Motorradurlaub 2018: Sardinien

Was gibt’s Besseres, als im Herbst nett bei T-Shirt-Wetter zu touren? Als der Flieger nach Sardinien startet, sind unsere Moppeds längst vor Ort.
Was aber sollen all die blauen Flecken auf der Sardinien-Wetterkarte: Erwartet uns gar lustiges Pfützenspringen statt gepflegtes Kurvenwedeln?

VORPLANUNGEN
// >> Motorrad-Transport //
KURVENSPASS AUF DER INSEL
// >> Tag 1: Olbia – Palau und La Maddalena // >> Tag 2: Palau – Valledoria // >> Tag 3: Rundtour Valledoria // >> Tag 4: Valledoria – Bosa // >> Tag 5: Bosa – Arbus //
// >> Tag 6: Arbus – Cabras // >> Tag 7: Cabras – Valledoria // >> Tag 8: Valledoria – La Caletta // >> Tag 9: La Caletta Rundtour // >> Tag 10: La Caletta – San Teodoro //
// >> Tag 11: San Teodoro – Olbia // // >> Tag 12: Olbia – Heimwärts //
UND SONST?
// >> Fazit unseres TOURlaubs //

Vorplanungen

Motorrad-Transport

Bei unserer ersten Sardinien-Tour nahmen wir die Ostküste unter die Räder und waren so begeistert, dass die Aktion definitiv nach einer Wiederholung schrie.
Einmal rund ums Eiland wär doch toll?

Als die Insel letzten Herbst immer lauter ruft, surfe ich mir die Flossen wund, um eine geeignete Transportmöglichkeit für unsere Moppeds zu finden.
Schließlich kontaktiere ich im November Kalle von der >> Moppetkutsche, der in diversen Foren hochgelobt wird.

Kalles „Moppettkutsche“

Nach einem kurzen Telefonat weiß ich alles, was ich wissen muss:

  • Termintechnisch haben wir momentan noch völlig freie Wahl.
  • Die Flüge lassen sich unabhängig vom Transport buchen, denn die Motorräder werden in einer gesicherten Halle in Olbia zwischengelagert.
  • Unsere Motorräder werden zum vereinbarten Festpreis vor der Haustür abgeholt/zurückgebracht und sind während des Transports voll versichert.
  • Das komplette Gepäck nimmt Kalle ebenfalls mit. (Yippie, keine Kofferschlepperei!)
  • Der Transport erfolgt im geschlossenen Truck.


Kalles Moppettkutsche

Klingt eigentlich zu schön, um wahr zu sein?
Merkwürdigerweise hält sich mein innerer Skeptiker mit seinen typisch bohrenden Fragen à la „Wo ist der Haken?“ zurück und mein Bauchgefühl meldet:
„Los, freu Dich und mach’s dingfest!“

Gedacht, gemacht, obendrein Flüge gebucht und ein-zwei-drei Unterkünfte dazu.

Bye-bye Moppeds! [Sonntag, 09.09.2018]

Eeendlich, es geht los: Heute werden unsere Motorräder abgeholt.
Naja, bislang war mir nicht wirklich wohl bei dem Gedanken, mein „Schätzken“ in fremde Hände zu geben, aber diesmal bin ich erstaunlich relaxt. – Ein gutes Zeichen?

Statt eines Riesen-Lkw rollt ein Transporter mit Anhänger vor’s Haus.
Prima, der Mann hat offenbar Ahnung, denn so ein Monster-Truck wäre in unserem verwinkelten Wohngebiet gnadenlos in den Rabatten gestrandet!

Mit Argusaugen beobachten das Verladen, merken schnell, dass unsere Moppeds offenbar in guten Händen sind.


Während little-Streety im Transporter Platz nimmt, krabbelt die „Tiger“ galant auf den Planen-Anhänger.

Motorradabholung Moppettkutsche
… und unser Gepäck fährt auch mit!

Herausforderung: Packen für den Motorradurlaub

Schon krass, bereits Taaage vor der Tour mit der Packerei fertig sein zu müssen.
Hey, jetzt bloooß nix Wichtiges vergessen, immerhin fliegen wir nur mit Handgepäck?

  • Norby’s reist mit zwei H&B-Koffern, Topcase und Tankrucksack.
    Seine Moppedkluft hat er in einer gesonderten Gepäckrolle verstaut.
  • Meine komplette Motorradbekleidung (inklusive „Kröte“, Motorrad-Stiefeletten, Tankrucksack, Tourenkarten und Helm) landet in einer 50-Liter-Rolle.
  • Sack Nummer zwo enthält die restlichen Klamotten und geht vor Ort mit auf Tour.

 

Kurvenspaß auf der Insel

Der Tag vor dem Abflug ist ungewöhnlich tiefenentspannt, denn statt üblichem Packstress bleibt nur, unsere Rucksäcke zu bestücken:
Navi, Smartphones, Kabelgedöhnse und all das, was es nicht rechtzeitig in die Gepäckrollen geschafft hat.

Eben noch online einchecken und fertig!

 

Tag 1: Deutschland – Olbia – Palau und La Maddalena [Samstag, 15.09.2018]

Nach viel zu wenig Schlaf schlägt der Wecker gegen zwei Uhr nachts Krawall. Zwei Stunden später huschen wir am Flughafen Düsseldorf durch die Sicherheitskontrolle, schlabbern einen Kaff, bewundern kurz die Räucherhöhle und entern völlig übermüdet den Flieger.

Dort die erste Überraschung: Mein Sitznachbar möchte seinen Fensterplatz unbedingt mit einer Alleinreisenden hinter uns tauschen, um neben seiner Herzallerliebsten sitzen zu können. Die Dame tauscht zwar gern, besteht aber auf einen Gangplatz. Juchhuuu, uneingeschränktes Sonnenaufgangs-Kino für lau! 🙂

Flugstart im Dunkeln
Als wir losrollen, ist es noch duster…

Sonnenaufgang Sonnenaufgang
Vor lauter kitschigem Sonnenaufgangs-Wunder vergessen wir völlig, zu ratzen.

Knapp zwei Stunden später landen wir in Olbia, frohlocken, uns die Warterei am Gepäckband sparen zu können und stiefeln zum Ausgang. Wie versprochen, werden wir bereits erwartet und mitsamt >> unseren Mitfliegenden per Kleinbus zur nahegelegenen Lagerhalle chauffiert.


Top organisiert:
Alle Moppeds stehen abfahrbereit in der Firmenhalle. Unmittelbar davor parkt das zugehörige Gepäck.

Dort heißt’s dann: Gepäckrollen auf, Moppedklamotten raus, eben fix umziehen, die Heimflug-Kleidung in den (jetzt leeren) Gepäckrollen verstauen und ab damit ins Wandregal. – Kurz noch aufsatteln und ab dafür!

Müde? – Keine Spur! Adrenalingedoped hüpfen wir auf unsere Maschinchen und auf geht’s.

Erste Station: Palau im Nord-Osten

Ein Katzensprung!

Obwohl wir einmal quer durchs quirlige Olbia müssen, bleibt das Verkehrschaos – Samstag sei Dank – aus. Ratzfatz erreichen wir den Ortsausgang und je weiter wir uns vom Hafenstädtchen entfernen, desto netter schlängelt sich die SS125 durch die Landschaft. Dumm nur, dass sie fast durchweg auf fünfzig Stundenkilometer begrenzt ist? Auch wenn wir das Limit großzügig nach oben korrigieren, dauert’s nicht lang, bis uns ein sardischer Lkw von der Straße schubsen will. Laserbewaffnete Sherrifs gibt’s hier offenbar nicht?

Vor Arzachena wechseln wir auf die SP13 Richtung Cannigione und folgen der Küstenstraße Richtung Norden. Einen Besuch des Capo d’Orso schenken wir uns, denn was sollen wir an einem Bärenfelsen, der uns nichtmal annähernd an Meister Petz erinnert?

Kurz vor Palau fahren wir auf die „Strada Panoramica per Baragge“ (SP121), die von oben in den Ort hinein führt und uns mit einer riesigen Aussichtsplattform überrascht.

Aussichtsplattform über Palau
Auf zur Foto-Session!

Panoramablick auf die Bucht von Palau   Streety mit Meerblick
Gigantischer Blick von der „Piattaforma di Panoramica“ auf die Bucht von Palau mit Insel Maddalena

Glück braucht der Mensch

Trotz ausgedehnter Kaffeepause und viel Trödelei schlägt die Uhr gerade mal kurz nach zwölf. Doof, wenn einen das vorgebuchte Hotel frühestens um 15 Uhr erwartet, sich das frühe Aufstehen aber mittlerweile rächt?

Egal, wir fahren trotzdem hin. Vielleicht dürfen wir dort zumindest schonmal Moppeds und das Gepäck parken? – Yepp, dürfen wir und die Maschinen obendrein in einer zweckentfremdeten Tiefgarage abstellen, gleich neben Mineralwasservorräten, Mülltonnen und lakenbehängten Wäscheständern.

Just haben wir unser Hab und Gut in der Rezeption ausgebreitet haben und gehen dazu über, unsere Moppedklamotten gegen Shorts zu tauschen, kommt die gute Nachricht: Unser Schlafgemach ist bezugsfertig! *Yeaaah*
Netterweis begleitet uns der Rezeptionist zu unserem Zimmer und schlört ein-zwei Taschen mit hoch. Vielen Dank dafür!

Auf nach La Maddalena!

In luftigen Klamotten schlendern wir runter zum Hafen und entern eine Fähre zur kleinen Nachbarinsel.

Fähre Palau – La Maddalena

Zwischen Palau und dem vorgelagerten Inselchen La Maddalena verkehren regelmäßig zwei Fähren: „Delcomar“ und „Maddalena Lines“.
Die Überfahrt dauert ungefähr fünfzehn Minuten. Fährtickets bekommt man jeweils auf dem Fährvorplatz.

Delcomar
>> Fahrplan Delcomar
Die Preise richten sich nach der Jahreszeit.
Im Sommer (1. Juni bis 30. September) kostet die Fährfahrt One-way 3.70 Euro (Hin+Zurück 7,10 Euro).
Soll das Motorrad mit rüber, zahlt man abhängig vom Hubraum.
>> Übersicht Delcomar-Tarife (pdf-Format)

Maddalena Lines
>> Fahrplan Maddalena Lines
(Eine Fahrpreis-Liste haben wir auf den Seiten leider nicht gefunden.)

 
Toller Ausblick vom Panorama-Deck der erstaunlich großen Fähre

Auf La Maddalena latschen wir uns die Hacken wund. Zur Belohnung gönnen wir uns ein Eis.
Hhhhmmmm! Soooo lecker!


Schicke Häuser am Fährhafen Cala Gavetta auf La Maddalena

 
Blick auf Palau vom Wasser aus

 
Schon ein nettes Städtchen, dieses Palau.

