Motorradtransport: Wer haftet bei Schäden?

Einige touren auf eigenen zwei Rädern in den Urlaub, andere ziehen es vor, ihr Motorrad zu transportieren. Wer aber haftet, wenn es beim Transport beschädigt wird?

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// >> Wie transportiert man sein Motorrad mit dem geringsten Risiko? (Private Transportversicherung – Vollkaskoversicherung) //
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Eine Frage, die sich uns in der Vergangenheit nicht stellte.

Blauäugig in den Motorradurlaub

So fuhren wir mehrere Jahre in Folge blauäugig mit Leih-Transporter und großem Motorradanhänger in die Dolomiten.
Die wertvolle Fracht: Sechs Moppeds; einige davon als Schnäppchen erworben, andere ein kleines Vermögen wert (zumindest für ihre Besitzer).
Der Irrglaube: „Im Falle eines Falles haftet doch die Vollkaskoversicherung des Zugfahrzeugs, die Anhänger- oder die Teilkasko-Versicherung des Motorrads?“

Falsch!

Transportiert Ihr Euer Motorrad privat auf einem Anhänger oder in einem Transporter, ist es im Falle eines selbstverschuldeten Unfalls nicht versichert und Ihr bleibt auf dem Schaden sitzen!

Die Erkenntnis traf – zumindest meinereiner – wie ein Schlag und mir wurde fast schlecht bei dem Gedanken, meine damals nagelneue Suzi so sorglos auf dem Anhänger abgeparkt zu haben.

Motorrad-Transport Wird schon gutgehen…?

 

Doch lieber transportieren lassen?

Beauftragt Ihr einen gewerblichen Spediteur und es kommt zum Unfall, tritt dessen Transportversicherung für den Schaden ein.

Aber: Wurde nichts anderes vereinbart, beläuft sich die Entschädigung regelmäßig auf gerade mal zirka 10 Euro pro Kilogramm Gewicht.
Beispiel: Für eine 250 Kilogramm schwere Maschine gäbe es somit gerade mal 2.500 Euro. – Bitter, oder?

Zum Glück bieten viele Transporteure eine Zusatzversicherung an.
Doch auch hier heißt es, aufpassen: Oft ersetzt diese nichtmals annähernd den Zeitwert, sondern ist auf zirka 40 Euro pro Kilogramm beschränkt.
Kann ausreichen, ist aber nicht gerade viel, sofern Ihr ein nagelneues Motorrad-SUV Euer Eigen nennt… – Vorher rechnen lohnt!

Tipp: Lest unbedingt das Kleingedruckte, bevor Ihr arglos einen Transport bucht!

Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB oder kurz: „das Kleingedruckte“) liest doch kein Mensch!? – Zumindest ist es anstrengend, sie zu durchforsten und macht alles andere als Spaß!
Lohnt sich aber auf jeden Fall, wenn man keine Lust auf böse Überraschungen hat. Beispielsweise schließen manche Transporteure „kleinere“ Beschädigungen wie Kratzer (*kreisch!*) aus.

 

Wie transportiert man sein Motorrad mit dem geringsten Risiko?

Einst meine brandneuen Streety im Blick, klapperte ich sämtliche Versicherungen in der Umgebung ab, um sie zum Thema Transport und Haftung zu löchern.
Schließlich sollte es wenige Tage später mit dem Motorradanhänger in den Urlaub gehen.

Das traurige Ergebnis: Die meisten Versicherungsmokels zuckten mit den Schultern oder äußerten vage Vermutungen. Nur einer machte sich die Mühe, bei der Hauptstelle nachzufragen. Letztendlich konnte mir aber keine der angesprochenen Versicherungen eine private Transportversicherung anbieten.
Einige beteuerten sogar, so etwas gäbe es gar nicht.

Private Transportversicherung für Motorräder

Letzten Endes stolperte ich im Internet über die Webseiten >> www.transport-makler.de und ließ mir ein Angebot erstellen.

[Übrigens: NEIN, dies ist KEINE bezahlte Werbung! Wir haben nichts von der Empfehlung. Auch wissen wir – zum Glück – nicht, ob die Versicherung im Schadensfall hält, was sie verspricht.]

Kostenpunkt:

Die Versicherungsprämie beträgt bei internationalen Touren 0,3 Prozent der Versicherungssumme (= Zeitwert der transportierten Motorräder), mindestens aber 150 Euro. Bei Transporten innerhalb Deutschlands kommen 19 Prozent Umsatzsteuer hinzu.

