Motorrad-Wochenende Werratal/Thüringer Wald 2025

Wie wir auf Motorradtour im Werratal und Thüringer Wald die perfekte Kurve suchten und stattdessen die teuerste Bratwurst der Welt fanden.

Auf geht’s ins Werratal! [Freitag, 09.05.2025]

Norbys Geburtstag fällt auf ein Wochenende, drum stellt sich die Frage: partymäßig reinfeiern oder Motorradtour?
Angesichts der mega Wetter-Vorhersage fällt die Entscheidung nicht schwer und so buchen wir uns donnerstags kurzfristig in Bad Sooden-Allendorf ein.

Details zur unspannenden Anfahrt inklusive Stadtrundfahrt durch Kassel ersparen wir euch.
Was das TomTom Rider halt so unter “spannende Route” versteht. *SEUFZ*

Basislager:
Bad Sooden-Allendorf im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis

Wie der Name schon verheißt, handelt es sich um zwei Ortsteile, nur getrennt durch den östlichen Weser-Quellfluss, der Werra:
Westlich des Flusses liegt der Kurort Bad Sooden, östlich davon die Altstadt Allendorf.

Einst war Bad Sooden für die Salzgewinnung aus seinen Solequellen bekannt. Heute lassen sich Kurgäste dort rund ums Gradierwerk die Atemwege freipusten.

Das Gaststätten-Angebot ist überschaubar und auf ein exzessives Nachtleben darf man kaum hoffen. Jedoch gibt’s eine Handvoll Lokale mit Außenterrasse und ein-zwei Bars, die auch nach 22 Uhr noch geöffnet haben.


Imposantes Gradierwerk in Bad Sooden: 140 Meter lang, 12 Meter hoch.

 
Links:Adrettes Kurstädtchen trifft Fachwerkidylle
Rechts: Gemütliche Location: das Bisro-Cafe “Cheers” in Bad Sooden

Wer salzhaltiges Mikroklima mag, wird in Bad Sooden-Allendorf glücklich. Wer stattdessen lieber Kurven zählt, findet dort ebenfalls einen idealen Startpunkt für Motorradtouren in alle Himmelsrichtungen.

Unterkunft: Pension Erika

Ok, “Pension” klingt schwer nach Häkeldeckchen, Puppensammlung und Porzellanfiguren.
Dennoch haben wir’s mal gewagt und landeten wider Erwarten einen Volltreffer:

  • Lage: Zentral und nur wenige hundert Meter vom Ortskern Bad Sooden entfernt
  • Parken: Kein Problem – hinter dem Haus findet sich ein weitläufiger Hof mit Außensitzplatz und großem Parkplatz
  • Zimmer: Groß, einfach, aber zweckmäßig mit gemütlichem Bett
  • Balkon: Überdacht und möbliert
  • Frühstück: Gut, mit allem, was man sich so wünscht, sehr guter Kaffee und ein aufmerksamer Gastgeber, der Fehlendes laufend nachlegt
  • Besonderes Highlight: Gemeinschaftskühlschrank und Getränke-Selbstbedienung zum fairen (Ein-Euro-)Preis.


Platz satt auf dem Pensions-Parkplatz

Unser Urteil: Wer keinen übermäßigen Luxus erwartet, ist hier definitiv gut aufgehoben.

Motorradtour durchs Werratal und den Thüringer-Wald [Samstag, 10.05.2025]

Bereits nach dem Aufwachen grinst die Sonne schelmisch.

Wir umso mehr, als wir nach dem 1a-Frühstück über Eschwege, Wanfried und Treffurt durch den östlichen Teil des “Frau-Holle-Lands” (kein Witz) cruisen.
Hier gibt’s Infos zum Frau Holle-Land: >> www.naturparkfrauholle.land


Unterwegs: endlose Weite und Rapsfelder, soweit das Auge reicht.

Zwischenstopp 1: Mittelpunkt Deutschlands in Niederorla

Hier soll er also liegen, der Mittelpunkt Deutschlands?