City-Hotel Palau

Unser Zimmer bietet gleich vier Schlafplätze (Doppelbett und ein Stockbett) und einen Balkon und wer ganz genau hinschaut, erspäht von dort sogar ein Fitzelchen Meer. Für Lauffaule ist die Unterkunft übrigens nur eingeschränkt geeignet, da man ein kleines Hügelchen heruntertrapsen muss, um den Ortskern zu erreichen.

Allerdings gibt’s direkt nebenan Drogerie, wenige Meter weiter einen Biomarkt, der unter anderem auch Wein und Bier verkauft, einen Supermarkt und eine Bar.

Fahrzeuge parken auf dem hoteleigenen Parkplatz gegenüber (außer man fragt nett…)

 

Tag 2: Palau – Valledoria [Sonntag, 16.09.2018]

Die Nacht war hervorragend, das Frühstück hingegen… *achgott-achgott-achgott*

Für Nicht-Süße – wie unserereiner – ein kleiner Alptraum: Am Buffet wimmelt’s nur so vor Zuckerkrams: Kekse, Kuchen und Croissants. Ergo gibt’s Gerangel um das letzte Brötchen. Immerhin haben sie auch Toast und einen Toaster, außerdem Joghurt, Cornflakes und „Caffee Americano“.

City Hotel Palau
Streety abfahrbereit vor dem Hotel. Rechts im Bild: die Tiefgarage.

Auf zu unserem nächsten Ziel: Valledoria im Nordwesten, das wir – ebenfalls schon daheim – für zwei Nächte reserviert haben.

Eigentlich soll es über Santa Teresa Gallura zum Capo Testa gehen, dem nördlichsten Punkt der Insel, anschließend nett über die SP90 an der Küste entlang und ab Badesi eventuell noch kurz ins Inland.

Ein kurzer Blick auf die Wetter-App durchkreuzt sämtliche Pläne, denn angeblich soll’s ab morgen regnen.
So pfeifen wir auf das Küsten-Gedengel und ziehen spontan die „Monte Limbara-Tour“ vor.

Kampf mit der Zapfsäule

Zum gepflegten Warmschaukeln wählen wir die SS133 bis Tempo Pausania. Dort wird’s Zeit, unsere Moppeds an die Tränke zu führen, aber natürlich hat selbst die größte Tanke sonntags geschlossen. Aber wofür gibt’s schließlich diese Tankautomaten – Kann ja nicht so schwer sein, oder?

Also ran an die Zapfsäulen und rein ins Abenteuer:
Ohne Umparken wird das schonmal nix, gibt uns zumindest ein Einheimischer zu verstehen. Wenn wir seine Zeichensprache richtig deuten, funktionieren nur bestimmte Säulen per Tankautomat. Kein Problem, setzen wir die Böcke halt um.
Aber egal, was wir auch anstellen, aus dem doofen Tankrüssel will einfach kein Sprit laufen? – Wie gut, dass die Sarden so hilfsbereit sind!

How-to-tank auf Sardinien: So geht’s

1. Tankdeckel öffnen (Eigentlich klar, aber wichtig, denn je eher, desto besser!)
2. Am Automaten (möglichst glattgebügeltes!) Geld einschieben und die Nummer der Zapfsäule wählen.
3. Beeilen(!), um zurück zur Säule zu kommen, denn vergeht zuviel Zeit, ist’s vorbei mit dem Tankspaß.
4. TOI-TOI-TOI-rufen und – mit etwas Glück – tanken.

Außerdem gelernt:

1. Irgendwo hatten wir gelesen, dass es auch möglich sei, per EC-Karte zu tanken und zwar passgenau. – Mag sein, dass es an irgendeiner Tankstelle funktioniert, an dieser jedenfalls nicht!

2. Angeblich rücken Tankautomaten nicht immer Wechselgeld heraus. Somit keine schlechte Idee, nicht ausschließlich Fuffzig-Euro-Scheine in der Patte zu haben.

3. Zwei Motorräder in einem Durchgang zu betanken, mag zwar generell funktionieren, ist uns aber nicht geglückt. Füttert man den Automaten mit zwanzig Euro, tankt aber – weil voll – nur für sechzehn-paar-kaputte muss man sich höllisch spurten, wenn der Rest in eine andere Maschine fließen soll. Obwohl wir es tunlichst vermieden, den Tankprengel zwischendurch aufzuhängen, sprudelte urplötzlich kein weiterer Tropfen mehr aus der Leitung und die restlichen vier Euro waren weg.
MERKE: Das zweite Motorrad zu spät passend zu schieben, ist eine denkbar dumme Idee!

 

Als unsere Moppeds zufrieden am frischen Sprit nuckeln, dirigieren wir sie durch den großen Kreisverkehr auf die SS392 Richtung Monte Limbara.

Lago del Coghinas

Eher als vermutet, entdecken wir den Abzweig zum Gipfel (Vallicciola), lassen ihn jedoch wegen voller Beladung links liegen und folgen wir der Straße bis zum Lago del Coghinas. Vorsicht, Suchtgefahr!


Die Einschusslöcher auf der Karte erinnern ein bisschen an den Bonanza-Vorspann, oder?
(Kennt überhaupt noch irgendwer diese antike Cowboy-Serie?)

 
Angeberwissen: Der künstlich aufgestaute Lago del Coghinas dient der Trinkwasser- und Energieversorgung.
Wer mehr wissen will: >> Beitrag „Coghinas: vom Fluss in den See, vom Berg in die Ebene“ (www.pecora-nera.eu) [KLICK!]

 
Gibt’s hier irgendwo ’ne Straßensperrung oder warum trollen wir hier ganz allein herum?

Ein Stückchen hinter der Brücke geht’s auf die SS729. Huch: Ist das etwa ’ne Autobahn?
Also nix wie runter und rauf auf die SP2 nach Tula und hinter Erula über die SP75 nach Chiaramonti. Vor lauter Kurvengaudi vergeigen wir’s prompt, an der einzigen Bar weit und breit, noch dazu mit Top-Fernsicht, zu halten.

Wie jetzt, Autorennen?

Kümmern wir uns halt im Bergdorf Chiaramonti um unseren Kaffeedurst. Als wir so dasitzen, werden wir stutzig: Warum wenden all die Vehikel kurz vor dem Dorfkern und was macht dieser Warnwesten-Mann mitten auf der Straße? Sollte die Durchfahrt gar gesperrt sein und wenn ja, wie erreichen wir den nächsten Ort? – Fragen über Fragen…


Festlich geschmücktes Bergdorf (Chiaramonti)

Antworten liefert weder der Ordner noch die ihn umgebenden Menschen. Wie auch? Weder sprechen wir Italienisch, noch sie Deutsch oder Englisch und das mit den Händen und Füßen funktioniert auch nicht so recht…
Schließlich erbarmt sich der Bar-Mann, hüpft rüber zu den Jungs und kehrt mit Input zurück: „Ja, das Dorf ist dank eines Autorennens abgeriegelt und nein, eine Umleitung gibt es nicht.“ Er empfiehlt uns, umzudrehen und obendrein eine lohnenswerte Ausweichstrecke.

Nach einigem Herumgekurve erreichen wir die SP92 Richtung Valledoria und damit eine leicht holprige Strecke. Kein Traum-Terrain für Little-Streety!
So nehmen wir die Flossen vom Gas und lassen die coole Landschaft auf uns wirken, bis wir hinter uns ein anschwillendes Röhren vernehmen.
Zack, heizen diverse Rennautos mit ’nem Affenzahn an uns vorbei, dicht gefolgt von der Polizei. Will sie sie etwa stoppen? – Offenbar denkt sie gar nicht dran…

Was wir nicht wussten
An besagtem Wochenende fand offenbar die „Shardana Rally“ statt: >> www.shardanarallyday.com

Valledoria-La Ciaccia

Das Städtchen gefällt uns, drum klappen unsere Kiefer tiefer, als uns das Navi weiterführt: raus aus der Restaurant- und Shoppingmeile und rein in die allerschönste Pampa. Unsere Unterkunft liegt im kleinen Vorort „La Ciaccia“ (sprich: „La Tschattscha“). Aber auch dort gibt’s ’nen Supermarkt, eine Eisdiele, eine Bar und Restaurants und so sind wir schnell versöhnt.

Noch ist es früh am Tag und die Hotel-Rezeption geschlossen.
Um flexibel anreisen zu können, hat uns Hausherr Wolfgang (ja richtig, ein Deutscher!) einen Zimmerschlüssel hinterlegt. Prima!

 
Unser Hotel, das Tartaruga Bianca


Die Motorräder parken in einer ruhigen Nebenstraße des idyllischen Örtchens.
Wer der Ruhe nicht traut, versteckt sie einfach hinter diesem Tor.

 

Hotel „Tartaruga Bianca“ in La Ciaccia (Valledoria)

Schon seit Ewigkeiten betreiben Anna und Wolfgang die Ferienhaus-Residenz „Sa Fiorida“. (Das ist sardisch und heißt soviel wie Blütenfeld oder Blumenmeer…) Darüber hinaus vermieten sie Appartments und eröffneten 2004 das Hotel „La Tartaruga Bianca“ (übersetzt: „die weiße Schildkröte“).


Wie das Hotel zu seinem außergewöhnlichen Namen kommt, erfahrt Ihr hier:
>> www.safiorida.com/sardinien-albino-schildkroete.php [KLICK!]

Unser Studio-Doppelzimmer in der ersten Etage ist modern und mit viel Liebe zum Detail eingerichtet, im geräumigen Bad gibt’s sogar einen vernünftigen Fön und auf dem möblierten Balkon einen Wäscheständer.


Alles da: Kühlschrank, eine kleine Küchenzeile und Geschirr.
Auswärts essen muss hier niemand und
wer keine Lust hat zu kochen, bedient sich einfach des Gartengrills.

An kurvenüberdrüssige Sozias und/oder Selbstfahrer ist ebenfalls gedacht: Wer nach einer Moppedpause lechzt, kann Räder mieten oder sich anderweitig sportlich betätigen (Nordic-Walking, Tischtennis, Federball oder Cricket). Sogar Koch- und Italienisch-Kurse stehen auf der Aktivitätenliste.


Tour- und Ausflugs-Tipps gibt’s an der Rezeption.
Dort lassen sich auch Trips buchen (Kanu-Exkursionen auf dem Coghinas, geführte Rad- und Trekking-Touren, Boots-Touren u.v.m.)

Auf ihren Webseiten haben Anna und Wolfgang viele nützliche Informationen rund um die Gegend zusammengetragen:
>> Sardinien-Reiseführer (www.safiorida.com) [KLICK!]


Dass es sich hier gut aushälten lässt, hat sich unter Motorradfahrern offenbar schon herumgesprochen.

>> www.hotel-sardinien-tartarugabianca.de

 

Abends ergötzen wir uns an einer megaleckeren Pizza in der Pizzeria „La Ciaccia“, gleich um die Ecke.
Übrigens, „die Beste auf ganz Sardinien“, meint Norby.


Und danach ein-zwei Ichnusa auf der überdachten Terrasse der Bar nebenan. 😉

Sooft wir auch nachsehen: Die Wetteraussichten bleiben mies und neben viel Regen soll’s gewittertechnisch ordentlich rappeln.

