Wie aus einem geplanten Kurvenrausch im Vogelsberg ein Motorrad-Wochenende mit Sightseeing durch Rhön und Werratal wurde.
Anfahrt [Freitag, 8. Mai 2026]
Unser Tour-Wochenende mit Kumpels steht an und irgendwie ist alles wie immer: Während die ursprüngliche Teilnehmerliste einen stattlichen Motorradkorso verspricht, reicht vor Ort denn doch ein Tisch für acht.

Zwischen-Stopp am Landgasthaus “Zum Wilden Zimmermann” in Hallenberg
Praktisch: Hier gibt’s nicht nur Kaffee, sondern auch gleich nebenan ‘ne Tanke.
Unser Basislager: Hotel Schwalbennest in Alsfeld
Warum experimentieren, wenn in der Vergangenheit alles so gut passte?
Das >> Hotel Schwalbennest hat massig Zimmer (teilweise mit Balkon), einen großen Parkplatz, Motorradgaragen, sehr flexible Stornofristen, einen stylischen Biker-Biergarten, aufmerksames Personal und das Essen schmeckt.
Der Biergarten hat heute wegen Antiwetter geschlossen, aber dafür lernen wir Gasthof von innen kennen. Hier hat man Wahl zwischen einer gemütlichen Räucherhöhle und einen qualmfreien Bereich gleich nebenan.
Rhön-Werra-Tour [Samstag, 9. Mai 2026]
Tour-Highlight 1: Raus aus dem Vogelsberg, rein in die Rhön
Von Alsfeld hangeln wir uns kreuz und quer Richtung Osten, durchqueren Hilders, schwenken rüber nach Frankenheim und steuern über die L 1123 den “Ellenbogen” an.
Noahs Segel auf dem Ellenbogen
Auf dem 800-Meter-Hügel steht Noahs Segel, ein auffälliges Konstrukt mit Aussichtsplattform und Röhrenrutsche.
Ein gelungenes Konzept für Menschen, die nur äußerlich erwachsen sind:
Erst 84 Stufen hochkraxeln, kurz so tun, als wäre man wegen des 360-Grad-Blicks hier und dann juchzend die Rutsche runter.

Noahs Segel auf dem Berg Ellenbogen
>> Detaillierte Infos zu Noahs-Segel
Park-Tipp:
Parken direkt an der Plattform? Dürfen ausschließlich Besucher mit eingeschränkter Mobilität. Für alle anderen heißt es, Moppeds auf dem Parkplatz “Ellenbogen/Eisenacher Haus” abstellen und die letzten Meter zu Fuß gehen. (Tagesgebühr: 1 Euro).
Alternativ macht’s uns nach:
Wir folgen dem Weg bis zum Ende, parken kostenlos vor dem verwaisten “Eisenacher Haus” und nehmen den kurzen Trampelpfad zum tollen Turm.
Nur um dort beim Anblick anderer Motorräder festzustellen, dass wir offenbar zu blöd waren, das Parkverbot zu ignorieren…
Tourhighlight 2: Grenzgeschichte in Vacha
Über Tann/Rhön geht’s nach Geisa, wo ein Eiscafé nach einem Stopp ruft.
Fünfzehn Kilometer weiter stehen unsere Motorräder erneut, diesmal in Vacha.
Hier könnte man gemütlich durch die adrette Altstadt schlendern oder aber das Fachwerk Fachwerk sein lassen. Schließlich gibt’s neben einer imposanten Brücke einiges anderes aus der Zeit zu entdecken, als Deutschland noch geteilt war.
Sehenswertes Vacha
Brücke der Einheit und Einheitsmännchen
Eine historische Steinbogenbrücke verbindet Vacha in Thüringen mit dem hessischen Philippsthal. Hier verlief einst die innerdeutsche Grenze.
Mal eben kurz rüber? Heute kein Problem, aber damals undenkbar, drum passt der Name “Brücke der Einheit” ziemlich gut.
Einheitsmännchen

Das fotogene Einheitsmännchen von Ottmar Hörl ist offenbar mit den DDR-Ampelmännchen verwandt.
Die Reifen sind kaum warm gefahren, als sich plötzlich ein riesiger weißer Berg ins Blickfeld schiebt.
Tourhighlight 3: Der “Monte Kali” will aufs Foto
Klar können wir’s kaum erwarten, den weißen Riesen aufs Foto zu bannen.
Passenderweis findet sich kurz darauf eine geeignete Haltebucht:
Die liegt an der L3172, etwa einen Kilometer hinter dem Ortsausgang von Heringen-Leimbach (Grenze Hessen/Thüringen)

