kulturbanausen flüchten sich hingegen in eins der Terrassen-Cafés am Meer oder vergnügen sich an einem der Kieselstrände.

Bunte Hausfassaden, viele Blumen und nette kleine Lädchen in der engen Altstadt-Gassen.


Vintage-Karussell für Moppedfans!

 

Es geht heimwärts…


Abfahrbereit!

Der Heimweg führt uns durchs wunderschöne Lavendel-Land.

Tank-Chaos

An den Tanksäulen einer Autobahn-Tankstelle bilden sich plötzlich lange Schlangen.
Wir nett mittendrin, ohne Chance, auszuscheren und zu fliehen.
Geht diversen Mitschlängelnden offenbar mächtig auf den Senkel, was wir zumindest aus ihrer ollen Huperei folgern.

Als wir nach gefühlten Stunden an der Reihe sind, offenbart sich das Dilemma: Die blöden Automaten akzeptieren weder Bargeld noch ausländische EC- oder sonstige Kreditkarten.


Wer Tanksäulen liest, ist klar im Vorteil!

Also rein in die rappelvolle Tanke, EC-Karte einstecken, die Abbuchung von 100 Euro autorisieren, raus, tanken, hoffen, dass der Automat tatsächlich nur den getankten Betrag abbucht und schnell weg hier. Das Gezetere hält man ja im Kopp nicht aus und den armen Angestellten, die mittlerweile helfend um die Zapfsäulen herumhüpfen, zollen wir aufrichtiges Mitleid!

Auf ungefähr halber Wegstrecke liegt unser Zwischenübernachtungshotel:

Hôtel Restaurant Campanile Dijon Sud – Marsannay

Bereits 2019 hatten wir uns auf der Fahrt zu unserem klasse Provence-Urlaub dort eingebucht und waren sehr angetan. Ergo buchten wir es in diesem Jahr erneut für unseren Heimweg.
>> „Motorradurlaub in der Provence 2019“ – KLICK! (www.motorrado.de/motorradurlaub-in-der-provence-2019)

Obwohl wir erst weit nach 20 Uhr am Hotel aufschlagen, ist der Parkplatz nur mäßig belegt. So finden wir abermals ein Plätzchen, wo wir mit unserem Gespann niemanden behindern oder stören.
Glück gehabt, denn anders als damals ist die Butze heute restlos ausgebucht und der Platz nur deshalb frei, weil die restlichen Gäste erst weit nach 22 Uhr eintrudeln.

Erneut speisen wir in der Pizzeria ums Eck und verlassen sie zwar semibegeistert, aber satt.


Nach Rückkehr kredenzt man uns im Hotel gnädigerweise noch ein Dröppken Bier, bevor der Ausschank um 22 Uhr endet.


Terrasse des Zwischenübernachtungs-Hotels.

Alles wie immer… – gut?

Unser Zimmer liegt abermals im Erdgeschoss, diesmal jedoch auf der Vorderseite. Wie gewohnt, ist es zweckmäßig eingerichtet, bietet neben runterkurbelbaren Rollos einen Wasserkocher, löslichen Kaffee und Tee und ein bequemes Bett. Da hört’s dann aber auch schon auf.

Dass man noch immer zu geizig für Klobürsten ist, geschenkt, aber: Das Bad ist echt megamies „rund“ geputzt, so dass sich in den Ecken Schmodder tummelt, der kurz davor ist, Beine zu kriegen.

Die Krönung ist jedoch das aufpreispflichtige Frühstück:
Eigentlich ist alles vorhanden, was man sich wünscht, vom höchstselbst zu kochenenden Ei über Obst, Müsli, Baguette, Joghurt, Käse und Aufschnitt.
Wer aber kam auf die glorreiche Idee, die Kiwis in Scheiben zu schneiden und auch das letzte Vitaminchen in den wasserbefüllten Behältern zu ersäufen? Und wie dreist kann man sein, den Kunden vier unappetitliche Brocken Käse und Wurst mit Status „Ist-nur-sieben-Tage-drüber“ anzubieten?

Schade eigentlich! – Wir jedenfalls streichen die Location fortan aus unserer bevorzugten Zwischenübernachtungs-Liste, so sich das irgendwie vermeiden lässt.


