Westerwald-Rhein-Tour 2018

Spontane Motorradtouren sind manchmal die Besten: Durch Zufall erfahren wir, dass die 80er-Jahre-Band „Fury in the Slaughterhouse“ die Loreley rockt.
Gleich doppelt reizvoll, also auf zum Rhein!

// >> Auf zum Westerwald! // >> Vom Westerwald zum Rhein // >> Fury-Konzert auf der Loreley // >> Ätzendes Ende einer tollen Tour // >> Ende gut, alles gut? //

Hoteltechnisch sind wir viel zu spät dran: Sämtliche Unterkünfte um die Loreley herum sind längst ausgebucht. Hinzu kommt, dass es auf der rechten Rheinseite zur Nachtzeit so gut wie unmöglich ist, mit öffentlichen Verkehrsmittel zum nächsten Ort zu gelangen. Mit etwas Glück finden eine Bleibe in Spay, einem winzigen Kaff auf der linken Rheinseite.

 

Freitag, 17. August 2018 – Auf zum Westerwald!

Ziel des heutigen Tages ist der Luftkurort Wissen an der Sieg im Westerwald (Rheinland-Pfalz), wo wir kurzfristig ein Zimmer im >> Nassauer Hof reserviert haben.

Tipp: Preisvergleiche lohnen sich doch immer wieder:
So war das Zimmer bei >> HRS schlappe acht Euro günstiger als bei >> Booking.com.

Anfahrt

Statt auf der baustellenlastigen A45 herumzugurken, wählen wir die Kombi A43/A1 , verlassen die Dosenbahn bei Remscheid-Lennep und vertrauen den Pfadfinder-Qualitäten unseres Navis (TomTomRider400).

Eigentlich wollen wir kurz das Bergische ankratzen und einen südlichen Bogen über Engelskirchen schlagen.
Rafft das TomTom leider nicht und lotst uns prompt über die Bundesstraße zurück Richtung Meinerzhagen. GRRRR…
Schließlich zeigt es uns doch noch eine nett zu fahrende Route und wehrt damit im letzten Moment die Gefahr ab, am Straßenrand ausgesetzt zu werden.

Als wir am Hotel aufschlagen, läuft uns der aufmerksame Wirt entgegen und lotst uns in die Garage.


SO geht bikerfreundlich!
Für einen später eintrudelnden Dreier-Trupp fährt der Chef sogar sein Vierrad aus der Garage. *LOB!*

Nachdem wir das kleine, balkonlose Zimmer bezogen haben, lassen wir uns im heimeligen Biergarten nieder und rühren uns den kompletten Abend nicht vom Fleck.
Dank winziger Speisekarte fällt die Essenswahl leicht und dass die Schnitzel ewig auf sich warten lassen, tut dem Geschmack keinen Abbruch.


Der lauschige Biergarten hat bis 24 Uhr geöffnet.

Die Sache mit dem „großen Diesel“…

Dann die große Überraschung, denn DAS (siehe Foto) bekommt man, wenn man hier ein „großes Diesel“ bestellt:


Bei uns daheim steht der Begriff für ein großes Glas Cola-Pils und
selbst im Ausland ist das Gebräu vielerorts genau unter diesem Namen bekannt…

 

Samstag, 18. August 2018 – Vom Westerwald zum Rhein

Anfahrtswege zum Rhein gibt’s irgendwie massig.
Da wir schon am Nachmittag mit Öffis in Spay starten sollten, um pünktlich an der Loreley zu sein, fällt unsere Mopped-Tour-Route entsprechend kurz aus.
Nichtsdestotrotz ergötzen wir uns am sommerlichen Wetter und den zahlreichen Westerwald-Kurven.


Landschaftlich wunderschönes Gelbachtal.

