Fahrverbote für Motorräder im Weserbergland ab 2024 #GegenFahrverbote

2024 wird’s verdammt eng für Motorradfahrer: Im Weserbergland drohen verschärfte Fahrverbote für Motorräder mit weitreichenden Folgen:

Was hat es mit den Motorradfahrverboten im Weserbergland auf sich?

Vor allem an schönen Sommertagen fällt Anwohnern beliebter Motorradstrecken vor Schreck die Kaffeetasse aus der Hand, wenn mal wieder ein Rudel Motorradfahrer an ihren Häusern vorbeibrettert. Wen wundert’s, dass sich seit Jahren mehr und mehr Interessensgemeinschaften gegen Motorradlärm formieren und für Streckensperrungen plädieren?

Auch der Kreistag des Landkreises Holzminden war es leid und beschloss ein Pilotprojekt: Im Zuge dessen beauftragte er die Deutsche Umwelthilfe (DUH), ein Maßnahmenpaket gegen Motorradlärm zu entwickeln. Der Verein ließ sich nicht lumpen und legte einen Maßnahmenkatalog vor, der es IN sich hat!

Der Anti-Motorrad-Maßnahmenkatalog

sieht folgendes vor:

  1. Sogenannte “Lärmpausen” (= Streckensperrungen) für Motorräder an definierten Wochenenden und Feiertagen von April bis Oktober.
    Das Wochenende beginnt für die DUH jedoch nicht erst samstags, sondern bereits am Freitag(!)

  2. Fahrverbote nach “Tiroler Modell” von April bzw. Mai bis Oktober:
    Während die betroffenen Strecken in Tirol seit 2020 nicht mehr mit Motorrädern über 95 Dezibel befahren werden dürfen,
    setzt die DUH die Grenze im Weserbergland allerdings mal eben auf 90(!) dB(A) herunter.

  3. Tempolimits auf 50 bzw. 30 km/h, teilweise NUR für Motorradfahrer

  4. Anbringen von Querrillen/Verkehrshindernissen (“Rüttelstrecken“)

  5. Gezielte Polizeikontrollen (von wegen “unnützem Hin- und Herfahren”)

  6. Außerdem will man künftig auch von hinten blitzen und setzt nach wie vor auf Lärmdisplays.

Welche Strecken im Weserbergland sind betroffen?

Irrsinnigerweis schlug man auf den unten aufgeführten Strecken keine einheitliche “Lärmpause” vor, sondern verteilte sie hübsch auf die einzelnen Wochen eines Monats, so dass sich zu keiner Zeit eine zusammenhängende Tour planen lässt.

Auch hinsichtlich der Fahrverbote für Motorräder aufgrund des Standgeräusches hat man sich um eine uneinheitliche Regelung bemüht:
So gelten sie auf einigen Strecken von April bis Oktober, auf Anderen starten sie hingegen erst im Mai.

Hier ein Auszug:

  1. L580: Rühle – Golmbach (besser bekannt als “Rühler Schweiz”):

    • 30 km/h nur für Motorräder bei Ortsdurchfahrt
    • Streckensperrung am jeweils 1. Wochenende
    • Dezibel-Begrenzung (April bis Oktober)

  2. L589: Grünenplan – Delligsen

    • Tempo 50 km/h nur für Motorräder
    • Streckensperrung am jeweils 3. Wochenende
    • Dezibel-Begrenzung (Mai bis Oktober)

  3. L484: Alfeld- Gerzen

    • Tempo 50 km/h nur für Motorräder + Rüttelstrecke

  4. L497: Neuhaus im Solling – Schönhagen:

    • Streckensperrung am jeweils 2. Wochenende
    • Dezibel-Begrenzung (Mai bis Oktober)

  5. L550 + B241: Lauenförde – Schönhagen

    • Streckensperrung am jeweils 2. Wochenende
    • Dezibel-Begrenzung (April bis Oktober)

  6. L428: Ottenstein – Brevörde:

    • Tempo 30 nur für Motorräder
    • Streckensperrung an einem Wochenende
    • Dezibel-Begrenzung (April bis Oktober)

Alle Maßnahmen könnt Ihr selst in den >> Quell-Dokumenten (s.u.) nachlesen.