Kurzerhand verabschieden wir unseren geplanten Routen und basteln uns ein paar Neue zusammen, um morgen spontan zwischen Plan A, B und C switchen zu können.


Hotel Tartaruga Bianca bei Nacht.

 

Tag 3: Valledoria – Valle della Luna – Valledoria [Montag, 17.09.2018]

Wer mag, kann im Tartaruga Bianca Frühstück dazubuchen. – Lohnt sich:
Neben leckerem Kaffee gibt’s Brötchen, Joghurt, frisches Obst, Cornflakes, Saft und Eier nach Belieben. Besonders der gekochte Schicken entlockt Norby ein Juchzen.

   

 
Von der riesigen Frühstücksterrasse hat man einen fantastischen Blick auf die Bucht.
Und wer mal nett chillen möchte, fläzt sich hier oben einfach auf die bequemen Liegestühle.

Als wir über die SP90 Richtung Badesi starten, ist’s zwar noch sonnig, aber der Himmel in der Ferne lässt Böses erahnen. Kann uns nicht schocken und so fahren über Trinità d’Agultu e Vignola auf die SP74 Richtung Aggius. Nach zwölf Kilometer lustigem Einwedeln, taucht völlig unerwartet ein Parkplatz auf und da es zu tröpfeln beginnt, werfen wir den Anker. Keine so schlechte Entscheidung:

Valle della Luna


Von hier oben hat man einen fantastischen Panoramablick auf das „Mondtal“ (Valle della Luna).

Während wir so dastehen und staunen, wird der Regen ärger und wir flüchten uns auf die kleine überdachte Terrasse der Belvedere-Bar.

 
Trüb, trüber, nass!

Eine Bus-Reisegruppe hat die Hütte fest im Griff. Eingekeilt zwischen Touris trinken wir auf der kleinen überdachten Terrasse ’nen Kaff.


In der Bar gibt’s sehr leckeren Kaffee und Latte Macchiato.
(Mit insgesamt sieben Euro aber auch lecker teuer!)

Endlos viele Minuten später klart es endlich auf und wir wagen uns weiter.

Panoramastraße Aggius

Tipp: Verlasst kurz vor Aggius die SP74 und folgt der traumhaften „Panoramica di Aggius“ (N221).
Jene führt mitten durch die gigantische Felskulisse und netterweise haben die Erbauer der Straße massig Haltebuchten spendiert, so dass sich das Naturwunder ausreichend bestaunen lässt.

 


Krasse Panoramastraße: Selbst bei trübem Himmel ein Anhalte-Tipp

Kaum sind die „Monti di Aggius“ aus unserem Blickfeld verschwunden, rollen wir durch das bezaubernde Dorf und stoßen wenige Kilometer später auf die SS127. Die ist hier so nett schlängelig, dass es durchaus lohnt, ihr weiter zu folgen. Machen wir nicht, setzen stattdessen die Blinker und folgen der SP35, hoch nach Bortigiades.


 
Wie’s ausschaut, gibt’s in jedem noch so winzigen Ort einen riesigen Dorfplatz.
Ob die Bewohner dort regelmäßig rauschende Feste feiern?

Loneley Rider

Auch hinter dem Nest sagen sich Hase und Igel gute Nacht und wir wedeln auf schmalem Pfad durch die aussichtsreiche Hügelwelt. Zwanzig Kilometer weiter stoßen wir hinter Viddalba und Santa Maria Coghinas auf die SP92 Richtung Perfugas.


Vor Maria Coghinas schiebt sich schon von weitem die Burg Casteldoria ins Blickfeld.
Ganz in der Nähe befinden sich übrigens auch die >> heilenden Thermalquellen (www.safiorida.com)

Elefantenfelsen „Rocca dell‘ Elefante“

Hinter Perfugas nehmen wir die SS134, die über Bulzi nach Castelsardo führt. Zirka vier Kilometer hinter Sedini wechseln wir linkerhand auf die (alte?) SS134, über die man – eigentlich – direkt zum Elefantenfelsen kommt. Mittlerweile ist die Strecke auf dem letzten Stück gesperrt; man munkelt, der Grund sei akute Felssturzgefahr. Daher wundert’s uns kaum, auf eine einseitige Straßenbarriere mit Sackgassen-Schild zu stoßen. Gut, fahren wir erstmal, solange es geht…

Erreicht man auf diesem Wege tatsächlich den „Rocca dell‘ Elefante“? Oder heißt es irgendwann kehrtmarsch und ihn über die neue SS134 aus nördlicher Richtung anfahren? – Das muss wohl jeder für sich selbst herausfinden.
Kleiner Tipp: Manchmal ist’s nicht verkehrt, Augen und Ohren offen zu halten und auf die Zeichen Einheimischer zu achten… 😉


Vom Norden aus gesehen erinnert das verwitterte Gesteinsgebilde tatsächlich an einen Elefanten.

 
Näher und ganz nah dran…
Und endlich allerschönstes Fotowetter!


Blick auf die „verbotene Straße“ hinter dem Rocca dell‘ Elefante

Castelsardo

Genug gesehen, nächster Stopp: Castelsardo mit seiner bunten, in den Hang gebauten Altstadt.

Trotz des gewöhnlichen Wochentags ist es hier rappelvoll. Obendrein geizt das Städtchen mit Haltemöglichkeiten, um coole Fotos schießen zu können und selbst der Tankwart winkt uns weiter (angeblich ist das Benzin gerade aus.) Da auch am Hafen sämtliche Parklücken belegt sind, drehen wir angenervt um, finden jedoch am Ortseingang (gegenüber der SAX-Bar) ein Plätzchen für unsere Moppeds.


Mittelalter-Städtchen mit überthronender Burganlage

Weil’s so lecker war, speisen wir abends erneut in der Pizzeria gleich ums Eck. Mit dabei: Kartenmaterial und Co, um beim Bierchen in der Bar die nächste Bleibe zu suchen und die Route zu planen.

Routenplanung am Abend
Den letzten Feinschliff gibt’s später auf dem Balkon.
(Funktioniert dank hervorragendem Anlagen-WLAN zum Glück einwandfrei!)

Dank bikerfeindlicher Wettervorhersagen streichen wir schweren Herzens die Route zusammen und planen, auf relativ direktem Wege nach Bosa zu fahren.

Foreste di Burgos

Eigentlich sollte es über Bono und Bottida zu beziehungsweise durch die Wälder von Burgos gehen, in der Hoffnung, einen dieser weißen Esel zu sichten.

Im Foresta di Burgos hat sich ein gleichnamiges Gestüt angesiedelt, das sich um den Fortbestand einheimischer Rassen sorgt.
Dort züchtet man nicht nur sardische Pferde (Angio-Arabo-Sardo) und Ponys („Giarab“), sondern versucht sich auch an der Nachzucht der weißen Esel.
Letztere traben sonst ausschließlich auf der einstigen Alcatraz-Insel „Asinara“ im Nordwesten der Insel herum.

Weitere Infos unter:
>> Film „Die weißen Esel von Asinara“ (info.arte.tv)
>> Bericht „Asinara – wo (nicht nur) weiße Esel auf einer Insel leben (www.pecora-nera.eu)

 

Tag 4: Valledoria – Bosa [Dienstag, 18.09.2018]

Abreisetage sind doof: Auch wenn die Klamotten fix zusammengesucht sind, ist es – gerade an den ersten Tourtagen – mühselig, sie so in der Gepäckrolle zu verstauen, dass es vernünftig passt. Umso mehr haben wir uns das leckere Frühstück verdient.

Durchaus kein Standard beim typisch sardisch-italienischen Frühstück: frisches Obst!

Nach einem herzlichen Abschied geht’s los. Da es noch trocken ist, liebäugeln wir kurzzeitig mit der Idee, die nördliche Route einzuschlagen. (Jene sollte über Porto Torres, Stintino und die ehemalige Bergbaustadt Argentiera führen.) Wir entscheiden uns dagegen, denn selbst das allerschönste Panorama verliert an Glanz, wenn die Sonne nicht scheint.

Stattdessen schrauben wir uns gemächlich gen Süden, bis kurz hinter Nulvi kommt, was kommen musste: Regenpellen-Alarm!


Typisch: Kein Unterstand weit und breit, wenn man ihn mal braucht.

Zur Schleusen-Öffnung des Himmels gesellen sich kräftige Windböen, die alles daran geben, unsere Moppeds von der Fahrbahn zu pusten.

Und Äktschn!

Nach X Kilometern auf regennasser Fahrbahn lotst uns das Navi in eine auf ’nem Hügel thronende Ortschaft (Osili?), nur um dort zu befehlen, wir mögen doch bitte diesen mörderabschüssigen Trampfelpfad hinunterfahren. Ja, geht’s noch?

Logisch, dass wir den Blödsinn ignorieren, aber weiter geradeaus fahren hilft auch nicht. Prompt stranden wir vor einer Straßenbarriere und die ausgeschilderte Umleitung führt uns schräg hoch ins Urdorf mit seinen knallengen steilen Gassen.
Ich HASSE derartige Experimente. – Wir drehen um!

Immerhin schafft’s das TomTom, uns bei Sassari auf die kurze Kehrenstrecke „Via Carlo Felice“ Richtung Scala di Giocca zu lotsen, bevor es uns auf die megaöde „SS127bis“ schickt. Nee, kein Tippfehler, manche Straßen tragen diese Endung „bis“, warum auch immer?

Praktischerweis gibt’s auf diesen Schnellstraßen alle naselang Haltebuchten und als der Regen nachlässt, entledigen wir uns auf der Nächsten unserer Sauna-Fummel.
Regenzeugs bei molligen 26 Grad ist nicht lustig!

In Alghero Enttäuschung pur: DAS ist also dieses berühmte, katalonisch anmutende Städtchen, von dem alle Welt sooo schwärmt? Okay, vermutlich haben wir nur einen schäbigen Vorort angekratzt in unserem Bestreben, möglichst schnell zur SP105 zu gelangen?

Panoramastraße Alghero – Bosa

Auf der Küstenstraße angelangt, Schock: steht dort glatt ein 50 km/h-Schild? – Dann der Nächste: Diese Sorte wiederholt sich laufend auf der kompletten, 46 Kilometer langen Piste! Naja, dafür ist das Panorama weltklasse.

Am Capo Marargiu leben angeblich die letzten Gänsegeier der Insel. Ihr wisst schon, diese riesigen Greifvögel mit flauschiger heller Halskrause und den zweifarbigen Flügeln…
Die „Entulzus“, so ihr sardischer Name, finden’s offenbar ziemlich klasse, als Gang den Luftraum zu rocken und kollektiv in den Felsen zu brüten.
(>> Weitere Infos (blog.canoncam.de) )

Natürlich sichten wir die Geier nicht, aber wen wundert’s? Vermutlich haben die imposanten Piepmätze Besseres vor, als sich bei einem lustigen Ausflug durch den trüben Himmel zu vergnügen.

 
Kurven tummeln sich auf der SP105/SP49 massig, aber Haltebuchten sind rar. Genau wie Bars.

