Petition: Staudurchfahrung für Motorräder – Zeichnet mit!

Freitag Nachmittag, 30 Grad. Schnell auf’s Mopped und ab zum See. Jetzt bloß nicht durch die Stadt und an jeder zweiten Ampel halten müssen. Stattdessen lieber fix auf die Autobahn, damit der Fahrtwind für Abkühlung sorgt. Kaum aufgefahren, der Schock: Stau! Nächste Abfahrt in 20 Kilometern. So ein blöder Mist!

Also hübsch hinten anstellen. Ein mulmiges Gefühl macht sich breit: Ob die Autos hinter uns das Stauende sehen? – Glück gehabt, sie schalten ihre Warnblinkanlagen ein.

Nach kurzer Standzeit geht’s weiter – im Schritt-Tempo. Und immer wieder Stop-and-go. Kupplung ziehen und halten – halten – halten… Nach fünf Minuten meldet sich das linke Handgelenk mit einem leichten Ziehen, das sich nach und nach in ein heftiges Brennen verwandelt. Nach weiteren fünf Minuten meldet sich auch das Rechte (Bremsen – loslassen…)

Schweißperlen rinnen mein Gesicht herab und das Salz kribbelt in meiner Nase. Neidvoll werfe ich einen Blick in das neben mir stehende, klimatisierte Auto, wo sich Fahrer und Beifahrer gerade einen großen Schluck aus der Wasserflasche gönnen. Hitzewallungen durchströmen meinen Körper. Eine Wespe lässt sich auf den Instrumenten meines Moppeds nieder. „Krabbel mir jetzt bloß nicht in den Helm!“ flehe ich stumm.

15 Minuten später: Yeah, es ist tatsächlich schon fast ein Kilometer geschafft. Nur noch 19 bis zur Ausfahrt…

Der Asphalt flimmert. Die Augen langsam auch.

30 Minuten später: Noch einmal den Kupplungshebel ziehen, dann reißen die Sehnen der linken Hand – Ganz bestimmt! – Zumindest gefühlt…

Ob ich die Handschuhe ausziehen soll? Das aber bedeutet: Bremsen, anhalten, Leerlauf, Hände vom Lenker, Handschuhe aus, Reißverschluss des Tankrucksacks auf, Handschuhe rein, Reißverschluss zu, weiter. Kostet mindestens 20 Sekunden – Zuviel! Sollten die Handschuhe bei der Aktion blöderweise noch runterfallen, habe ich ein Problem. Vergessen wir die Idee…

Prima. Jetzt komme ich ausgerechnet hinter einem osteuropäischen Lkw zum Stehen. Sein Kühlsystem strahlt eine Megahitze aus. Dazu quillt dicker schwarzer Rauch aus seinem Auspuff und nebelt mich ein. Abgasnorm garantiert nicht erfüllt! Kurzzeitig wird auch mir schwarz vor Augen. Auch an den Schenkeln wird es immer heißer. Das Moppedgebläse gibt alles. Ob so ein Kühler wohl irgendwann platzt?

Das Kennzeichen meines Vordermanns flimmert vor meinen Augen. – Was war das? Ein Sekundenschlaf?

Aaah – eine Wolke schiebt sich vor die Sonne. Es ist unerträglich schwül. Die Fahrer der alten nicht-klimatisierten Blechkarren haben ihre Fenster sperrangelweit geöffnet und fächern sich Luft zu.

Meine Beine fühlen sich an wie Pudding. Jetzt bloß nicht umkippen! –
Los, reiß Dich zusammen!

Als mir schwarz vor Augen wird, bin ich aus der Nummer raus. Endlich!

Schade für die Kids im Auto auf der anderen Spur. Sie werden es sicher niemals vergessen, wie das Motorrad kippte und der Fahrer des dahinter fahrenden Lkw nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte, weil er vom Essen abgelenkt war. Auch er steht unter Schock.

Und alle werden – Euch, liebe Verkehrsminister der Länder – sicher zustimmen, dass es einfach nicht erlaubt sein kann, dass Motorradfahrer die Rettungsgasse der Autobahnen straffrei nutzen dürfen!

Wie sagte es schon der französische Verkehrsminister: „Sollen sie doch die Metro nehmen!“ Naja. Metro gibt es hier nicht, zumindest nicht als Verkehrsmittel. Aber vielleicht könnte man den Motorradfahrern ja generell das Befahren von AUTObahnen verbieten? Immerhin sagt bereits der Name, für wen diese Art Straße bestimmt ist…

Klar ist es im Stau gefährlich und den armen Autofahrern natürlich keinesfalls zuzumuten, die Autotüren bei Stau geschlossen zu halten und ohne herannahende Sirenen eine Rettungsgasse zu bilden.

Hey, diese Vorschrift ist ja noch ganz neu (1992) und überhaupt: Muss ich mich doch gar nicht dran halten, habe meinen Führerschein doch bereits 1950 gemacht? Seien wir doch mal ehrlich: Sind solch „unsinnigen Regeln“ nicht dazu da, im unbeobachteten Moment dagegen zu verstoßen? Kehrt mir der Lehrer den Rücken zu, strecke ich ihm doch eh die Zunge raus, schaut meine Mutter weg, ziehe ich der Katze am Schwanz und ist kein Polizist in der Nähe, laufe ich selbstverständlich auch bei „Rot“ über die Straße. Also was soll das: Solange kein Martinshorn zu hören ist, pfeif ich doch was auf diese blöde Gasse!