Bis Lahnstein läuft’s traumhaft. Kaum haben wir den Rhein überquert, schickt uns das Navi allerdings über eine vielbefahrene Bundesstraße. Dafür macht die Strecke von Waldesch runter nach Rhens wieder Laune und bietet am >> „Königstuhl“ ein Top-Panorama auf das Städtchen.

 
Panorama-Stopp am Königstuhl

Am Rhein

Zwei Orte weiter und wir sind in Spay.
Nachdem wir uns kurzzeitig die Rheinpromenade mit Fußgängern und Radfahrern geteilt haben, erreichen wir das Hotel „Zur Schottel“ (Ristorante Bella Vista) und folgen widerspruchsfrei der Anweisung „Fahrt zweimal rechts“, um den Parkplatz an der Rückseite des Hauses zu erreichen.

Unser Zimmer ist sehr einfach gehalten und Bewertungen à la „Charme eines Garda-See-Hotels der 60erJahre“ sind nicht ganz so weit hergeholt.
Egal, es ist günstig und schließlich müssen wir dort nur ratzen.

Nach Tomaten-Mozzarella-Salat und Pizza auf der netten Ristorante-Terrasse mit Blick auf den Rhein, entern wir die Bimmelbahn nach St. Goar.

Vorab schaffen wir’s tatsächlich, unserem – bis dato ernsten Vollblut-Italiener-Wirt – ein breites Grinsen zu entlocken. Wie?
Ganz einfach: Indem wir fragen, wo wir denn nach unserer voraussichtlichen Rückkehr nach Mitternacht noch ein Pilsbier schlabbern können.
Er murmelt was von wegen hochgeklappter Bordsteine, hat aber Verständnis und verspricht, uns ein paar Fläschchen Pilsbier auf’s Zimmer zu stellen. 😉

 

Auch St. Goar ist ein Nest: Kaum aus dem Zug gestolpert, ist man auch schon fast an der Fähre.
Praktisch, denn wir sind spät dran!


Für 3,80 pro Nase buchen wir Hin- und Rückfahrt und erhalten ein „fähr-fahrt-berechtigendes Bändchen“.

Als das Schiff auf der gegenüberliegenden Rheinseite (St. Goarshausen) anlegt, könnten wir mit dem Shuttle-Bus die Loreley erklimmen. DAS kann schließlich JEDER, drum ziehen wir’s vor, einer Horde Fußgänger zu folgen, die sich offenbar irgendwie auskennt.

Auf der Loreley

Was wir vorab nicht wussten:

Zum Konzertgelände auf der Loreley gibt es zwei Wege:

  • Einer führt über eine vier kilometer lange Schlängelstraße hinauf auf 194 Meter.
  • Wer es kürzer mag, hangelt sich ab der Fähre auf dem schmalen Fußweg 2,2 Kilometer nett an B42 und dem Rhein entlang. Danach geht’s 500 Meter steil bergauf, über eine Treppe mit 400 verflixten Stufen.


    Entlohnung für die Plackerei: eine TOP-Aussicht!

    Haben wir auf der Geraden noch alle abgehängt, verzweifeln wir an der elendigen Kraxelei:
    Es ist höllisch warm und die Stufen so unterschiedlich hoch in den Hang gemeißelt, dass wir klammheimlich nach ’nem Lift schreien.
    Aufgeben ist keine Option, so lassen wir uns japsend gleich mehrfach überholen und sind bei Ankunft reif für Dusche und Sauerstoffzelt.

(Vorab zu speisen war übrigens über: Hier oben gibt’s nicht nur Pommes-Currywurst und die Preise sind einigermaßen human.)

Natürlich sind die Sitzplätze im unteren Bereich der Arena längst belegt. So erfreuen wir uns an den Stehplätzen hoch oben am Hang. – Schotter und Steppe statt Wiese.
Prima, so gibt’s beim Hinhocken wenigstens keinen grünen Hintern.

Fury in the Slaughterhouse

Die Band wurde im Dezember 1986 gegründet und löste sich im Sommer 2008 auf.
Passend zum dreißigjährigen Band-Jubiläum fanden sich die Jungs im Frühjahr 2017 wieder zusammen.


