Fahrtechnik: Wiedereinsteiger-Training

Sicherheitstraining

Nicht jeder, der einen Motorradführerschein gemacht hat, ist durchgängig mit dem Motorrad unterwegs. Viele pausieren: freiwillig, ihrem Partner oder dem Nachwuchs zuliebe, unfreiwillig, weil das Geld fehlt oder aus welchen Gründen auch immer. Früher oder später packt aber jeden wieder das Moppedfieber! – Wie aber gelingt der Wiedereinstieg?

// >> Der Klassiker: Lesen! // >> Beobachten und abgucken // >> Sicherheitstraining // >> Trainings-Anbieter // >> Geländetraining
// >> Fahren, fahren, fahren! //>> Hilfreiche Links //

Moppedfahren ist wie Radfahren – Das verlernt man nicht…!?

Gehörst auch Du zu den Motorradfahrern ohne angeborene Schräglagen-Gene oder liegt Deine Fahrausbildung lang zurück?
Dann lass es besser langsam angehen, damit Du Dein neues Mopped nicht gleich auf den ersten Metern zerlegst.

Tipps zum Wiedereinstieg

 

Der Klassiker: Lesen!

Wer sich gern mit hintergründiger Theorie beschäftigt, dem sei die Lektüre der „Biker-Bibel“ von Bernt Spiegel aus dem Motorbuch-Verlag empfohlen:
„Die obere Hälfte des Motorrads: Über die Einheit von Fahrer und Maschine“.

Magst Du es praktischer, hilft Dir möglicherweise das ergänzende Übungsbuch: „Motorradtraining alle Tage“
Es enthält zahlreiche Übungsvorschläge aus folgenden Bereichen: Alpenpraxis, Blickführung, Bremsen, Kolonnenfahren, Kurventechnik und Lenkimpuls.
Auf den beiliegenden Übungskarten kannst Du Deine Erfolge dokumentieren.

Übungsbuch Obere Hälfte des Motorrads
Bücher von Bernt Spiegel: Die obere Hälfte des Motorrads (www.amazon.de)

 

Variante zwei: Beobachten und „abgucken“!

Auf Youtube kannst Du Dich an zahlreichen Trainingsfilmen ergötzen.

Hier einige Beispiele:

Basics-Video von 1000PS:

Hier bekommst Du Tipps zur korrekten Blick- und Bremstechnik, zur sicheren und richtigen Fahrlinie und lernst den Unterschied zwischen „Drücken“ und „Legen“:

Motorrad fahren – gut und sicher

Ein 15-Minuten-Trailer der Zeitschrift >> MOTORRAD (www.motorradonline.de)

Einsteiger-Grundcheck mit Gerry

Schrauber-Basics: So hälst Du Dein Mopped in Schuss!

 

Variante drei: Das professionelle Sicherheitstraining

Schnell fahren kann jeder!
Aber beherrscht Du Dein Motorrad auch bei langsamer Fahrt im Schritttempo, ohne es gleich umzuwerfen?

Bei einem Sicherheitstraining hast Du die Chance, im Schonraum zu trainieren.
Kleiner, feiner Nebeneffekt: Genau hier kannst Du ganz fix herauszufinden, wie Deine (neue) Maschine „tickt“.

Die Trainings beinhalten meist folgende Elemente:

  • Fahren im Schritttempo
  • Kurze Einführung ins Kurvenfahren (u.a. zum Lenkimpuls)
  • Vollbremsung
  • Slalom-Fahren
  • Wenden aus dem Stand
  • Umgang mit Hindernissen auf der Fahrbahn: Bremsen oder ausweichen?
  • Fahren auf losem Untergrund

Anbieter gibt es viele und die Preise schwanken „von“ „bis“. In der Regel bist Du mit knapp 100 Euro dabei.
Zu teuer?
Auf den ersten Blick vielleicht. Aber weißt Du, was abgebrochene Brems- oder Kupplungshebel und all die diversen Plastik-Verkleidungsteile kosten, die ersetzt werden wollen, so Du Dein Maschinchen wider Erwarten mal schmeißt?

