Ausprobiert: Motorrad-Modultraining bei der MTG-EV in Oberhausen

Motorrad-Modultraining: Was issn das? Und taugt es als auffrischendes Sicherheitstraining zum Saisonbeginn? – Ich hab’s ausprobiert!

Wer oder was ist die “Motorrad-Training-Gemeinschaft” (MTG-EV)

Als Irene (von den “>> Heels on Wheels (www.heels-on-wheels.de)“) letzten Herbst eine frisch gegründeten Motorrad-Trainings-Gemeinschaft erwähnte, wurde ich hellhörig: Neuartige Motorrad-Sicherheitstrainings fernab von nullachtfuffzehn entfachen halt stets meine Neugier.

Bei der MTG-EV handelt es sich um einen Zusammenschluss mehrerer Motorradtrainer, die seit Ende letzten Jahres unter gemeinsamer Flagge Motorradtrainings anbieten. Mit dabei: Steffi und Uwe Hoh, Heike und Miguel Navarro, Kevin und Detlef Löbbert, Bert Peters, Maik Jostkleigrewe und Irene Seidler.

Wenige Tage später stand ihre neue Webseite und schwupp, hatte ich auch schon mein Wunsch-Training gefunden, das

Motorrad-Modultraining

Laut Webseiten-Info verbirgt sich dahinter eine Art Motorrad-Zirkeltraining, bei dem die Teilnehmer ihren Trainingstag selbst aus verschiedenen Modulen zusammenstellen können.

Klingt spannend, also fix gebucht und nix wie hin zum ersten Training des Jahres, am Samstag, den 13. April 2024 in Oberhausen.

Trainings-Premiere

Zwei Wochen vor dem Training trudelt eine Einladungs-E-Mail mit den konkreten Eckdaten ein.
Ups, sie haben das Trainingsbeginn von 9:30 auf 9:00 Uhr vorverlegt und bitten, eine Viertelstunde eher dort zu sein.

Nach kurzem formellen Kram und einem zünftigen Kaff erwartet uns die erste große Aufgabe: die Planung des Trainings-Tages.

Auf dem Tisch sind sechs Listen im Großformat ausgebreitet.
Jede Liste steht für einen 45 bis 60-minütigen Trainingsblock und enthält im Schnitt vier Module.

Gar nicht so leicht, sich spontan pro Trainings-Block für ein Modul zu entscheiden!


Trainings-Block-Liste: Wer die Wahl hat, hat die Qual!

Los geht’s!

Nach der Trainer-Vorstellung starten wir in zwei Gruppen mit dem Warmfahren:
Ein wenig Slalom und sodann recht eng in Slow-Motion ums Eck.

Dabei geben die auf dem Platz verteilten Trainer mit Händen und Füßen Tipps und der an der “Pilonen-Kehre” stehende Maik wird nicht müde, von jedem einzelnen Teilnehmer Blickkontakt einzufordern. Gut so, denn nur, wer ihn tatsächlich anschaut, schafft’s die Kehre zu meistern.

Nach zwei Runden Langsamfahren kurzes Päuschen und sodann auf zum Motorrad-Zirkeltraining!

Die Trainingsmodule

Block 1

  • Sicherheitstraining – Ausweichen
  • Kurve/MotoMove
  • Erste Hilfe speziell für Motorradfahrer
  • Schräglagentraining
Block 2

  • Sicherheitstraining – Bremsen
  • Kurve/MotoMove
  • Technik: Basics rund ums Motorrad
  • Schräglagentraining
Block 3

  • Fahren im instabilen Bereich
  • Kurve/MotoMove
  • Erste Hilfe speziell für Motorradfahrer
  • Wenden am Berg
  • Schräglagentraining

 

Block 4

  • Motorrad aufheben/Handling
  • Kurve/MotoMove
  • Technik: Basics rund um das Motorrad
  • Schräglagentraining
Block 5

  • Sicherheitstraining Handling – langsam fahren
  • Erste Hilfe speziell für Motorradfahrer
  • Wenden am Berg
  • Schräglagentraining
Block 6

  • Sicherheitstraining – Bremsen in der Kurve (Theorie)
  • Kurve/MotoMove
  • Wunschkonzert

Wer wollte, konnte sich darüber hinaus von Lea, einer Physiotherapeutin ordentlich durchnkneten lassen.

 

Mein persönlicher Trainingsplan

1. Schräglagentraining

Los geht’s für meinereiner mit dem Schräglagentraining.
Dazu steht ein Auslegermotorrad mit niedriger Sitzhöhe bereit, mit dem es sich sicher an die Schräglage herantasten lässt.