S.O.S. – Koffein-Entzug!

In Bosa-Marina angelangt, stürmen wir die kleine Hafen-Bar mit Außenterrasse am Fluss Temo. (Schlauberger munkeln, es sei der einzig „beschiffbare“ Fluss der Insel…)

Während wir unseren Kaff schlürfen, entdecken wir am Ende der Straße das gestern gebuchte Hotel.
So kann’s uns kaum schocken, dass der trübe Himmel plötzlich Wasser lässt.


Regen? Jetzt auch egal: „Little Streety“ sieht eh schon aus wie Sau…


Sämtliche Parkplätze in Strandnähe sind gebührenpflichtig. aber
unsere Moppeds parken für lau auf dem hoteleigenen, verschlossenen Parkplatz.
(leider schottrig – *GRRRR*)

Hotel Albergo Miramare in Bosa-Marina

Unser Zimmer liegt im zweiten Stockwerk und das Türschloss ist so ausgelutscht, dass sich der Schlüssel nur mit sehr viel Gefühl drehen lässt. Ein einfaches Anhusten würde vermutlich auch reichen, um die Zimmertür aus den Angeln zu heben.
Die Gepäck-Schlepperei durch den engen Flur ist echt anstrengend und wir quengeln nach Kilometergeld, da sich pro Weg nur eine einzige Tasche transportieren lässt.

Irgendwie haben wir für den – verhältnismäßig hohen – Preis mehr erwartet.


Vom Balkon hat man einen 1a-Blick auf den Fluss Temo. Nützt nur nix, wenn das Dach fehlt und es laufend meimelt.

Die nächste Regenpause ist unsere: Wir schwärmen aus und erkunden die Gegend.


Sarazenen-Turm in Bosa-Marina: Betreten leider verboten.
(Live übrigens nicht halb so nett anzuschauen, wie auf diversen Bildern.)

Auch sonst gibt’s nicht viel zu sehen, nur einen recht breiten Strand und eine völlig verwaisten Touri-Restaurant-Meile.

Totentanz im Touri-Ort

Die Uhr schlägt gerade mal 18 Uhr und wir haben Schmacht ohne Ende. Wo bekommen wir – genau jetzt – was zwischen die Kiemen?

Die hotelangeschlossene Pizzeria macht keine Anstalten, ihre Pforten zu öffnen und auch die zahlreichen Strand-Lokale glänzen mit verschlossenen Türen. Wobei nicht unbedingt klar wird, ob der Zustand nur vorübergehend ist oder bis zur nächsten Saison andauert?


Nettes Lokal mit Schiff im Garten. Leider „chiuso“ (geschlossen)


Bosa wird von der Burg Malaspina überthront und scheint ein nettes Fleckchen Erde zu sein.
Nach all der vorangegangenen Latscherei ist uns der Weg aber zu weit.

Aus Verzweiflung begnügen wir uns in der Hafenbar mit einem Imbiss: Die Tomaten-Mozzarella-Baguettes sind überdimensional groß und der Thunfisch-Tomaten-Mozarella-Salat wider Erwarten sehr lecker, so dass wir großzügig über die Plastikgabeln hinwegsehen. Das Bierchen schmeckt auch, was will man mehr? Außer vielleicht ein wenig Wärme…?

Miese Aussichten

Je länger wir dort abhängen, desto ungemütlicher wird’s und wir fühlen uns genötigt, unsere Jacken aus dem Hotel zu holen.
Noch beim Packen heute Morgen fragte ich mich fluchend, welcher Teufel mich wohl geritten hat, eine Fleece-Jacke mitgenommen zu haben. Genau jetzt feiere ich diese großartige Idee!

 
Zumindest gibt das Wetter alles, um uns ein stimmungsvolles Sonnenuntergangs-Panorama zu bescheren.

Den Rest des Abends vernügen wir uns bei der Suche nach unserem nächsten Tourziel, kommen aber zu keinem Entschluss.


Blick vom zugigen Zwergen-Balkon auf den Fluss und die in der Ferne liegende Stadt.

Merker an uns selbst:
Vermutlich wäre es schlauer gewesen, uns ein Hotel in Bosa zu suchen, denn außerhalb der Saison ist ein seelenloser Küstenort nicht die beste Standortwahl.

 

Tag 5: Bosa – Arbus [Mittwoch, 19.09.2018]

Das Frühstück wird im überdachten Außenbereich der hoteleigenen Pizzeria gereicht: Es gibt Zwieback, Croissants, Marmelade, Butter und Joghurt. Dank Letzterem ist mein Tag gerettet, Norbys Verzweiflung ist hingegen kaum zu übersehen.

Bevor wir weiterziehen, buchen wir noch fix eine Bleibe, selbstredend in Abhängigkeit der Wetter-App. Richtung Südwesten sieht’s bis nachmittags gar nicht sooo schlecht aus, so fällt unsere Wahl auf Arbus.


Nervig: Hotelbuchung und Routenplanung am frühen Morgen.

Dummerweise müssen wir um Oristano herum und zwar, ohne zu weit ins Inland abzudriften, denn dort soll’s bereits schütten. Allein beim Anblick der Landkarte gruselt’s uns mächtig, denn sämtliche Straßen scheinen matrixartig angeordnet. Schnurgerade fahren kommt gar nicht in Frage, drum bauen wir ein-zwei Schlenker ein.

Abstecher ins Hinterland

 
Über Tres Nuraghes und Santa Lussurgiu geht’s nach Bonarcado.
(Hübsche Strecke! Leider sind die Straßen feucht…)

Hinter Milis und Tramatza nehmen wir Kurs auf die Schnellstraße (SS131), um Oristano möglichst schnell hinter uns zu lassen. Dann geht’s auf die SP49, vorbei am Lago Santa Giusta. Die pfeilgerade Strecke erinnert an eine holländischen Deichpiste und ist – zu allem Überfluss – auf fünfzig Stundenkilometer begrenzt.

Tipp: Wenn Ihr die Wahl habt, umfahrt Oristano seeehr großzügig!

Über Arborea geht’s nach Terralba (mit erstaunlich ansehnlicher Innenstadt) und weiter nach Guspini.
Hurra, endlich kehrt kurventechnisch wieder Leben in die Bude!

Unser gebuchtes Domizil liegt in einer Einbahnstraße am nördlichen Ortsrand von Arbus und möchte gern von Süden her angefahren werden. So geht’s über SS196 und SP4 einmal im Bogen um das Städtchen herum.

Dort angelangt, erspähen wir ein Hinweisschild zur SS126, der einstigen Bergrennstrecke Richtung Iglesias. – Nix wie drauf! Schon die ersten Kurven sind endgeil und wir haben Spaß anne Backen, bis die Wolken sich verdächtig stapeln und ausschauen, als hätten sie noch was Größeres vor. Getreu dem Motto „Lieber feige, als nass“ fliehen wir trotz früher Stund vorzeitig ins Hotel. Gute Entscheidung, denn kaum haben wir unser Zimmer bezogen, fängt’s an zu gießen.

Hotel Meridiana in Arbus


Das Gebäude hat von außen betrachtet ein bisschen was von Kirche, oder?

Unser Zimmer erweist sich als Tanzpalast und ist mit Doppel-, Einzelbett, Schrank und Kühlschrank ausgestattet. Dazu ein geräumiges Bad und ein riesiger, teilüberdachter Balkon.

Das Hotel ist fest in Familienhand: Vater und Mutter kümmern sich um die Rezeption und die Frühstücks-Bespaßung. Ihr Sohnemann, der auch Englisch spricht, wirkt in der Küche und versorgt uns mit allen wissenswerten Infos.

 


Unsere Moppeds parken geschützt und videoüberwacht im Hinterhof.


Nur zu gern hätten wir im hoteleigenen Pool geplantscht.
Soll aber heute wohl nicht sein. – Schade!

Landunter in Arbus

In einem trockenem Moment wagen wir uns vor die Tür. Weit kommen wir nicht, denn urplötzlich schüttet’s wie aus Eimern und wir flüchten in einen markisengeschützten Hausvorsprung eines Ladens. Ratzfatz sind die Dorf-Gullis überfordert und die Wassermasse strömen bergab wie ein reißender Bach.


Die Vehikel quälen sich die volllaufende Straße hoch.
Wer jetzt dadurch muss, hat verloren!

Mit viel Glück schaffen wir es trocken zurück zu unserer Bleibe und sind nicht böse, dass man dort auch speisen kann. Punkt 19:45 Uhr mutiert der bis dato verwaiste Speisesaal zur Pizzeria und eine Nische zur Bar.

Nach dem (sehr leckeren) Essen würden wir gern noch ein Weilchen um die Häuser ziehen, aber der Regen wird nicht müde. Uns geht’s ähnlich, also ordern wir an der Bar ein-zwei gute Tröpfchen Balkonbier zum fairen Preis und vergnügen uns den Rest des Abends auf Balkonien.


Die winzig wirkenden Ichnusa-Flaschen fassen erstaunliche 0,66 Liter des köstlichen Gebräus! *Salute*

 

Tag 6: Arbus – Cabras [Donnerstag, 20.09.2018]

Das Frühstück ist erstaunlich gut und der Senior überrascht jeden Gast mit einem appetitlich aussehenden Zucker-Croissant. Gut gemeint, aber wir HASSEN süße Teilchen… Lieber ergötzen wir uns an Toast und selbstgebackenem Brot, Aufschnitt und Käse, selbstgemachter Marmelade (top!), Joghurt und Cornflakes. Frisches Obst ist auch dabei und der Kaffee schmeckt.

Unser Tourplan möchte uns heute gern am unteren Zipfel der Insel sehen. Gedacht hatten wir an zwei Übernachtungen in Pula, Villasimius oder einem Vorort von Cagliari.

Was meint die Wetter-App? – Düstere Aussichten für den kompletten Süden, den Osten und das Inland. Nur ein kleiner Streifen im Westen bleibt voraussichtlich verschont und selbst hier, in Arbus, soll’s ab dem Mittag schauern. Schade, sonst wären wir gern eine weitere Nacht geblieben.

Mangels besserer Idee vergessen wir unsere Abneigung gegen die Oristano-Gegend und buchen eine Unterkunft in Cabras.

Bergrennstrecke und Klein-Arizona

Noch scheint die Sonne, also auf zum lustigen Kurvenwedeln!

Kaum auf der SS126 geht’s gleich zur Sache: Auf der kompletten Strecke bis Iglesias gibt eine Kurve der Nächsten die Klinke in die Hand – mördergeiles Kurvenschwingen auf fast fünfzig Kilometern!

Und weil das so unendlich viel Laune macht, wedeln wir auf demselben Wege gleich wieder zurück.

Abwandlungs-Tipp:

Wer nicht gern zweimal dieselbe Strecke fährt, kann alternativ auch eine nicht minder schöne Route nehmen:
Man bleibe in Iglesias auf der SS126 und biege kurz vor Gonnesa rechts ab auf die SP83. Die Strecke führt über Nebida, Buggeru und Portixeddu, bevor sie kurz hinter Fluminimaggiore wieder in die Bergrennstrecke mündet.