Na? Ob da einer das Moppedfahren vermisst?

 

Tourlaub-Fazit:

Unsere Ferienhütte

… war ein echter Glücksgriff, denn er bot beste Voraussetzungen für eine unbeschwerte Zeit.


Ferienhaus-West-Terrasse auf der Vorderseite mit viel Platz für Auto und Anhänger.
Unsere Motorräder schlummerten in einer verschlossenen Garage, neben Gartenmöbeln und Waschmaschine.

Riesige Ost-Terrasse mit Strand- und Berg-Blick auf der Rückseite des Hauses.

Das Häuschen steht im eher ruhigen Ortsteil, am nördlichen „Plage des Pins“, genau da, wo der Strand langsam leerer wird.

Traum-Ferienort Argeles-Plage?

Argeles-Plage toppt mit seinem extrem breiten, sieben Kilometer langen Sandstrand. Eigentlich beste Voraussetzungen für relaxte Strandwanderungen:
Wäre da nicht die Tatsache, dass er auf den letzten Metern steil zum Meer hin abfällt und es an der Brandung nur so vor spitzen Kieselsteinchen wimmelt.
Wer hier entspannt strandwandern möchte, sollte vor dem Urlaub tunlichst Schwielen unter seinen Patschfüßen züchten oder Letztgenannte in Schuhe hüllen.

 


In der Vorsaison ist der weitläufige Strand noch relativ leer.

Während der Sommersaison wachen Rettungsschwimmer auf ihren Türmen über die Badelustigen und pfeifen bei gelber Flagge auch schonmal Leute zurück, die sich mit Luftmatratze oder Schwimmgetier in die Fluten stürzen möchten.

Für erste Standup-Paddle-Versuche oder Kajak-Touren war das Meer leider zu rau: Wind, Wind und nochmal Wind!.
An manchen Tagen peitschte er derart ums Eck, dass der grobkörnige Sand sichtbar durch die Gegend flog.

Wetterglück

Während unseres Aufenthalts an der Küste trugen die nahegelegenen Pyrenäen häufig Wolken in den Ort, so dass es zwar weiterhin warm, aber trüb war.
Ein-zwei-dreimal gab’s auch mal eine Zugabe in Form kurzer heftiger Schauer mit und ohne Blitzerei.

Alles in allem hatten wir aber unverschämtes Glück:
Wären wir – wie ursprünglich geplant – eine Woche eher gefahren, wären wir selbst in den Bergen bei annähernd vierzig Grad förmlich zerflossen.
Nur eine Woche später und wir hätten uns täglich ins Regenzeugs quälen müssen.

Viel Wind – viel Wetter!

Während unseres zweiwöchigen Küstenurlaubs hatten wir eigentlich mehrere Motorradtouren geplant.
Dass es sehr heiß werden könnte, hatten wir eingeplant, nicht aber den Wind.

Klar hatten wir schonmal vom „Tramontana“ und „Mistral“ gehört und spätestens dann hellhörig werden müssen, als wir von den zahlreichen „Surf-Hotspots“ zwischen Montpellier und Perpignan erfuhren.

Hätte, hätte, hätte… – haben wir aber nicht und auch erst NACH unserem Urlaub den unten stehenden Beitrag gelesen.
Wie heißt es dort so schön?
„Die Statistik der letzten 25 Jahre weist für die Region Languedoc-Roussillon im Schnitt 220 Tramontana-Tage pro Jahr mit mehr als 30 Knoten aus, die thermischen Südwinde im Sommer kommen noch hinzu.“

Hier geht’s zum Beitrag und weiteren Infos:
>> www.surf-magazin.de/reisen/international/frankreich/suedfrankreich-18-windsurfspots-von-perpignan-bis-montpellier/
>> www.frankreich-urlaub-am-meer.de/suedfrankreich/mistral-tramontana-scirocco/

Essen und Trinken

Von Restaurants in typischen Touri-Orten sollte man nicht zuviel erwarten.
Zum Glück sind wir keine Gourmets, wussten aber nach einigen Tagen trotz enormer Restaurant-Dichte kaum noch, wo wir einkehren sollten.
Überall nur Burger, Pizza oder Moules-Frites…

Glücklicherweise servierte man hier und da auch einfache Nudelgerichte oder Galettes Bretonne, eine deftige, sehr leckere Crepes-Variante.
Die Dinger bestehen aus Buchweizenmehl (Farine de Sarrasin), sind unterschiedlich gefüllt, werden an den Rändern zusammengeklappt serviert und sind echt lecker!


