Saisonstart-Tour 2016: Nordsee

Ende März. Die Wettervorhersage für’s Wochenende ist gut und wir sind sowohl auf Mopped- als auch auf Meer-Entzug. Mitte der Woche beschließen wir spontan, das Wochenende an der Nordsee zu verbringen.

Also fix unseren Tourvorschlag in der WhatsApp-Mopped-Gruppe posten und abwarten: Unsere Biker-Kumpanen überschlagen sich förmlich vor Begeisterung. *Ironie-Modus-off* – War zu erwarten. Immerhin findet sich aber tatsächlich noch ein tapferer Mitstreiter, uns „FJR-Helmi“. Zwei weitere behalten sich vor, nachzukommen. Schauen wir mal…

Freitag, 1. April 2016: Vom Flachland ins Flachland

Kurz nach zwei. Abfahrt, bevor es sich auf wochenendtechnisch auf den Staßen knubbelt. Bis Greven wählen wir eine relativ direkte, kurventechnisch aber recht gut beseelte Strecke. Anschließend bekommt unser TomTom Rider 400 den Auftrag seines Lebens: „Führe uns kurvenreich ins Ammerland!“

Nachdem wir auf knapp hundert Kilometern offenbar JEDES Gehöft und darüber hinaus eine mysteriöse Bauerschaft namens „Ägypten“ passiert haben, beschließen wir in Löningen, diese „grandiose Leistung“ bei einem Kaffee zu feiern.
Tipp: Im >> Café Ostendorf wird man unheimlich nett bedient!

Weil unser Navi seine Sache „sooo gut“ gemacht hat, gönnen wir ihm sodann eine Pause und lassen Helmi’s Navi ackern. Dabei handelt es sich um eine Art Vorkriegsmodell (den Vorvorgänger von unserem). Erstaunlicherweis findet es tatsächlich nette Strecken und kennt zumindest auch gewöhnliche Landstraßen – ein Straßentyp, den das Rider 400 offenbar gänzlich auch seinem Kartenrepertoire gestrichen zu haben scheint. Dabei sind allerdings auch eine „Boßelstraße“, landwirtschaftliche Wege und nicht enden wollende Rüttelstrecken. Kopfsteinpflaster ist echt ein Dreck dagegen!

An einem einsamen Wohnhaus mitten in der Pampa hat das alte Rider offenbar keinen Bock mehr. Angeblich haben wir unser Ziel erreicht und sämtliche Überredungsversuche, ihm den Straßennamen unseres Ziels einzutrichtern, scheitern. Das widerum schafft unsers. Tja, sind halt irgendwie allesamt Diven, diese TomTom Riders…

Pünktlich vor Eintritt der Dämmerung erreichen wir unser vorgebuchtes Hotel, den zentral im Kreisstädtchen >> Westerstede gelegenen >> Ammerländer Hof.

Der Check-in verläuft fix und freundlich und wir freuen uns über das erste und zeitgleich netteste „Giveaway“, das wir je von einem Portier bekommen haben: eine Gratis-Biermarke (pro Nase) für die hauseigene Bar!

Unser Zimmer ist recht einfach gehalten, aber für drei Sterne absolut in Ordnung. Aus der Dusche plätschert wohltemperiertes Wasser, der Fön fönt erstaunlich gut und das Beste: Hier gibt es tatsächlich noch Raucherzimmer! *Yeah!*

Der Einfachheit halber speisen wir im hoteleigenen Restaurant. Heute im Angebot: Schnitzel in diversen Varianten nebst Selbstbedienungs-Beilagensalat für unter zehn Euro. – Schmeckt richtig gut und macht so pappsatt, dass unser Mitfahrer anschließend tatsächlich Probleme hat, ein Bier nachzukippen…

Aber nützt ja nix! Nach dem Essen verlagern wir das Sit-in in den Hotel-Nebenraum, die „Havanna Bar“. Der Clou: Auch hier darf noch geraucht werden! *Hurra!*