Hat sich eigentlich schonmal wer Gedanken über die Sinnhaftigkeit der Schildaufschrift im Hintergrund gemacht?
Monte Kali
Der Monte Kali, auch “Kalimandscharo” genannt, ist eine Rückstandshalde aus der Kaliproduktion.
Klingt unspektakulär, macht sich als Fotokulisse aber umso besser.
Wer hoch hinaus will, kann die Halde bei einer geführten Tour besteigen oder dort droben beim Yoga den Sonnengruß üben. (Los geht’s am Hexentanzplatz am Haldenfuß.)
>> Infos zu Führungen und sonstigen Angeboten auf www.montekali.eu.
Wir begnügen uns mit dem Blick von unten und fahren weiter.
Man muss ja schließlich nicht jeden Berg hochkraxeln, nur weil er gerade in der Gegend rumsteht…
In Dippach biegen wir auf die L2117 Richtung Dankmarshausen ab, nur um kurz darauf erneut zu parken.
Fotoshooting am Kies- und Betonwerk
Während andere Menschen auf ihren Motorrad-Touren Burgen, Klöster oder schmucke Altstädte ansteuern, stehen wir staunend vor diesem weitläufigen Industrie-Areal und knipsen um die Wette.
Motorradfahren verändert offenbar den Blick für Dinge am Wegesrand. Was man sonst links liegen lässt, füllt plötzlich die halbe Speicherkarte.

Industriecharme Deluxe: Garantiert in keinem Reiseführer zu finden
Tourhighlight 4: Erst Kaffee, dann Wilder Westen
Hinter Dankmarshausen geht’s weiter nach Bad Hersfeld und es gibt Kaffee im >> “Timberjacks”, bevor wir den letzten Tour-Stopp des Tages anpeilen.
Westernstadt Lingelcreek
Im Alsfelder Ortsteil Lingelbach findet sich die kleine Westernstadt “Linglecreek” mit reichlich Wild-West-Fassaden und viel Fotopotenzial.

Westernstadt Linglecreek
Hembergstraße 1, 36304 Alsfeld-Lingelbach
Das Gelände des Vereins “Main-Street-99 e.V.” ist frei zugänglich. Wer allerdings durstig in einen Saloon stürmen will, schaut in die Röhre, denn bewirtet wird das Gelände nur bei besonderen Veranstaltungen.
Dazu gehören beispielsweise das jährliche Country-Fest im Juni oder das “Hautnah-Konzert” mit “Truck Stop” Mitte September.
Suchst Du eine Location für eine Vereins- oder Betriebsfeier, eine Hochzeit oder einfach als Film- bzw. Foto-Kulisse, kannst du die Location übrigens auch mieten.
Tausend Eindrücke später kehren wir zum Hotel zurück, hocken uns mit seligem Grinsen in den heute geöffneten Biergarten und tauschen Fahrtwind gegen frisch Gezapftes.
Es geht heimwärts [Sonntag, 10. Mai 2026]
Am Sonntag nach dem Frühstück ist Schluss mit lustig. Eben noch das Gepäck aufrödeln und dann über kleinste Sträßchen heim.
Dabei zeigt sich eindrucksvoll, dass Motorradfahren die Kreativität fördert:

Verzurr-Kunst deluxe: Irgendwas zwischen Knotenkunde, Makramee und “das hält schon”

Little Streety: Irgendwo im Nirgendwo
Tourfazit
Anders als geplant, trotzdem gut
Was als Kurvenrausch-Tour geplant war, mutierte überraschend zu einer Art Fotoshooting-Kaffeefahrt. Nie zuvor haben wir derart häufig die Seitenständer ausgeklappt.
Macht aber nix, denn kurvenreich war’s trotzdem und achtlos vorbeigerauscht sind wir in der Vergangenheit viel zu oft.
Dass ausnahmsweise auch das Wetter mitspielte und wir zumindest an einem Abend draußen hocken konnten, machte das Wochenende rund.
Kaum da, schon wieder weg
Das Wochenende war wieder mal unverschämt kurz.
Kommste erst freitagsnachmittags los, bleibt für die Hinfahrt nur elendiges Gegurke auf der Autobahn. Und kaum biste richtig angekommen, musste auch schon wieder packen.
Hotel mit Wiederholungsgefahr?
Im Hotel Schwalbennest hatten selbst unsere größten Kritiker nix zu meckern. Nur beim Frühstück gingen die Meinungen auseinander.
Ja, ein fensterloser Frühstücksraum ist nicht wirklich chillig und klar wird man enttäuscht, wenn man zwölf Käsesorten, ein komplettes Bäckereisortiment und Mangos in drei Reifegraden erwartet.
Für unseren Geschmack war jedenfalls alles da, was zu einem guten Frühstück gehört und der Kaffee schmeckte.
Zumindest mir deutlich wichtiger als handgeschnitzte Melonenschwäne.
Was bleibt von der Tour?
Ein Haufen Bilder, ein fest reservierter Platz im Langzeitgedächtnis und Bock, sofort wieder loszufahren!
Für die Tourplanung innerhalb Deutschlands nutzen wir am liebsten die übersichtlichen und detaillierten Karten verschiedener Motorradhotels, die von “Road Concept” erstellt wurden. Man bekommt sie beispielsweise auf Motorradmessen oder in den Hotels.
Wem die Online-Version reicht, der findet sie für die Region auf >> www.motorradstrassen.de.
Praktischerweise verlinken die dortigen Karten mittlerweile auf “Kurviger”, so dass ihr sie dort direkt exportieren könnt.
Weitere Tipps findet ihr im Beitrag >> Motorrad-Wochenende Vogelsberg 2025
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Für unseren persönlichen Erinnerungs-Speicher:
Mit uns auf Tour waren Richard, Natze, Andreas, Loven, Blomy und Anja.