   
Mittelpunkt Deutschlands am nördlichen Ortsrand von Niederorla
(Ortsteil von Vogtei im thüringischen Unstrut-Hainich-Kreis)

Wer Tamtam erwartet, wird enttäuscht sein:
Ein Gedenkstein unter einer prächtigen Linde und ein Schotterparkplatz umgeben von einer Unmenge Natur. Kein Café, kein Souvenirshop, kein Fotopoint mit kitschigem Rahmen.

Okay, reicht. Also fix weiter.

Über Alterstedt und Reichenbach geht’s nach Bad Tabarz.
(So zumindest der Plan, nur durchkreuzt von einer minimalen Umleitungsschleife.)

Zwischenstopp 2: Inselsbergstraße (L1014) / Rennsteig

Dann erreichen wir sie endlich, die L1014, besser bekannt als Inselsbergstraße.

Das feine Schlängelsträßchen führt über den “Kleinen Inselsberg” nach Brotterode-Trusetal und ist nicht nur bei Motorradfahrern beliebt.
Immerhin dient sie auch als Zugangsstraße zum Rennsteig, dem historischen Höhenwanderweg, der sich über stolze 169 Kilometer quer durch den Thüringer Wald zieht.

Das Herz lacht, als wir am Straßenrand ein Café entdecken und so steuern wir den gegenüberliegenden Großparkplatz an und schlendern über die Straße zur urigen Hütte.

  
Hotel-Restaurant “Kleiner Inselsberg”

Der Kaffee? Durchschnitt. – Die Wurst? Ganz okay. – Das WC ums Eck? Muss nicht sein, wenn’s euch nicht dringend pressiert.

Arglos geht’s weiter.
Spoiler: Wer konnte schon ahnen, dass wir vor wenigen Minuten die teuerste Bratwurst der Republik verspeist hatten?

Vorsicht auf dem Parkplatz “Grenzwiese” im Thüringer Wald!

Fünf Tage nach unserem wundervollen Tour-Wochenende, erhalten wir böse Post.
Nö. Nicht, weil wir zu schnell unterwegs waren, sondern wegen eines Parkverstoßes.

Absender ist die “Mobility Hub Parkservice GmbH”, die uns auffordert, eine Vertragsstrafe in Höhe von 53 Euro (pro Person!) zu zahlen.

Begründung:
“Nichtzahlung der Parkgebühr auf der Parkraumeinrichtung Kleiner Inselsberg – Parkplatz Grenzwiese, Inselsbergstraße 128a, 99891 Bad Tabarz”
Belegt durch Kennzeichenerfassung und Nennung der exakten Parkdauer von 39 Minuten und 46 Sekunden.

Gut: Tatsächlich haben wir uns nicht die Mühe gemacht, zum weit entfernten Parkautomaten zu laufen.

Warum auch? – Die Schranke war geöffnet, der Parkplatz so gut wie leer, weit und breit kein Mensch zu sehen und sofern es an der Einfahrt tatsächlich einen Hinweis auf die automatische Kennzeichenerfassung gab, haben wir ihn schlichtweg übersehen.
Waren wir etwa BEIDE derart blind?

Irgendwie fühlen wir uns abgezockt. Wir vermuten, dass das Hinweisschild ausschließlich VOR dem Parkautomaten sichtbar war und ärgern uns nicht nur über die üble Masche, sondern auch über uns selbst und weinen uns angesichts der teuersten Bratwurst der Welt in den Schlaf.

Park-Tipp am Inselsberg

Unmittelbar hinter dem Hotel-Restaurant liegt der “Inselsberg-Funpark” mit Sommerrodelbahn und einem großen, kostenlosen Parkplatz.
Das können Ortsunkundige – von Norden kommend – natürlich nicht ahnen.
>> www.inselsberg-funpark.de

Also Augen auf bei der Parkplatz-Wahl, damit euch ärgerliche Wucherzahlungen erspart bleiben!