Fury live und in Farbe

Eigentlich bin ich gar kein Ultra-Fan der Band, sondern besitze gerade mal eine „Best-of“-CD, aber immerhin dudelte ich die Mukke einst rauf und runter und „Time to wonder“ gehörte auf jede zünftige Rennparty!

Als die Band „Radio Orchid“ trällert, steht mir fast das Pipi in den Augen. So geht *Glück-pur!*
Gibt’s ’ne Steigerung? – Aber sicher das:
Nicht nur die Furys, sondern ausschließlich ALLE Fans sind extrem gut drauf, der Mega-Sonnenuntergang ist ein Traum und kaum hat die Natur den Himmel abgedunkelt, leuchten die Handy-Funzeln mit all den Sternen um die Wette. *Ultraschön und kaum in Worte zu fassen!*

Konzert-Videos

Selbstredend haben wir auch gefilmt, aber öffentlich hochladen können wir leider nix, ohne irgendwie in Teufels Küche zu kommen.
Wer sich an dem göttlichen Gesang ergötzen möchte, schaue bitte selbst bei Youtube nach. Dort tummeln sich massig Videos:
>> www.youtube.com/results?search_query=Fury+in+thel+slaughterhouse+loreley
[Vorsicht: endgeil!!!]

Tipp:
Haltet unbedingt Ausschau nach dem Video „Fury in the Slaughterhouse – Full Show LIVE @ Loreley – 18.08.2018“:
Spätestens ab Minute 1:27:50 gibt’s Gänsehaut pur bei „Won’t forget these days“ und einem alles gebenden Publikum!]

Und wie kommen wir jetzt zurück?

Selbst in der Nacht ist es noch so warm, dass die mitgeschlörten Jacken völlig über sind.
Aber: Nach dem Konzert im Stockdustern den Hang runterkraxeln? Nein danke!
So investieren wir 3,50 Euro pro Nase und gönnen uns die Ratz-Fatz-Fahrt mit dem Shuttle-Bus zur Fähre.

Lautsprecher-Durchsagen machen Mut: Zu hören ist, dasss die letzte Fähre zwar um 0:30 Uhr fährt, aber mindestens so lange, bis die letzten Gäste die Loreley verlassen haben.

Ein dickes anerkennendes Lob an die Organisation:
Die Jungs und Mädels auf der Loreley hatten die Großveranstaltung voll im Griff und man merkte sofort, dass sie sowas nicht zum ersten Mal machen.

Ähnlich wie in St. Goarshausen herrscht auch auf der gegenüberliegenden Rheinseite nach 23 Uhr Totentanz, nur die kleine >> Kneipe „Zum Papagei“ (Google-Maps) hat noch geöffnet. Als einzige Alternative zwischen Fähre und Bahnhof ist sie natürlich rappelvoll, aber immerhin lässt sich das – trotz allem Gästestress einwandfrei gezapfte – Bier drinnen ordern und draußen trinken.

Als wir mit dem vorletzten Zug Spay erreichen, staunen wir nicht schlecht, auf der Dorf-Kirmes tatsächlich noch Eingeborene zu sichten.
Sparen wir uns, denn unser Wirt hat Wort gehalten und im Zimmer erwarten uns mehrere eiswürfelgekühlte Flaschen Pilsbier. So hocken wir uns zufrieden in die kleine Hintereingangs-Lounge und köpfen genüsslich zwei Fläschchen.
Naja, fast jedenfalls, denn irgendwie wird der Genuss durch meinen – offenbar konzertgeschädigten und mittlerweile lahmen – Flügel getrübt.