>> Hier geht’s zur Petition GEGEN die Fahrverbote!

Ja, wie finden wir denn das?

Klar fühlen wir mit lärmgeplagten Anwohnern: Zumal wir ebenfalls in unmittelbarer Nähe einer – für hiesige Verhältnisse – kurvenreichen Landstraße wohnen. Spätestens, wenn mal wieder eine kleine Gruppe Möchte-gern-Rossis die Landstraße mit einer Rennstrecke verwechselt und/oder ihre Umgebung mit ihren hochgezüchteten Brülltüten nervt, kommen auch wir aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus!

ABER:

Das Unding mit dem Standgeräusch

Seit 2020 besteht auf einigen Tiroler Pässen ein Fahrvebot für Motorräder mit einem Standgeräusch über 95 Dezibel.

Entsprechende Klagen blieben (leider) fruchtlos, obwohl der Dachverband der Zweiradindustrie in Österreich, die “Die Arge 2Rad” die These hinter der Tiroler Verordnung mit einem Gegenbeweis belegte.
>> 95 dB-Regel sinnlos! – Der Beweis – Stand- vs Fahrgeräusch – Ein lautes Standgeräusch heißt nicht gleich lautes Fahrgeräusch! (www.1000ps.de)

Trotz alledem bringt der DUH auch in Deutschland dieses unsägliche Standgeräusch ins Spiel und setzt das Limit obendrein absolut dreist und eigenmächtig auf 90 dB(A) herunter!
Dachte man eigentlich, das wird schon niemand merken?

Harter Fakt:
Da das Standgeräusch meiner Triumph Street Triple R tatsächlich EINEN Dezibel über dem erlaubten Tiroler Wert liegt, achtete ich beim Kauf meiner Zweitmaschine darauf, dass es darunter liegt. So bringt es meine Triumph Street Twin tatsächlich auf flüsterleise 93 Dezibel.
Zumindest theoretisch. Denn bei einer Hörprobe der beiden Maschinen würde garantiert JEDER darauf tippen, dass die Twinny definitiv die Lautere der beiden ist.

Nach wie vor sind wir der Meinung, dass es einen Bestandsschutz geben muss:
In unseren Augen ist es ein absolutes Unding, Motorradbesitzer mit Fahrverboten zu belegen, so sie den Auspuff weder manipuliert, noch eine grenzüberschreitende Auspuffanlage aus dem Zubehör verbaut haben.

Tempolimits NUR für Motorräder: Was soll der Sch…?

In den >> Quell-Dokumenten (s.u.) gibt’s bemerkenswerte Passagen, die mal wieder zeigen, wie einseitig man das Problem betrachtet.
So heißt es beispielsweise im Absatz “Beschwerden” (der offenbar als Begründung für die Maßnahmen gedacht ist):
“Eigen- und Fremdgefährdung durch Kurvenschneiden und Überholmanöver”.
Nur, um dann im Abschnitt “Maßnahmen” folgendes zu fordern: Tempo 50 km/h für Motorräder.

Wenn ich sowas höre, schwillt mir definitiv der Kamm!

Natürlich verirren sich auch mal Motorradfahrer auf die Gegenfahrbahn. Allerdings sind es doch erfahrungsgemäß vor allem überforderte SUV-Fahrer, die mit hübscher Regelmäßigkeit die Kurven schneiden?

Obendrein weiß doch jedes Kind, dass es mordsgefährlich ist, das Tempo NUR für Motorräder zu drosseln:
Hälst Du Dich als Motorradfahrer ans Limit, krabbelt Dir doch garantiert jeder zweite Autofahrer förmlich ins Heck, nur um bei nächstbester Gelegenheit ein waghalsiges Überholmanöver ohne ausreichenden Sicherheitsabstand zu starten und sodann viel zu knapp vor Dir einzuscheren.

Sollte diese No-Go-Maßnahme tatsächlich so durchgeboxt werden, fordern wir ein generelles Überholverbot, das laufend kontrolliert wird.
Alles andere ist in unseren Augen absolut fahrlässig!

