Motorradurlaub Herbst 2021 – Teil 1: Schweiz

Im Herbst wird’s Zeit für den zweiten Motorradurlaub. Zunächst soll vier Tage in die Schweiz gehen. Aber reicht das aus zum Glücklichsein?

Rüber-in-die-Schweiz-Tour // Königsrunde: Grimsel-Furka-Susten // >> Mörli-Alp und Seen-Tour // >> Oberalp-Rheinschlucht-Rücktour //

 

Rüber-in-die-Schweiz-Tour [Freitag, 27. August 2021]

Ist man erst einmal im kleinen Örtchen Rielasingen, kann man beinahe in die Schweiz spucken: Keine drei Kilometer hinter dem Ortskern rollen wir über die Schweizer Grenze und üben uns in ungewohnter 80-Stundenkilometer-Einhalt-Disziplin. *BOAH-wat-anstrengend*

Kurz vor dem Einratzen wechseln wir auf die Autobahn, auf der immerhin 40 Stundenkilometer mehr erlaubt. So umfahren wir erfolgreich Winterthur und Zürich, denn schließlich soll sich der Vignetten-Kauf gelohnt haben?

Autobahn-Vigenette Schweiz

Anders als man es beispielsweise von Österreich her kennt, gibt’s in der Schweiz keine Kurzzeit-, sondern ausschließlich Jahres-Vignetten. Sonderpreise für Motorräder? – Nö!
So reißt der Vignetten-Kauf für unsere beiden Moppeds ein tiefes 80-Euro-Loch in die Urlaubskasse.

Im Nachhinein eine weise Entscheidung: In größeren Städten landet man gern mal unverhofft auf einer vignettenpflichtigen Straße und latzt sich dumm und dämlich, wenn man sich ohne dieses Klebedings erwischen lässt.

Ace-Cafe Luzern

Lass uns unterwegs doch auf ’nen Kaffee zum >> Ace-Cafe Luzern (www.acecafeluzern.ch) in Rothenburg bei Luzern?

Das Navi ist sichtlich dagegen: Kurz vor dem Ziel will es uns vehement in eine Durchfahrtverbots-Straße lotsen und beschert uns nach eigenmächtigem Umfahrungsversuch eine Dauerschleife mitten durch die Knüste. Nur durch eine List lässt es sich schließlich überreden, ihr zu entrinnen.

Als wir endlich das Café erreichen, Enttäuschung: Irgendwie hatten wir nicht mehr auf dem Schirm, dass es inmitten eines urhässlichen Industriegebiets liegt?

Im Laden nebenan vertickt man nach wie vor Kult-Klamotten von Norton, Triumph und Co, aber noch immer denkt hier niemand an bikende Frauleuts. Schande eigentlich!

Wir gönnen uns einen überteuerten Kaffee, wundern uns über die merkwürdig-schräge Bedienung und staunen, wieviel Volk sich hier bereits am Mittag versammelt.

 
Ace-Café Luzern: Kann man hin, muss man aber nicht.

Mit etwas Glück gelingt’s uns, die Luzerner Innenstadt zu umfahren und rollen schon recht bald über die Ufer-Hauptstraße des hübschen Vierwaldstättersees.

Alpnacher See

Kaum haben wir den Alpnacher See erreicht, grinst die Sonne, was das Zeug hält.
Welch Wohltat an diesem recht kühlen Tag!


Südlich von Luzern liegt der Alpnachersee,
ein knapp fünf Kilometer langer Nebenarm des Vierwaldsättersees.

Über Alpnachstad geht’s zum Sarner See, erhaschen aber nur hier und da einen Blick auf das Gewässer. Anhalten? – Muss nicht sein, denn hässliche Eisenbahnschienen zwischen Fahrbahn und See stören das idyllische Bild.

Lungerersee

Als wir hinter Giswil den Lungerersee erspähen, können wir nicht umhin, bei der nächstbesten Gelegenheit den Anker zu werfen. Selbst bei zunehmend trübem Wetter leuchtet er türkis.

  
Beinahe kitschig: türkisfarbiger Lungerersee! *WOW*

Brünigpass

Über den wimmeligen Brünigpass geht’s rüber nach Meiringen, wo wir uns im Hotel Sherlock Holmes eingebucht haben.


Mist: Genau DA hinten müssen wir hin!
Na? Ob wir tatsächlich noch den Hintern nass kriegen?

Unser Ziel: Meiringen im Berner Oberland

Hotel Sherlock Holmes in Meiringen

Das Hotel liegt in einer Sackgasse, nahe der Bergbahn und bietet neben einem Aufzug auch eigene Parkplätze und eine kleine, halboffene Tiefgarage.


Stilleben:
Streety und Speedy vorm Sherlock-Holmes-Hotel

Der nette Rezeptionist schlägt von sich aus vor, die Motorräder geschützt in der Garage zu parken, die, wie er sagt, abends verschlossen wird. Tatsächlich finden unsere beiden Schätzken auf dem halboffenen Mitteldeck ein geschütztes Plätzchen.

Glücklicherweise gibt’s im Hotel kostenloses WLAN, das nach anfänglichem Schwächeln recht ordentlich funktioniert.
(Da die Schweiz nicht zur EU gehört und das Surfen richtig teuer werden kann, lohnt es sich unbedingt, dies bei der Unterkunfts-Wahl zu berücksichtigen!)

Deluxe-Zimmer

Das gebuchte „Deluxe-Zimmer“ in der zweiten Etage ist nix Dolles, aber ausreichend groß und sauber. Obendrein hat es einen kleinen Balkon mit zwei Stühlen und einem Tisch, unter dem die geshoppten Getränke ihr einsames Dasein fristen. (Warm werden die heute ganz sicher nicht!)


Balkon-Blick über die City



Stylisches Bad im Deluxe-Zimmer! *Ironie-Modus-off*

Frühstück ist inklusive…

Angeblich serviert das Hotel ein kontinentales Frühstück, aber bestätigen können wir das nicht: Erfreulicherweise kredenzt man uns auch Eier, Obstsalat, verschiedene Joghurt-Sorten, Müsli, Croissants, Kuchengedöhnse und eine riesige Auswahl an Brötchen. Selbst der Kaffee ist klasse und wer mag, kann sich seine Wunsch-Kaffee-Spezialität aus dem Kaffeeautomaten ziehen.

>> Sherlock-Holmes-Hotel per Booking.com buchen

Zum Abendessen verschlägt es uns ins >> Steakhaus Leopold (leopold-steakhouse.ch), wo man für etwas über 20 Schweizer Franken (CHF) einen recht ordentlichen Burger und für 6.50 CHF ein süffiges Bier bekommt. Ja, wirklich BOAH, aber et geht noch doller!

Auf dem Rückweg hocken wir uns auf die Terrasse des „S-Café“. Das scheint aber selbst zehn Minuten später niemanden zu interessieren und da auch der Innenbereich völlig verwaist ist, ziehen wir eine Tür weiter.
Als hätten wir’s geahnt, belassen wir’s im „Sherlock-Lounge-Club“ bei EINER Hopfenkaltschale. Gut so, denn jene lässt man sich mit stolzen 7 Schweizer Franken vergüten (pro Glas wohlgemerkt!)
Hey, dümpeln sie das Bier etwa noch mit ’nem Eselskarren über die Hügel oder wie sonst kommt man auf derartige Fantasie-Preise?

Meiringen

Das knappe 4.700 Einwohner zählende Örtchen Meiringen thront auf 595 Metern im östlichen Berner Oberland, genauer, im Haslital an der Aare. Sicher gibt’s in der Schweiz idyllischere Orte, aber als Basis für Motorradtouren taugt der Ort wirklich gut.

Wer eine Tour-Auszeit braucht, wird hier ebenfalls glücklich, denn praktischerweise gibt’s im Ort einen Bahnhof und eine Bergbahn.
Während man per Zug beispielsweise Innertkirchen und Interlaken erreicht, führt die Bergbahn nach Hasliberg-Reuti, Bidmi, zur Mägisalp oder zum Panoramarestaurant Alpen-Tower (auf 2.250 Metern).

Mehr Infos gibt’s hier: >> www.meiringen-hasliberg.ch


Die Meiringer Bergbahn verkehrt bis in die frühen Abendstunden.

Sherlock Holmes


Meisterdetektiv Sherlock Holmes ist in Meiringen allgegenwärtig:
Schließlich ließ der Autor der berühmten Geschichten seinen Helden an den Reichenbachfällen zu Tode stürzen.

 
Turm der Burg(ruine) Resti in Meiringen

Shoppen in Meiringen

Wer sich selbst verpflegen will, wird schnell fündig:
Direkt am Bahnhof gibt’s einen Avec-Markt und mitten im Ort einen Migros. (Der verkauft getränkemäßig übrigens nur Alkoholfreies.)
Knapp 300 Meter weiter liegt ein Coop. Dort zeigt man uns übrigens sinnbildlich ’ne lange Nase, denn entgegen Googles Behauptung schließt er samstags bereits um 18 Uhr.
Dafür hat Landi am Ortsausgang bis 20 Uhr und sogar sonntags geöffnet.

Lust auf einen Besuch im Berner Oberland? – Hier findet Ihr passende Unterkünfte (booking.com):
>> www.booking.com/searchresults.de.html?region=663&aid=1672344&no_rooms=1&group_adults=2

 

Grimsel-Furka-Susten-Tour [Samstag, 28. August 2021]

Endlich auf zum Pässekarussell!

Bei Tour-Start sind wir noch guter Dinge, denn anders als die Wetter-App prophezeite, gibt sich die Sonne Mühe, vorsichtig durch die dicken Wolken zu luken.

Bis Innertkirchen, dem Talort des Grimsel- und Sustenpasses sind’s gerade mal fünf-komma-vier Kilometer.
Erstaunlicherweis reicht selbst diese kurze Distanz aus, um uns gnadenlos zu verlieren.
Kaum halte ich hinter dem Abzweig zur Grimsel, um die GoPro zu starten, ist die Speedy aus meinem Rückspiegel verschwunden. Warten hilft nicht und so langsam schwant mir Böses: Sein Besitzer wird doch nicht etwa den Sustenpass hochgejagt sein? *Augenroll* #WarumHörenMännerNieZu ?

Was nun? – Telefonisch ist Norby nicht erreichbar und per WhatsApp brauch ich’s gar nicht erst versuchen: Haben wir doch vorab die Datenfunktion unserer Smartphones deaktiviert, um nicht in die Kostenfalle zu tappen.

Böses Erwachen!


Zurück aus dem Urlaub folgt das böse Erwachen:
In der Schweiz latzt man selbst für missglückte Anruf-Versuche!
(Übeltäter ist die angesprungene Mailbox des Angefunkten.)

Und WIEDER was dazugelernt! *GRRR*

Warum hast Du Dir keine Schweizer SIM-Karte besorgt, Du Depp?

Klar hatte ich vorab damit geliebäugelt, aber schließlich doch darauf verzichtet, da sich die SIM-Karte nur IN der Schweiz kaufen lässt. Zumindest wenn man spät dran ist.

Wer schlauer sein will, lese vorab die >> Tour-Tipps Schweiz (www.motorrado.de/tour-tipps-schweiz/#kostenfalle) und vor allem Max Kommentar unterhalb des Beitrags.

Buche ich halt einen Datenpass beim Handy-Provider?
Der „WeekPass L“ von Congstar kostet 30 Euro, ist eine Woche lang gültig und man kann bis zu 2 GB mobil surfen.

Zusätzlich wollte ich eine Auslands-Option für das Prepaid-Handy (mit Vodafone-SIM) buchen. Das funktioniert ebenfalls erst in der Schweiz, wo ich praktischerweise gleich eine Erinnerungs-Werbung per SMS erhielt:

„Du bist in der Schweiz und willst im Internet surfen…? Dann hol Dir 1 GB für 9,99 Euro. Das Datenvolumen gilt 2 Wochen… Schick zum Buchen einfach eine SMS mit 2277 an die 224466″…“

Gemacht und gestaunt, denn statt einer Erfolgsmeldung hauen sie mir folgende SMS um die Ohren: „Bitte die Eingabe überprüfen und den Code erneut eingeben.“

Nach drei erfolglosen Versuchen kann man es entweder biestig weiterversuchen oder – wie meinereiner – freiwillig aufgeben.
Sch… was drauf, schließlich haben wir Spannenderes vor!

Grimselpass

Kurz hinter Innertkirchen treffe ich auf eine längere Schleich-Kolonne, die allesamt so dicht hintereinander herdümpeln, dass sich jegliche Überhol-Chance ganz von selbst erledigt.
Eigentlich der perfekte Zeitpunkt, um die schöne Gegend zu bestaunen? –
Yepp, aber kannste heute knicken, denn je höher, desto nebelig.

Während sich Räterichbodensee und Grimselsee noch deutlich abzeichnen, erwartet mich auf der Passhöhe eine Nebelsuppe vom Allerfeinsten. Just dort oben überrascht das Streety-Display mit einer Warnmeldung von wegen „Achtung, aufgrund der gemessenen Luftfeuchtigkeit könnte es eventuell glatt sein!“
Huch, mein Mopped lebt…?


Finde den Totensee auf der Grimselpass-Höhe!

Tatsächlich ist es hier oben eisig kalt und ich muss mich entscheiden: weiterfahren oder umkehren?
Sch… drauf: warme Gedanken machen und dadurch!

Unten in Gletsch sieht’s wettertechnisch gar nicht mehr sooo schlecht aus, wenngleich sich Richtung Furkapass ebenfalls dicke Wolken türmen.


War was? – Bestes Wetter im Talort Gletsch.

Furka-Pass

Vor der Passhöhe anhalten ist selbstredend Pflicht, denn direkt in der Kehre liegt dieses höchstbeliebte Fotomotiv, das Hotel Belvedere.

 
Ha! Endlich hat auch meinereiner sein persönliches Belvedere-Foto! *TSCHAKKA*


Rückblick:
Wer genau hinschaut, erkennt unten im Tal die dampfende alte Furka-Bahn.

Einen weiteren Stopp auf der eigentlichen Passhöhe klemm ich mir: Sooo prickelnd sind die Temperaturen denn auch nicht und schließlich kann man nicht an jeder Ecke anhalten.

Unten in Andermatt wird’s dringend Zeit für ’nen wärmenden Kaffee.
Eigentlich lautete der Tourplan: Ritt über den Gotthard beziehungsweise die Tremola nach Airolo und über Nufenenpass und die Grimsel zurück zur Basis.


Bei DEN trüben Aussichten fällt die Entscheidung nicht schwer.

Allein fahren iss doof, drum beschließe ich, über den Sustenpass zurück nach Meiringen zu fahren, werfe aber zuvor noch fix das wärmende Regenzeugs über, um das lästige Zähneklappern zu stoppen.

Die langgezogenen Serpentinen runter nach Wassen könnten Laune machen, aber der Spaßfaktor hält sich heute in Grenzen: Dank rappelvoller Gegenfahrbahn gibt’s keine Chance, die vor mir herzuckelnden Landschaftsgaffer zu überholen.

Sustenpass



Huch, auf dem Sustenpass ist’s ja gefühlt NOCH eisiger, als auf der Grimsel? *BIBBER*

Immerhin bleibt’s trocken und in Meiringen traut sich sogar die Sonne hervor.
Tja, wenn sie sooo nett lacht, kann ich auch erneut auf den Grimselpass?

Gute Entscheidung, kommt mir auf halbem Weg nach Innertkirchen tatsächlich die Speedy entgegen!? *FREU*

Norbys Trip

Wie ich später höre, rockte Norby ebenfalls den Susten- und Grimselpass und ergötzte sich an ähnlichem Traumwetter:

 
Sustenpass

 

 
Grimsel-Pass

Murmeltiere auf dem Grimselpass?

Gemeinsam statt einsam auf die Grimsel macht gleich doppelt Laune, zumal die Sonne weiterhin zaghaft durch die trübe Himmelssuppe blinzelt.

Auf der Passhöhe ist’s aber nach wie vor so ruppig, dass selbst die Stars des Murmeltierparks streiken.

  
Den Totensee gibt’s ja wirklich?

Auf dem Rückweg wollen wir eigentlich im Restaurant Urweider in Innertkirchen speisen (ein Tipp von >> Jürgen von www.motorprosa.com). Blöderweise öffnet jenes erst um 17 Uhr und da es zunehmend aus den Wolken tropft, machen wir uns schlotternd auf den Heimweg.

Auch in Meiringen hat es sich mittlerweile nett eingeregnet, so dass wir zum Essenfassen sprinten müssen.
Nach kurzer Wartezeit ergattern wir einen Sitzplatz auf der überdachten Außenterrasse der >> Pizzera Bahnhöfli (www.hotel-meiringen.ch).
Die Pizza ist ganz ordentlich, aber 22.50 Schweizer Franken ist sie trotzdem nicht wert!

 

Mörlialp- und Seen-Tour[Sonntag, 29. August 2021]

Leider bestätigt sich, was der Wetterfrosch am Vortag orakelte: Gestern Abend hat es auf den umliegenden Pässen geschneit!
Wie gut, dass wir sie schon gestern angefahren haben! Tremola und Nufenenpass müssen wir aber spätestens jetzt endgültig abhaken. *Megaschade!*

Auf zu Plan B: Glaubenbergstraße oder Glaubenbielenpass?

Mörlialp und Glaubenbielenpass

Wir entscheiden uns für Letzteren, aber wo nur geht’s zur Mörlialp?

Als wir den Lungerersee erreichen, empfiehlt uns das TomTom einen schmalen Weg, der obendrein für Kraftfahrzeuge gesperrt ist.
Nee, lass menn: keine Verkehrs-Abenteuer in diesem hochpreisigen Fleckchen Erde!

Nach sturem Ignorieren der Navi-Ansagen findet sich der Einstieg schließlich in Giswil-Rudenz und wir staunen nicht schlecht: Die Route führt über eine schmale Almstraße. Ausnahmsweise hegen wir keinen Groll gegen den vorausfahrenden Pkw, denn der ist flott unterwegs und sein Vehikel breit genug, um die entgegenkommenden Fahrzeuge zum Warten zu bewegen.


Als wir das Schild (im Hintergrund) entdecken, ist’s vorbei mit unserer Einkehr-Muße auf der Mörli-Alp:
In nur wenigen Minuten sind wieder Lkw auf dem Pass erlaubt! *KREISCH*

Panorama – Panorama – Panorama!

Verglichen mit den umliegenden Pässen ist der Glaubenbielenpass mit seinen 1.611 Höhenmetern ein echter Zwerg.


Aber dafür bietet sich unterwegs ein unglaublicher Panorama-Blick auf die Seen-Landschaft im Tal!

Emmental

Über Flühli und Escholzmatt geht’s in südwestlicher Richtung nach Marbach und auch wenn das Wetter leicht schwächelt, ist die Fahrt durchs Emmental landschaftlich sehr nett.

Marbachegg im Entlebuch

Ab Marbach führt eine Gondelbahn hoch zum Marbachegg. Dort oben erwarten Adrenalin-Junkies unter anderem zwei Bike-Trails und die Möglichkeit, mit ’nem Kart über die Alpweiden zu pesen.

 
Kaffeepause im Restaurant am Fuße des Marbacheggs

Just als wir wieder durchstarten wollen, nötigt uns der einsetzende Regen, die Halbkörper-Kondome überzuwerfen.

Thun

Dank des Mist-Wetters schenken wir uns einen Halt am Bikertreff Restaurant Gabelspitz Schallenberg und fahren direkt weiter nach Thun. Über dem Städtchen thront ein prächtiges Schloss und mitten durch den Ort plätschert die unglaublich türkisfarbene Aare.

Spätestens hier bedauern wir, viel zu wenig Zeit für die Schweiz eingeplant zu haben: Wie gerne würden wir uns ausgiebig in dieser reizenden Stadt umsehen?

Thuner See

Stattdessen cruisen wir am Nordufer des Thuner Sees entlang und sind absolut geflasht vom Traum-Panorama:

 

 
WOW! Wie genial muss das hier erstmal bei Sonnenschein aussehen?

Brienzer See

Wir umfahren Interlaken so gut es geht und nehmen Kurs auf Bönigen. Am Südufer des Brienzer Sees findet sich unter anderem ein Schiffsanleger und – nur wenige Schritte vom See entfernt – ein Parkplatz mit Motorradparkplätzen.


Dreistigkeit siegt…?
Ignorante Idioten gibt’s leider überall. *seufz*

 
Brienzer See

Genau hier haben wir uns auf einen kurzen, aber sehr ergiebigen Plausch mit >> Andreas, dem „Swizzlybiker“ (swizzlybiker.com) verabredet. Bevor er mit seinem roten Indian-Dickschiff wieder vondannen rollt, versorgt er uns netterweise noch mit Tipps für unsere morgige Rückfahrt.
Zu diesem Zeitpunkt konnten wir noch nicht ahnen, dass es kein Wiedersehen geben wird.

R.I.P. Swizzlybiker!

Wir sind froh, dass wir Dich kennenlernen durften!

Geschockt mussten wir lesen, dass der symphatische Mann mit den großartigen Ideen nicht mehr aus seinem Urlaub zurückkehrte, auf den er sich so sehr gefreut hatte.

Wie Jürgen berichtet, verstarb Andreas am 10. Dezember 2021 in Kenia.
>> www.motorprosa.com/erinnerungen-an-andreas-von-allmen/

Brienz

Weiter geht’s nach Brienz, wo man uns im Restaurant Löwen einen außergewöhnlichen Eiscafe serviert:
Anstelle normalen kalten Kaffees setzt man hier auf unglaublich cremiges Kaffee-Eis! *HMMM*


Ausblick von der Außenterrasse auf den Brienzer See.

Merkwürdigerweise zelebrieren heute viele Lokale in Meiringen ihren Ruhetag. Nach kurzer Suche kehren wir in einer Seitenstraße in der Pizzeria „Bel Paese“ ein. Spaghetti Bolognese und Pizza sind ok, nicht mehr und nicht weniger.

 

Oberalp-Rheinschlucht-Rück-Tour [Montag, 30. August 2021]

Nach dem Auschecken kurz Winke-Winke und schwupp geht’s über Innertkirchen auf den Sustenpass.
Puuuh, Schwein gehabt, denn DER ist heute wieder schneefrei und obendrein herrscht wenig Verkehr.


Auf der Passhöhe lässt sich sogar die Sonne blicken! 😀


Man munkelt, auch der Sustenpass mache voll Laune!

  
Ist das ein geiles Kurvenparadies oder IST das ein geiles Kurvenparadies?

Als wir hinter Wassen, auf die vielbefahrene Bundesstraße 2 stoßen, ist die Einsamkeit Geschichte, aber trotz der vor uns herumschleichenden Tucker-Experten geht’s immerhin einigermaßen flüssig die weitläufigen Kehren empor.

Schöllenenschlucht und Teufelsbrücke

Am Aussichtspunkt Schöllenenschlucht werfen wir den Anker.

 
Surreale Landschaft an der Schöllenenschlucht.

   
Wunder der Natur zwischen Göschenen (im Norden) und Andermatt (im Süden).
Durch die Schlucht fließt die Reus, die von der Teufels- und der Häderlisbrücke überspannt wird.
Mehr Infos gibt’s hier: >> www.andermatt.ch/attraktionen/schoellenenschlucht-cb0d1004b8

In Andermatt angelangt, dann DER Hammer:
„Biegen Sie rechts ab. Dann nehmen sie die Fähre!“ säuselt uns die Navi-Dame ins Ohr.
Was weiß sie, was WIR nicht wissen?)

Oberalppass

Weiter geht’s auf den Oberalppass.



Kleiner als gedacht:
Hält man auf der Passhöhe nicht gezielt Ausschau nach dem Leuchtturm, kann man jenen schnell übersehen!

Eigentlich wollten wir der Empfehlung des „Swizzlybikers“ folgen und mal hier mal da links und mal rechts von der Bundesstraße 19 abzweigen. Da es aber immer wieder leicht tröpfelt, schalten wir um in den Weichei-Modus, verabschieden uns von dem reizvollen Plan und dümpeln stattdessen gelangweilt über diese „dolle“ Passstraße.