Seh ich auch gar nicht ein, dass diese Rocker fahren können sollen, während ich mich im Stau anstellen muss. Das wäre ja noch schöner! Und wenn sich dann doch einer dieser tösenden Zweiradfahrer sich erdreistet sich durchzuschlängeln, mach ich doch einfach mal fix einen kleinen Schlenker. „Ups – sorry, leider nicht gesehen, konnte ich ja nicht ahnen, dass da einer von hinten ankommt…“ Nee, ich weiß, das gibt sicher Ärger. Drum zieh ich die Spur doch lieber direkt zu. An MIR kommt garantiert keiner vorbei! *stolz-dreinblick*

Es muss endlich etwas passieren!

… bevor etwas Schlimmes passiert! Lkw und Busse mit ihren Dieselmotoren stoßen Ruß aus. Dieselabgase fördern Krebs. Feinstaub gelangt in die Lunge und den Blutkreislauf. Somit atmen Motorradfahrer im Stau einen hübsch schädlichen Cocktail aus Benzol, Kohlenmonoxid und Dieselruß ein. Das kann nicht gesund sein!

Solange das „Durchschlängeln“ nur (teilweise) geduldet ist und die Polizei hier und da mal ein Auge zudrückt, wird es leider weiterhin solche Autofahrer wie die vorab beschriebenen geben.

Bereits im Juli 2009 hatte die „BAGMO“ (Bundesarbeitsgemeinschaft Motorrad) die Verkehrsminister von Bund und Ländern aufgefordert, die Rettungsgasse auf Autobahnen bei Staus für Motorräder (und -roller) freizugeben und ein entsprechendes „Positionspapier“ erarbeitet. Leider ist seitens der Politik bislang nichts passiert.

Jetzt hat Dieter Balboa sich erbarmt und eine Online-Petition gestartet. Unter anderem unterstützt auch das IfZ (Institut für Zweiradsicherheit) die Petition.

Jetzt ist DEINE Mithilfe gefragt: Zeichne die Petition mit!

Warum? Nur wenn genügend Unterschriften zusammenkommen, geht die Petition an das „Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur“.

>> Hier geht’s zur Petition „Staudurchfahrung für Motorräder per Gesetzesänderung legalisieren“

Update 9. Oktober 2015

Hurra, die Petition war erfolgreich: Am 21. September 2015 nahm das Bundesverkehrsministerium die Petition entgegen.
>> http://www.motorradonline.de/recht-und-verkehr/online-petition-2015-durchschlaengeln-im-stau/646972

Warten wir also gespannt, wie’s nun weitergeht…

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Susy
Susy

Geboren „Anno Pief“ (im letzten Jahrhundert). Im zarten Alter von vierzehn – keine Ahnung wieso – mit dem Mopped-Fieber infiziert und eine gefühlte Ewigkeit um den Moppedschein gekämpft. Mit sechzehn zunächst an der „unendlichen Macht“ ihrer „Ernährer“ gescheitert, mit achtzehn dann aber endlich erfolgreich. *YEAH!*
Danach – trotz Schein – erst einmal nie aktiv gefahren und den „Virus“ eine halbe Ewigkeit erfolgreich verdrängt. Vor etwa zehn Jahren brach er allerdings – umso heftiger – wieder aus… Seitdem einfach „unheilbar krank“ dem Moppedwahn verfallen. :D

http://www.motorrado.de

4 thoughts on “Petition: Staudurchfahrung für Motorräder – Zeichnet mit!

  1. Du hast recht mit dem Artikel. Wie viele andere fahre ich gelegentlich durch die Rettungsgasse, schlicht aus Sorge um meine Sicherheit: Von hinten von einem Vierrad zusammengeschoben zu werden ist nichts was ich erleben möchte und wobei ich auf ein Überleben nur hoffen kann.

    Die Polemik in deinem Artikel hilft aber nicht. Ich denke wir alle kennen die Frustration und das Erschrecken wenn irgend ein Arschloch mutwillig in die eigene Fahrspur zieht. Das Problem sind nicht Autofahrer. Das Problem sind Arschlöcher, und die kommen in allen Formen und Farben und auf sehr verschiedenen fahrbaren Untersätzen daher. Eine Gesetzesänderung wäre wichtig. Darauf zu hoffen, dass die Arschlöcher sich plötzlich rücksichtsvoll verhalten, wäre naiv. Fragt mal Leute aus der Blaulichtfraktion, wieviel das Recht auf eine eigene Fahrspur manchmal wert ist.




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  2. @moppedfahren: Stimmt, A…löcher gibt es leider immer irgendwo. Eine Gesetzesänderung wäre ein guter Anfang. Ob’s DIE aber kümmert?
    Wie Du aber schon in Deinem Beitrag (s.u:) geschrieben hast: Zum Glück gibt’s tatsächlich nicht nur Dumpfbacken, sondern auch nette Zeitgenossen, die nicht auf ihr Recht pochen und im Stau großzügig Platz machen, sobald Motorradfahrer herannahen. Sehr angenehm empfinden wir dies stets in Frankreich, wo dies gang und gäbe ist…
    http://moppedfahren.wordpress.com/2014/12/21/staudurchfahrung-ein-guter-anfang/




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