Todesstoß für die Motorradregion Weserbergland

So der motorradfeindliche Maßnahmenkatalog tatsächlich in der geplanten Form durchgesetzt wird, wird vermutlich ein Großteil der Motorradfahrer die schöne Region meiden. Das wird auch der Tourismus deutlich spüren.

Vor allem bedauerlich für alteingesessene Hotelbetriebe, wie beispielsweise die >> Villa Löwenherz (www.villa-loewenherz.de).
Familie Pirone betreibt die Motorradherberge an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen immerhin bereits seit 1978.

Bislang hatten wir noch keine Chance, dort spontan ein freies Zimmer zu ergattern, denn bislang war das Hotel stets gut gebucht. Im Rahmen einer Weserberglandtour übernachteten wir allerdings ganz in der Nähe und vergnügten uns im dortigen, sehr netten Biergarten.

 

Helft bitte mit, dass es nicht dazu kommt!

Online-Petition
“Verhindert das Fahrverbot für Motorräder auf den Straßen L550 und B 241”
// Zeichnet bitte mit! //

Keine Frage:
Den Idioten, die meinen, die Straße gehöre ihnen allein und rücksichtslos ihre hochgezüchteten Motorräder kreischen lassen, würden wir am liebsten die Schlüssel wegnehmen und sie sodann ganz gepflegt übers Knie legen!

Alle Motorradfahrer über einen Kamm zu scheren, finden wir allerdings unter aller Kritik, vor allem, wenn es um Fahrverbote und (unverschuldete!) Dezibel-Beschränkungen geht.

Deine Stimme zählt!

Bitte unterschreib auch DU die von Thomas Sabath gestartete Petition:
>> Petition “Verhindern Sie das Fahrverbot für Motorräder auf den Straßen L550 und B 241” (www.change.org)

Warum?
Zunächst ist es doch “nur” ein Pilotprojekt und im Weserbergland tourst Du eh nicht? – Denk bitte dran:
Sollten die Macher allerdings zu dem Schluss kommen, dass es sich bewährt, werden die Maßnahmen garantiert auch auf andere deutsche Regionen ausgedehnt!

JETZT mitzeichnen! #GegenFahrverbote

Weiterführende Links

Beiträge zum Thema:

Gut, dass der Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM) recht umtriebig ist. Auch er hat das Thema längst auf dem Schirm und kann hoffentlich etwas bewirken.

Auch in der einschlägigen Motorradpresse berichtete man bereits über die Fahrverbote.

 

Info-Quellen:

Haben wir uns das alles nur ausgedacht? – Schön wär’s…

Hier findet Ihr die entsprechenden Quell-Dokumente:
>> https://landkreis-holzminden.ratsinfomanagement.net/vorgang/?__=UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZafE2OfmeFrky3HdfqiFkeE

Update (17.02.2024): Es tut sich was!

Am 26. Januar 2024 stimmte der Kreistag des Landkreises Holzminden über das Pilotprojekt ab.

Hier der Bericht des BVDM, der dem Treffen beiwohnte:

>> Bericht zur Entscheidung des Kreistags Holzminden und Streckensperrungen für Motorradfahrer
(bvdm.de/aktuelles-und-veranstaltungen/streckensperrungen/artikel/Kreistag-Holzminden-Artikel.php)

Das Ergebnis beruhigt ein wenig, denn anders als in Tirol gibt es in Deutschland keine Rechtsgrundlage, um Motorräder oberhalb eines gewissen Standgeräusch-Grenzwerts auszuschließen. Somit haben sich die irrsinnigen 90-Dezibel-Standgeräusch-Pläne glücklicherweise irgendwie von selbst erledigt.

Darüber hinaus sollen Geschwindigkeitslimits erfreulicherweise für ALLE Fahrzeugklassen gelten.

Leider will man jedoch nach wie vor an den “Lärmpausen” festhalten.
Diese sollen allerdings von April bis Oktober jeweils nur an EINEM Sonntag gelten und zwar abwechselnd für folgende Strecken:

  • L484 “Roter Fuchs” (zwischen Holzen und Grünenplan)
  • Grünenlan und Kreisel Richtung Alfeld und
  • die L580 “Rühler Schweiz” zwischen Rühle und Golmbach.

>> Beschlussvorlage des Landkreises Holzminden zum “Pilotprojekt Motorradlärm” (hochgeladenes pdf-Dokument bei www.bvdm.de)

Das ist natürlich insofern unbefriedigend, als es weiterhin schwierig bleiben wird, Motorradtouren in der betroffenen Region zu planen.

Mittlerweile wurde eine neue Petition ins Leben gerufen, mit der man erreichen möchte, dass Motorradfahrer endlich an den Entscheidungsprozessen beteiligt werden und somit die Chance besteht, eine Aufhebung der Streckensperrungen zu erreichen.

NEUE Online-Petition!

Zeichnet bitte auch diese Petition bis spätestens 31. März 2024 mit,
damit wir als Motorradfahrer eine Stimme bekommen und der irrsinnige Streckensperrungs-Spuk eine Ende nimmt!

(Bis zum genannten Stichtage werden 5.000 Unterschriften benötigt.)

JETZT mitzeichnen! #GegenFahrverbote
(www.navo.niedersachsen.de/navo2/portal/nipetition/0/publicviewpetition?id=102)

Weiterführender Link:
>> Beitrag “Motorrad-Fahrverbote in Holzminden ab 2024: Petition gegen Streckensperrungen in Niedersachsen”
(www.motorradonline.de/ratgeber/motorrad-fahrverbote-holzminden-90-dezibel-vom-tisch-petition-gegen-streckensperrungen)

Der Beitrag wurde zuerst am 29.12.2023 veröffentlicht und erhielt am 17.02.2024 aus gegebenem Anlass ein Update.

 

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5 thoughts on “Fahrverbote für Motorräder im Weserbergland ab 2024 #GegenFahrverbote

  1. Da hilft nur einen sommer lang alle betroffenen strassen zu blockieren alle motorradfahrer sollten jedes woende in 2er reiehe in gröstmöglicher anzahl mit 30 kmh den verkehr behindrern – auf den gesperrten strecken dasselbe mit traktoren oder lkws – mal sehn was die lärmgeplagten dann gegen traktor lärm machen zur not tuns auch laute sportautos die mal richtig Lärmterror veranstalten mit plakate mit den köpofen der verantwortlichen personen der DUH
    gepaart mit mehreren demonstrationen in den verschiedenen ortschaften – sind dann anfahrtspunkte von wegen sinnlosem umherfahren …

    1. Hi Uwe,

      zum Glück kümmert sich der BVDM und mittlerweile ist der 90-Dezibel-Irrsinn ja vom Tisch.
      Vielleicht lassen sich die unsäglichen Fahrverbote ja noch irgendwie verhindern. 😉

      Viele Grüße
      Susy

  2. Ich glaube der gr.Plan dahinter ist,uns ganz von den schönen Gegenden fernzuhalten,nur das wäre ein heftiger Schnitt,ins Fleisch derjenigen die von uns leben und uns lieben/schätzen gelernt haben.Ich bin solche Strecken mal gefahren, wo wir mit 30km/h fahren mussten u.Pkw’s 50km/h,horror.In diesem Sinne, “no way”.DlzG Piet

  3. In der letzten Vorlage gibt es nur noch zwei alternierende Verbote:

    »Lärmpause: Alternierend an einem Sonntag im Monat (April – Oktober)
    werden zwei Strecken für Krafträder in beide Fahrtrichtungen gesperrt. D.h. in
    einem Monat die eine Strecke, im nächsten Monat die andere.
    Das betrifft
    1. die L 484 „Roter Fuchs“ zwischen Holzen und Grünenplan
    sowieGrünenplan und Kreisel Richtung Alfeld,
    2. die L 580 „Rühler Schweiz“ zwischen Rühle und Golmbach.«

    So gesehen kann man also Touren planen. Die Zusammenlegung der Motorradfahrer abwechselnd auf eine der beiden Strecken wird aber wohl kaum für die jeweiligen Anwohner eine Freude sein. Eher eine Tortour. Habe mir das mal auf Google Maps angeschaut. Viele Möglichkeiten zur Umfahrung, ganz anders als in Tirol wo es defacto eine Sperrung mit der Folge von größeren Umleitungen darstellt.

    Man wird sehen wie das Modell weitergeht und wer es sich dann abschauen will/wird.

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