Spar-Tipp:

Nutzt Du das Motorrad auch für die Fahrt zur Arbeit?
Dann stehen die Chancen gut, dass sich Dein Arbeitgeber beziehungsweise die Berufsgenossenschaft (BG) an den Kosten des Sicherheitstrainings beteiligt.
Frag doch einfach mal in Deiner Personalabteilung oder direkt bei der BG nach?

 

Trainings-Anbieter:

Einige Anbieter setzen auf abgesperrte Parkplätze; andere verfügen über komplette Trainingsanlagen. Wie und wo trainiert wird, spielt eigentlich keine Rolle. Irgendwie lernt man immer etwas Neues dazu. Letztendlich steht und fällt es wohl mit dem jeweiligen Trainer, ob und wie viel man aus einem Training mitnimmt.

Eine Übersicht der Sicherheitstrainings-Anbieter findest beim
>> Instituts für Zweiradsicherheit (IfZ).

Training in den Fahrsicherheitszentren des ADAC:

Beim ADAC lassen sich diverse Motorradtrainings buchen. Unter anderem Basistrainings, reine Frauentrainings und spezielle Wiedereinsteiger-Trainings.

Beispiele:

ADAC-Trainings-Suche

Auf den Seiten des ADAC könnt Ihr nach weiteren Fahrsicherheitstrainings-Terminen suchen:
>> ADAC-Wiedereinsteiger-Training mit dem eigenen Motorrad
>> ADAC-BMW-Wiederaufsteiger-Training mit Leihmaschinen

Händler-Training:

Für Harley-Fans werden regelmäßig interessante Wiedereinsteiger-Kurse angeboten. Teilweise lassen sich diese sogar mit einem Kurz-Urlaub inklusive Motorrad- und Schutzausrüstung-Miete verbinden.
>> HD-Wiedereinsteiger-Veranstaltungen (www.livetoride.de) bzw.
>> Back-to-Biking-Aktionen von Harley Davidson (www.harley-davidson.com/de)

Auch andere Hersteller bieten Sicherheitstrainings an.
Dabei sind einige Händler regelmäßig aktiver als andere.
Solltet Ihr Euer Mopped neu (oder gebraucht) beim Händler kaufen, fragt dort einfach mal nach!?

Fahrschul-Trainings:

Wer sich unsicher ist, kann natürlich auch eine Fahrschule aufsuchen. Einzelstunden sind nicht ganz günstig:
Eine 45-minütige Motorradfahrstunde kostet heutzutage im Schnitt 45 Euro.
Günstiger fährt man meist, wenn man eins der halb- oder ganztägigen Trainings bucht, die diverse Fahrschulen neben ihrem Fahrschulenbetrieb anbieten.

Kommst Du aus dem Münsterland/NRW?

Dann können wir Dir folgende Anbieter ans Herz legen, mit denen wir persönlich sehr gute Erfahrungen gemacht haben:

  • >> Fahrschule Grosse-Westhues in Altenberge
    Zu meiner „Wiedereinstiegszeit“ bot der Fahrschulinhaber und ehemaliger Amateur-Rennfahrer „Heiner“ Trainings auf dem Autohof Salzbergen an.
    Später fanden jene auf dem ehemaligen Flughafengelände Hörstel-Dreierwalde statt. Leider wurden die Trainings – laut Webseite – mittlerweile eingestellt.
    Tipp: Mangelt es Euch moppedtechnisch an Selbstbewusstsein, versucht mal, eine Fahrstunde beim Chef zu buchen. – Glaubt mir: Der Mann bewirkt wahre Wunder!