Nicht versichert sind allerdings Schäden, die dadurch entstehen, dass die Moppeds nicht vernünftig verzurrt wurden.
Dafür jedoch Unfälle während des Auf- oder Abladens (Selbstbehalt: 250 Euro).

Natürlich nahmen wir das Angebot an, zumal der Betrag durch zwei Besitzer geteilt lächerlich gering ist.

Da klar war, dass wir im Jahr drauf gleich zweimal mit Auto und Motorradanhänger in den Urlaub fahren würden, schlossen wir die Versicherung für beide Urlaubsreisen direkt vor der ersten Tour ab und profitierten von einem Sonderpreis.

Tipp: Setzt Euch einfach mal mit dem Makler Frank Schirmer in Verbindung und lasst Euch ein Angebot erstellen. Der gute Mann ist telefonisch sehr gut erreichbar, antwortet fix per E-Mail und kümmert sich – auch kurzfristig – zügig und unbürokratisch um die Deckungszusage!

Vollkaskoversicherung als Alternative?

Bei unserer Versicherungs-Recherche haben wir gelernt, dass Vollkaskoversicherung nicht gleich Vollkaskoversicherung ist:
Offenbar haften nur die wenigsten Gesellschaften bei Schäden, die durch den Transport entstehen, also macht Euch besser vorab schlau!

Übrigens konnten wir keine deutsche Versicherung ausfindig machen, die eine spezielle Reise-Vollkasko-Versicherung anbietet.
Was das betrifft, sind die Österreicher uns mal wieder voraus: Beim dortigen ÖAMTC lässt sich eine solche (für 10 – 31 Tage) abschließen. (Ist allerdings alles andere als ein Schnäppchen!)
Weitere Infos: www.oeamtc.at/versicherung/reise-versicherungen/reise-vollkasko-fuer-motorrad

Kleine Versicherungskunde

Die Haftpflichtversicherung übernimmt generell nur Schäden an fremden Fahrzeugen auf.

Habt Ihr eine Teilkaskoversicherung abgeschlossen, ist Euer Fahrzeug gegen Beschädigung, Zerstörung und Diebstahl geschützt.
Vorsicht: Steht das Motorrad auf einem Anhänger, ist es meist nicht versichert! (Da hilft’s eigentlich nur, das wertvolle Gefährt bei Zwischenübernachtungen vom Anhänger ab- und tagsdrauf wieder aufzuladen)

Auch hier gilt: Sich durch die winzig gedruckten AGB zu wühlen ist zwar ätzend, aber letztendlich sehr aufschlussreich.

Beliebte „Fallen“ bzw. worauf man achten sollte:

  • Elementarschäden: Häufig sind nur Sturm- Blitz- und Hagelschäden versichert.
    Gerade angesichts der zunehmenden Unwetter lohnt es sich zu prüfen, ob Eure Versicherungsgesellschaft zusätzlich auch folgende Schäden abdeckt:
    Überschwemmungen, Schnee- und Eislawinen (auch vom Dach), Erdrutsch, Muren-Abgänge, Steinschlag, Erdfall, Erdsenkung und Erdbeben.

  • Rabattschutz? Manchmal lohnt sich der geringe Aufpreis für einen sogenannten „Rabatt-Retter“: Ohne einen solchen rutscht Ihr möglicherweise bereits beim ersten Schaden unendlich viele SF-Klassen tiefer und die Versicherungsprämie steigt erheblich.

  • Gut ist es auch, wenn die Versicherung keinen Abzug „neu für alt“ vornimmt. (Ansonsten würde bei Reparaturen nur der Wert der gebrauchten Teile erstattet.)

  • Tier-Schäden? Manche Gesellschaften haften nur bei Schäden durch sogenanntes „Haar-Wild“. Hoppelt Euch also ein Reh, Hase, Fuchs oder Murmeltier vor die Reifen, zahlt die Versicherung.
    (Welche Tiere noch zum Haar-Wild zählen, ergibt sich übrigens aus >> § 2 des Bundesjagdgesetzes).
    Denkt dran: Was im flachen Land ausreicht, tut’s in den Bergen nicht unbedingt. Man denke beispielsweise nur an die Kühe, Ziegen und Wildpferde, die sich nur allzugern auf den Gebirgspässen tummeln…

  • Und was ist mit Tier-Bissen? Denkt an den „kleinen, süßen“ Marder, der es bei Euch daheim plötzlich so urgemütlich findet?

  • Fähr-Fahrten: Erstaunlicherweise schließen einige Gesellschaften Fahrten auf Fähren aus!
    (Ihr fahrt niemals Fähre? Nein? Auch nicht mal eben kurz über den Rhein?)

