Motorradurlaub in der Provence 2019

Statt in den Seealpen zu touren, führt uns unser Motorradurlaub in die Provence. Nur ein fauler Kompromiss, oder?

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>> Nützliches für die Frankreich-Tour (Kartenmaterial & Co) //

Der Termin für unseren Herbst-Motorradurlaub ist schon seit Ewigkeiten festgedengelt, aber das Ziel bleibt lange Zeit ungewiss.

Natürlich gebe ich auch diesmal alles, um Norby die Pyrenäen schmackhaft zu machen, doch der Begeisterungsfunke will einfach nicht überspringen. *kopfschüttel*
Immerhin können wir uns auf Süd-Frankreich einigen…

Herausforderungen

Mit Aussicht auf zwei freie Wochen wäre es vermutlich schlau, die Unterkünfte spontan unterwegs zu buchen, um ein möglichst großes Terrain durchkurven zu können?

Nette Theorie:
Ferienhäuser kriegste selten unter drei bis vier Übernachtungen angemietet und Camping kommt für uns nicht in Frage. Hotelübernachtungen beschränken wir in Frankreich gern auf An- oder Abreise-Etappen, denn weder entzückt uns das französische Frühstück noch die abendlichen Essens-Orgien.

Der Plan:
Für lange Etappen mit der Streety taugt mein Sitzfleisch nicht und Autobahnfahren mit dem Mopped ist doof.
Aber mit Auto und Anhänger runter bis Dijon/Lyon, den Prüddel dort abstellen und weiter mit den Moppeds könnte klappen?

Vielleicht buchen wir in Woche 1 einfach eine Butze in Castellane und in der Zweiten eine in der Provence?

Hmmm…
Leider stößt der Plan nicht auf die erhoffte Gegenliebe, also alles über den Haufen geworfen und eine feste Unterkunft für zwei Wochen gesucht.

Eine Herausforderung für sich: Finde doch mal eine Hütte, die all unsere Mindest-Must-have-Kriterien erfüllt?

Unsere bescheidenen Anforderungen an eine Ferienunterkunft

  • Sicherer Parkplatz für unsere Motorräder UND den Motorradanhänger
  • Fußläufige Erreichbarkeit eines Ortes, in dem man mindestens Brötchen und die nötigsten Lebensmittel kaufen kann.
  • Ob Wohnung oder Haus ist uns ziemlich schnuppe, aber ohne Balkon/Terrasse geht es nicht.
    (Angesichts der fortgeschrittenen Jahreszeit wäre ein Hauch von „überdacht“ auch nicht übel…)

#Nö-wir-sind-nicht-wählerisch

Ein Ding der Unmöglichkeit?

Scheint so, denn damit scheidet jegliches Gehöft mitten in der Pampa aus und das Angebot verringert sich schlagartig.
In der Folgezeit surfe ich mir die Finger wund, aber viele Objekte sind längst ausgebucht.

Letztendlich schafft’s gerade mal eine Handvoll Hütten in die engere Auswahl, aber irgendwas ist immer:
So liegt unser Lieblingsobjekt, ein freakiges Steinhaus mit Holzbar und Garten-Whirlpool kurz vor dem Mittelmeer und damit fernab der Kurvenpisten. Und bei der urigen Ferienwohnung mit Mini-Pool will nicht garantiert werden, dass Moppeds und Anhänger dauerhaft auf dem Grundstück parken können.

Auf den allerletzten Drücker entdecken wir schließlich eine Ferienwohnung in Sault, bei der offenbar alles passt.

 

Tourstart [Freitag/Samstag, 06./07.09.2019]

Eben noch ein Zwischenübernachtungshotel gebucht und los!

Freitag

Anfahrten mit Dose und Anhänger sind ja sowas von öde… *gääähn*
Aber spätestens in Luxemburg sind wir hellwach:

Jetzt bloß den letzten Rastplatz vor der französischen Grenze (dem „Aire de Berchem“) nicht verpassen, denn der Wagen möchte nochmal günstig aufgetankt werden.
Bei der Gelegenheit spendiere ich auch der Huckepack fahrenden Streety ein-zwei Dröppken Sprit, die’s daheim nicht mehr zur Tanke geschafft hat.


Anhängerfahren in Frankreich: eine Höchststrafe für Motorräder!

Zwischenübernachtung:
Seit unserem ersten Frankreich-Urlaub sind wir heimliche Campanile-Hotel-Fans, denn im Gegensatz zu anderen Günstig-Schlafpalästen weiß man, was einen dort erwartet:
echte Badezimmer statt Plastik-Dusch-Klos und ein relativ gutes Frühstück, fernab von abgepackten Croissants, furztrockenem Zwieback und Labber-Rührei aus der Tüte.

Hôtel Restaurant Campanile Dijon Sud – Marsannay

Wie üblich, liegt auch dieses Campanile-Hotel in einem Industriegebiet, in direkter Nachbarschaft zu anderen Günstig-Hotelketten (B&B, Première Classe, Stars und In). Ausnahmsweise verfügt das Exemplar in Marsannay über ein eingezäuntes Gelände, das nachts per Eisentor verschlossen wird.

Gleich nebenan gibt’s einen großen Supermarkt und in der Umgebung tummeln sich diverse Fast-Food-Ketten (Mc Deh, Buffalo, KFC und wie sie alle heißen…)


Buchen lassen sich die Hotels >> direkt (www.campanile.com) oder über Buchungsseiten wie beispielsweise >> Booking.com

 

Da der Ami-Schuppen gegenüber ausgebucht ist und uns klamottendurchdringender Fritten-Geruch eh abtörnt, stürmen wir die Pizzeria „Ristorante del Arte“.
Die Pizza ist fernab von top, aber ganz ok.

Anschließend gönnen wir uns auf der Campanile-eigene Terrasse ein kühles „Ainököööön“. Als pilsbierverwöhnte Westfalen nicht gerade erste Wahl, aber eiskalt durchaus genießbar. Genießen sollte man’s auch: Immerhin reißt ein einziges Bierchen ein Loch von satten sieben Euro in die Urlaubskasse!


Zwei Gläser Gold

Nach Ladenschluss mutiert das kreisverkehrreiche Industriegebiet offenbar zu einem beliebten Treffpunkt der Tuning-Szene.
Oder wie sonst soll man die auf lustige Straßenrennen hinweisenden dauerquietschenden Reifen deuten?
Scheint hier niemanden zu stören. Uns übrigens auch nicht: Rollos runter, Tür zu – Ruhe!

Samstag

Am Morgen erfreuen wir uns an echtem Filterkaffee, Baguette, Wurst, Käse, Marmelade, Yogurt, Müsli und Dosenfrüchte.

Erwartungsgemäß knubbelt sich der Verkehr kurz vor Lyon, aber die Google-Navi-App weiß, die Großstadt großzügig und staufrei zu umfahren. *juchhu!*
Zweihundert Kilometer weiter verlassen wir bei Orange die Bahn.

Hey, wir müssen noch einkaufen?

Google meint, der Supermarkt in unserem Zielort, Sault, schließe um Punkt 18:45 Uhr seine Pforten. Hmmm… könnte knapp werden?
Künstlicher Stress? – Nein danke! So beschließen wir einen Shopping-Stopp am Ortsausgang von Carpentras („Super-U“).


Einer hütet die wertvolle Fracht – Die Andere hüpft „mal eben“ in den riesigen Laden…

Sind wir gleich da?

Nö!
Vor uns liegt knapp vierzig Kilometer Hügel-Land und die Strecke zieht sich gnadenlos.
Während Streety und Großkatze „scharf links und scharf rechts“ auch auf dem Anhänger gelassen wegstecken, pfeift uns‘ Zugfahrzeug aus dem letzten Loch…

Gefühlte Stunden später erreichen wir unseren Zielort. Immerhin noch rechtzeitig bevor es duster ist.

Unser Feriendomizil ist ’ne Wucht!

Das Mietobjekt liegt unmittelbar am Ortseingang von Sault und versteckt sich hinter einem elektrisch gesteuerten Eisentor.


Seeesam, öffne Dich! 🙂

Auf dem terrassenförmig angelegten Grundstück verteilen sich drei Ferienwohnungen und ein großer Pool.

 
Die oberste Terrassen-Ebene bietet ausreichend Platz für’s Auto, den Anhänger und die Motorräder.

 
Unser Appartment (unten) beglückt mit einer großen, windgeschützten Arkaden- und einer Freiluft-Terrasse mit stylischen Lounge-Möbeln.

Da es bereits leicht dämmert, schlören wir nur fix das Gepäck ins Haus und schwärmen hungrig aus, aber die Futter-Suche ist nicht ohne:
Gleich die ersten drei Restaurants sind „complet“.
Alternative Pizza? Geh mir wech, hatten wir erst gestern!

So landen wir in der Creperie bei „Madame Mürrisch“ (Creperie „La Moisson“).
Norby ist eher semi-begeistert, meinereiner findet den herzhaften Pfannekuchen aber sehr lecker und staunt, wie satt so ein dünnes Tüchs machen kann.

 

Ockerfelsen-Einwedel-Tour [Sonntag, 08.09.2019]

Erster Akt nach dem Frühstück: die Motorräder vom Anhänger abladen.
Zweiter: Hopp auf’n Bock und los!

Unterhalb von Sault geht’s über die Brücke auf die D943, einer Nebenstrecke, die nach Apt führt.
Nette Einwedelkurven, aber spätestens hinter Javon mutiert die Straße zur Rüttelpiste.

Schloss von Javon [Chateau de Javon]

Das Renaissance-Schloss mit seinem Rundturm befindet sich (leider) in Privatbesitz.

Anhalten? – Ach nö, lass mal, machen wir „später mal“, morgen ist ja auch noch ein Tag!
(Aber wie das nunmal so ist… *augenroll*)

 

// Roussillon

Bei der Anfahrt auf Roussillon bekommen wir unweigerlich Sternchen in den Augen: Das Dorf mit seinen in Ockerfarben getünchten Häusern thront auf einem Hügel, umgeben von schlanken, hochgewachsenen Zypressen.

Den vermutlich sehenswerten Ockerfelsen „Le Sentier des Ocres“ lassen wir achtlos links liegen, denn im Dorf steppt heute der Bär.

Kurz darauf erreichen wir die

// Ockerfelsen Rustrel „Le Colorado Provencale“

Die mächtigen Stein-Türme sind bereits von der Straße aus sichtbar. Schlauerweise hat man das Teilstück der D22 mit Halteverbotsschildern gespickt und lockt die geneigten Fels-Bewunderer auf einen gebührenpflichtigen Parkplatz.

Reizen tun uns diese Felsen schon, aber was willste machen, wenn das Motorradfahren bei den genialen sommerlichen Temperaturen gerade so richtig bockt?

Als wir eine Ölmühle erspähen, zwingen wir uns allerdings doch, den Anker zu werfen: Schließlich müssen wir die kommenden Tage vermutlich im Selbstversorger-Modus überleben und leckeres Olivenöl könnte hilfreich sein.

Moulin à Huile du Colorado de Rustrel

Im kleinen Laden kann man drei verschiedenen Olivenöl-Sorten verkosten: leicht scharf, leicht süß oder ein Mischmasch aus beiden.
Da wir keinen Nerv auf Probieren haben, entscheiden wir uns blind für das Mittelding-Tüchs. (Fazit: Schmeckt uns!)

>> Moulin à huile de Colorado de Rustrel (www.mouilin-provencal.fr)

Über Cereste geht’s weiter nach Reillane, wo uns die Gier nach Kaffee übermannt. Mangels Parkmöglichkeiten in Café-Nähe wird das aber nix. Stattdessen unternehmen wir eine Irrfahrt durchs Dorf, die uns zwangsweise von der geplanten Route entfernt. Umdrehen iss nich… Egal, geht’s halt „frei nach Schnauze“ weiter!

Nicht sooo schlecht, dieses Freestyle-Fahren: So landen wir – völlig unvermittelt – im mittelalterliche Städtchen Viens mit seiner imposanten Burg.

Dummerweise pustet der Wind zunehmend stark und spätestens als sich die Sonne hinter den Wolken duckt, wird’s ganz schön ruppig und kühl. Fünftausend Kurven später erreichen wir nach gefühlt endloser Fahrt durch einsamstes Gelände endlich wieder ein Städtchen, Banon.

Wenngleich unsere temporäre Heimat just um die Ecke liegt, hocken wir uns fröstelnd auf die Terrasse des „Café de France“ und klammern uns bibbernd an die kredenzten Bonsai-Tassen. Das kommt halt davon, wenn man im luftdurchlässigen Sommer-Fummel unterwegs ist, bei dem knapp unter 23 Grad definitiv die Eiszeit droht!


Motorradparkplätze in Banon

Über Saint-Trinit geht’s zurück nach Sault, wo wir eher zufällig direkt auf den großen Supermarkt mit zugehöriger SB-Tankstelle zufahren. Praktisch, dass Letztere trotz Ladenschluss geöffnet hat und unsere EC-Karten problemlos akzeptiert!

Abends schlurfen wir erneut wie Falschgeld durch den Ort und lassen uns – mangels genehmer Alternativen – in der Pizzeria-Snack-Bar „Le four provencal“ nieder.


Die Pizza wird auf riesigen, runden Holzbrettern serviert.
(Sieht besser aus, als sie schmeckt, geht aber wohl)


Na? Sind das wohl diese typischen Wolken,
die den berühmt-berüchtigten Mistral ankündigen?

Geplante Tour:
[Sault-ColoradodeRustrel]

 

Sisteron und Gorges-de-la-Meouge-Tour [Montag, 09.09.2019]

Bei allerschönstem Motorrad-Wetter verlassen wir Sault ostwärts über die D30 Richtung Saint-Cristol und Simian-la-Rotonde.
Angenehm einsam und ein-zwei Kehren gibt’s gratis dazu!

Über die D51 und D950 erreichen wir Forcalquier und landen schließlich auf der Hauptstraße nach Sisteron.

Unterwegs erhaschen wir einen Blick auf die „Büßer von Mees“.
Selbstredend haben wir gerade keine Zeit und wollen „die Tage eh nochmal gezielt dorthin…“ (*Hahaaa* Eigentlich sollten wir längst wissen, dass „nicht angefahren“ gleichzusetzen ist mit „Chance verpasst und vergeigt!“)

// Sisteron: das Tor zur Provence

Die knapp 7.400 Einwohner zählende Gemeinde in der Region „PACA“ (Provence-Alpes-Côte d’Azur) kommt weitaus quirliger daher, als erwartet.

Wie geplant, halten wir am „Hotel La Citadelle“ unmittelbar an der Zidadelle von Sisteron.

Zitadelle von Sisteron

Die Zitadelle Jene wurde im elften Jahrhundert vom Grafen von Forcalquier errichtet, um die Nordgrenze der „Grafschaft Provence“ zu sichern und schwebt auf stolzen fünfhundert Metern über dem Ort.

>> www.citadelledesisteron.fr

Der Parkplatz an der Zitadelle ist gebührenpflichtig (Parkscheinautomat).
Wer schlau ist, fährt ein Stückchen weiter: Dort gibt’s einen großen, offenbar kostenlosen Parkplatz.
Wir lassen das mal bleiben, denn das Bauchgefühl rebelliert beim Gedanken, uns allzu weit von unseren Moppeds zu entfernen. *Fragt-nicht-wieso*


Parkzettel-Queen „Little-Streety“ kommt ab Werk
mit DEM perfekten Parkschein-Halter daher.

Kurz ’nen Kaffee auf der Terrasse des Hotel-Restaurants inhaliert und den Ausblick genossen:
Auf der einen Seite die hoch oben auf dem Felsen thronenden Festung, auf der anderen der „Rocher de la Beaume„.
Wer genau hinschaut, entdeckt mindestens eine Handvoll Freaks, die lebensmüde in den Felsspalten herumkraxeln.


Links bewölkt – rechts strahlend blauer Himmel.
Ratet, in welche Richtung wir müssen?

Gorges de la Meouge

Da die D948 nach Ribiers gerade gesperrt ist, kämpfen wir uns über eine Umleitung zur D942, um zu den Schluchten der Meouge zu gelangen.


Gorges de la Meouge:
Sieht kälter aus, als es ist…
Unten plantschen diverse Menschenskinder lustig herum.

Entlang der Schlucht sehen wir uns mit dem allbekannten Dilemma konfrontiert:
Was nu? Kurven schrubben oder die bizarre Felswelt bestaunen?

// Col de Macuegne

Über die D542 geht’s über Lachau und Sederon auf den >>Col de Macuegne.
Auch hier verliert die tolle Aussicht gegen das unter uns liegende Kurvengewusel und wir lassen uns lieber ungehemmt durch das 1a-Mopped-Terrain gleiten.

Hinter Montbrun-les-Bains geht’s gleich weiter, denn auch die D942 über Aurel nach Sault erweist sich als Gute-Laune-Schlängelpiste!

Zurück daheim geht’s zum fortan täglich unerlässlichen Akt:
Eben fix die Moppeds an der Supermarkt-Tanke tränken und das Nötigste shoppen, bevor der Laden schließt.

Um unsere Abendmahlzeit kümmern wir uns heute mal höchstselbst: Kochlegastheniker-like gibt’s Nudeln mit Tomatensoße, dazu Tomaten-Mozzarella-Salat. Geil! 🙂

Geplante Tour:
[Sault-GorgesdelaMeouge]

 

Hausarrest! [Dienstag, 10.09.2019]

Wie angedroht, beschert uns der Tag endlos viel Regen, der sich tatsächlich in sämtlichen Himmelsrichtungen breit macht.


Mieses Wetter den ganzen Tag!

Gerade für den Süden wurde eine extreme Unwetter-Warnung orakelt, daher begraben wir den Plan, die Universitätsstadt Aix-en-Provence per Dose anzusteuern und machen stattdessen einen auf tiefenentspannt-gemütlich.


Zwangspause: Streety und Großkatze weinen dicke Kullertränen.

 

Aquädukt-Tour [Mittwoch, 11.09.2019]

Juchu, ausgeregnet!

Zunächst fahren wir über die D942/D1 nach Villes-sur-Auzon.
Von der Straßenführung her echt nett. Ob es sich bei den dunklen Flecken auf dem Belag um Wasser oder Öl handelt, mögen wir lieber nicht live antesten.

Weiter geht’s über Mormoiron und die D77 an Venasque vorbei.