Panaché Le Monaco (Biermischgetränk mit Grenadinesirup):
Kann man mal probieren, braucht man aber nicht öfter.

Teures Pflaster Frankreich

  • Null-komma-vier Liter Bier vom Fass ließ man sich mit mindestens 7 Euro entlohnen.

  • Im Supermarkt kostete die große Dose Bier – je nach Sorte – zwischen einem und zwei Euro.
    (Knapp 1 Euro für das ungenießbare Labber-Pils von „Kronenbourg-“ und knapp 2 Euro für das spanische San Miguel.)

  • Eine Kugel Eis gab’s im Schnitt für 3.50 Euro, dafür aber eine Zweite fast geschenkt dazu (plus 50 Cent).
    Je nach Eisdiele waren die Portionen jedoch riesig und „avec chantilly“ durchaus geeignet, eine ganze Mahlzeit zu ersetzen.

  • Besonders teuer waren Tabakwaren: Für eine Schachtel à 20 Zigarretten wollte man stolze 10 Euro sehen.

  • Normales Weizen-Baguette war mit einem Euro verhältnismäßig günstig und auch ein „Baguette de Campagne“ mit 20 Cent Aufpreis erschwinglich.

  • Krass fanden wir die Obstpreise: Trotz Saison und der Tatsache, dass die ein oder andere Sorte eigentlich direkt nebenan angebaut wird, verlangte man zwischen 6 und 8 pro Kilo.


Genialer und verdammt leckerer Eisbecher zum Schnäppchenpreis (12 läppische Euro)
Aber wat mutt, dat mutt! 🙂

Einkaufen im Supermarkt

An der Strandstraße gibt es einen kleinen Intermarché und am Rand der Flaniermeile einen „Franprix“.
Trotz der Nähe zum Strand war Letztgenannter übrigens wesentlich günstiger.
Obendrein profitierten wir von einem Mini-Markt in Ferienhausnähe, der täglich frische Backwaren, frisches Obst und Gemüse anbot.

Für Großeinkäufe bietet sich definitiv der große Intermarché etwas außerhalb (Nähe Mc Doof) an.

Günstiger shoppen in Spanien

Wer mobil ist, fährt besser mal eben rüber nach La Jonquera (Spanien).
Im dortigen Shopping-Center „Els Limits“ lassen sich – vor allem Tabak und Alkohol – wesentlich günstiger shoppen.

Auf der Hinfahrt wählen wir ab Le Boulou die schöne Stecke über die D900, dem „Col du Perthus„.

Zweimal denselben Weg fahren? – Geht uns absolut gegen den Strich!

Da wir hörten, dass die spanische AP-7 mittlerweile kostenlos befahren werden kann und wir immer schonmal die grandiose Pyramide am alten Grenzübergang bestaunen wollten, wählen wir für den Rückweg die Autobahn.

Leider ist der Parkplatz hinter der alten Grenze aktuell gesperrt. – Ade Du Wahnsinns-Plan, endlich einmal die Stufen der Pyramide zu erklimmen!
*Nix… Nada… GRRR*


Zu spät ausgelöst: Den Rest der Pyramide müsst Ihr Euch denken…

Die erste Abfahrt in Frankreich ist unsere, aber was ist das? – Da stehen wir plötzlich vor einer „Péage“ (Mautstation) und fragen uns mit leichtem Anflug von Panik, wie’s nun weitergeht: Immerhin haben wir kein Ticket, das wir zur Abrechnung einschieben könnten?

Aber auch hier zeigt sich, dass „LESEN können“ große Vorteile bietet: Werft einfach 80 Cent ein und ZACK, öffnet sich die Schranke!