Bislang haben nur die wenigsten Versicherungsgesellschaften besondere, auf Motorradfahrer zugeschnittene Angebote. Es gibt aber bereits Einige, bei denen auch Zubehör versichert ist und die nach einem Unfall die zerstörte Motorradkleidung und Helme ersetzen.

Tja… Versicherungen sind schon ein Thema für sich. Gut, wenn man sie nicht braucht!

Weiterführende Links zum Motorrad-Transport

 

Habt Ihr weitere Tipps zum Thema Transport-Versicherung?

Hinterlasst gern einen Kommentar!

PS
Wie immer gilt: Wir sind keine Juristen oder Versicherungsvertreter. Sämtliche Infos ohne Gewähr!

 

Susy
Geboren "Anno Pief", im zarten Alter von vierzehn mit dem Mopped-Fieber infiziert und eine gefühlte Ewigkeit um den Moppedschein gekämpft: Mit 16 zunächst an der unendlichen Macht ihrer Ernährer gescheitert, mit 18 dann endlich erfolgreich durchgesetzt. *YEAH!* Danach leider nie aktiv gefahren und den Virus erfolgreich verdrängt, bis er 2004 umso heftiger wieder ausbrach. Seitdem unheilbar krank dem Moppedwahn verfallen. :-)
http://www.motorrado.de

10 thoughts on “Motorradtransport: Wer haftet bei Schäden?

  1. Sehr aufschlussreich, Danke für den Artikel!

    Über den Begriff „Motorrad-SUV“ habe ich mich amüsiert, den benutze ich selbst auch gerne. Auf das sich die Verwendung verbreite! 🙂

  2. Boah, und ich schüssle mit zwei meiner Maschinen komplett unversichert durch deutsche und französische Lande .. Danke für den Beitrag, daran, dass irgendetwas schief gehen könnte bzw. ich trotz Vollkasko am Auto nicht versichert bin, habe ich gar nicht gedacht .. obwohl früher mal Versicherungsvertreter ..

  3. Danke für den Bericht!
    Habe sofort meinen Versicherer angerufen, da ich im Sommer meinen Rennwagen aufm Hänger in die französischen Alpen ziehen möchte. Die Agentur kennt das Problem nicht und muß erst mal recherchieren.

    LIEBEn Gruß

  4. Ich versteh den Artikel nicht ganz. Warum sollte mein Motorrad auf meinem Anhänger über die Vollkasko des Zugfahrzeugs versichert sein ??? Die Frage ist völlig irrelevant.
    Wenn mein Motorrad auf dem Anhänger zugelassen ist und selbst eine Vollkasko hat, zahlt diese den Schaden. Bei Saisonkennzeichen natürlich auch nur, wenn es innerhalb der Saison passiert.
    Sogenannte Transportversicherungen gibt es i.d.R. nur für Gewerbetreibende, können aber in Absprache mit eurer Versicherung auch evtl. für Privatleute gemacht werden. Natürlich nicht bei der Pfefferminzia24 😉
    Die Frage, ob sich das lohnt oder dann eine Vollkasko fürs bike nicht doch sinnvoller ist, muss sich dann jeder selbst beantworten.

    1. Hallo Heiko,

      stimmt. Die Frage stellt sich eigentlich nicht. Dennoch sind viele Leute im Glauben, dass es so ist oder machen sich erst Gedanken, wenn etwas passiert ist.

      Nach viel Herumtelefoniererei haben wir einen Versicherer gefunden, der auch Privatleuten die Möglichkeit bietet, die wertvolle Fracht abzusichern. (Dabei waren die Versicherungsvertreter vor Ort durchweg selbst überfragt oder gaben Halbwahrheiten preis).

      Für ein einzelnes Fahrzeug ist die Transportversicherung vermutlich überteuert, lohnt sich aber – zumindest für uns – ab 2 Motorrädern. Für alle anderen vermutlich dann, wenn das Motorrad noch jung und die Schadenfreiheitsklasse niedrig ist, aber wie Du schon sagst, muss das jeder für sich entscheiden/prüfen.

      LG
      Susy

  5. Danke für diesen Beitrag zur Haftung beim Motorradtransport. Gut zu wissen, dass man das Risiko eines Verlustes minimieren kann, wenn man beim Logistiker eine Zusatzversicherung abzuschließen. Ich recherchiere gerade dazu, weil ich auch bald ein Motorrad transportieren lassen will.

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