Schräglagenmotorrad

Leider wird das Mopped direkt nach der ersten Teilnehmerin bockig, so dass wir den Parcours letztendlich mit unseren eigenen Motorrädern bestreiten.
Fühlte es sich etwa in seiner Ehre gekränkt, weil gleich die erste Teilnehmerin die Rollen des Auslegers “einweihte”, was laut Trainer kaum zu erwarten war? 😀

2. Motorradtechnik

Im zweiten Block habe ich mich für’s Schrauben eingeschrieben und lerne, einen schlauchlosen Reifen mit Hilfe eines Pannen-Sets (und “Dackelkacke”) zu flicken.
Schon bemerkenswert, wie störrisch so ein Reifen sein kann und wieviel Kraft es kostet, das Reparaturwerkzeug durch das durch einen Nagel vorgestanzte Löchsken zu bohren…

3. Fahren im instabilen Bereich

Es geht wieder aufs eigene Mopped und damit zum Langsamfahr-Parcours.
Die Aufgabe besteht darin, hintereinander einen Kreis mit größerem und sodann einen mit reduziertem Radius zu durchfahren sind.
Ohne Trainer-Hilfe geht da erstmal gaaar nix…

Puuuh… Dass der Dreh-Radius meines Halses eingeschränkt ist, wusste ich, aber seit wann denn SOOO sehr…? *staun*

4. Motorradhandling

Selbst mal ein liegendes Motorrad aufheben zu dürfen (ohne dass es zwingend das eigene sein muss) ist eine prägende Erfahrung.
Sieht leichter aus, als es ist… Einmal kurz falsch gepackt und es gibt “Rücken”!

5. Erste Hilfe

Die Auswahl für den fünften Block fiel schwer: “Wenden am Berg” oder “Erste Hilfe speziell für Motorradfahrer”?

Auch wenn Erstgenanntes unbedingt als zu bekämpfender Schwachpunkt lockt, entscheide ich mich für “Erste Hilfe”, denn eine Auffrischung ist bitter nötig.
Gute Wahl, denn die Stunde erweist sich als sehr lehrreich. (An dieser Stelle großes Lob an Steffi, die den Stoff so rüberbrachte, dass er tatsächlich im Gedächtnis bleibt.)

6. Moto-Move

Zum Ausklang steht für meinereiner “Moto-Move” auf dem Programm, ein Moto-Gymkhana-Parcours in minimaler Form.

Da wir die Erste Hilfe überzogen haben, bin ich spät dran und die anderen Teilnehmer längst an Ort und Stelle. Als ich dort aufschlag, haben nur noch zwei der vier anderen ausreichend Power, sich dem kniffeligen Parcours zu stellen. Auch bei mir ist absolut die Luft raus, so dass ich’s dem Trainer erspare, sämtliche Hütchen neu aufzustellen müssen.


Kurzer, aber knackiger Moto-Move-Parcours.

Rund ums Training

Das Trainingsgelände war leicht zu finden, da es unmittelbar in Nähe des Gasometers und des Centro lag.

Vor Ort musste niemand verdursten: Wasser, Apfelsaft und Kaffee standen kostenlos bereit.

Mittags wurde der Grill angeworfen: Es gab Würstchen, Brötchen sowie selbstgemachten Kartoffel- und Couscous-Salat. (Vegetarier/Veganer müssen sich nicht sorgen: Etwaige Anti-Fleisch-Gelüste wurden vorab per E-Mail abgefragt.)


Infos und Buchungsmöglichkeiten findet Ihr hier: >> mtgev.de
(aber auch dort: >> mwz-nrw.de/Motorradtraining-MTG)

Trainings-Fazit

Ihrem Motto “Lehren mit Freude” machten die Trainer alle Ehre:
Von Anfang an herrschte eine positive Grundstimmung, die sich durch die komplette Veranstaltung zog. Alle Trainer standen jederzeit für Fragen zur Verfügung und (Sonder-)Wünsche wurden – soweit es irgendwie möglich war – erfüllt.

Das wichtige Thema Blickführung zog sich durch den kompletten Trainingstag.
Sehr lobenswert, aber auch doof, wenn man Frau den Kopf nicht ausreichen weit herumdrehen kann.

Schritttempo fahren ist nicht meins und wird (zumindest mit meiner Streety) vermutlich auch niemals meins werden.

By the way habe ich gelernt, dass auch mein Mopped diese Kriecherei absolut GAR nicht mag und dabei einen endlosen Durst entwickelt:
So verringerte sich die Restreichweite trotz der eher wenigen Fahrkilometer im Laufe des Trainingstages um etwas über 100 Kilometer!

Ein kompletter (fast 9-stündiger) Trainingstag kostet enorme Kraft und mir persönlich viiiel zu lang.
Nach wie vor gehöre ich zu den Halbtagstraining- beziehungsweise Training-on-Tour-Fans”.
Das wird vermutlich auch kein Platztraining dieser Welt ändern können.

Dennoch kann ich das Modultraining uneingeschränkt weiterempfehlen, denn die Möglichkeit, sich sein ganz persönliches Training zusammenstellen zu können, ist echt klasse!

Herrscht Wiederholungsgefahr?

Jein, bzw. nur dann, wenn es künftig auch ein Halbtagestraining oder ein Trainings-Mix MIT Tour geben wird.

Und sonst?