Spritkosten

Dank des sinnbefreiten Ukraine-Kriegs überstiegen die Spritpreise im Frühsommer locker-flockig die Schmerzgrenze von zwei Euro pro Liter. Zwar sollte er in Deutschland dank regierungsgesteuertem Tankrabatt ab dem 1. Juni um mindestens 29,55 Cent pro Liter sinken, jedoch interessierte das offenbar die Tankstellen nicht.

Als wir in den Urlaub starten, schlug die Ersparnis endlich zur tankenden Bevölkerung durch, wenngleich langsamer als erhofft.

Tanken wir halt in Luxemburg?
Dank Benzinkosten-App ereilt uns auf der Hinfahrt die erschreckende Erkenntnis, dass die Benzinpreise in Luxemburg zentral gesteuert werden und – man staune – mit 2,20 Euro weitaus höher sind als in Deutschland. Ergo sehen wir zu, noch kurz vor der Grenze zu tanken. Wer hätte das gedacht?

  • Auch in Frankreich gab es einen Benzinrabatt, aber trotzdem war die Tankerei teurer (durchschnittlich 2,20 Euro).
  • In Spanien waren die angeschlagenen Preise ähnlich, jedoch wurde der Rabatt nachträglich an der Kasse abgezogen.

In Urlaubsländern gibt es kein Corona, oder?

Alltägliche Situation:
Eng zusammenstehende Tische in den Restaurants, Menschentrauben in den Shopping-Meilen und abstandslos aneinander vorbeihuschende Menschen, die einem spätetens an der Kasse schwer auf die Pelle rücken. Masken? – Nö?
Muss man erstmal mit klar kommen!

Heiß, heißer, Waldbrand!

Unmittelbar vor unserem Urlaub erreichte uns die Nachricht über schlimm tobende Waldbrände in Katalonien.
Glücklicherweise kamen wir keinem der tosenden Brände so nah, dass wir unseren Tourplan hätten ändern müssen.

Aber auch in Südfrankreichs direkter Nachbarschaft war’s immer mal wieder am kokeln.
Vermutlich gibt’s immer noch Schwachmaten, die ihre Kippen oder Glasflaschen aus dem fahrenden Auto werfen!
Boah-wat-iss-die-Menschheit-doch-blöd *GRUSEL*


Sommer 2022 und (nicht nur) in Frankreich brennen die Wälder. 🙁

Die Sprache(n)

In Südfrankreich spricht man französisch, im nördlichen Spanien spanisch, katalonisch, aragonesisch oder was auch immer.
Unsere vorsorglich installierten Übersetzungs-Apps mussten wir dennoch nicht EINMAL bemühen.
Insgesamt kamen wir komplett mit wenigen Brocken Urlaubs-Spanisch, rudimentären Französisch- und recht soliden Englisch-Kenntnissen klar.
DAS war vor einigen Jahren noch anders, als sich in Südfrankreich kaum wer erbarmte, Englisch zu sprechen.

Keine Kehren in den Pyrenäen?

In den Pyrenäen ändert sich das Landschaftsbild hinter jeden zweiten Kurve, ähnlich krass wie auf Sardinien, nur wesentlich doller!
Während unserer Tour-Woche bot sich uns eigentlich alles: von „Naja-ganz-nett-das-Hügelchen“ bis hin zu „Boah-was-ein-endgeiles-Gestein“!

Den vielgepriesenen 1a-Asphalt auf der N-260 können wir nicht bestätigen.
Bis auf wenige Passagen war er zwar nicht unbedingt rappelig oder durch rutschige Bitumen-Schmierereien versaut, aber hier und da doch etwas löchrig und geflickt.

Was uns definitiv fehlte, war das nicht enden wollende Kehrengewusel, wie man es aus den Dolomiten so kennt, aber vermutlich liegt es daran, dass wir einfach nicht die richtigen Pässe befahren haben?

Was sonst noch auffiel…

Immer diese Radfahrer!

Zum Glück trafen wir auf Tour auf verhältnismäßig wenige dreiste und/oder ausbremsende Kampfradler.
Tipp: Falls Ihr in die Gegend reist, beachtet unbedingt die Tour-de-France-Termine!