// Naturpark Luberon

Kurz vor dem „Col de Murs“ schwenken wir rüber auf die D177 und kriegen glatt Sternchen in den Augen, als wir uns durch die imposanten, eng zusammenstehenden Felsen hindurchquetschen. Wenige Kilometer weiter finden wir uns im lieblichen Naturpark Luberon wieder.

 
„Col des trois Termes“ im „Naturpark Luberon“
auf unglaublichen (*hüstel*) 574 Metern!

Ausgebremst durch einer Horde konvoifahrender Holländer geht’s nach Fontaube. Spätestens als wir Gordes passieren, wimmelt’s nur so vor Touri-Bussen und überforderten Rentnern, die ihre ausladenden SUV’s durch die Kurven schieben.

Auch die folgende Strecke über Taillades und Cheval Blanc nach Mallemort und das kurze Stück auf der Route National kann man ruhigen Gewissens aus dem Tourplan streichen.

Entschädigung für die eintönige Gerade gibt’s erst hinter Lambesc: Die geniale „Route des Quatre Terms“ führt nach Coudoux: immer hübsch am „Canal de Marseille“ entlang mit genialem Fernblick auf den den „Etang de Berre“!

Kurz darauf erreichen wir den Wendepunkt unserer heutigen Tour, das

// Aquädukt von Roquefavour


Die Bogenbrücke
wurde 1847 nach dem Vorbild des „Pont du Gard“ fertiggestellt, ist aber doppelt so hoch.

Aquä-was?

Wie transportiert man Wasser am besten über weite Strecken?
Nun: Man baue einfach mehrgeschossige Bogenbrücken mit natürlichem Gefälle und bringe darauf Kanäle an. Dachten sich zumindest die alten Römer in der Antike und errichteten gleich mehrere dieser Bauwerke, um Quellwasser aus dem Gebirge in die Orte zu leiten.

Der Rückweg beschert uns Fahrspaß pur: Über die D543 von Rognes geht’s nett nach La Roque d’Antheron und von dort per D943 über Cadenet nach Lourmarin.
Mega-Strecke, heute nur leider ziemlich „zugeparkt“.

Die Stadt Apt lassen wir bewusst rechts liegen und nehmen die D4 Richtung Fontaube und La Combe au Lieux mit krasser Fernsicht auf imposante Klippen.

Schließlich schrauben wir uns über Javon zurück nach Sault.


Kurz vor Sault hat man einen tollen Ausblick auf den Mont Ventoux!


Standard am Abend: der geniale Sonnenuntergang!

Ob wir’s nochmal schaffen werden, nach der Tour in den Pool zu hüpfen?

Geplante Tour:
[Sault-RoquefavourAquaedukt2]

 

Mont Ventoux und Gorges-de-la-Nesque-Tour [Donnerstag, 12.09.2019]

Erneut verlassen wir Sault über die D942/D1, um zirka zehn Kilometer später auf die D217 nach Flassan einzubiegen.
Was eine verdammte Rüttelpiste!

Wie gut, dass sich der Straßenbelag spätetens auf der D213 nach Bedoin und Malaucene beruhigt.
Hey, ist heute Nationaler Drahtesel-Tag? Hinter jeder Biegung musst Du mit diesen verrückten Rennradlern rechnen. Im besten Fall sind sie in schillernde Gewänder gehüllt und im Pulk unterwegs. Hier und da entdecken wir aber auch (im letzten Moment) farblose Solokünstler, die offenbar eine geheime Todessehnsucht plagt.

Kurz vor dem Ortszentrum von Malaucene weist ein Schild rechts ab zum >> Mont Ventoux/Col des Tempetes (alpenrouten.de)

Nach einer spaßigen Auffahrt gibt’s kurz vor’m Gipfel ’nen Kaff im Gasthof „>> „Le Chalet Liotard“ (www.chaletliotard.fr).


Astreiner Ausblick!

Auch das letzte Teilstück zeigt sich verkehrsarm entspannt.

Spätestens hoch oben, auf dem Col des Tempetes herrscht allerdings Remmi-demmi sondergleichen: Unter anderem belagern unzählige Radfahrer das Plateau.
Großartig umschauen iss nicht: Nur einmal kurz denn hervorragenden Fernblick angetestet und schwupp, da sind sie wieder, die unkontrollierbar zitternden Pudding-Beine!
[#HilfeHöhenangst >> „Motorradfahren im Gebirge trotz Höhenangst?“ [KLICK!]
]

Nix wie runter hier!

 

 
Der Mont-Ventoux:
Nee, kein Schnee, sondern eine weitläufige Mondlandschaft mit eingebettetem Asphalt.

Auch die Abfahrt hätte mega werden können: Würden da nicht all diese Flachlandtiroler in ihren Dosen herumkaspern, die überholtechnisch an den chaotisch vor ihnen rumeiernden Radlern scheitern. *GRRR…*

Auffallend übrigens auch die zahlreichen Paparazzi, die offenbar ganz scharf drauf sind, die sich raufquälenden Velo-Masochisten abzulichten.


Endlich wieder unten und das Knieschlottern hat ein Ende! *HURRA!*

Statt der D974 nach Bedoin zu folgen, nehmen wir die D164 nach Sault, wo wir erneut eine gefühlte Ewigkeit hinter einem Autofahrer herjuckeln. Leider unberechenbar der Typ. Tatsächlich gelingt’s ihm, einen der zahlreichen Pedalritter zu überholen, nur um hinter dem Nächsten förmlich zu verhungern.

Hinter Sault geht’s erneut zur D942, um wenig später den Blinker nach Monieux zu setzen.

// Gorges de la Nesque

Die Fahrt durch die 17 Kilometer lange Schlucht ist einfach atemberaubend schön! *Spaß-anne-Backen-hab-und-megagrins*

Leider befinden sich sämtliche Parkplätze auf der falschen Seite…

 
Erste Haltestelle: am Ende der Schlucht.

Geplante Tour:
[Sault-VentouxGesdelaNesque]

 

Lac-de-Sainte-Croix-Tour [Freitag, 13.09.2019]

Freitag, der Dreizehnte! Juckt uns das? – Nö!

Zunächst geht’s auf die D950 und wir passieren erneut den Stausee vor Mane.


Stausee „Retenue de la Laye“ zwischen Mane und Forqualquier

Hinter Forcalquier nuschelt das Navi und leitet uns prompt in die Irre. *Ich-hasse-es-umzudrehen!*

Gut, wenn man ungefähr weiß, wo man hin möchte, um die Fährte ohne „bitte wenden Sie“ wieder aufnehmen zu können!
So landen wir trotz des kleinen Umwegs irgendwie in „La Brillane“, wo wir planmäßig die „Durance“ überqueren.

Dummerweise hat man’s versäumt, der „Route des Castellet“ eine Bar zu spendieren, daher begnügen wir uns mit einem kurzen Halt inmitten der Wallachei.


Hey, hier gibt’s ja tatsächlich Püschel-Bäume?
>> Beitrag „Motorradfahrer unterwegs: Püschelbäume!“ [KLICK!]

Auch sonst ist die Strecke ziemlich spaßbefreit: Erst auf der D953 hinter Bras-d’Asse Richtung Puimoisson und der D952 nach Moustiers-Saint-Marie wird’s fahrtechnisch wieder nett.

// Lac de Sainte Croix

Eine Umrundung der reizvollen Verdon-Schlucht harmoniert leider nicht mit dem verbleibenden Zeitkontingent, daher nehmen wir die D957 Richtung See. Als wie aus dem Nichts der nord-östliche Seitenarm des türkisfarbene Lac de Sainte Croix vor uns auftaucht, sind wir völlig geflasht und werfen auf dem nächstbesten Parkplatz den Anker.

 
*BOOOAH-wie-geil!*
Ein Königreich, jetzt dort unten rumpaddeln zu können!

Zu früh pausiert, denn nur wenige hundert Meter weiter, an der Brücke „Pont du Galetas“, ist der Ausblick noch viel imposanter! Einen weiteren Halt verkneifen wir uns allerdings, denn hier ist’s einfach nur wimmelig-rappelvoll.

Stattdessen folgen wir der Straße in südlicher Richtung und setzen erst in Les Salles-sur-Verdon den Blinker.

Google Maps hatte gelogen…

Aus dem Kaffee wird leider nix und ich bin irritiert:
Auf der Karte war nicht erkennbar, dass es im Ort ein „oben“ und ein „unten“ gibt…? Während der Kernort so gut wie ausgestorben ist, stapeln sich unten, am Ufer die Besucher. Aber weit und breit keine Bar.

Also raus aus dem Nest mit seinem überdimensionalen Campingplatz und weiter nach Bauduen, einem Örtchen an der Südspitze des Sees.

Glücklicherweise gibt’s hier gleich mehrere Cafés und Restaurants in Reihe, so dass wir zum wohlverdienten Eiskaffe(café liégeois)-Schlabbern kommen.


An der Südspitze hat der See seine türkise Farbe verloren.

Schließlich hangeln wir uns an der Westseite des Sees entlang, fahren nach Saint Croix du Verdon und schwenken dort auf die D11 nach Riez.


Ausblick auf den Lac de Sainte Croix vom Westen her.

Nach einer kurzen unspektakulären Etappe kommt erst hinter Saint-Martin-de-Bromes erneuter Fahrspaß auf.