Rheinschlucht

Spätestens in Illanz wird’s dringend Zeit für ’nen Abstecher:

Nachdem wir die Hauptstraße verlassen haben, geht’s Richtung Süden, aber je mehr Kilometer wir zurücklegen, desto stutziger werden wir: Haben wir gar den Abzweig nach Versam übersehen?

Wir fahren und fahren und stranden schließlich an einer Baustelle. Trotz des grünen Ampel-Signals denkt der Baggerfahrer auch nicht annähernd daran, seine Fels-spickende Tätigkeit zu unterbrechen. So stehen wir hier mutterseelenallein vor einem riesigen Krater, lauschen dem Höllenlärm und inhalieren eine Überdosis Staub. Irgendwie spooky…

Als der Bagger-Held sich nach einer gefühlten Ewigkeit endlich ausgetobt hat und Anstalten macht, die Fahrbahn zu räumen, schlängeln uns fix vorbei. Aber so nett kurvig sich die Strecke auch zeigt: Spätestens als wir in Vals aufschlagen, wird’s Zeit, umzukehren. *Nee-nee-soooo-weit-südlich-iss-definitiv-falsch!*

Klar macht auch der einsame Rückweg Laune und diesmal flutschen wir problemlos durch die Baustelle. Der Abzweig nach Versam will uns aber einfach nicht vor die Räder springen!

Doof jetzt, aber da es wettertechnisch immer ungemütlicher wird und wir noch ein gutes Stück vor uns haben, geben wir den Rheinschlucht-Plan schweren Herzens auf.

Zurück auf der Hauptstraße 19 wird sie spätestens in Laax und Flims neben öde auch zunehmend voll, aber zum Fluchen fehlt uns gerad der Elan.

Eben noch fix durch Liechtenstein?

Wenn wir schonmal in der Nähe sind, können wir doch eben fix Liechtenstein ankratzen und dieses alte Fort am Sankt Luzisteig bestaunen, oder? – Klar, steht eigentlich fest auf unserem Tourplan, fällt allerdings dem plötzlich einsetzenden Endlos-Regen zum Opfer. Da bevorzugen doch lieber die schnellste Route nach Rielasingen-Worblingen und hangeln uns von einer Baustelle zur nächsten.

Ja-ja, lange Nase: Kaum haben wir den Ortseingang unseres neuen Basis-Orts passiert, iss Schluss mit der elendigen Regenschauerei. Zumindest weiß ich jetzt, dass das neue Regenzeugs dicht ist… 😉

Eben fix unsere Moppeds in der Hotel-Garage vor dem Motorradanhänger abgeparkt, rein ins Auto, kurz einkaufen und weiter zur Ferienwohnung.

Letztere überrascht tatsächlich sehr: Sieht sie live NOCH viel netter aus, als zuvor auf den Bildern! *LIKE!*

Wie bereits am ersten Urlaubs-Abend, genießen wir auch heute die gute Küche des Wirtshauses >> „Zum Löwen“ (www.loewen-rielasingen.de).
Oh je, zwei Wochen am Stück dürfen wir das aber nicht machen, sonst übersteigen wir noch das zulässige Gesamtgewicht unserer Moppeds?

HIER geht’s zur Fortsetzung: Motorradurlaub Herbst 2021: Teil 2: Bodensee
=> Coming Soon!

 

Susy
Geboren "Anno Pief", im zarten Alter von vierzehn mit dem Mopped-Fieber infiziert und eine gefühlte Ewigkeit um den Moppedschein gekämpft: Mit 16 zunächst an der unendlichen Macht ihrer Ernährer gescheitert, mit 18 dann endlich erfolgreich durchgesetzt. *YEAH!* Danach leider nie aktiv gefahren und den Virus erfolgreich verdrängt, bis er 2004 umso heftiger wieder ausbrach. Seitdem unheilbar krank dem Moppedwahn verfallen. :-)
http://www.motorrado.de

2 thoughts on “Motorradurlaub Herbst 2021 – Teil 1: Schweiz

  1. Das ist ja auch mal schön, wenn man beim Lesen quasi genau weiß wo was ist, wie es da aussieh und sich dann denkt, könnte ja von mir berichtet sein.

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