Die Nacht verläuft weniger lustig. Unser Zimmer grenzen an die Hauptdurchgangsstraße des Ortes. Während Helmi (bei geschlossenem Fenster) ratzt wie ein Murmeltier, schrecken wir Frischluftfanatiker alle Nase lang hoch: Mal klappt eine Autotür, mal gröhlt eine Pappnase auf der Straße herum und mal testet irgendein Spacko offenbar seinen neuen Autoauspuff. Hätten wir’s Fenster besser mal zugelassen…

Samstag, 2. April 2016: Kein Meer mehr da

Nach der fast durchwachten Nacht kann uns nur das Frühstück retten. Das ist zum Glück richtig ordentlich: Neben frischen Brötchen lockt das Frühstücksbuffet unter anderem mit Matjes, frischen Früchten und Quark. Obendrein gibt’s frisch zubereitetes Rührei. Kaffee wird in großen Kannen direkt am Tisch kredenzt – zum Glück ist er gut!

Der Himmel zeigt sich extrem verhangen und die Wetter-App orakelt – entgegen aller „Versprechungen“ der Vortage – nix Gutes. Ein Blick auf das Groß-Thermometer auf der gegenüberliegenden Straßenseite lässt uns erschaudern: Es sind gerade mal SECHS(!) lausige Grad! BRRR! So dehnen wir unsere morgendliche Mahlzeit erstmal bis zum bitteren Ende (10:00 Uhr) aus…

Und was jetzt? – Egal: Dick eingemummt befreien wir unsere Moppeds von ihrem tristen Dasein als Designobjekte im hoteleigenen Biergarten uns machen uns auf nach >> Friedeburg.

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Nach einem kurzen Tank-Happening, ziehen wir genüsslich ein Zigarettchen weg und beobachten das rege Treiben an der Großtanke. Währenddessen rollt ein einheimischer Biker auf uns zu und sagt: „Wie ich sehe, kommt Ihr von auswärts. In Augustfehn ist heute ein riesiger Biker-Treff. Der Besuch lohnt sich! Aber passt auf, die „Blauen“ lauern heute überall!“.
Echt nette Leute hier! 🙂

Das Frühlingsfest in Augustfehn juckt uns heute (noch) nicht. Stattdessen geht’s auf die Suche nach „Rußland“ und „Amerika“.

Von Rußland nach Amerika…

„Rußland“ ist dank Helmi’s Navi im Ortsteil „Hesel“ fix geortet.

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Tipp:
Die „Rußland“-Infos könnt Ihr Euch unter folgender Telefonnummer vorlesen lassen: 04465-8067383

Noch ehe wir die ersten Fotos im Kasten haben, hält neben uns ein Vehikel. Eine Dame streckt uns ihren hübschen Kopf entgegen und säuselt nicht nur in Verschwörungs-Manier, dass es „hier auch Amerika gibt“, sondern verrät uns auch, wie wir am besten dorthin finden. Wie schon gesagt: Verdammt nette Leute hier! 🙂

Eigentlich gar nicht schwer zu finden. Dennoch schaffen wir’s irgendwie, uns heillos zu verfransen. Liegt aber irgendwie auch daran, dass wir nach dem Durchfahren des langen Weges mit Hinweis auf „Amerika“ am Straßenende kein weiteres Hinweisschild mehr finden können…

Nach ein-zwei Wendemanövern und stetigem Gekreise haben wir unser Ziel dann endlich erspäht:

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Auch die Infos zu „Amerika“ könnt Ihr Euch vorlesen lassen: Telefon 04465-8067388.

Weiter geht’s…
Nächster Auftrag für unser TomTom: „Führe uns nach „Harlesiel„!
Unser Navi denkt gar nicht dran! Offenbar ist ihm nach „Shoppen“. Oder warum sonst führt es uns zweimal durch dasselbe Wohngebiet, um immer wieder dieses Einkaufszentrum anzusteuern?

So darf erneut das alte „Rider“ ran, das uns endlich aus dieser ätzenden Endlosschleife erlöst. Vor der unendlichen Nordsee-Öde kann es uns allerdings trotzdem nicht bewahren: Knapp dreißig Kilometer geht’s einfach nur stur geradeaus. Zu allem Überfluss begleiten zahlreiche 80-km/h-Geschwindigkeitsbegrenzungsschilder die eh schon megaöde Straße. *gäääähn*

Am Zielort (Carolinensiel im Kreis Wittmund) machen wir leider einen entscheidenden Fehler: Nach dem Abbiegen Richtung Strand (in Harlesiel) überqueren wir die Brücke. Damit kommen wir zwar an diversen Fischbuden vorbei, landen aber letztendlich in einer Sackgasse. Egal. So parken wir kurz die Moppeds ab und latschen zu Fuß über den Deich Richtung Strand.