Blumenpracht in der „Ville-Fleurie“ Greoux-les-Bains

Auch die D82 nach Manosque gibt sich erstaunlich kurvig. Die knapp zweiundzwanzigtausend Einwohner fassende Gemeinde selbst törnt allerdings ab:
verkehrstechnisch die Hölle in Tüten!

Als wir nach einer gefühlten Ewigkeit den Ortsausgang erreichen, werden wir prompt für den Trubel entschädigt: Über St. Martin-les-Eaux und St. Michel l’Observatoire geht’s über Banon und Saint-Christol gewohnt einsam und in 1a-links-rechts-Manie zurück nach Sault.

Hilfe, die Explorer schwächelt!

Bei einem kurzen Hintern-Erholungs-Stopp klappt Norby plötzlich der Kiefer tiefer: der Kardan seiner Tigerin leckt.
Nicht schon wieder! *Argggh!*
Dabei war die Großkatze doch just vor dem Urlaub in der Werkstatt und wurde als geheilt entlassen?

Prompt ist’s mit seiner Urlaubs-Tiefenentspannung vorbei, bevor diese auch nur annähernd begonnen hat.

Geplante Tour:
[Sault-LacSteCroix2]

 

Baronnies-Tour [Samstag, 14.09.2019]

Zur Abwechslung verlassen wir unseren Basisort nordwärts über die D942. Hinter Aurel geht’s mal wieder über den „Collet de Reilhane“, um sodann auf die D72/D40 Richtung Reilhanette abzubiegen.

// Toulourenc-Tal

Dass „Viamichelin“ auf der zirka zwanzig Kilometer langen Piste bis Mollans-sur-Ouveze laufend vor „mehreren gefährlichen Kurven und Gefällstrecken“ warnt, verspricht allein schon unendlichen Mopped-Spaß.

Auch landschaftlich gesehen ist die Fahrt durch das Toulourenc-Tal ein Highlight. Die Straße verläuft an der schroffen Nordseite des Mont Ventoux entlang, parallel zum Flüsschen „Le Toulourenc“ und wir haben sie heute ganz für uns allein.

Fahrfreude hoch pi? – Zumindest theoretisch…
Denn praktisch ist meinereiner heute alles andere als kurvenfest, fährt jede noch so kleine Biegung eckig und eiert herum wie ein Anfänger…
Das macht SO keinen Sinn! *Augen-roll-und-seufz*

Hinter Mollans-sur-Ouveze geht’s auf die D538/D938 über Mirabel-aux-Baronnies nach Nyons. Zu breit, zu gerade, zu huckelig. *Nörgel*

Ölmühle in Nyons

In Nyons verlassen wir die Hauptstraße und entern die „Promenade de la Digue“. Unmittelbar unterhalb der alten römischen Brücke liegt die >> „Moulin DOZOL-Autrand“.

 
Praktisch: Mit dem Motorrad kann man fast bis zum Eingang der Ölmühle vorfahren.

Auf zum Shoppen! Neben ein-zwei-drei Mitbringseln für die Lieben daheim schlören wir auch Olivenöl aus dem Laden.


Malkunst an der Ölmühle

 

Unterhalb der Kleinstadt blubbert die „Eygues“.
Inmitten des recht trocken gelaufenen Flusses locken Kies-Sandbänke zum fröhlichen Chillen.

Für einen weiteren Stadtrundgang ist’s uns zu warm, drum weiter.
Zunächst geht’s über die breit ausgebaute, kurvige D94 nach Curnier und sodann auf die schmale D64 nach Sainte-Jalle.

// Col d’Eye – Col de Fontaube – Col des Aires

Hinter dem Dorf stoßen wir auf die D108, eine Holperstraße vom Allerfeinsten, die über den >> Col d’Eye (Gorges d’Ubrieux) führt.

 
Auch wenn’s nicht so ausschaut:
Die Huckelpiste lässt die Streety kaum frohlocken!

Statt der D162 zu folgen, folgen wir der D108 nach Saint-Martin-Bologne und erreichen über die D546 das nette Örtchen Buis-les-Baronnies.

Zwei unspektakuläre Pässe weiter (>> Col de Fontaube und den >> Col des Aires) verlassen wir die D41 und finden zurück nach Reilhanette.

Von dort führt uns die Spaßpiste „Route de Sault“ (D942) über Aurel zurück nach Sault.

Geplante Tour:
[Sault-Nyons2]

 

Mornas-Tour [Sonntag, 15.09.2019]

„Lass uns doch heute mal zu dieser imposanten Burg, die wir auf der Urlaubs-Hinfahrt kurz vor Orange gesehen haben?“
Verzweiflung-mangels-Möglichkeiten? – Iwo! Irgendwie haben wir einfach Bock drauf.

Ergo geht’s über die D1/D942 bis Carpentras und – fernab jeglicher Kurven-Action – weiter nach Mornas.


Die Festung von Mornas aus dem elften Jahrhundert
thront krass hoch oben auf dem Felsen.
Aber: Wie zum Teufel kommt man dort hoch?

Ist die Tour noch zu retten?

Auf der Strecke nach Uchauz finden wir tatsächlich ein-zwei nette Kurven, bevor wir in Vaison-la-Romaine aufschlagen.

Gern hätten wir uns das liebreizende, antike Städtchen näher angeschaut, aber auch hier wimmelte es nur so vor Touris.

Vaison-la-Romaine
… teilt sich auf in die mittelalterliche Ober- und die modernere römische Unterstadt am Ufer der Ouveze.

Im Örtchen liegt die größte archäologische Ausgrabungsstätte Frankreichs mit Funden aus dem ersten und zweiten Jahrhundert.
So kann man beispielsweise im Villasse-Viertel die Überreste römischer Villen und Thermalbäder und im Quartier de Puymin das Amphietheater bewundern.

Hat das Navi versagt oder wir nicht richtig zugehört?
Fakt ist, dass es uns eine wahnwitzige Stadtrundfahrt durch Mollans-sur-Ouveze beschert. Ehe wir uns versehen, finden wir uns ein weiteres Mal auf dem „Col de Fontaube“ (statt im Toulourenc-Tal) wieder.



Nette Kurven ohne Bilderbuch-Asphalt

Erneut überqueren wir den „Col de Aires“ und es geht über Reilhanette und Aurel zurück nach Sault.

Geplante Tour:
[Sault-TalderOuveze3]

 

Schluchten-Tour [Montag, 16.09.2019]

Schon wieder Richtung Aurel? – Yo!
Aber diesmal passieren wir Montbrun-les-Bains und folgen der „Route des Alpes“, die meganett über den „Barret-de-Lioure“ zum „Col de Macuegne“ führt.

  
Hübsch anzuschauen und toll zu fahren: der Col de Macuegne

Wir bleiben auf der D542 und es geht an Lachau vorbei nach La Calandre. Kaum ist das Departement „Hautes Alpes“ erreicht, mutiert die Piste zum Kurvenwunder und schlängelt sich durch die eng stehenden Felsen der Gorges de la Meouge.

// Gorges de la Meouge

Ok-ok, kennen wir eigentlich schon, aber auch in dieser Richtung erweist sich die Strecke als absoluter Wahnsinn! *SCHWÄRM*

   

Kurven ohne Ende in den Schluchten der Meouge!

Gorges de la Meouge

Die Schlucht liegt inmitten des Naturschutzgebietes „Baronnies Provencales“ (Parc régional des Baronnies).

Hier schlängelt sich das türkisfarbene Flüsschen „Meouge“ kaskadenartig durch tiefe Canyons und hat viele kleine Becken in die Kalkeinfelsen gegraben.
Ein Paradies für den geneigten Plantsch-Fan, der sich neben dem Naturschwimmbad auch an Kiesstränden und Wasserfällen ergötzen kann.
Freunde antiker Baukunst ergötzen sich derweil an der romanischen Bogenbrücke oder den Überresten einer Mühle.

Angeblich ist die Piste nicht ganz ungefährlich. Behauptet zumindest >> www.dangerousroads.org

All die an Selbstüberschätzung leidenden Irren, die glauben, durch Felswände blicken zu können, verbreiten aber offenbar gerade anderswo Panik.
So bleiben gefährliche Begegnungen heute aus.

 
Das Flüsschen Meouge:
eingebettet in eine surreale Bilderbuch-Landschaft.

Am Ende der Schlucht folgen wir der D942, die nordwärts über Laragne ins mediterran anmutende Örtchen Serres führt.


Mitten im Städtchen blubbert der Wildwasserfluss „Buëch“.


Am Fuße der sich an die Felsen kuschelnden Altstadt gönnen wir uns eine Eispause im Bar-Restaurant „L’Estaminent“ (lecker!)

Anschließend erklimmen wir die D994 Richtung Sainte-May: breit ausgebaut und viel befahren.
Dass die Straße dennoch für Entzückungsrufe sorgt, liegt wohl an der grandiosen Aneinanderkettung nicht enden wollender Dauerkurven.
Sie führt über den Col de la Saulce nach Rosans und Remuzat.

// Gorges de Sainte May

An der Departement-Grenze wird die Straße zur D94 und führt durch die zwölf Kilometer lange Schlucht von Saint May, immer nett am Flüsschen Eygues entlang.
(Das Örtchen selbst thront oberhalb der Schlucht auf einem Felsen.)