  • >> Fahrschule Schlüter in Ahlen
    Unter dem Fahrschul-Motto „Kukst’e scheiße, fährst’e scheiße“ bietet Norbert Schlüter diverse Trainings an.
    Unter anderem das zweitägige >> Kombi-Training, das sich speziell an Personen ohne eigenes Motorrad richtet: Am ersten Tag ist ein Geschicklichkeitstraining auf einem abgesperrten Firmengelände geplant; am Tag darauf eine geführte Tour ins Sauerland. Leihmotorrad und Schutzkleidung sind im Preis von 195 Euro inklusive.
    Zudem bietet die Fahrschule kostenlose „>> Sonntags-Touren“ an.
    Termine für 2018: 6. Mai und 2. September (Abfahrt: 10:30 Uhr ab AVIA Tankstelle Dolberger Straße)
    Da jeder (Neuling) während der Tour einmal direkt hinter dem Fahrlehrer herfahren darf, ist der Lerneffekt enorm!

  • >> Motoschool in Dülmen.
    Die Fahrschule wurde mit dem IfZ-Qualitätssiegel ausgezeichnet. Zu Recht: Denn wenn jemand aktiv mit dem Mopped unterwegs ist, dann Fahrlehrer Gernot Kempkes!
    Ein Teil der diversen Trainings findet auf einem weitläufigen alten Kasernen-Gelände in Dülmen statt. Seit 2017 auch das „Schräglagentraining“, bei dem Du Dich mit einem Ausleger-Motorrad langsam aber sicher an Deine gewünschte Schräglage herantasten kannst.
    Darüber findet Ihr Gernot alljährlich in der Fronleichnams-Woche bei der >> Bikers Week in Wolfach (Schwarzwald), wo er ebenfalls Trainings anbietet.
    >> Zur Termin-Übersicht der Motoschool

Sonstige Sicherheitstrainings:

  • Die >> Motorradfrau, Astrid Althoff aus Lindlar bietet ein Balancetraining an. Hier lernst Du nicht nur, Dein Motorrad entspannt zu schieben und zu rangieren, sondern das Training glänzt mit vielen Übungen im Langsamfahrbereich und behandelt zudem den Alptraum vieler Anfänger/Wiedereinsteiger: Das Wenden aus dem Stand.
    Wer keine Lust hat, in einer kleinen Gruppe (maximal fünf Teilnehmer/innen) zu trainieren, hast Du auch die Chance, ein Einzeltraining bei Astrid zu buchen.
    >> Infos zum Balancetraining

  • Individualisten finden möglicherweise Gefallen am Einzel-Training für Anfänger und Wiedereinsteiger von Mario von Overbeke (www.training-motorrad.de).
    Bei ihm dürftet Ihr Euch besonders sicher aufgehoben fühlen, denn hauptberuflich arbeitet er als Polizeibeamter 😉
    Statt stupidem Training auf dem Platz erwartet Euch eine gesunde Mischung aus Theorie und Praxis: Nach dem Üben der gängigen Trainingselemente (u.a. Bremsen, Schrittgeschwindigkeit fahren, Blickführung), könnt Ihr das Erlernte direkt im Straßenverkehr umsetzen. Dabei nimmt Mario Eure Fahrkünste sequentiell per Video auf, um sie gemeinsam mit Euch zu analysieren. Wer die Videos haben möchte, sollte einen USB-Stick zum Training mitbringen.

    Für Wiedereinsteiger bietet sich besonders das „Grundlagen-“ oder das „individuelle Schwerpunkt-Training“ an. Euren Wunschtrainingstermin könnt Ihr selbst bestimmen. Freie Termine findet Ihr im >> Trainings-Terminkalender.

 

Geländetraining

Auch ein Geländetraining mag helfen, lockerer in den Hüften zu werden.

  • Bei der bereits erwähnten „Motorradfrau“ kann man auch Trial- und Enduro-Trainings buchen. Für die erste Variante benötigt Ihr nicht einmal einen Führerschein.

  • Auch in der Trial-Schule von Elmar Heuer könnt Ihr Euer Gefühl für das Motorradfahren schulen lassen. Unter anderem könnt Ihr einen ein- oder zweitägigen Trial-Kurs buchen.