Tipp:
Kommt Ihr aus Carolinensiel, fahrt einfach immer weiter geradeaus und biegt erst am Ende der Straße links ab. Diese führt Euch sodann vor der Schleuse vorbei direkt zum Strandparkplatz.

Nach unserer kurzen Wanderung geht’s auf zum Fischbrötchen-Fassen:

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Mittlerweile ist es nett sonnig mit gefühlten 17 Grad, obwohl das Thermometer gerade mal 12 Grad anzeigt.

Nächstes Ziel: Emden

Das alte Rider macht seinen Job ziemlich gut und findet tatsächlich die ein oder andere Kurve am Deich entlang.

Nach knapp einer Stunde Fahrzeit werde ich stutzig, nachdem sich unser – ebenfalls mitlaufendes – Navi – angeblich – immer weiter von unserem Ziel entfernt. Letztendlich outet es sich als schamloser Lügner: Statt 65 haben wir tatsächlich nur noch 12 Kilometer Wegstrecke vor uns, bis wir in Emden aufschlagen. Keine Ahnung, wo unser TomTom eigentlich hin wollte: Vielleicht erneut zum Friedberger Shoppingcenter…?

In Emden ankommen, wundern wir uns über enorme Weitläufigkeit der Hafenstadt. Hätten wir uns vorab schlau gemacht, hätten wir gewusst, dass es immerhin die zweitgrößte Stadt an der niedersächsischen Nordseeküste ist…

Im Zentrum suchen wir krampfhaft nach einem Parkplatz. Schließlich stellen wir unsere Moppeds auf einem parkscheinpflichtigen Platz in Kunsthallen-Nähe ab, in der Hoffnung, dass die Kontrolleure samstags nachmittags keine Lust mehr haben, Knöllchen zu verteilen. Haben sie dann glücklicherweise auch nicht!

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Das „Otto-Haus“

Leider hat es sich erneut ziemlich zugezogen und es wird kühler. So beschränken wir unser Sightseeing auf einen kurzen Spaziergang und belagern im Anschluss eine Eisdiele. Während Helmi sich an einem Walnuss-Eisbecher ergötzt, beschränken wir uns – temperaturtechnisch bedingt – auf einen Kaffee.

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Heringslogger AE7 >> www.heringslogger.de

Auf dem Rückweg bekommt unser Rider eine weitere Chance:
Erneut entdecken wir die allerschönsten Trampelpfade. Nach einer ausgiebigen Durchrüttelungs-Phase übergeben wir das Tour-Kommando resigniert an unseren Mitfahrer.
Leider ignoriert dieser >> Eili’s Bikertreff im Waldhaus Hollsand“, führt uns jedoch zum abendlichen Essenfassen zu einer richtig guten Location: dem „>> Urfa-Grill in Uplengen-Remels„.
Tipp: Fahrt mal hin. Lohnt sich! (Echte nette und prompte Bedienung, gute Parkmöglichkeiten und wirklich schmackhaftes Fastfood!)

Auf dem Rückweg entdecken wir >> Neuengland, klemmen uns allerdings den Umweg und fahren auf direktem Wege zurück zu unserem Hotel.

Zurück in unserer „Heimat“, drehen wir noch zu Fuß eine Runde durch’s Dorf und lassen den Abend erneut im „Havanna“ ausklingen.

Sonntag, 3. April 2016 – Frühlingstreff Augustfehn

Erstaunlich ausgeruht geht’s nach dem Frühstück und Auschecken zum
>> Frühlingstreff nach Augustfehn.

Als wir um kurz nach zehn dort aufschlagen, steppt auf der – extra für das Event gesperrten – Hauptzugangsstraße moppedtechnisch bereits der Bär.

