Erste Motorradtour in die Berge: Tipps zur Tourenplanung

In den Bergen Motorrad zu fahren, ist eine besondere Herausforderung. Zumindest für Nicht-Rossis vom platten Land. Wie lässt sich eine Motorradtour einsteiger-freundlich planen?

Als Flachlandtiroler in den Bergen

Der höchste Punkt meiner unmittelbaren Umgebung sind die Baumberge, mit einer Höhe von gigantischen 187,6 (!) Metern. Nö, da hat sich nicht irrtümlich ein Komma eingeschlichen!

Prompt geisterten mir vor meiner allerersten Tour in die Alpen diverse Bedenken durchs Hirn:

  • Wie willst Du im hochalpinen Terrain überleben, wenn Dir bereits auf diesem Hügelchen die Düse geht?
  • Mit welchen Widrigkeiten ist auf son ’nem ollen Berg zu rechnen?
  • Ist die angepeilte Piste wenigstens randgesichert und asphaltiert?
  • Und wie vermeide ich’s als Höhenschisser, direkt den steilsten Berg zu erklimmen?

Fragen über Fragen!

Spätestens an dieser Stelle lachen sich Bergbewohner und routinierte Moppedfahrer sicherlich kopfschüttelnd halbtot!

„Ist doch nur ’ne Straße mit ein paar Knicken, die über den Berg führt?“

Geht’s Dir wie meinereiner und Du siehst das völlig anders, ignorier die dummen Sprüche!

Alpen-Rookie? – So vermeidest Du emotionalen Stress!

Wie gut, dass sich bereits daheim die fahrtechnischen Anforderungen einer Route abchecken lassen.

Wie?

Bei der Einschätzung, ob man sich einen Bergpass tatsächlich antun sollte, hilft die ALPEN-BIBEL:
>> Großer Alpenstraßenführer von Denzel (www.amazon.de).

Der Macher, Harald Denzel, war so nett, in dem Werk sämtliche Alpenpässe aufzulisten und diese mit einem „Schwierigkeitsgrad“ (kurz: SG) zu kennzeichnen:

Denzel-Alpenstraßen-Skala

  • SG 1: Sehr leicht zu befahrende Bergstraße.
    Selbst für Fahranfänger kein Problem: Die Straße ist gut asphaltiert und mindestens 6 Meter breit. Sie überrascht nicht mit engen Kurven und die Steigung beträgt maximal 9 Prozent.
  • SG 2: Keine nennenswerte Herausforderung.
    Die Strecke ist zweispurig, überwiegend gut asphaltiert und randgesichert. Mehr als 15 Prozent Steigung sind hier nicht zu befürchten.
  • SG 3: Erfordert Fahrpraxis auf Bergstraßen.
    Die Piste ist meist knapp zweispurig, der Belag aber nicht unbedingt gut. Eine Randsicherung ist nicht zwingend vorhanden und neben engen Kehren sind auch Steigungen von mehr als 15 Prozent möglich.
    [Für Sportmotorräder nur eingeschränkt zu empfehlen.]
  • SG 4: Auch für Berg-Erfahrene eine Herausforderung.
    Die Straßen sind oft einspurig, mit engen Kehren gespickt, ohne Randsicherung und/oder geschottert.
    [Nur für Enduros oder Tourenmotorräder mit ausreichend Bodenfreiheit empfehlenswert]
  • SG 5: Sehr schwere Bergstrecke.
    Kaum vorhandene Fahrbahn mit grobem Schotter oder Sand. Zudem kann die Strecke extrem steil sein. Auf der Piste herrscht Steinschlaggefahr, es kann gefährliche Engstellen und ungesicherte Seitenränder geben.
    [Ausschließlich für Enduros und Crossmaschinen empfohlen!]

Die schlechte Nachricht: Der dicke Schmöker ist kein Schnäppchen!
Die Gute: Mittlerweile tummeln sich im Web zahlreiche Seiten, die ebenfalls fundierte Infos über die Beschaffenheit der Bergpässe liefern!

Best-of: Webseiten mit Alpen-Infos

Während der Tourenplanung bin ich Dauergast auf folgender Webseite: >> alpenrouten.de.
Sie kommt völlig ohne Schnörkel daher, bietet aber sämtliche relevanten Infos: Unter anderem findest Du dort zu jedem Alpenpass den „SG“ und eine kurze Beschreibung.

Weitere gern gewählte Info-Quellen:

Besonderheiten bei der Routenplanung

  • Plane für den Anfang lieber kürzere Touren und überschätze Dich nicht:
    Wer eine Wegstrecke von 200 Kilometern auf dem flachen Land locker wegsteckt, stößt bei derselben in den Bergen möglicherweise an seine Grenzen.

  • Bedenke auch, dass Du beim Pässefahren wesentlich langsamer unterwegs bist, als daheim auf dem platten Land.
    Plane für die Route daher wesentlich mehr Zeit ein!

  • Beobachte das Wetter! Jenes schlägt in den Bergen recht schnell um und kann dir einen gehörigen Strich durch die Rechnung machen.
    Rechne damit, spontan umplanen zu müssen, weil urplötzlich eine Passstraße gesperrt ist!

Fit für die Alpen-Tour?

Was sollte fahrtechnisch sitzen?

  • Vor Deinem ersten Ausflug in die Bergwelt solltest Du nicht nur das Langsamfahren beherrschen, sondern auch das Anfahren am Berg!