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Und schließlich…

Raus auf die Straße und fahren, fahren und nochmals fahren!
Theorie ist schön und gut. Wichtiger ist es aber, jede Gelegenheit zu nutzen, praktische Erfahrungen zu sammeln.

Mit etwas Glück findest Du auch einen erfahrenen Vorfahrer, bei dem Du Dir eine Menge abgucken kannst.

Solltest Du in einer Gruppe mitfahren wollen, erkundige Dich besser vorab, „wer da so alles mitfährt“, vor allem aber auch nach dem durchschnittlichen Tour-Tempo. Niemanden ist damit geholfen, wenn Du auf Biegen und Brechen an erfahren Bikern „dranbleiben“ willst! Nimmt die Gruppe allerdings (gerne!) Rücksicht auf langsamere Mitfahrer und gibt dem schwächsten Mitglied die Chance, direkt hinter dem Tourguide zu fahren, ist es DIE Chance, das Fahren schnell (wiederzu)erlernen! 😀

Hilfreiche Links:

Und was ist mit Dir?

Und welche Erfahrungen hast DU mit Sicherheitstrainings gemacht? Wo lohnt sich die Teilnahme, wo eher nicht? Was hat DIR als Wiedereinsteiger geholfen?

 

Susy
Susy
Geboren "Anno Pief" (im letzten Jahrhundert). Im zarten Alter von vierzehn - keine Ahnung wieso - mit dem Mopped-Fieber infiziert und eine gefühlte Ewigkeit um den Moppedschein gekämpft. Mit sechzehn zunächst an der "unendlichen Macht" ihrer "Ernährer" gescheitert, mit achtzehn dann aber endlich erfolgreich. *YEAH!* Danach - trotz Schein - erst einmal nie aktiv gefahren und den "Virus" eine halbe Ewigkeit erfolgreich verdrängt. Vor etwa zehn Jahren brach er allerdings - umso heftiger - wieder aus... Seitdem einfach "unheilbar krank" dem Moppedwahn verfallen. :D
http://www.motorrado.de

6 thoughts on “Fahrtechnik: Wiedereinsteiger-Training

  1. Hallo,

    ergänzend zu den von euch dargestellten Trainings ist im Jahr 2015 noch das Fahrsicherheitstraining auf der Straße hinzugekommen. Dieses Training beinhaltet Elemente der Platztrainings, die dann in Touren umgesetzt werden. Ich habe solche Trainings als „Touren-Training“ im Angebot, wobei das Training selbst nicht von mir abgehalten wird, sondern von einem lizenziertem Trainer.

    DLzG
    Mario van Overbeke




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  2. Also bevor ich mit Videos über schräglagen und Motorradfahrten ansehe oder Theoretisch was lese gehe ich lieber zu einem Fahrsicherheitstraining. Nichts ist so gut, als es selbst zu üben!
    Ebenso beim Auto, ich bin alle paar Jahre beim ADAC Sicherheitstraining. Einfach um es wieder aufzufrischen.




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    1. Hallo Werner,

      sehen wir ganz genauso! Zudem sind Fahrsicherheitstrainings auch ideal, um ein neu erworbenes Mopped binnen kürzester Zeit möglichst gut kennenzulernen. 😉

      Viele Grüße
      Susy




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  3. Hallo ihr zwei,

    vielen Dank, dass ihr meine Erklärung zum Lenkimpuls so interessant fandet, um ihn hier zu verlinken!
    In diesem Zusammenhang sei mir erlaubt auf meine Trainings hinzuweisen, die sich Schwerpunkten, wie Bremsen und/oder Kurven widmen.

    Viele Grüße
    Harald




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    1. Hallo Harald,

      vielen Dank für Deinen Hinweis. Wir haben Deine Trainings in unserem Beitrag „Fahrtechnik Kurventraining“ verdrahtet. Dort passen sie ganz gut hin.

      Viele Grüße
      Susy

      PS: Bin weiterhin schwer begeistert von Deinem Video: Endlich ist der Lenkimpuls mal einleuchtend erklärt! 🙂




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