Geier in Remuztat

Nachdem die Gänsegeier lange Zeit aus Frankreich verschwunden waren, siedelte man sie 1996 erneut in den französischen Voralpen an.

Die riesigen, aasfressenden Piepmätze mit ihren weißen, flauschigen Halskrausen und den gebogenen Schnäbeln gelten als natürliche Müllschlucker der Natur und beeindrucken mit einer Flügel-Spannweite von bis zu 2,80 Metern.

2004 tauchten in den Baronnies auch die Mönchsgeier wieder auf und mittlerweile sind auch Bart- und Schmutzgeier in der Gegend daheim.

Besonders gut lassen sich die Vögel auf der Bergspitze, Rocher du Caire, oberhalb von Remuztat beobachten (Aufstieg ab Sainte May).
Zudem gibt’s in Remuztat ein Geierhaus („Maison du Vautour“), in dem sich Geier-Fans an Ausstellungen und Animationen erfreuen können.
>> www.vautoursenbaronnies.com


Wer genau hinschaut, sieht hoch oben über den Felsen die Geier kreisen.

Klar, dass es in der extrem beeindruckenden Felsen-Schlucht schwer fällt, sich auf die Straße zu konzentrieren!

Durch einen einspurigen, ampelgesteuerten Tunnel erreichen wir Curnier, nehmen erneut die Straße nach Saint Jalle.
Diesmal verharren wir jedoch auf der D64 und landen auf dem

// Col de Peyruergue

Über die D546 geht’s weiter nach Saint Auban sur l’Ouveze und hinter Villefranche-le-Chateau auf die D542 nach Sederon.


Straßenkunst in Frankreich

Am „Col de Macuegne“ angekommen, wollen wir eigentlich südlich über die D63 zum „Col de l’Homme Mort“ Richtung Ferassieres.
Schenken wir uns, da die Piste gerade so fetzt und wir irgendwie darauf hoffen, endlich ein-zwei Serpentinen-Fotos schießen zu können.
An der wohl einzigen Haltemöglichkeit mit perfektem Kurven-Landschafts-Ausblick sind wir natürlich wieder schneller vorbei als gedacht… *TSSS*

Geplante Tour:
[Sault-Sisteron-flott3]

 

Luberon-Foto-Tour [Dienstag, 17.09.2019]

Warum nicht mal eine kurze, aber intensive Foto-Tour einschieben?

Der Plan:

  • Huckelpiste D943 in Kauf nehmen.
  • Geniale Felsenwelt in Lioux per Kamera einfangen.
  • Zurück über den Col des Murs nach Venasque.
  • Über Villes-sur-Auzon durch die „Gorges de la Nesque“ nach Monieux
  • Schleife nach Bedoin und von dort auf die bislang noch unbefahrene D974 (parallel zur Ventoux-Route)
  • Hoch zum Gipfel des Mont Ventoux und zurück nach Sault

Die Realität:

Zunächst geht’s über die D943, vorbei am „Chateau de Javon“.
Eigentlich soll uns das „TomTom Rider“ ins winzige Örtchen Lioux führen, das von der hundert Meter hohen Klippe Madeleine überragt wird, aber scheinbar ist das Navi heute auf Krawall gebürstet.

Nachdem es den offenkundigen Abzweig nach Lioux ignoriert hat, empfiehlt es wenige Kilometer später, „in Kürze rechts abzubiegen“, um anschließend aus unerfindlichen Gründen zu verstummen. Nur um viele endlose Kilometer weiter urplötzlich zu befehlen, doch bitte genau JETZT dringend zu wenden.
*HÄÄÄ?* Hier gibt’s nicht einmal einen Trampelpfad?

Zumindest landen wir unverhofft auf einem einsamen einspurigen Gute-Laune-Sträßchen mitsamt Halteplatz und Blick auf den „Combe de la Sigalière“.

  

Toller Ausblick, aber zugemüllte Landschaft – entsprechend „duftet“ es hier… (*HEUL*)

Hilft alles nix, wir müssen umkehren! *Ich-hasse-das!*
Nur so schaffen wir’s doch noch nach Lioux.

// La Falaise de La Madeleine in Lioux


Über dem winzigen Dorf Lioux erstreckt sich die langgezogene, fast senkrechte Klippenwand „La Madeleine“

// Col de Murs

Über die D4 geht’s weiter nach Murs. Unmittelbar hinter dem Dorf führt eine unvergleichliche Holperstrecke über den >> Col de Murs.

Col? Wie jetzt? – Hier geht’s doch gar nicht hoch?
Stattdessen durchqueren wir ein extrem kurviges Schluchtental, in dem sich die Straße regelmäßig nicht weiter als 30 Meter einsehen lässt.
Dank megabescheidenem Flick-Belag nix für meine Streety, aber zumindest hat Norby voll Spaß anne Backen!

Was genau im Folgenden schiefgelaufen ist, lässt sich nicht rekonstruieren:
Jedenfalls gelingt es uns nicht, die beeindruckende Schlucht des ersten Fahrtages anzufahren.

Auch sonst läuft das Navi weiterhin auf Störung und verar… uns mit wahnwitzigen Ansagen nach Strich und Faden.
Nur dem von weitem sichtbaren Mont-Ventoux ist es zu verdanken, dass wir dort nicht HEUTE noch im Kreis herumfahren!

// Gorges de la Nesque

Als wir endlich „Villes-sur-Auzon“ und damit den Einstieg zur D942 zur „Gorges de la Nesque“ erreichen, sind wir völlig entnervt.
Aber auch heute erweist sich die Fahrt durch die einsame Schlucht als fantastische Nervennahrung.


Findet die Straße! 🙂

  

  
Balsam für die Seele:
Die Panoramastraße führt um die vierhundert Meter tiefe Schlucht herum.

  
Felsentunnel und Ausblick auf den gigantischen „Rocher du Cire“.

Und dann war da noch…

… dieses entzückende Mini-Schwein, das am letzten Aussichtspunkt plötzlich über die Straße hoppelte.

Wie aus dem Nichts erscheint kurz drauf ein übelst fluchender alter Knöpp, der die umstehenden Touris erbost beschuldigt, das Tier aus der abgesperrten Wiese herausgelockt zu haben. Prompt bewirft dieser Unmensch das sich arglos im Gebüsch vergnügenden Tier mit einem Stein GRRR! und schafft es tatsächlich irgendwie, es zurück zu treiben.


Freiheitsliebendes Mini-Wildschwein

Just als wir wieder aufsatteln, rockt das Tier erneut die Straße. Tja, wenn man EINmal die Lücke im Zaun entdeckt hat?

Falls Ihr dort mal unterwegs seid, rechnet einfach mit entbüxten Schweinchen!

Da wir dank der zahlreichen Irrfahren viel Zeit verloren haben, müssen wir schleunigst zurück Richtung Heimat, denn gleich wird’s ratzfatz duster.
Doof, dass wir den erneuten Ritt auf den Mont Ventoux knicken müssen!

Geplante Tour:
[Sault-ColdeMurs]

 

Wir-fahren-ans-Meer-Tour! [Mittwoch, 18.09.2019]

Angeblich klettert das Thermometer heute auf über 30 Grad an der Küste.
Badetag? – Jau!
Mit Moppedklamotten? – Ah nö!
So schwingen wir uns ins Auto und düsen los.

Wie der Zufall es will, führt uns die Route durch Avignon, unmittelbar am Papstpalast und der vier Kilometer langen Stadtmauer vorbei.
Trotz des gewöhnlichen Wochentags ist’s hier rappelvoll.


Sur le pont, d’Avignon (*träller*)
(Im Vorbeifahren geknipst – zum Anhalten fehlt die Zeit)

Hinter der Papststadt entern wir die A9, um sie kurz hinter Nimes zu verlassen. Kaum runter von der Bahn, geht’s 20 Kilometer gnadenlos stur geradeaus, begleitet von zahlreichen Drohschildern à la „Du-Du-Du, zügel Deine Pferdchen, wir blitzen hier permanent!“

Bevor sich die Moral auf dem Tiefpunkt befindet, erreichen wir Ziel Nummer Eins:

// Aigues-Mortes

(… was soviel bedeutet wie „totes Wasser“)

Am Südrand der Stadt finden wir problemlos einen freien, aber gebührenpflichtigen Parkplatz und entern zu Fuß das Wehrmauer umrahmte Städtchen.


Hätten wir unsere Moppeds dabei, hätte es ein cooles Stilleben-Foto geben können, so von wegen „Streety und Großkatze vor krasser Stadtmauer“.

Stattdessen gibt’s an dieser Stelle ein Ersatzfoto:


Stilleben: Mopped in Ketten!

  
Auf der Stadtmauer laufen Leute umher.
Wie zum Teufel kommt man dort hinauf?

Wo wir auch hinschauen, nichts als verschlossene Türen und emporführende Treppen mit eindeutigen Verbotsschildern.

Die Lösung findet sich erst kurz vor dem Tour de Constance: Gegen Zahlung von 8 Euro pro Nase darf man nicht nur das Museum besuchen, sondern auch die Stadtmauer erklimmmen. Wer mag, bekommt hier einen Audio-Führer, unter anderem in deutscher Sprache.