Wann sich ein Widerspruch gegen private Parkplatzbetreiber lohnt, erklärt der ADAC:
>> www.adac.de/verkehr/recht/bussgeld-punkte/strafzettel-supermarktparkplatz

Zwischenstopp 3: Trusetaler Wasserfall – Wer hier nicht anhält, ist selbst schuld!

Nur acht Kilometer weiter entdecken wir rechterhand ein grandioses Naturschauspiel: den Trusetaler Wasserfall.
Hier stürzt das Wasser aus dem Felsgestein in drei Kaskaden knapp sechzig Meter in die Tiefe.


Künstlich angelegt, aber sehenswert: der Trusetaler Wasserfall

Wer mag, erklimmt die 228 Stufen und begibt sich anschließend auf den knapp vier Kilometer langen Rundwanderweg.
Lauffaule machen sich’s hingegen auf der Bank am Fuße des Wasserfalls bequem und bewundern gechillt die tosenden Fluten.

Für den kleinen Hunger ist ebenfalls gesorgt, denn unmittelbar davor liegt das “Café Wintersport“.

 
Tipp: Auf dem Parkplatz unmittelbar vor dem Wasserfall parken Motorräder kostenlos.
>> www.thueringen.info/trusetaler-wasserfall.html

Weiter geht’s über die L1027 nach Bad Liebenstein und über Dermbach nach Geisa.

Zwischenstopp 4: Grenzgeschichte am Point Alpha

An der L1026, westlich von Geisa liegt der ehemalige US-Beobachungsposten “Point Alpha”, damals, während des Kalten Krieges eines der wichtigsten an der innerdeutschen Grenze. Heute Museum (“Haus auf der Grenze”) und Mahnmal. Obendrein kann man in der unmittelbaren Umgebung originale Grenzanlagen und das damalige US-Camp besichtigen.

  
Kunst und Grenznachbauten am Point Alpha
>> www.pointalpha.com

Monte Kali

Anschließend wird’s zäh: Baustellen, Umleitungen und gesperrte Straßen zerpflücken unseren ursprünglichen Routenplan.
(Buttlar – Mansbach – Ransbach – Hemboldshausen – Friedewald – Bebra – Sontra – Reichensachsen)

Immerhin blitzt am Horizont kurzzeitig ein überdimensionaler weißer Berg auf, der Monte Kali, eine gigantische Salzhalde bei Heringen (Landkreis Hersfeld-Rotenburg), im Volksmund auch “Kalimandscharo” genannt.
Zu schade, dass sich kein Haltepunkt findet, um den Monsterberg “auf Polaroid” zu bannen…

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

>> Zur Tour-Route

Tour-Finale durch die Walachei [Sonntag, 11.05.2025]

Die Rücktour planen wir spontan per Calimoto, ziehen sie fix rüber aufs Navi und lassen uns vorwiegend ampelfrei über einsame Sträßchen Richtung Heimat führen.
Klappt leider maximal bis Oelde/Beckum: Spätestens in der heimatnahen Region befragt man besser den eigenen Instinkt gefragt, um sich angesichts der empfohlenen breiten Straßen nicht endlos zu langweilen.

Darüber hinaus ist auch diese Tourplanung nicht maximal umleitungsresistent und so erwischt’s uns prompt bei Trendelburg.
Macht aber nix, denn immerhin entdeckt man beim Fahren frei nach Schnauze die besten Spots, so wie beispielsweise das folgende Landrestaurant.

Pausen-Highlight: Birkenhof Atteln

Nach unserer kleinen Freestyle-Einlage landen wir in Bad Karlshafen, jedoch ist’s uns dort zu trubelig. Drum sind wir dankbar, auf der K1 hinter Ebbinghausen ein Landcafé zu entdecken.

Der “Birkenhof Atteln” erweist sich als sehr gute Wahl.
Finden offenbar auch all die anderen Gäste und so erwischen wir nur mit etwas Glück ein nicht reserviertes Plätzchen auf der heimeligen Außenterrasse.
[Adresse: Zum Sauertal 36, 33165 Lichtenau]

Schluss-Highlight: Schnitzeltraum bei Greven

Beinahe zurück daheim, steuern wir Nähe Greven eher zufällig auf das Restaurant Haus Eltingmühle zu.
Spontan werfen wir den Anker, ergattern trotz des sonnigen Tages noch ein freies Terrassen-Plätzchen und gönnen uns zum krönenden Tourabschluss grandiose Schnitzel.