 

 
Auch landschaftlich der absolute Knaller:
Die Bergwelt südlich von Fluminimaggiore: So stellen wir uns das ferne Arizona vor…

Klein Sahara

Auf dem Rückweg machen wir – kurz vor Arbus – einen Abstecher auf die SP66 Richtung Ingortosu. Wer der Straße bis zum Ende folgt, gelangt zum berühmten „Spiaggio di Piscinas“ an der Costa Verde. Der sieben Kilometer lange Sandstrand ist auch als „Klein Sahara“ bekannt und bietet neben massig Sand auch vierzig Meter hohe Dünen.

Vor die Linse bekommen wir ihn nicht, denn kurz hinter dem verschlafenen Ingortosu mutiert die Asphalt-Piste zu einem Schotter-Areal, nur um sich kurz darauf in eine Sandpiste zu verwandeln. Muss man mit einem sportlichen Naked Bike nicht zwingend ausprobieren, also kehrtmarsch!

 

 
Lost-Places-Fotos sind ja auch irgendwie ganz cool…
Fotostop an der „Miniera die Naracauli“ (Laveria Brassey),
einer stillgelegten Anlage zur Aufbereitung von Mineralien.

Wie versprochen, kippt das Wetter und wir vergessen die Idee, ab Arbus per SP4 nach Montevecchio zu rollen.

Hilfe, wer hat die Kurven geklaut?

Stattdessen geht’s über eine Gute-Laune-Straße nach Guspini, um dort auf der bereits bekannten Anti-Straße Richtung Terralba zu landen. Um nicht einzuschlafen, biegen wir bei nächster Gelegenheit links ab und folgen der Beschilderung nach „Torre de Corsari“. Die Route ist unspektakulär, aber zumindest mit der ein oder anderen kleinen Kurve gespickt.

Das Navi meint, uns den Ort vorenthalten zu müssen und führt uns lieber zu einer schmalen Brücke. Unter einem runden weißen Schild mit roter Umrandung prangt ein textlastiges Zusatzschild, das wir dank fantastischer italienischer Sprachkenntnisse wie folgt interpretieren: „Einzig zulässige Route für ausländische Mopped-Touris“.

Schwupps, haben wir das Wasser überquert und stehen in Marcelli. Leider lässt die schnurgerade Hauptstraße nach Arborea nicht lange auf sich warten und auch die restliche Route bis Cabras ist mehr als lahm.

„Sa Pintadera“ in Cabras

Unsere Unterkunft liegt auf einem weitläufigen Areal südlich der Kernstadt. Als wir durch das große, nachts verschlossene Tor rollen, finden wir uns inmitten eines Palmengartens wieder.

Die Vermieterin begrüßt uns sehr herzlich, nimmt sich Zeit, uns über die nähere Umgebung zu informieren und zeigt uns unsere Bleibe. Jene entpuppt sich als geschmackvoll eingerichtete Campinghütte, die sich mit einigen anderen im Halbkreis um einen kleinen Park gruppiert.

 
>> Sa Pintadera (www.sapintadera.it)

 
Wohnen inmitten von Palmen. (Man beachte die riesigen Hängematten in der Parkmitte!)

Die Motorräder parken direkt neben unserem Häuschen. Naja, erstmal nicht, denn das Abstellen gestaltet sich dank des regengeschädigten, butterweichen Bodens etwas tricky. Während die Streety Halt auf einem schmalen Randstein findet, suchen wir im angrenzenden Wäldchen Material, um auch der Tiger zu ’nem stabilen Stand zu verhelfen.

Auf unserer Terrasse ist es schattig, im doppelten Sinne des Wortes, denn der kalte Wind pfeift unerbittlich um die Ecke. Wir flüchten uns ins sonnige Dorf.

Direkt hinter der Brücke liegt ein Supermarkt und auch der – heute flamingo-freie – „Stagno di Cabras“ ist schnell erreicht. Kann man mal hin, muss man aber nicht.
Im Zentrum kuscheln sich diverse Restaurants und Bars um eine Kirche und auch hier dasselbe Spielchen wie überall auf Sardinien: die Speiselokale öffnen nicht vor 20 Uhr.

Durch Zufall entdecken wir in einer Seitenstraße eine Pizzeria, die bereits eine halbe Stunde eher Gäste erwartet. (Boaaah, mittlerweile kann ich echt keine Pizza mehr sehen!)

Nächtlicher Besucher
Nächtlicher Besucher: Ach deshalb empfahl unsere Wirtin, die Türen der Hütte geschlossen zu halten?

 

Tag 7: Cabras – Valledoria [Freitag, 21.09.2018]

Zum Frühstück erwartet uns ein Vier-Gänge-Menü. Jenes wird auf der Terrasse der kleinen Rezeptionsbar serviert. Der Hausherr bringt uns ein Körbchen mit vier winzigen Brötchen, drei Schälchen selbstgemachter Marmelade, Butter und Kaffee. Es folgen zwei Stücke Apfelkuchen, liebevoll mit Puderzucker bestäubt und Blüten dekoriert. Etwas später reicht er uns zwei dicken Omeletts und zuguterletzt zwei Schälchen mit Weintrauben. Alles schön zeitversetzt und sicher lieb gemeint. Können die beiden ja nicht wissen, dass ein Morgen ohne Käse und Joghurt für uns voll daneben ist.

Nach wie vor tobt sich das Wetter auf der Insel aus und weiterhin bleibt voraussichtlich nur der äußerste Westen, oberhalb von Oristano verschont. Schön, aber was sollen wir länger in dieser platten Gegend?

Zum Fahren mau, zum Schauen wow!

Unsere Vermieterin meinte, wir müssten unbedingt die Sinis-Halbinsel und die antike Stadt Tharros besuchen.
Sehenswert seien auch das städtische Museum und die schneeweißen Quarzsandstrände „MoiMoni“, „Is Arutas“ und „Mari Ermi“, westlich des Stagno di Cabras.

Mangels reizvoller Alternativen buchen wir erneut eine Bleibe in Valledoria. Gar nicht so leicht, bei dem miesen WLAN-Empfang im Palmenparadies. Gut, wenn man noch kurz vor dem Abflug das Datenvolumen aufgestockt hat!

Hinter San Vero Milis geht’s kurvenreich über Seneghe und Bonarcado nach Santu Lussurgiu. Auf dem Weg Richtung Norden passieren wir Macomer und Bonorva und nehmen die SP24 Richtung Giave. Tolle Tafelberg-Landschaft, aber das Wetter schwächelt. Als wir im unkoordinierten Zickzack versuchen, den bedrohlichen Regenwolken zu entkommen, fühlen wir uns wie die Kreuzfahrer. Naja, immerhin klappt’s und wir bleiben trocken.

Schlängelstraßen und Schlangengetier

Über Torralba und Bonnanaro erreichen wir Ozieri und schaukeln uns per SS132 nach Chiaramonti. Diesmal ist die großartige Piste nach Martis frei passierbar und auch die SS127 nach Laerru sorgt für ein Dauergrinsen unter’m Helm.

   
Irgendwo im Nirgendwo (zwischen Martis und Laerru)

Längst bettelt meine Streety nach Sprit und spätestens, als wir die SS134 Richtung Bulzi erreichen, wird’s allerhöchste Zeit.
Restreichweite: 18 Kilometer – Strecke bis Castelsardo: 22. *schluck* – Doch wenn man mal dringend eine Tanke braucht…? *Augenroll*

Laut Navi liegt noch eine dazwischen, aber wer weiß? Also möglichst sachte am Kabel ziehen, herumötteln und hoffen, dass es reichen wird.
Eeendlich, kurz hinter Sedini die Erlösung: Wir sichten eine große Automatentankstelle und… sie funktioniert! *tschakka!*

Kaum den Helm abgesetzt, läuft Norby mir entgegen: „Hey, Du hast eine Schlange überfahren!“ – Ich so: „Quatsch!“ – Er: „Doch, hab extra angehalten und sie fotografiert!“

Tote Schlange auf Sardinien
Beweisfoto: mausetote Schlange

Nee, ich war’s nicht – ganz bestimmt nicht! Als ob ich Tiere totfahren könnte? – Und sieht die Schlange nicht aus, als habe sie eine Katze gelocht? Oder platzt dieses Kriechgetier beim Überrollen gar auf wie ’ne übergrillte Wurst? – Echt nicht schön! (Danke, dass ich mein Trauma mit Euch teilen durfte…)

Zurück im Nordwesten

Schließlich erreichen wir über La Mudizza unsere Unterkunft. Viel Auswahl gab’s in Valledoria so kurzfristig nicht, drum wählten wir eine Bleibe im Vorort „San Pietro a Mare“.

Das Einchecken im „Marina Manna Hotel und Club Village“ gestaltet sich leicht holprig, da die Dame an der Rezeption genauso fantastisch Englisch spricht, wie wir Italienisch.
Soviel wird jedoch klar: Sie möchte eine Buchungsbestätigung sehen und zwar nicht nur auf dem Smartphone. Und nu? Soll ich das Teil vielleicht auf ihren Kopierer legen? Letztendlich gibt sie sich netterweise mit einer weitergeleiteten E-Mail zufrieden.

Als sie mir anschließend die Zimmerrechnung in die Hand drückt, bin ich irritiert. Tja, wie’s ausschaut, hat der Ferienclub die bei der Reservierung anzugebende Kreditkarte längst belastet. Merkwürdige Sitten, allerdings verspüren wir wenig Lust, uns darüber zu ärgern.

Marina Manna Hotel und Club Village

Die zweistöckigen Ferienhäuser gruppieren sich um den Pool. Genau so, wie man es von typischen Touri-Anlagen aus beliebigen Urlaubsländern kennt.

Wir wohnen im Erdgeschoss. Hinter der blendladengeschützten Terrassentür verbirgt sich ein enges Schlafgemach. Durch einen kleinen Zwischenflur (mit Kühlschrank) gelangt man ins überdimensionale Badezimmer.

Die bettvorlegergroße Terrasse beherbergt zwei stylische Korbsessel, ein Tischchen und einen Wäscheständer. Einen suuuper Blick auf den angrenzenden Pool gibt’s gratis dazu. Oh, bitte nicht soviel Idylle auf einmal! *Ironie-Modus-off*

Drum schlüpfen wir in unsere Latschen, um die nahegelegene Strandpromenade und den schönen langen Sandstrand zu bewundern.


Auch nett: Sandstrand in San Pietro a Mare (Valledoria)

Dummerweise kollidiert das einsetzende Sonnenuntergangsspektakel mit den Ladenschlusszeiten der Supermärkte, drum brechen wir die Chillerei ab und laufen nach Valledoria.


Im Nordwesten machen Sonnenuntergänge echt Laune!

Nix verstehen – Non capisco…

Vom Shopping-Ausflug zurück, stürmen wir mörderhungrig die Pizzeria „Il Merlo Indiano“, aber bis wir was zwischen die Kiemen bekommen, dauert’s ewig. – Nee, die fleißig herumwuselnden Kellner trifft keine Schuld. Vielmehr brechen wir uns einen ab, auf der rein italienischen Speisekarte ein Gericht auszuwählen, das vermutlich unseren Geschmack treffen wird. Hey, da muss man echt aufpassen, immerhin serviert man auf Sardinien gern auch mal „Pferd“!

Tragisch, wenn just in dem Moment die Internetverbindung streikt und man aus Speicherplatz-Gründen kein Wörterbuch heruntergeladen hat. Wäre ja auch zu einfach, hier und jetzt das ein oder andere Wort übersetzen zu können?

Ohne Netz auch keine Hotelbuchung. Folglich kehren wir vorzeitig in die Anlage zurück und sind entsetzt: Trotz des noch jungen Abends sind die Bordsteine längst hochgeklappt. Egal: Lümmeln wir uns halt auf die Terrasse, schlürfen das längst warm gewordene Dosenbier und heulen ’nem frischgezapften, kühlen Blonden hinterher.


Hui, so’n Pool-Blick bei Funzel-Licht ist ja doch ganz nett…

Die wohl coolste Zimmer-Buchung der Welt 😉

Auf zum abendlichen Job: Wettercheck und Unterkunftssuche. Yeaaah, ab morgen soll zumindest die obere Inselhälfte komplett im Sonnenlicht erstrahlen.

„La Caletta“ (im Nordosten) klingt doch ganz nett?

Prompt entdecken wir bei Booking.com eins der wenigen Domizile, das sich ohne Herbeizerren eines Goldesels buchen lässt. Einziger Haken: Da steht was von „einige Zimmer mit Balkon“, wir wollen aber ganz sicher einen?

Aber wozu prangt schließlich dieser dicke WhatsApp-Button“ auf der hoteleigenen Webseite? – Schwupp, texten wir die Herrschaften mal an (vorsichtshalber auf Deutsch und Englisch). Mittlerweile ist es kurz vor zwölf, aber mit etwas Glück antworten sie uns direkt morgen früh?

Keine zehn Minuten später – Überraschung – trudelt bereits eine Antwort ein: „Si, ho disponibilita, 50 euro a notte per 2 persone con prima colazione, Posto per 2 moto. Ache ora venite?“ Zusätzlich schickt uns „Giovanni“ diverse Fotos. – Yo, da haben wir auch erst sparsam geguckt. Aber gelobt seien der Google-Übersetzer und eine stabile Internet-Verbindung!

Einen kurzen Schlagabtausch später – wir texten Englisch, unser Gegenüber Italienisch – ist es soweit: Wir haben für die kommenden zwei Nächte ein Zimmer reserviert!
Hach, wenn das doch nur immer so einfach wäre? 😉

 

Tag 8: Valledoria – La Caletta [Samstag, 22.09.2018]

Nach dem Null-acht-fuffzehn-Frühstück in der Clubanlage räumen wir tränenfrei das Feld.

Wie wär’s denn mal mit dem „Valle della Luna“ bei Sonnenschein? Die Voraussetzungen für Mega-Fotos sind eigentlich klasse, das Vorhaben scheitert lediglich an dem heute blendenden Himmelsgestirn. – Ok, dann halt nicht!

 
Valle della Luna:
Fahrt am besten selbst hin, schaut und staunt.
Sooo viel Schönheit lässt sich einfach nicht auf ein Foto bannen!

Hinter Aggius und Tempio Pausana geht’s über die SS127 nach Telti und schließlich auf der SP147 Richtung Süden. Als wir die SS389 hinter Monti erreichen, hüpfen unsere Herzen höher: tolle Kurven auf erstklassigem Asphalt und ein Mega-Panorama! Logisch, dass es auch hier keine Haltemöglichkeit gibt… *GRRR*

Kurz nicht aufgepasst, landen wir in Höhe von Ala dei Sardi auf einer schnurgeraden Rennstrecke, die bis Budduso reicht. Hinter dem Ort finden wir aber zurück auf die SS389 und biegen auf halber Strecke Richtung Bitti linkerhand ab. Auf der SP50 erwartet uns dann ein

Kurven-Feuerwerk der Extra-Klasse!

Gefühlt schraubt sich der Weg in großem Bogen um einen Berg herum und die Aussicht ist bombastisch. Unter anderem erblickt man in der Ferne ein steil in den Hang gebautes Städtchen. Hey, wie soll man denn dort hochkommen? Sicher ausschließlich per Heli, oder?

Kaum verliert sich der Adlerhorst aus dem Blickfeld, geht es in vielen Windungen runter ins Tal. Im Kessel macht nicht nur die entgegenströmende Wärme zu schaffen, sondern auch endlos viele gemeinen Steinchen, mit der meine Streety so gar nicht gut kann. Mit dem erneuten Anstieg wird der Belag wieder besser und nach dreißig Kilometern Einsamkeit erreichen wir das Dörfchen „Lode“.

Pausen-Tipp: Am Dorfeingang liegt auf der rechten Seite die Charlie-Bar:
Sehr nette Bedienung, leckerer Latte Macchiato und das Lokal-Innere ist kultig auf 50er Jahre getrimmt.

Hinter dem Örtchen geht das Kurvengerangel schonungslos weiter: Links – rechts – links – zehn Kilometer lustiges Schwindeligfahren bis Sant‘ Anna.

 
Geil – geil – geil!
Kurvenrausch in seiner schönsten Vollendung!

Tipp: Genau dort bietet sich ein gigantischer Ausblick auf die Bucht von Siniscola! Genießt den Anblick und schnauft tief durch, denn auf dem letzten Stück folgt ein weiterer Knaller: In extrem schön angelegten Gute-Laune-Kurven schraubt sich die Piste siebzehn Kilometern hinab nach Siniscola.

 
Was sind schon Dolomitenpässe? – Die SP50/SP3 ist einfach MEGA!

La Caletta: So schön, wie es klingt?

Sechs Kilometer weiter erreichen wir mit La Caletta die Küste. Das B&B „Sa Marina“ ist gut ausgeschildert und fix gefunden.

B&B „Sa Marina“ in La Caletta

Die Kommunikation mit Wirt Giovanni klappt erstaunlich problemlos:
Irgendwie verstehen wir sein Hand-und-Fuß-Italienisch und er unser angestaubtes Englisch.


Unsere Motorräder parken im verschlossenen, videoüberwachten Hinterhof.

Auf dem Weg zu unserem Schlafgemach demonstriert Giovanni eindrucksvoll, wo sich die Lichtschalter im Flur befinden. (Vermutlich sagte er „Push-Push“, es klang allerdings wie „Dush-Dush“. Die Aktion war so goldig, dass sie es als Running-Gag in unsere Annalen schaffte.)

Unser Zimmer liegt in der ersten Etage, ist mit einem Doppel- und einem Etagenbett ausgestattet und hat neben Kühlschrank und Bad einen Balkon.

Wenn wir wollen, dürfen wir die Küche im Erdgeschoss mitnutzen. Allerdings muss um 22 Uhr Ruhe einkehren, mahnt der Wirt.

>> B&B Sa Marina (bb-samarina.com)

Fix in die Shorts gehüpft und auf ins Geschehen!

Der Küstenort ist uns auf Anhieb sympathisch, denn im Gegensatz zu Bosa-Marina pulsiert hier das Leben. Links und rechts der langen Strandstraße finden sich diverse Quinten-Shops, Restaurants, Bars, Eisdielen, ein Supermarkt und ein Tabakladen. Die Shoppingmeile endet am kleinen Hafen, wo sich unter anderem Schiffsausflüge buchen lassen.

Weiter rechts geht’s zum Sandstrand, der sich offenbar über die komplette halbkreisförmige Bucht erstreckt. Dank Liegestuhl-Strandbar-Areal törnt er ab, aber das Meer ist heute eh so aufgewühlt trüb, dass es kaum zum Reinhopsen reizt.

Auch am Abend herrscht im Ort Jubel, Trubel, Heiterkeit und zwar genau in der passenden Dosis. Unsere Restaurant-Wahl fällt auf das >> Area 34 an der Hauptstraße, wo man uns verdammt gute Burger serviert.

Währenddessen schlummern unsere frisch-gewaschenen Klamotten auf dem Balkon
und warten auf magische Schnell-Trocknung.

Nach unserer Rückkehr genießen wir noch ein Weilchen die Hinterhof-Romantik und fallen gut gelaunt in die Koje.

 

Tag 9: La Caletta – La Caletta [Sonntag, 23.09.2018]

Duschen? Ein Traum; zumindest hier im B&B. Sowas von duftenden Flausche-Badetücher haben wir nichtmals daheim!

Auch das Frühstück ist bombastisch und das Team rund um Giovanni tut alles, um seine Gäste wunschlos glücklich zu machen: Neben zahlreichen Keks-Varianten zieren gleich drei(!) ganze Kuchen die Frühstückstafel, aber auch für uns ist was dabei: Brötchen und Toast, Joghurts, Corn- und Schoko-Flakes, frisches Obst, Eier, Käse und Schinken. Obendrein serviert man uns – kaum zu glauben – einen echten XXL-Pott Kaffee!
Wer hier was zu meckern findet, dem ist echt nicht zu helfen!


Lauschige Frühstücks-Terrasse des Sa Marina

Der Berg ruft!

Westlich des Monte Albo verlaufen diverse asphaltierte Strecken. Eine davon haben wir bereits gestern erfahren, die Nächste ist heute an der Reihe.


Wen hält es bei DEM Ausblick noch im Ort? – Hopp auf’n Bock!

Die Straßenführung in Siniscola ist ein Fall für sich, aber nach einer kleinen Irrfahrt finden wir die SP3 und schwingen dieselben Kurven bergauf, die uns bereits gestern bergab entzückten.

Vor Sant‘ Anna biegen wir links ab, und folgen dem schmalen Pfad, der sich an den Hang des Monte Albo schmiegt. Sehr beeindruckend, nur der Belag ist nicht so dolle und wie’s ausschaut, stehen diese „Achtung-Steinschlag-Gefahr“-Schilder hier nicht zum Spaß.

Auch diesmal haben wir die Straße ganz für uns allein, beinah jedenfalls: In einer Kurve chillt ein Hörnertier, während dreihundertzehn Kurven später eine Schafherde entschleunigt vor uns herzockelt.

Pausen-Tipp: Knapp zehn Kilometer hinter dem Abzweig liegt die >> Punto Ristoro Bar. (Achtung, direkt hinter einer Kurve!)
Angetestet haben wir sie nicht, da sie uns während all der Landschaftsbewunderei viel zu plötzlich vor die Räder sprang.

  
Kurz vor Luna wird die Landschaft wieder „weiter“…

Hinter Luna und Bitti geht’s nach Orune und von dort über eine einsame, schön zu fahrende Umleitung nach Oliena.

Danke, TomTom Rider- ich liiiebe enge Ortsdurchfahrten!