  • Natürlich ist auch Bremsen und Ausweichen ein absolutes Muss, da das herumkreuchende Getier nicht groß fragt, bevor es abrupt die Straße kreuzt.

    Kehren-Ziegen

  • Zudem ist’s hilfreich zu wissen, wie man sein Mopped auf abschüssiger Strecke parkt.

  • Rechne damit, dass Wohnmobile oder Busse am steilsten Stück der Kehre steckenbleiben und Du dort möglicherweise spontan anhalten musst!
    Bist du nicht der/die Gelenkigste, hilft’s ungemein, ein leichtes Mopped zu fahren und Du den Boden im Stand gut erreichst.

Hand hoch, wer es schafft, am Hang zu wenden!?

Bei „KURVENREICH“ gibt’s einen netten Beitrag zum Thema:
>> Beitrag „Am Berg wenden“ von Kurvenreich.bike ( kurvenreich.bike/am-berg-wenden)

Und hier findet Ihr das zugehörige Video: >> youtu.be/Hhw7bPxe0n8

Weitere Videos zum Wenden am Hang

 

Hilfe, ich hab Höhenangst!

Wie man als Höhenschisser im Gebirge überlebt, verrate ich Euch dann im nächsten Beitrag… COMING SOON…
Bleibt also dran! 😉
>> „Motorradfahren im Gebirge trotz Höhenangst?“ (www.motorrado.de)

 

Was hilft Euch bei der Routenplanung in die Berge?

Hinterlasst gerne einen Kommentar!

 

 

Susy
Susy
Geboren "Anno Pief", im zarten Alter von vierzehn mit dem Mopped-Fieber infiziert und eine gefühlte Ewigkeit um den Moppedschein gekämpft. Mit sechzehn zunächst an der unendlichen Macht ihrer Ernährer gescheitert, mit achtzehn aber (endlich!) erfolgreich. *YEAH!* Danach leider nie aktiv gefahren und den Virus eine halbe Ewigkeit erfolgreich verdrängt - Bis er 2004 umso heftiger wieder ausbrach. Seitdem irgendwie unheilbar krank dem Moppedwahn verfallen... :-)
http://www.motorrado.de

11 thoughts on “Erste Motorradtour in die Berge: Tipps zur Tourenplanung

  1. Speziell für sehr enge, rechte, bergauf Kurven, empfiehlt es sich die Kurventechnik mittels Drücken und Fußbremse zu beherrschen.
    Ansonsten besteht die Gefahr, dass uns ein bergab fahrendes Auto, mit leichtem Hang zur Innenkurve, auf die Motorhaube wieder bergab mitnimmt. 😉

  2. Hab mich herrlich amüsiert beim lesen des Textes. Gerade als Alpenbewohner der die ganzen grossen Alpenpässe schon fast vor der Haustüre hat.
    Wo ich dir recht geben muss, wer das erste mal in die Alpen fährt, der soll sich nicht stressen lassen, vor allem nicht durch gute Freunde die schon das eine oder andere Mal in den Bergen unterwegs waren und eigentlich nur das fahren im Kopf haben.

    1. Hi Marco,
      das freut mich! 🙂
      Aber sag mal, gibt es für moppedfahrende Berg-Ureinwohner überhaupt noch Herausforderungen? Oder müsst Ihr für Euer persönliches Abenteuer gleich den Kontinent wechseln?
      LG
      Susy

  3. Hi Susy,
    ich komme vom Süden Deutschlands und habe nur wenige Kilometer zu den tollen Bergstrecken. Solange die Straße asphaltiert ist mach ich mir da keine Gedanken über Kurven oder Steigungen das ist normal und muss so sein :). Ich bin mir sicher du wirst dich da auch schnell eingewöhnen wenn du da mal 1 Woche Motorrad Urlaub machst.
    Ich denke auch das die Alpen weltweit einer der besten Orte ist, um Motorrad zu fahren, wo gibt es sonst so viele Strecken mit so gutem Asphalt?
    Da es mir beim Motorradfahren (Reisen) nicht nur um die Strecken geht, sondern auch um Landschaft und Kultur treibt es mich natürlich oft in andere Länder / Kontinente.

    Grüße Dominik

    1. Hi Dominik,
      ja, die Alpen sind wirklich großartig und ich genieße jedes Mal die – leider – sehr kurze Zeit (1-2 Wochen im Jahr), die ich dort verbringen kann. Allerdings nicht, ohne Vorabcheck des Levels, um schwierige Steilpisten auszuschließen. Alles andere würde mein Fahrkönnen überfordern und das muss ja nicht sein 😉
      Beneidende Grüße
      Susy

  4. »Alpenpässe sind mitunter ziemlich lang: Eine gesunde Grund-Kondition ist daher nicht verkehrt!«

    Und: Tanken nicht vergessen. Ja, das Tanken beschäftigt mich noch immer. 😀

    Ist aber als ernst gemeinter Rat u.U. auch noch gut bei den Tipps oben aufgehoben: Manchmal fährt man eben einen Pass von 20 bis 50 km (oder auch mal den Arlbergtunnel mit seinen knapp 14 km) und da kommt dann nicht einfach irgendwo eine Tankstelle und schreit »Juhuuu, endlich kannst du bei mir tanken«. Daher: Rechtzeitig VOR dem Pass volltanken, natürlich nicht zu früh aber eben ganz wichtig ist nicht vollgetankt zu haben.

    Ansonsten steht man in einer evtl. landschaftlich durchaus attraktiven Ecke – allerdings eben länger als eigentlich vorgesehen. 😉

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