Aigues-Mortes

Vom 11. bis 13. Jahrhundert unternahmen die christlichen Völker des Abendlandes acht Kreuzzüge, um das Heilige Land zurückzuerobern, das sich zu der Zeit in muslimischer Hand befand. Anführer war Ludwig der IX, auch „Ludwig der Heilige“ (Saint-Louis) genannt.

Auf sein Geheiß wurden auf dem sumpfigen Lido eine – heute nicht mehr existierende – Burg und der Tour de Constance errichtet. Außerdem ließ er Kanäle zum Meer, nach Arles und Montpellier buddeln und wurde so zum ersten französischen König, der einen eigenen Hafen besaß.

 
Auf der Stadtmauer…

 
Weitblick über die Camargue und die der Stadt angegliederten Salinen

  
Hinterhof-Blicke…

In Aigues-Mortes ist es schwer, zu verhungern:
Es gibt Bars, Cafés, große Eisdielen und rund um den „Place de St. Louis“ gruppieren sich zahlreiche Restaurants mit Außenterrassen.

 

In den schlauchförmigen Läden glitzert buntes Bonbonpapier und es gibt ein Wahnsinns-Angebot an Spezialitäten –
ein Paradies für Schlucker-Freunde!

// Zweiter Stopp: die Küstenstadt „Le Grau du Roi“

(übersetzt: „Das Grauen des Königs“, oder? 😉 )

Die sechs Kilometer lange Straße bis zur Küste zieht sich endlos und kaum haben wir den Ort erreicht, gibt’s lange Gesichter.
Im einst beschaulichen Fischerdorf herrscht absolute Reizüberflutung: Unendlich viele Menschen und Kamikaze-Autofahrer lassen uns den Ort hassen.

Wo ist der Strand?

Auch die Verkehrsführung ist irgendwie chaotisch: nix als riesige Kreisverkehre und elendige Stichstraßen, die im Nirwana enden. Obendrein reiht sich ein Appartmenthaus an das Nächste. Hola-die-Waldfee: Was mag hier nur in der Hauptsaison los sein…?


Also hier ist schonmal kein Strand…

Den ach so berühmten „Espiguette-Strand“ finden wir leider nicht, suchen aber auch nicht weiter, als wir einen Kleineren (den „Rive Droite“) am südlichen Ende der Stadt auftun.

Der Parkplatz ist gebührenpflichtig und die Bedienung des neumodischen Parkschein-Apparats mit Kennzeichen-Eingabe nicht unbedingt selbsterklärend.

 
Abtörnender Strand in Le Grau de Roi
*BOAAAH-iss-das-doof-hier!*

Was die Fotos verschweigen sind die Menschenmassen, die sich – trotz fortgeschrittener Jahreszeit – am Strand ausbreiten und offenbar auf Kuschelkurs sind.
Oder warum legen sich Neuankömmlinge so platzsparend-nah an uns heran?

Faxen dicke – wir flüchten!

Ab durch die Camargue…

Dummerweise befinden wir uns in einer Sackgasse und müssen wohl oder übel die komplette Strecke zurück. Immerhin erspähen wir auf einem „Etang“ am Ortsausgang diese berühmten, rosafarbenen Stelzenvögen:

  
Flamingo-Alarm! 🙂

Die Carmargue: schön oder was?

Hinter Aigues-Mortes geht’s auf die D58. Diese führt mitten durch die Carmargue Richtung Sainte-Marie-de-la-Mer und ist auf der ADAC-Motorradkarte grün (und damit als top empfehlenswert) gekennzeichnet.

Schönes können wir dort leider nicht entdecken.
Im Grunde geht’s nur stur geradeaus und jegliche landschaftlichen Highlights scheinen sich gekonnt zu verstecken: Links und rechts nix als ödes Schwämmland.


Die Camargue:
von wegen rosa Flamingos, schwarze Stiere und weiße Pferde!

Vor Sainte-Marie-de-la-Mer führt die Route auf die D570 nach Arles. Von dort geht’s nach Cavaillon, wo wir angesichts der fortgeschrittenene Zeit den Supermarkt stürmen. Unseren Kaffeedurst stillen wir – völlig unspektakulär – im gegenüberliegenden Mäck-Dee.

Als wir über eine Stunde später in Sault aufschlagen, ist es längst stockduster und wir holen uns eine Pizza.


Empfehlenswert: die Steinofenpizza des mobilen Pizzawagen „Bruno“ in Sault.

 

Chill- und Pool-Tag [Donnerstag, 19.09.2019]

oder: „Heute-machen-wir-mal-nix-Tour“

Am wärmsten Tag unseres Aufenthalts klettern die Temperaturen selbst hier oben in Sault auf 30 Grad.

Hmmm… Eigentlich gibt’s in dieser Gegend noch massig zu (er)fahren und wir wären schön blöd, die Gelegenheit nicht zu nutzen? Andererseits ist die Luft irgendwann auch mal raus und es will obendrein noch gepackt und aufgeladen werden.

So beschließen wir, uns einfach mal chillend und lesend am Pool zu vergnügen und unsere Knochen erneut mit Luft zu fluten.
Werden wir etwa alt…? #DASWärUnsFrüherNIEPassiert!


So lässt sich’s aushalten…

Abends dann noch ein kleiner Spaziergang durchs Dorf, bevor wir uns dem Mopped-Auflade-Krimi widmen.


Abfahrbereit!

Als es spätabends zu plästern beginnt, fühlen wir mit dem heute in der City eingetroffenen Mopped-Trüppchen: Ob jene wohl gerade ’ne Krise kriegen?

 

Au revoir! – Zurück-in-die-Heimat-Tour [Freitag/Samstag, 20./21.09.2019]

Und ZACK, ist der Urlaub auch schon wieder vorbei…
Sind wir nicht gestern erst angekommen?

Heimfahrt – Teil 1 [Freitag, 20.09.2019]

Kurz vor 10 Uhr rollen wir los Richtung Heimat.
Noch immer ist der Himmel verhangen und düstere Wolken drohen, Wasser zu lassen…


Hui, in Carpentras gibt’s ja AUCH ein Aquädukt…?

Während sich Norby auf dem langen Heimweg mit seinem Vehikel-Tempomat anfreundet, vertreibt sich meinereiner die Zeit mit Buch-zu-Ende-lesen und Radio-Sender suchen.

Radio-Sender-Tipp Frankreich

Falls Ihr musiktechnisch ähnlich tickt wie wir, könnte Euch folgender Radio-Sender gefallen:
>> Rock-Radio OUI (www.ouifm.fr)!

Hier laufen nicht nur allbekannte Rock-Oldies, sondern auch urcoole französische Rock-Songs.
(Wusste gar nicht, dass unsere französischen Nachbarn musiktechnisch mehr drauf haben, als diese grässlichen „Schongsongs“…?)

Zwischenübernachtungs-Hotel

Mit unserer wertvollen Fracht wollen wir natürlich nix dem Zufall überlassen und haben die Unterkunft erneut vorgebucht.

„La Haie des Vignes“ liegt unmittelbar hinter der Autobahn-Ausfahrt, mitten in der Pampa in Lothringen.

Wusstet Ihr, dass man heutzutage gar nicht mehr von Lothringen spricht, wenn man das französische Gebiet meint, das an Belgien, Luxemburg und Deutschland grenzt?
Bis 2015 war Lothringen (französisch „Lorraine“) eine eigenständige Region. Anfang 2016 verschmolz sie mit der „Champagne-Ardenne“ und dem Elsass zur Region „Grand-Est“.

Hotel „La Haie des Vignes“ in Allain

Zwar liegt das motelartige Hotel mitten in der Pampa, aber dafür ist das Gelände eingezäunt und wird ab 22 Uhr verschlossen.
Zudem lassen sich die Fahrzeuge fast ausschließlich direkt vor den Zimmern parken.

 
Hotel „La Haie des Vignes“ in Allain:
Ansicht von vorn (links) – und von hinten (rechts)


Perfekter Postkarten-Kitsch-Sonnenuntergang!

Zum Glück gibt’s auf dem Terrain ein Restaurant, sonst müssten wir wohl hungern.
Das Essen ist einwandfrei und auch preistechnisch in Ordnung.

Unser Zimmer…
… ist kein Tanzpalast, aber zweckmäßig eingerichtet, glänzt mit einer ebenerdigen Dusche und wer mag, kann sich dank Wasserkocher einen Kaffee oder Tee kochen. Vor jedem Zimmer stehen zwei Stühle und ein Tisch, so dass man den Abend auch außerhalb des Restaurants gemütlich ausklingen lassen kann.

 

Heimfahrt – Teil 2 [Samstag, 21.09.2019]

Nach einer ruhigen Nacht stürmen wir das Frühstücks-Buffet.
Nunja: 9,50 Euro pro Nase sind schon happig und grundsätzlich darf man wohl mehr für das Geld erwarten.
Immerhin kredenzt man uns neben diesem überflüssigen Croissant-Süßkrams auch Baguette, es wird laufend nachgelegt und der Kaffee schmeckt.
(Tipp: Fallt bloß nicht auf die ausliegenden Eier herein, die sind roh und wollen zunächst (selbst) gekocht werden! 😉 )

Bevor wir in Deutschland aufschlagen, gibt’s am letzten luxemburgischen Rastplatz nochmal ’ne Runde günstigen Sprit für alle (inklusive unserer Huckepack-Moppeds).

Doof, dass der Urlaub nu gleich am End iss…
Ergo klüngeln wir auf dem restlichen Heimweg noch ein wenig herum, gönnen uns unter anderem einen ausgedehnten Rastplatz-Stopp in der Eifel und beneiden all die Jungs und Mädels, die heute AUF ihren Böcken unterwegs sein können…

 

Fazit unseres TOURlaubs

 

1. Basisort Sault: Top oder Flop?

Das knapp 1.400 Einwohner zählende Örtchen liegt im Departement Vaucluse, nur rund fünfzehn Kilometer vom >> „Mont Ventoux“ entfernt.
Die „Lavendelhauptstadt“ thront auf einem 766 Meter hohen Felsplateau, umgeben von Weizen-, Dinkel- und Lavendelfeldern.

Der Lavendel blüht hier relativ spät, dafür jedoch bis in den August hinein.
Alljährlich Mitte August gibt’s ein großes Lavendelfest, die „Fête de la Lavande“: >> www.fetedelalavande.fr

In der Altstadt dominieren winzig-schmale Gassen und uralte hohe Häuser, deren untere, aufgeblähten Außenmauern ausschauen, als würden sie jeden Moment auseinanderplatzen.

Tagsüber pulsiert im Ort das Leben, aber kaum geht die Sonne unter, werden ratzfatz die Bordsteine hochgeklappt.


Tolle Sonnenuntergänge können sie hier!
(Leider verschwindet die Sonne viel zu früh hinter dem Hügel)

Wer hier als Moppedfahrer unterkommt, hat definitiv Glück:

  • Jedwede Ortsausfahrt führt ratzfatz ins Kurvenparadies!
    #Garantie-zum-Schwindligfahren

  • Abwechslung gibt’s gratis dazu:
    Südlich von Sault liegt der Naturpark; in nördlicher Richtung der Naturpark Baronnies und wer gen Osten ausschwärmt, erreicht sogar „richtige“ Berge.


Vermutlich gibt’s im Dorf genau deshalb gleich zwei Biker-Hotels?
>> relais-motards.com

2. Motorrad-Fahrspaß in der Provence?

Hügel statt Berge: tourtechnisch ziemlich uncool, oder?
Von wegen!

Meeensch, das hätte meinereiner mal ein paar Jahre eher wissen müssen, dass sich in der Provence all die gewünschten Kurven verstecken, die man ansonsten nur im Hochgebirge findet. – Manchmal sind’s einfach die kleinen Hügelchen, die am meisten fetzen!
#Ideal-für-Höhenschisser


Bitumen-Schmierereien gibt‘ auch, wenngleich selten.
(Zum Glück nicht glatt!)

Bis auf die typischen Touri-Gebiete rund um diese Orte, die Peter May in seinem >> Provence-Buch beschrieb, konnten wir unbehelligt kurven:
keine Kontrollen und kaum Verkehr! Okay, mal abgesehen von einigen rücksichtslosen Kampfradlern, aber die tummeln sich ja mittlerweile überall.

Tourplanung

Logisch hatten wir bereits daheim mehr Touren geplant, als wir fahren konnten. Immerhin rettet uns die Planerei durch die trüben Wintertage.

Ausnahmsweise wäre dies nicht notwendig gewesen, denn in der Provence kannste grundsätzlich planlos fahren:
Einfach in die nächstbeste Straße einbiegen und Du kannst Kurvenwedeln bis zum Abwinken!

3. Tanken in Frankreich

In Sault gibt’s gleich drei Tankstellen:
Die Erste liegt unterhalb des Dorfes an der D942, eine Weitere am Ortseingang und die Dritte gehört zum großen Supermarkt am nördlichen Ortsende.
Letztgenannte ist eine SB-Tanke, aber da man dort glatt 20 Cent pro Liter spart, ist klar, welche wir täglich anfuhren, oder?


Tanke direkt im Ort

Tanken an der SB-Tanke: So geht’s!

1. EC-Karte einstecken und PIN eingeben zum Verifizieren
2. Bei Bedarf die Sprache umstellen
2. Tankwunsch auswählen (z.B. dieses Euro10-Dreckzeugs…)
3. Auswählen, ob man eine Quittung möchte
4. EC-Karte entfernen
5. Tanken
6. Quittung entnehmen
7. Feddich!

(Funktioniert übrigens gleichermaßen in Luxemburg und in Österreich.)

4. Essen in Südfrankreich

Nix für uns! *Augen-roll*

Die französische Restaurants locken regelmäßig mit bestimmten Tagesgerichten („Plat du Jour“). Dieses Dreigang-Menü kostet im Schnitt 20 bis 24 Euro.
Schön, aber irgendwie sind wir zwei beide nicht für diese ellenlange, abendliche Genießerei gestrickt….

Leider sind die Speisekarten oft so blumig geschrieben, dass unser angestaubtes Schulfranzösisch kaum ausreicht, um auch nur annähernd zu erraten, was genau man uns kredenzen will.


Müssen wir wohl oder übel selbst ran an den Herd…
(Der Hunger treibt’s rein. *sfg*)

Sprach-Tipps

>> Reise Know-How Motorrad-Wörterbuch in 5 Sprachen – Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch
(www.amazon.de)


Alternativ helfen auch (kostenlose) Übersetzungsprogramme:

 

5. Herbst in der Provence

Vermutlich gibt’s für viele Provence-Reisende reizvollere Jahreszeiten, beispielsweise die Zeit der Lavendelblüte (je nach Region Ende Juni bis Mitte August).

Mit durchschnittlichen Tagestemperaturen von 25 Grad war der Herbst für unsere Motorradtour einfach ideal:
Zwar war es streckenweise schon lecker warm, dort „oben“ in Sault aber zu jeder Zeit sehr angenehm.


Im Herbst darf man weder Lavendel- noch Sonnenblumen-Pracht erwarten.

Einziges Manko:
Kaum tauchte die Sonne am Horizont unter, wurde es empfindlich kühl.
Ergo waren wir kaum böse, mit dem Vehikel angereist zu sein, der massig Platz für tourfeindlichen Ballast bietet.
So waren beispielsweise die mitgeschlörten Fleece-Decken mit integrierten Ärmeln bei uns Frischluft-Fanatikern allabendlich im Dauereinsatz.

>> Kuscheldecke mit Ärmeln und Fußtasche (www.amazon.de)

Wer die Touren vorab plant, sollte bedenken, dass es nach Sonnenuntergang (kurz nach 19 Uhr) ratzfatz stockduster wird.
Sicher kein Spaß, sich im Dunkeln durch die ansonsten genialen Kurven zu tasten!

6. Tierisches

Mal abgesehen von Wildschweinen und Geiern (siehe oben) sind auch Schlangen und Skorpione in der Provence daheim.
Letztere sind uns nicht begegnet, dafür aber folgende Gesellen:

 
Chamäleon-Katzen!


Flip…?

7. Urlaub ohne Meer ist kein Urlaub?

Stimmt!

So toll Sault als Ausgangspunkt auch ist: Ich für meinen Teil habe das Meer vermisst.
Was ist wohl schöner, als abends nach der Tour im verbleibenden, wärmenden Sonnenlicht am Strand entlang zu schlendern oder dort hockend das ein oder andere Buch zu verschlingen?

Urlaubs-Schmöker

Im Gepäck:

1. >> Sag dem Abenteuer, ich komme: Wie ich mit dem Motorrad die Welt umrundete und was ich von ihr lernte (Lea Rieck)

(www.amazon.de)

2. >> Mein Jahr in der Provence (Peter Mayle)

(www.amazon.de)


Von den beiden mitgenommenen Büchern schlörte ich eins ungelesen zurück in die Heimat.

 

8. Wo Licht ist, ist auch Schatten?

Aaach-jaaa… die Provoooongs! *seufz-verklärt-dreinschau-und-schwärm*

Wer zumindest kurz mal die rosarote Brille absetzt, kann sich der bitteren Wahrheit nicht verschließen:

  • Entlang der Rhone (und somit ganz in der Nähe) tummeln sich diverse Atomkraftwerke.
    Putzt Euch dort einfach mal die Nase und staunt…
    #Ja-bin-ich-denn-hier-im-kohlegeschwängerten-Ruhrpott?

  • Irgendwie passten auch die täglichen Überflüge diverser Kampfflieger nicht ins Bild…
    Ja, um’s Eck gibt’s gleich mehrere Militär-Flugplätze („Base-ariennes“), beispielsweise in Salon-de-Provence, Orange und Caritat.


    Der Kreisverkehr bei Orange deutet’s klipp und klar an: Hier geht’s militärisch zu.
    (Unter anderem sind dort AlphaJets für Kunstflüge und Schulflieger stationiert.)

  • Neben vielen putzigen Dörfern mit antikem Touch entdeckten wir auch (größere) Städtchen fernab jeglichen Charmes (zum Beispiel Apt).

9. Umweltplaketten

Im Sommer 2016 wurden auch in Frankreich Umweltzonen eingerichtet. Dabei wird zwischen folgenden Varianten unterschieden:

  • ZCR (Zones à Circulation Restreinte):
    Zonen mit dauerhaften Einschränkungen, auf die per Straßenschilder hingewiesen wird.