Irgendwo hatte ich gelesen, dass man unbedingt die SP22 Richtung Orgosolo fahren sollte.
Leider meint das Navi, uns zunächst Olienas Oberdorf zeigen zu müssen. Ja, „spannende“ Strecken KANN es!
Was bei Regen wohl rutschiger ist: das antike Kopfsteinpflaster oder die als Autofahrspuren verlegten Längsplatten? – Müssen wir zum Glück nicht antesten.

Eine kleine Dorfrundfahrt später erreichen wir die SP22, die sich quer durch das Supramonte-Gebirge schlängelt. Klingt nach ordentlichem Kurvengaudi, ist es aber nicht.

Fahrspaß ade!

Während die Tiger relaxt über die schmale Straße gleitet, rutscht meine Streety über großflächige Sandverwehungen und kleine Steinchen, die offenbar die Regenfälle der letzten Tage hinterlassen haben. Obendrein stellt sich uns gleich zweimal ein komplettes Beet in den Weg. Haben wir gar eine Sperrung übersehen?

Als wir das Ortseingangsschild von Orgosolo passieren, mache ich drei Kreuze, denn diese Pistenschlidderei kostet nicht nur Kraft, sondern auch ganz schön Nerven.

Beim Durchfahren des Ortes dann das gewohnte Spiel: Weder sichten wir diese berühmten „Murales“, noch irgendeine Cafe-Bar. Vielleicht muss man dazu runter ins Dorf auf diese „Via Republica“?

Hinter dem Banditendorf führt die hübsch-geschwungene SP58 Richtung Nuoro. Dort finde ich dann endlich auch den Gasgriff wieder. Schließlich geht’s über die SS12 nach Orosei und per SS125 zurück nach La Caletta.

Weil’s so lecker war, stürmen wir erneut das Restaurant des Vortags. Der Laden brummt und Chili con Carne beziehungsweise dieses Lamm-Dingens munden ähnlich gut wie die Burger am Vortag.

 

Tag 10: La Caletta – San Teodoro [Montag, 24.09.2018]

Nur zu gern hätten wir eine weitere Nacht in La Caletta verbracht. Hilft aber nix, denn der beinahe letzte Tag auf Sardinien schreit nach zünftigem Strandspaß. Wenn schon, dann bitte richtig, also buchen wir ein Hotelzimmer in San Teodoro, wo es einen dieser Paradies-Strände geben soll.

Bis dorthin sind’s gerade mal dreißig Kilometer, einchecken können wir aber erst ab 13 Uhr.
Macht nix: Suchen wir halt eine Wasch-Station und befreien unsere Moppeds vom gröbsten Dreck?

Kurvensucht

Schön, wenn man Pläne hat: Bereits in Posada sind wir von der Fahrt mit-ohne Berge SOwas von gelangweilt , dass wir uns genötigt fühlen, die Blinker zu setzen. So geht’s über Torpe an einem See vorbei und sodann hoch auf die SP50 Richtung Lode.

Nach vielen Kilometern grinsendem Kurvenschwingen soll ein Mega-Panorama-Bucht-Foto her. Kaum hinter Sant‘ Anna den Anker geworfen, begrabe ich den Gedanken, denn der Wind pustet so doll ums Eck, dass es die Fliegengewicht-Streety beinahe aus den Puschen haut. Sch… was auf die Knipserei und auf ins Kurvengewusel, das sein Ende in Siniscola findet. 🙂

Bevor wir uns in weiterem Wedelspaß verlieren, zwingen wir uns, auf ziemlich direktem Wege nach San Teodoro zu fahren. Das Städtchen macht auf den ersten Blick einen adretten Eindruck, von einem Fahrzeug-Waschplatz aber weit und breit keine Spur.

Hotel „La Palma“ in San Teodoro

Das Hotel liegt knapp einen Kilometer vom Stadtkern entfernt, der Strand „La Cinta“ jedoch gleich um die Ecke.


Das Beste an unserem Zimmer: der überdachte Eck-Balkon!

Auf Nachfrage dürfen wir unsere Motorräder sichtgeschützt im tiefergelegenen Hinterhof parken, aber dennoch macht mir der anschwillende Wind Sorgen: Hoffentlich kann die Streety dieses böige Gepuste ab?

Traumstrand „La Cinta“?

Am Strand angelangt, sind wir leicht verstört, denn abgesehen vom klaren Wasser macht er keinen einladenden Eindruck: Vor lauter Menschenvolk ist kaum noch Sand zu sehen und neben Strandrestaurants und Liegen-Batterien tummeln sich hier diverse Strandverkäufer. So haben wir uns das nicht vorgestellt?


Zwei Strandliegen plus Sonnenschirm gibt’s hier zum „Schnäppchenpreis“.

Nix für uns: Wir schlendern lieber am Meer entlang.

Kaum haben wir uns durch die Meute gekämpft, offenbart sich die ganze Strand-Pracht: pulvrig-feiner Sand, türkisfarbendes Glitzerwasser und in der Ferne die „Isola Tavolara“. – Sooo schön! *schwärm*

 

 
Paradiesstrand „La Cinta“: Direkt hinter den Dünen liegt der „Stagno di San Teodoro“.
(Nö, auch hier keine Flamingos!)

Nach dem netten Strandtag geht’s ’ne Runde shoppen und kurz was Essen. Bei der Gelegenheit verköstigen wir das teuerste Bier des kompletten Urlaubs. (0,4 Liter für größenwahnsinnige sechs Euro Ja spinnen die denn?)

Andenken-Shopping 🙂

 

Tag 11: San Teodoro – Olbia [Dienstag, 25.09.2018]

Als wir aufwachen, erlauschen wir auf dem Balkon ein verdächtiges Gerappel und überhaupt: Prasselt da etwa Regen? – Tatsächlich, draußen stürmts und die dunklen Wolken üben sich in lustigen Wasserwurf-Spielchen. Oh scheiiii….! 🙁

Gut, bis Olbia sind’s gerade mal schlappe dreißig Kilometer und da wir unsere Motorräder bis achtzehn Uhr in der Firmenhalle abgeben können, haben wir alle Zeit der Welt. Aber eigentlich hatten wir – genau deshalb – an eine tagfüllende, kurvenreiche Tour durchs Inland gedacht?

Das Frühstück kann den Morgen kaum retten, aber zumindest gibt’s neben Kuchen auch Brötchen und Joghurt.

Dass wir ausnahmsweise bis elf im Hotelzimmer bleiben dürfen ist nur ein schwacher Trost, denn der Regen wütet so heftig, dass sich der Balkon auch nicht kurz betreten lässt, ohne ganzkörpergeduscht aus der Aktion hervorzugehen.

So raffen wir unser Hab und Gut zusammen, checken aus und flüchten auf die überdachte Hotelterrasse. – Zumindest macht die Wetter-App Hoffnung, dass es im Laufe des Vormittags aufklart.

Langweilig wird’s trotz ausgedehnter Warterei nicht, denn wir schwatzen nett mit einem Ehepaar aus Bregenz, ihres Zeichens ebenfalls Biker. Nach einem Defekt mussten die beiden ihren Motorradurlaub überraschend abblasen und relaxten fortan am Strand. Was jammern wir überhaupt? SOWAS ist doch nun WIRKLICH bitter!

Auf zur letzten Fahrt!

Pünktlich zum Mittag schließt der Himmel seine Schleusen und wir fackeln nicht lang: Ab auf die Motorräder und über die SS125 auf direktem Wege nach Olbia. Bloß jetzt nicht mehr nass werden: Schließlich müssen unsere Motorradklamotten anderthalb Wochen in der Gepäckrolle schlummern. Sollten wir sie feucht eintüten müssen, könnten wir sie besser gleich an Ort und Stelle entsorgen.

Der Wetterfrosch zeigt sich gnädig und als wir Flughafennähe einen Waschplatz entdecken, investieren wir je einen Euro, um unsere Maschinchen vom allergröbsten Dreck zu befreien. DAS wurde auch dringend Zeit!

 

 
Lustige Wasserplantscherei in Olbia

Anschließend eben die Motorräder abgeben und auf zur letzten Unterkunft.


Bye-bye Streety und Tiger. Hope 2 cu soon again!

Endstation Olbia

Das letzte Hotel unserer Reise haben wir schon im Winter gebucht. Unsere Wahl fiel auf das „B&B Le Rose„, weil es relativ nah am Flughafen liegt, die City aber ebenfalls gut erreichbar ist. Wie der Zufall es will, ist auch die Lagerhalle fußläufig entfernt.

Anklingeln, warten, Augen rollen: Mist, warum öffnet niemand? Merkwürdig, dabei hatte die Vermieterin doch just heute Morgen per E-Mail angefragt, wann wir denn eintreffen?
So maile ich der Dame erneut und teile ihr mit, dass wir vor dem Haus stehen. Prompt klingelt mein Handy, sie verrät uns das geheime Schlüsselversteck und verspricht, in einer halben Stunde bei uns zu sein.

B&B „Le Rose“ in Olbia

Unser „Deluxe-Zimmer mit Kingsize-Bett“ macht einen guten Eindruck (auch wenn wir nicht unbedingt auf rosa stehen…)

Die bei booking.com angepriesene „eigene Terrasse“ existiert zwar, aber die Tür ist verschlossen und laut Vermieterin „privat“. Aaah ja…
Immerhin lockt vor dem Haus ein winziger, stuhlbestückter Vorgarten, ganz idyllisch an der vorbeiführenden Hauptstraße gelegen.

Praktisch: Direkt gegenüber ist eine Tankstelle, kurz dahinter ein Supermarkt und hundert Meter weiter Bushaltestellen nach Olbia-City und zum Flughafen.

Olbia-Stadt


Die hübsche Promenade führt bis zum Hafen.
Auf dem riesigen Parking-Areal davor gibt’s Mopped-Parkplätze en masse.

 
Wir bestaunen das wuselige Kommen und Gehen auf dem riesigen Fährhafen-Gelände.

Eben fix die vielbefahrene Hauptstraße überquert und schon stehen wir mitten auf der Shopping-Meile des Zentrums.


„Kunst“ für Kulturbanausen in Olbia

Irgendwie ist’s uns hier zu trubelig und Klamotten shoppen kollidiert mit unserem beschränkten Handgepäcks-Gewicht. Ergo machen wir kehrt und speisen in der empfohlenen „Metropizzeria“ in B&B-Nähe. Nudeln und Pizza haben uns anderswo wesentlich besser geschmeckt, aber den Einheimischen scheint’s zu munden, denn der Laden ist rappelvoll. Vielleicht liegt’s aber auch daran, weil man hier meterweise Pizza ordern kann?


Ein letztes Ichnusa im Restaurant…

Nach ein-zwei Kippen im lauschigen B&B-Vorgarten rauschen wir ab in die Falle. Dass die Hauptstraße vorm Haus nachts zur Rennstrecke mutiert, bekommen wir nur noch am Rande mit, denn platt wie hulle ratzen wir sofort ein.

 

Tag 12: Olbia – Deutschland [Mittwoch, 26.09.2018]

Da unsere Vermieterin nicht im selben Haus wohnt, hat sie unseren Frühstückstisch bereits gestern reich gedeckt.