Der >> Börjes-Laden enttäuscht: Irgendwie haben wir ihn wesentlich größer
>> in Erinnerung. Aber ok. Immerhin ist dies schon fast zehn Jahre her und dass das Warenangebot in einem Online-Shop in der Regel größer ist, ist eigentlich auch klar…)
Die Auswahl hält sich jedenfalls in Grenzen und die Angebote beschränken sich – wie von anderswo gewohnt – auf Männerklamotten in exotischen Größen.

Der örtliche >> Harley-Laden scheint uns hingegen gut bestückt und die Klamotten gefallen teilweise schon irgendwie. Als Nicht-„>> H.O.G.’s können wir uns allerdings kaum damit anfreunden, dass auf jedwedem Kleidungsteil irgendwo ein überdimensionierter HD-Emblem/Schriftzug zu finden ist.

Rund um das Gelände tummeln sich zahlreiche Stände: Von Helm-Anbietern über Fressbuden bis hin zum >> Speedway-Verein. Zudem halten der örtliche BMW-Händler und der Harley-Stand sämtliche Motorrad-Neuheiten für Probefahrten bereit.

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Kaum haben wir nach unserer Runde um den Platz den im Café bestellten Kaff erhalten, bimmelt’s Telefon: Die anderen zwei beiden, die heute Richtung Norden gestartet sind, sind auch endlich eingetrudelt. Das freut die wärmende Sonne offenbar so sehr, dass sie urplötzlich Tränen lacht. Glücklicherweise bleibt es im weiteren Verlauf unserer Rücktour trocken.

Letzte Chance für unser „TomTom Rider“: „Führe uns nett nach Hause“.
Damit uns dies dank der beiden neu hinzugestoßenen Treckerfans nicht zum Verhängnis wird haben wir unser Rider lediglich auf „Autobahn vermeiden“ eingestellt. Als es uns daraufhin tatsächlich zwölf Kilometer über die öde Bundesstraße nach Papenburg führen will, geben wir’s endgültig auf und übertragen die weitere Tourplanung an Uralt-Navi-Besitzer Helmi.

Jener führt uns sodann richtig nett zum >> Grünen Jäger in Lingen. Viel los ist hier am frühen Nachmittag noch nicht und es gilt die eingeschränkte Tageskarte.

Wir bestellen Schnitzel und Eis:
Die Eisbecher verdienen kein besonderes Lob. Die Schnitzel stellen allerdings – trotz der nicht übertriebenen Portionsgröße – selbst unsere dauerhungrigen Mitfahrer mehr als zufrieden.

fuenf-in-der-pampa
Tschüss!
Hier trennen sich unsere Wege…

Nordsee-Tipp:

Für alle Navi-Besitzer:
Die „Reisecruiser“, Ralf und Helene, zieht es selbst hin und wieder mal an die Nordsee. Um nix mehr zu verpassen, haben sie eine POI-Liste für das Navi erstellt, die sie auf ihren Webseiten kostenlos zum Download anbieten: >> POI’s Nordsee
(Scrollt auf der Seite einfach runter bis zum Punkt „Points of interest – unsere POI-Listen“).

 

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Susy
Susy
Geboren "Anno Pief" (im letzten Jahrhundert). Im zarten Alter von vierzehn - keine Ahnung wieso - mit dem Mopped-Fieber infiziert und anschließend eine gefühlte Ewigkeit um den Moppedschein gekämpft. Mit sechzehn zunächst an der "unendlichen Macht" ihrer "Ernährer" gescheitert, mit achtzehn dann aber endlich erfolgreich. *YEAH!* Im Anschluss - trotz Schein - leider nie aktiv gefahren und den "Virus" eine halbe Ewigkeit erfolgreich verdrängt. Vor etwa zehn Jahren brach er allerdings - umso heftiger - wieder aus... Seitdem "isse" - moppedtechnisch gesehen - mindestens "unheilbar krank"! :D
http://www.motorrado.de

One thought on “Saisonstart-Tour 2016: Nordsee

  1. I Love my rider…;-)

    Aber ein schön geschriebener Bericht – zum Moppedtreffen „1000 Wikinger & Meer“ fahren Eure Tour auch wieder.

    LG aus Köln,

    Ralf

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