  • ZPA (Zones de Protection de l’Air):
    Zonen, in denen es nur bei bestimmten Wetterlagen beziehungsweise beim Überschreiten bestimmter Grenzwerte Einschränkungen gibt.
    (Betroffen sind beispielsweise Marseille und Lyon.)

  • Zusätzlich gibt es die ZPAd, die sich auf komplette Departements erstrecken, wie beispielsweise „Bouches-du-Rhône“ oder „Drôme/Valence“.

Insgesamt gibt’s sechs unterschiedliche runde Plaketten mit aufgedruckter Schadstoffklasse.
Kostenpunkt pro Plakette: 3,11 plus Porto.
Für drei Plaketten (eine für‘ Auto, zwei für unsere Motorräder) zahlten wir 12,63 Euro (zahlbar per Kreditkarte).


Französische Umweltplaketten für unsere Vehikel.

Detaillierte Infos gibt’s unter:

Übrigens haben wir keinen Hinweis gefunden, ob (und wenn ja, wo) man die Plaketten spontan vor Ort kaufen könnte, also bleibt nur das rechtzeitige Bestellen.

Zum Glück gab es während unseres Aufenthalts keinen Luftverschmutzungs-Alarm, so dass der Kauf letztendlich hinfällig war.
Prima, aber es hätte auch anders kommen können und wird erst einmal ein Fahrverbot ausgesprochen, ist im genannten Bereich angeblich nicht einmal das Parken erlaubt.

Wer ohne gültige Umweltplakette erwischt wird, zahlt übrigens ein Bußgeld der Klasse 3. (Dies entspricht momentan einem Betrag von 68 Euro)

Verkleben der Plaketten

Während sich die Plakette am Windschild der Explorer einwandfrei anbringen ließ, habe ich bei der Streety irgendwie Murks gebaut:
Da das (nachträglich angebrachte) Windschild keine entsprechend große glatte Fläche bot, versuchte ich, sie innen zu verkleben.
Leider hab ich’s irgendwie komplett vergeigt, so dass das Teil letztendlich mit einem Tape fixiert werden musste.

Und später?
Während die Plakette nach wie vor 1a an der Pkw-Windschutzscheibe klebt, hat sie sich an der Explorer direkt bei der ersten Wäsche gelöst. Auch bei der Streety baumelte sie nur noch am seidenen Tape-Faden. Doof irgendwie: müssen wir die Dinger wohl zwangsweise erneut bestellen?

Tipp:
Mit Green-Zones gibt es eine App, die eine zoombare Karte und Einfahrregelungen in Echtzeit enthält (nicht nur für Frankreich):
Weitere Infos unter: >> www.green-zones.eu

10. Verpasst!

Zwei Wochen Urlaub klingt viel, ist aber viel zu kurz, wenn man jeweils zwei Tage für An- und Rückfahrt einplant.
So haben wir Vieles nicht geschafft:

  • Obwohl der Mont-Ventoux direkt vor der Haustür lag, haben wir ihn nur einmal in West-Ost-Richtung befahren.
    Das lag zum einen daran, dass wir den Tipp beherzigten, sich die Fahrt auf den „Berg der Winde“ zu schenken, sobald sich über dem Gipfel Wolken zusammenbrauen.
    Zum anderen aber auch an der Tatsache, dass der Berg vor allem auch bei Rennradlern sehr gefragt ist. Ergo will es gut überlegt sein, ob man sich die daraus folgende Schleicherei-mit-Ansage wirklich antun sollte…

  • Die Umrundung der Verdonschlucht hat uns sehr gereizt, war uns aber letztendlich zu weit.
    Gleiches für die Calanques von Marseille, die Ardeche sowie die Seen „Lac de Castillon“ (bei Digne) und den „Lac de Serre-Ponçon“ (bei Gap) mit all den schönen(?) umliegenden Pässen. (All die geplanten, aber nicht gefahrenen Touren gehören definitiv nachgeholt!)

  • Obendrein klemmten wir uns jegliche Stadtbesichtigungen. (ist einfach nix mit dem Mopped!)
    (Vermutlich hätte es sich gelohnt, sich Örtchen wie Nyons oder Vaison-La-Romaine etwas genauer anzuschauen.)

  • Natürlich blieben auch viele sonstige Aktivitäten auf der Strecke, zum Beispiel Kanufahren auf der Sorgue (ab L’Isle-sur-la-Sorgue oder Lauris) oder dem Lac-de-Sainte-Croix (ab Moustiers-Sainte-Marie), Plantschen in der Meouge und und und…

11. Müssen wir da nochmal hin?

Vor unserem Urlaub schwirrten uns Gedanken à la „Naja, sind halt nicht die Seealpen“ im Hinterkopf herum.
Folglich erwarteten wir nix Dolles und die Vorfreude fiel entsprechend mager aus.

Tatsächlich wurde es ein (fast) perfekter Motorradurlaub, bei dem der Spagat zwischen Ausschlafen, gemütlich Frühstücken und Motorradfahren recht gut funktionierte.

Irgendwo muss man allerdings Abstriche machen. Du kannst halt nicht ALLES haben!
Da es im Herbst viel zu früh dunkel wird, fielen die Tagestouren entsprechend kurz aus. Trotzdem gelang es uns nicht ein einziges Mal, danach in den Pool zu hüpfen, denn dank der fix hinter dem Hügel verschwindenden Sonne wurde es schnell zu kühl zum Plantschen.

Alles in allem blicken wir auf einen traumhaften Urlaub mit vielen magischen Momenten und einer Megaportion Kurvenrausch zurück, der uns ein Dauergrinsen ins Gesicht zauberte und uns nachhaltig frohlocken lässt.

Da müssen wir auf jeden Fall noch einmal hin! 🙂

 

NÜTZLICHES für die Frankreich-Tour

1. Kühltasche

Im Hinblick auf möglicherweise hohe Temperaturen hatte ich für die An- und Abreise eine Kühltasche bestellt:

Funktioniert astrein: die „Pack-it“-Kühltasche (www.amazon.de)!
kommt völlig ohne Kühlakkus daher.

Da wir am Urlaubsort zwar alles, nur kein Kühlfach hatten, deponierten wir das Teil einfach über Nacht im Kühlschrank. Abends waren die Getränke zwar nicht mehr eiskalt, aber immerhin noch angenehm temperiert.

2. Internet

Dass es im Ferienhaus kein WLAN geben würde, wussten wir vorher.
Im Zeitalter nicht mehr anfallender Roaming-Gebühren kein Problem, oder?

Besser nix dem Zufall überlassen, sonst kannste das spontane Umplanen der Routen knicken.
Aus diesem Grund stockte ich vor der Tour das Datenvolumen meines Mobilfunkvertrags auf, besorgte einen mobilen Reise-Router und bestückte diesen mit einer günstigen 3GB-Prepaid-Karte von Congstar.


>> TP-Link M7350 (www.amazon.de)

Glücklicherweise funktionierte das Internet vor Ort einwandfrei und wir hatten – sowohl mit dem D1- als auch dem D2-Netz – guten Empfang.

Tipp: Prepaid-Karte für Frankreich

Wer Größeres vor hat, kann sich in Frankreich eine SIM-Karte von „Free“ besorgen. Kostenpunkt: knapp 20 Euro für 100 GB.

Hilfreiche Infos zu den bohrenden Fragen von wegen „Wie-was-wo“ könnt Ihr hier nachlesen:

>> Standorte der Free-Center (www.free.fr/boutiques/nous-trouver)

3. Kartenmaterial

Natürlich haben wir lange vor der Tour entsprechende Straßenkarten bestellt:
a) zur Steigerung der Vorfreude und
b) um die Tagestouren vernünftig planen zu können.

Vor Ort kamen vorrangig die ersten beiden Karten zum Einsatz.

  • Michelin-Regional-Karte „Provence – Cote-d’Azur“ (Karte Nr. 527 im Format 1:200.000)
    (www.amazon.de)

  • Michelin-Local-Karte „Provence/Vaucluse“ (Karte Nr. 332 im Format 1.150.000)
    (www.amazon.de)

  • Michelin-Regional-Karte „Rhonetal – Französische Alpen“ (Karte Nr. 523 im Format 1:200.000)
    (www.amazon.de)

  • Michelin-Local-Karte „Französische Alpen Süd“ (Karte Nr. 334 im Format 1:150.000)
    (www.amazon.de.)

  • Michelin-Local-Karte „Französische Riviera – Seealpen“ (Karte Nr. 341 im Format 1:150.000)
    (www.amazon.de)

 

Und Ihr so?

Habt Ihr weitere gute Tipps für die Provence?

 


TSCHÜSS und… BIS BALD!

 

Susy
Susy
Geboren "Anno Pief", im zarten Alter von vierzehn mit dem Mopped-Fieber infiziert und eine gefühlte Ewigkeit um den Moppedschein gekämpft. Mit sechzehn zunächst an der unendlichen Macht ihrer Ernährer gescheitert, mit achtzehn aber (endlich!) erfolgreich. *YEAH!* Danach leider nie aktiv gefahren und den Virus eine halbe Ewigkeit erfolgreich verdrängt - Bis er 2004 umso heftiger wieder ausbrach. Seitdem irgendwie unheilbar krank dem Moppedwahn verfallen... :-)
http://www.motorrado.de

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