 

Sonntag, 19. August 2018 – Ätzendes Ende einer tollen Tour

Der Morgen kommt, die Sonne strahlt. *HURRA!*
Somit steht einer netten, kurvenreichen Rückfahrt durch den Westerwald nichts mehr im Wege, oder? – Denkste!
Nach einer „Hölle-auf-Erden-Nacht“ reicht die Hebekraft meines Armes nicht einmal aus, um ’nen Pott Kaff zu stemmen und an Moppedfahren ist nichtmals annähernd zu denken…

Was nun?

Plan A: Der ADAC wird’s schon richten…?

Klar, könne man dafür sorgen, dass sowohl das Mopped, als auch meinereiner zurück nach Hause kommen, so der freundliche Herr vom ADAC.
Ich müsse mich aber etwas gedulden (vielleicht morgen oder übermorgen?) und bräuchte auf jeden Fall ein ärztliches Attest.

Äääh… Arzt? – Hier mitten in der Pampa?
– Extra dafür nach Koblenz? – Will ich nicht!
– Als Sozia bei Norby mitfahren? – Funktioniert mit dem Mist-Flügel genauso wenig wie selbst fahren
– Irgendwie mit dem Zug heim und mein Mopped hier tagelang stehen lassen? – Nö, ganz bestimmt nicht!

Plan B: Vielleicht hat irgendwer anders gerade Zeit und Lust…?

Gut, wenn man sauliebe Freunde hat:
Statt bei dem traumhaften Wetter Mopped zu fahren, schwingen sich Anja und Blomy in ihr anhängerbespanntes Vehikel, fallen von einem Stau in den nächsten und spulen sich langsam aber stetig in unendlich vielen Stunden runter bis zum Rhein, nur um die Streety und meinereiner aus der misslichen Lage zu befreien.
*DAAAAANKEEEEEEE!!!!!! – Weiß gar nicht, wie ich DAS je wiedergutmachen kann!!!*

 
Während sich Anja und Blomy im Staufahren üben, erkundet meinereiner die Gegend.
Eigentlich voll schön hier, oder?

DANKE auch an den Hotel-Restaurant-Wirt für den aufbauenden Schnaps und dafür, dass mein Gepäck bis spätnachmittags auf dem Zimmer bleiben durfte. 🙂


Huckepack-Streety auf dem Heimweg.

 

Ende gut, alles gut?

Die Diagnose „Schulter-irgendwas-wirst-halt-alt“ ist ein denkbar ungünstiges Zipperlein für moppedvernarrte Leute und treibt einem spätestens dann die Panik in die Augen, wenn man vor hat, vier Wochen später auf Sardinien zu touren.

Letztendlich hatte ich Glück im Unglück: Einerseits, weil es JETZT passiert ist und nicht erst auf der Insel. Andererseits, weil die Auskuriererei zwar viele nervige Wochen dauerte, aber dennoch rechtzeitig vor unserem Urlaub erledigt war.

Was bleibt ist die Erinnerung an eine wunderschöne Sommertour und das unvergessliche Fury-Event auf der idyllischen Loreley! *schwääärm*

Geplante Routen:

GPSies - Westerwald - Gelbachtal - Rhein>> Westerwald – Gelbachtal – Rhein

GPSies - Westerwald - Wispertal - Rhein>> Westerwald – Wispertal – Rhein

 

Susy
Susy
Geboren "Anno Pief" (im letzten Jahrhundert). Im zarten Alter von vierzehn mit dem Mopped-Fieber infiziert (keine Ahnung wieso!) und eine gefühlte Ewigkeit um den Moppedschein gekämpft. Mit sechzehn zunächst an der "unendlichen Macht" der "Ernährer" gescheitert, mit achtzehn aber endlich erfolgreich. *YEAH!* Danach - trotz Schein - nie aktiv gefahren und den "Virus" eine halbe Ewigkeit erfolgreich verdrängt. Bis er dann, 2004, umso heftiger wieder ausbrach... Seitdem einfach unheilbar krank dem Moppedwahn verfallen... :D
http://www.motorrado.de

Schreibe einen Kommentar

*


Top