  
Frühstück in Italien: ein Paradies für Croissant-, Kuchen- und Keks-Fans.
Zusätzlich gibt’s Labber-Toast, Tütensaft, Milch, Joghurt, Scheibletten- und sogar Frischkäse.
Der Espresso tröpfelt aus einer Nespresso-Maschine.

Per Sieben-Uhr-Bus geht’s zum Flughafen und noch bleiben uns knapp zwei Stunden Zeit bis zum Abheben. Eigentlich eine gute Gelegenheit, vernünftig zu frühstücken und einen Kaffee einzuwerfen?

Leider ein Satz mit X: Da in Olbia kein Online-Check-In möglich ist, müssen wir uns wohl oder übel in die lange Schlange der Kofferreisenden einreihen und das ungewöhnlicherweise im Terminal 2, weit ab vom Schuss. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit halten wir unser Bordkarten in der Hand, passieren die Sicherheitskontrolle und übersehen vor lauter Shopping-Bling-Bling glatt den kleinen Monitor, der verrät, an welchem Gate welcher Flieger startet.

Als wir ihn endlich orten, ist unser Flug längst einstiegsbereit. Folglich bleiben Flughafen-Kaffee und der „Smoker Garden“ (Nähe Gate 3) ungetestet.
Schade irgendwie, aber nicht des Jammerns wer, denn alles in allem hatten wir eine megaschöne Zeit auf der Insel!

 

Fazit unseres TOURlaubs

Müssen wir dort nochmal hin?

JA, unbedingt! Schließlich hat unser Plan „Einmal-rund-um-die-Insel“ nicht so wirklich funktioniert.

Routenplanung

Bei unserer ersten Sardinien-Tour grasten wir den grandiosen Osten der Insel ab und hatten eigentlich nicht damit gerechnet, uns tourtechnisch auch im Nordwesten wohlzufühlen. Letztendlich staunten wir nicht schlecht: Einsame Straßen, wenig Flickwerk und erstklassige Kurven! Dabei erwies sich Valledoria als idealer Ausgangspunkt.

Auch an der Westküste ließ es sich hervorragend wedeln, allerdings würden wir die Gegend rund um Oristano künftig komplett aussparen und den Weg durchs Inland vorziehen.

Unsere daheim geplanten Routen konnten wir beinahe komplett in die Tonne hauen, da uns das Wetter die Tour(en) vermasselte. Zum Glück funktionierte die spontane Routen-Umplanerei dank „MyRouteApp“ einwandfrei.

Nerviges Hotel-Hopping?

Im Vorfeld nur wenige Unterkünfte zu reservieren, war eine grandiose Idee, denn so hatten wir die Chance, der Sonne hinterherzufahren.

Jeden Tag an einem anderen Ort zu sein, ist sicherlich spannend, jedoch nimmt es ein stückweit Stress aus der Sache, zwei Nächte in Folge im selben Hotel zu verbringen: Endlich mal in Ruhe und ohne Packstress frühstücken, unterwegs nicht wie Schießhund auf’s Gepäck achten müssen und die ein oder andere Klamotte durchwaschen zu können hat auch was.

Obwohl ich bereits im Vorfeld diverse Domizile ausgespäht hatte, war die Sucherei vor Ort sehr lästig und hielt unverhältnismäßig lange auf. Statt Abendvergnügen mit ausgedehnten Spaziergängen und gemütlichem Chillen hieß es, stundenlang auf’s Smartphone glotzen.

Vielleicht machen wir uns damit viel zu viel Stress, aber – gerade im Urlaub – hassen wir schlechte Kompromisse!

Was ist eine perfekte Unterkunft?

Zwar brauchen wir keinen übertriebenen Luxus, aber die perfekte Bleibe muss schon gewisse Kriterien erfüllen: ein eigenes Bad, ein sicheres Plätzchen für unsere Moppeds, ein Balkon, Bars/Restaurants fußläufig erreichbar, ein gutes Frühstück und nicht übertrieben teuer.

Dass man mittlerweile einigermaßen komfortabel per Google Maps nach einer Bleibe forschen kann, ist sehr praktisch. Nur lassen die Filter zu wünschen übrig, so dass es damit allein nicht getan ist.

Auch die Booking.com-App ist verbesserungswürdig: Zum einen fehlte die Möglichkeit, die Suche auf Unterkünfte mit Balkon zu beschränken und zum anderen enttäuschte der Filter „Parkplatz“. (Jener fand auch Hütten, die mit nichts weiter als ’ner ungesicherte Abstellmöglichkeit im öffentlichen Raum dienen konnten).

Wetter… kannste leider nicht buchen!

Die Temperaturen empfanden wir – mit durchschnittlich 27 – 29 Grad – geradezu ideal. Allerdings hatte ich – anders als in Kroatien – meine Sommerjacke dabei.
Nur zweimal zippte ich freiwillig die Membrane ein, denn ab 24 Grad abwärts herrscht in dem luftdurchlässigen Teil Fröstel-Alarm.

Leider war das Wetter durchwachsen und da wir keinen Drang verspürten, uns bis auf die Knochen nassregnen zu lassen, mussten wir uns wohl oder übel von der geplanten Insel-Umrundung verabschieden.

Gedämpfte Stimmung

Monatelange Vorfreude, dann der dicke Dämpfer: Während Norby seit vielen Wochen „Rücken“ hatte, war meinereiner seit wenigen welchen flügellahm. Ergo schluckten wir vorab nochmal alles, was der Medizinschrank hergab, bangten und hofften.

Letztendlich blieb bis zu unserer Ankunft auf Sardinien völlig unklar, ob aus der Moppedtour nicht zwangsweise ein gewöhnlicher Touri-Urlaub werden muss. Als wir in Olbia auf die Motorräder kletterten und merkten, dass Moppedfahren funktioniert, purzelten uns mindestens Trillionen fette Felsbrocken von der Seele.

Um unser Glück nicht überzustrapazieren, hielten wir uns vornehm zurück und planten relativ kurze Tagesetappen. Nicht schlimm, hauptsache fahren können.

Und sonst?

1) [primo]

Merke: Mitte September ist es um 20 Uhr stockduster!
Ja, logisch, sollte man aber bei den Tourplanungen berücksichtigen, denn vermutlich ist’s nicht ganz so lustig, sich im Finstern durch die Hügelwelt zu tasten.

2) [secondo]

Hilfe, mein Fön passt nicht in die Steckdose!
Auf Sardinien findet man fast ausschließlich Euro-Steckdosen. Keine Chance, Geräte mit dickem runden Schuko-Stecker einzustöpseln.
Kein Problem: Adapter bekommt man in jedem größeren Supermarkt für zwei Pfennig fuffzig.

3) [terzo]

Ja, auf Sardinien gibt’s Berge! Und nicht selten sind Orte mitten in die Hügel hineingebaut.
Wer – wie meinereiner – gern auf Hill-Climbing-Experimente verzichtet, tut gut daran, die Routen beziehungsweise Tracks fürs Navi vorab „glattzuziehen“.
Denn, wie man weiß, lieben Navis „kurvige Abkürzungen“ und lotsen ortsunkundige Biker mit wachsender Begeisterung über enge, kopfsteingepflasterte Rumpelpisten.

Tipp für Steilhang-Schisser:
Vielleicht keine so schlechte Idee, keine Hütten inmitten einer Altstadt zu buchen?
Wer sichergehen möchte, kann sich vorab schlau machen: Google hat Sardiniens Straßen beinahe komplett abgefahren, so dass Ihr Euch bereits vorab per StreetView ein Bild von der Umgebung machen könnt!

4) [quarto]

Wir müssen aufrüsten!

Allabendlich gieren drei Smartphones, der kleine Mann im Ohr (sprich, dieses Cardo-Bluetooth-Headset) und eine Kamera nach Strom, aber blöderweise geizen viele Unterkünfte mit Steckdosen. Somit wäre es wohl schlau, uns ein Mehrfach-USB-Ladegerät zuzulegen.

Langsam aber sicher wird’s auch Zeit, uns nach einer dieser tollen Action-Cams umzuschauen, mit denen man während der Fahrt auf Knopfdruck coole Fotos schießen kann.
Hat jemand entsprechende Tipps/Empfehlungen?

5) [quinto]

Ein Hoch auf diese Vakuum-Packbeutel!
Nachdem ich mir bereits vor langer Zeit ein >> Vakuum-Beutel-Set Pack-it von Eagle Creek (www.amazon.de) gönnte, orderte ich in diesem Jahr einen Satz
>> Booster Vakuum Beutel (www.fc-moto.de). Jene kosteten nur einen Bruchteil der Erstgenannten, dafür sind die Dinger aber wesentlich fladderiger und lassen sich nur mühsam verschließen.

Alles in allem möchte ich das Tüchs nicht mehr missen. Da sie wasserdicht sind, spart man’s sich, seine Brocken zusätzlich in Plastiktüten zu wickeln.
Netter Nebeneffekt: Man hat seinen Krams geordnet und da sich die Luft herausdrücken lässt, passt wesentlich mehr in die Gepäckrolle. 😉

6) [sesto]

Die Landschaft auf Sardinien ist schon grandios, aber diese Seen muss man nicht sehen!
Mag sein, dass es tatsächlich – wo auch immer – den ein oder anderen nett anzuschauenden gibt. Wir haben sie jedenfalls allesamt nur als schlammige Brühe in Erinnerung und Flamingos ließen sich nirgends blicken.

7) [settimo]

Den Themen Straßenkarten und Tour-Tipps haben wir gesonderte Beiträge gewidmet:
>> Tour-Tipps Sardinien
>> Sardinien: Tourenkarten, Reiseführer und Co

Achtung, Werbung…?

Nö, aber wie gewohnt, nennen wir in unseren Beiträgen Ross und Reiter beim Namen und setzen selbstredend Links. (Wie war das noch gleich mit Sinn und Zweck des Internets…?) Hat uns etwas gefallen, empfehlen wir es sehr gern weiter, aber Achtung: Unser Lob kann man NICHT kaufen und auch unsere Kritik gibt’s völlig GRATIS! 😉
Auch dieser Beitrag enthält Affiliate-Links zu www.amazon.de! (>> Affiliate-Link: Was ist das? [KLICK!])

 

Susy
Susy
Geboren "Anno Pief" (im letzten Jahrhundert). Im zarten Alter von vierzehn mit dem Mopped-Fieber infiziert (keine Ahnung wieso!) und eine gefühlte Ewigkeit um den Moppedschein gekämpft. Mit sechzehn zunächst an der "unendlichen Macht" der "Ernährer" gescheitert, mit achtzehn aber endlich erfolgreich. *YEAH!* Danach - trotz Schein - nie aktiv gefahren und den "Virus" eine halbe Ewigkeit erfolgreich verdrängt. Bis er dann, 2004, umso heftiger wieder ausbrach... Seitdem einfach unheilbar krank dem Moppedwahn verfallen... :D
http://www.motorrado.de

Schreibe einen Kommentar

*


Top