Erstaunlicherweis waren die “Herren” am Trainingstag ausnahmsweise mal absolut in der Unterzahl. 😀
Nicht sooo schlecht!

Ansonsten genossen wir das unendliche Wetterglück!

Anders als noch zwei Wochen zuvor prophezeit, wurden wir weder klätschnass, noch mussten wir schlottern, denn pünktlich am Vortag legte der Wetterfrosch den Schalter von “mies” auf “top” um. So konnten wir uns am Trainingstag bei etwas über zwanzig Grad den frühlingshaften Wind um die Nase wehen lassen.

Oberhausen ist von keine hundert Kilometer von uns entfernt. Aufgrund des zeitlich vorgezogenen Trainingsbeginns und des vorhergesagten Mistwetters beschlossen wir, bereits am Vortag anzureisen und eine Nacht im Hotel zu verbringen.

Während meinereiner sich auf dem Trainingsplatz vergnügte, kurvte Norby (mit dem Samstag früh anreisenden Thomas) lustig durch den Pott.


Tetraeder in Bottrop

Hotel-Tipp: Landhaus Sassenhof (Mülheim an der Ruhr)

Riesige Hotelbunker sind nicht so unser Ding. Folglich suchten wir eine Unterkunft im näheren Umkreis und wurden in Mülheim an der Ruhr fündig.

Das Landhaus Sassenhof liegt etwas außerhalb von Mülheim (Ortsteil Speldorf, Schellhockerbruck 21 – 23), wird bereits in dritter Generation geführt und bietet neben Hotelzimmern auch Ferienwohnungen an.


Hotel- und Ferienwohnungen-Trakt

Es gibt mehrere hoteleigene Stellplätze und wer mit dem Motorrad anreist, darf es in der Garage parken.


Auch outdoor fand sich ein geschütztes Plätzchen für unsere Moppeds.

Für Raucher und/oder Frischluftfanatiker empfiehlt sich ein Zimmer im Erdgeschoss, denn jene haben einen Ausgang zum “Hof” und vor der Tür stehen pro Zimmer zwei Stühle bereit. Die Zimmer-Einrichtung war eher schlicht-rustikal, aber immerhin war es recht geräumig und es standen gleich zwei Sessel bereit.


Motorrad-Bild-Deko!

Auch das Bad gehörte eher zur Marke “paar Tage älter”, bot aber immerhin eine Duschkabine (mit hohem Einstieg), Wasserdruck und Temperaturregulierung waren einwandfrei und es gab einen modernen “Touch-Spiegel”. Alles in allem ganz in Ordnung, nur die durchgelegenen Bett-Matratzen gehören dringend mal ausgetauscht.

Restaurant/Bar

Im zum Landhaus gehörenden Restaurant lässt sich’s lecker speisen:
Neben Schnitzel und Rouladen stand unter anderem auch “Zürcher Geschnetzeltes” auf dem Speiseplan und obendrein lockte eine Spargel-Karte.

Nach Küchenschluss (um 21 Uhr) hatte weiterhin die “Friesenstube Windlicht” geöffnet und obwohl wir allein im Biergarten saßen, wurden wir auch dort (ohne unnötige Bettelei) bedient.



DANKE an die aufmerksame Servicekraft, die uns
im (noch verwaisten) Biergarten Stuhlkissen und Decken anbot und
“von wegen der Gemütlichkeit” ein Windlicht entzündete!

Frühstück

Morgens herrschte (unsererseits) schon ein wenig Hektik, denn Frühstück gab’s eigentlich erst ab 8 Uhr.
Allerdings hatten wir Glück und konnten bereits zehn Minuten eher speisen.

Filterkaffee stand bereits in Kannen auf den Tischen bereit und das Frühstücksbuffet bot alles, was das Herz begehrte, unter anderem Rührei, Obst, Joghurt und Müsli.

Hotel-Fazit:
Das Hotel würden wir jederzeit wieder buchen.

Tipp: Vergleicht die Preise!
(Dank eines Sonderangebots auf der hoteleigenen Webseite zahlten wir für das Zimmer wesentlich weniger als über Booking.com fällig gewesen wären.)

>> www.landhaus-sassenhof.de

Entfernungen (Zirka-Angaben)

  • Duisburger Stadtwald: fußläufig 2 km
  • Schloss Broich: fußläufig 3 km
  • Gasometer Oberhausen: 13km (20 km über A3/A42)
  • Tiger & Turtle (Magic Mountain, 47249 Duisburg): 10 km
  • Bikertreff Grafenmühle, Bottrop: 21 km
  • Bikertreff Baldeneysee: 21 km
  • Mintarder (Biker-)Treff: 9 km

Tour-Tipp

Vom Hotel aus bietet sich eine Tour in die Elfringhäuser Schweiz oder ins Bergische Land an.
Tour-Tipps findet Ihr auch in unserem Beitrag >> “Motorradtouren im Ruhrpott” (www.motorrado.de/motorradtouren-im-ruhrpott)

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Buch-Tipps

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