Sind Franzosen gar auf den Hund gekommen?

Von unserem Ferienhaus hatten wir einen uneingeschränkten Blick auf die Strandpromenade.
Wenngleich Hunde am Strand verboten waren, flanierten abends auffallend viele Wuffi-Besitzer gassigehend über die Promenade.
Für das blödeste Gesicht sorgte sicherlich die steinalte Madame, die ihr schleifchenbestücktes Bonsai-Exemplar in einem genau so antik anmutenden Kinderwagen vor sich her schob… 😉

Bettdecken-Desaster!

Wer kam eigentlich auf die blöde Idee, diese überdimensionalen Doppelbett-Bettdecken zu erfinden?
Und hat es schon mal irgendwer geschafft, sich diese friedlich zu teilen?

Habt Ihr Kiddies im Gepäck?

Meidet diesen Ort!


Eine von vielen Kiddie-Vergnügungs-Stätten in Argeles-Page.

Darüber hinaus warten am Strand alle paar Meter kostenpflichtige Hüpfburgen oder Wasserspielplätze auf zahlungswillige Eltern.

Macht ein kombinierter Motorradtour-Strandurlaub happy?

Der Plan war gut, die Chancen auch.
Trotz alledem haben wir die wahre Erfüllung noch nicht gefunden!

Möglicherweise liegt’s an der nervigen An- und Rückfahrt per Gespann?
Abgesehen von der Lösung „Flug plus Motorradtransport“ aber für weite Strecken alternativlos.
Muss man wohl mit leben, wenn man sich für eine Anti-Reisemaschine entscheidet, bei der die Sitzfell-Schmerzgrenze nach spätestens 350 Kilometer am Stück unverhandelbar erreicht ist!

Folglich geht die Suche nach dem perfekten Motorradurlaub definitiv weiter! 😉

 

Lieblings-Tourkarten

Ja, wir sind oldschool und planen unsere Touren nach wie vor unter anderem mit echten Papierkarten.
Folgende können wir guten Gewissens empfehlen:

„Michelin Zoom: Atlantische Pyrenäen, San Sebastian, Biarritz“ (Maßstab: 1:150.000)

Sehr detailliert und auch für „altersweitsichtige Zeitgenossen“ ohne Lesebrille gut lesbar!

„Michelin Zoom: Hochpyrenäen“ (Maßstab: 1:150.000)

Wie oben: unbedingt empfehlenswert, da sehr übersichtlich und ausreichend groß!

„Michelin Zoom: Pyrenees Orientales, Andorra“ (Maßstab: 1:150.000)

Eine weitere Lieblingskarte…

„Michelin Local Nr. 344: Aude/Pyrenées-Orientales
(Maßstab: 1:150.000)

Gewohnt detaillierte Karte.

„Michelin Regional-Karte Nr. 74: Katalonien, Aragon, Andorra
(Maßstab: 1:400.000)

Wie der Maßstab schon andeutet, ist die Karte etwas grob. Dennoch bietet sie einen guten Überblick.

Unseren Tankrucksack zierte allerdings unsere Lieblingskarte, die wir zum Glück noch ein gedrucktes Exemplar besitzen: die „ADAC-Motorrad- und Oldtimertouren-Karte PyrenäenLeider ist sie nicht mehr erhältlich und wird auch nicht mehr zum Download angeboten. Wenn Ihr aber danach googelt, findet Ihr aber den ein oder anderen Treffer.

 

4 thoughts on “Motorradurlaub Pyrenäen 2022

  1. Alles mal notiert. Irgendwann fahr ich auch mal in die Gegend, gibt ja offensichtlich reichlich zu entdecken. Hin und wieder hab ich ja schon mögliche Touren inkl Anfahrt grob geplant, das wird schon noch irgendwann umgesetzt.
    Die Höhlendurchfahrt erinnert mich ein wenig an die Tunnel mit Kreisverkehren in Norwegen.

    1. Ja, lohnt sich auf jeden Fall! Eine Woche ist allerdings viel zu kurz, wenn man mehr als nur Kurven sehen möchte. 😉
      Kreisverkehre in Tunnel? Klingt auch spannend…

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