[Adresse: Schmedehausener Straße 49, 48268 Greven – >> www.eltingmuehle.de]

Tour-Fazit

Ingesamt war’s ein perfektes Tour-Wochende, an dem nicht nur das Wetter (ausnahmsweise) mal passte:
Landschaftlich top und kurventechnisch ein Traum, nur leider eine Spur zu kurz!

Haben wir irgendwas verpasst?

Ja, ganz sicher!
Aber irgendwie auch logisch, denn schließlich reicht ein Wochenende kaum aus, um all die schönen Kurven zu genießen und gleichzeitig die sehenswerte Gegend zu erkunden.

Folglich konnten wir leider nicht alles abhaken, was auf unser Must-have- bzw. Nice-to-see-Liste stand.
Macht aber nix, denn so oder so kommen wir wieder!

Grenzmuseum Schifflersgrund

Das Museum liegt zirka zwei Kilometer nordöstlich von Bad Sooden-Allendorf, unmittelbar auf dem “Todesstreifen” der einstigen deutsch-deutschen Grenze.
Hier lassen sich nicht nur originale, ehemalige Grenzanlagen, wie beispielsweise der Beobachtungsturm bestaunen, sondern obendrein auch diverse Grenzsicherungs-Fahrzeuge.
>> www.grenzmuseum.de

Historischer Hafen Wanfried

Neben einer adretten Altstadt lockt das Örtchen mit seinem historischen Hafen und…
Praktischerweis findet sich unmittelbar am Ufer der Werra eine Gaststätte (namens “Zur Schlagd”).

Werratalsee und Eschwege

Nicht nur Bad Sooden-Allendorf, sondern auch Eschwege hat eine sehenswerte Altstadt mit kunstvoll restaurierten Fachwerkhäusern.
Etwa anderthalb Kilometer liegt der Werratalsee, ein durch Kiesabbau entstandener Baggersee, der zahlreiche Freizeitmöglichkeiten bietet:

  • Wer mag, umrundet den See auf dem zirka sieben Kilometer langen Rundweg oder vergnügt sich am Badestrand bei Eschwege oder Meinhard-Schwebda.

  • Alternativ macht doch mal einen Ausflug mit dem Ausflugsschiff “Werranixe”, das im Sommer stündlich zwischen Eschwege und Schwebda verkehrt?

  • Segeln oder Windsurfing, Rudern, Kanufahren oder sich am Stand-up-Paddling versuchen? – Alles möglich!

Tipp:
Fehlt euch die Camping-Ausrüstung, mietet euch im Campingpark am Südufer doch einfach mal ein Mobilheim oder Zelt?
>> www.knauscamp.de/eschwege

Hoher Meißner und der Frau-Holle-Teich

Der Hohe Meißner ist nicht nur der höchste Berg Nordhessens, sondern auch eng mit dem Märchen von “Frau Holle” verbunden.
Immerhin soll die Gute hier in einem Teich wohnen.

Ob das stimmt? – Überzeugt euch selbst und folgt einfach der Panoramastraße L3242!

Welche Tour-Highlights könnt Ihr in der Region empfehlen?

Wir freuen uns über jegliche Tipps!

// Werbung

Lesefutter

Motorradtouren Deutschland:

40 Touren von den Alpen bis an die Nordsee

>> www.amazon.de

RIDE – Motorrad unterwegs
No. 24

Thüringer Wald/Harz

>> www.amazon.de

RIDE – Motorrad unterwegs
No. 22

Odenwald/Spessart/Rhön

>> www.amazon.de

Motorradkarte
Rhön/Spessart/Vogelsberg

Freytag & Berndt (1:200.000)

>> www.amazon.de

 

About me

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert