Normandie-Tour 2014

20140727_150558

Freitag, 25. Juli: Los geht’s bei leichtem Nieselregen

Früher Feierabend machen, eben fix das Gepäck auf der Großkatze verstaut und auf geht’s: Als wir losrollen, schlägt die Uhr 14.30.

Die Anfahrt über die Autobahn ist öde, aber für ’nen Ferien-Freitag erstaunlich staufrei und so geht’s durch den Ruhrpott nach Venlo, über die A73 Richtung „Liège“ (Lüttich) und die E42 (A15) Richtung Namur, Mons und Valenciennes.

Belgien ist schon übel: Zwar sind die Zeiten des ultimativen „Holperstrecken-Panzerstraßen-Feelings“ passé, dafür ist das komplette Autobahnnetzwerk offenbar eine einzige Baustelle. Dass dort eh nur 120 km/h erlaubt sind, wussten wir vorher. Als wir in den langen Baustellenzonen jedoch zu 90 Stundenkilometern genötigt werden, bereuen wir, für die Anfahrt nicht über Landstraßen geplant zu haben.

An der belgischen Autobahn-Tankstelle, an der es Zeit für ’ne Tankfüllung wird, hat uns hoffentlich niemand gefilmt: Wie gewohnt heißt es Ranfahren, Tankrüssel in den Tank und Attacke. Aber nix da: Aus dem Zapfhahn kommt einfach kein Sprit und wir gucken reichlich blöde aus der Wäsche. Aaah, es gibt spezielle Zapfsäulen für „Karten“- und „Bar-Tankende“. Also die Moppeds zurück- und an die nächste Bar-Zapfsäule schieben. Als auch dort kein Sprit aus dem Hahn tropft, bequemen wir uns, die Schilder an der Tanksäule zu lesen und wissen nun, dass wir uns erstmal in die Bezahlschlange im Tankstellen-Innern reihen müssen, um dort vorab zu zahlen und die Zapfsäule für den gewünschten Betrag freischalten zu lassen. Wer hat sich denn so ein blödes System ausgedacht? Woher sollen wir vorab wissen, wieviel Liter genau in den Tank passen? Wir testen mal die 20-Euro-Variante. Als der Benzin-Schwall an der Tanksäule abebbt, sind unsere Tanks leider nicht wirklich voll. 🙁

Ähnlich wie in Deutschland gibt´s auch hier „Sanifair“-ähnliche Toiletten-Anlagen – die gleiche Sauberkeit sollt man allerdings nicht erwarten. Für die gezahlten 50 Cent gibt´s einen Gutschein, den man in der Raststätte auf Einkäufe anrechnen lassen kann.

Wir ziehen uns noch fix ’nen Kaffee am Automaten und stellen fest, dass das Gesöff genauso scheußlich schmeckt wie in Frankreich. Aber egal, als kurzer Energie-Kick reicht’s.

Kurz hinter Mons entern wir einen weitläufigen, tankstellenfreien Rastplatz und probieren dort erstaunlich leckere belgische Fritten. Gegen 21 Uhr erreichen wir unser vorgebuchtes Campanile-Hotel in Valenciennes bzw. im Vorort Petit-Foret, kurz hinter der belgisch-französischen Grenze und sind mal wieder sehr zufrieden: Das Zimmer ist zweckmäßig eingerichtet und sauber. Es gibt sogar einen Wasserkocher, Tütchen mit Kaffee und Teebeutel. Kein Parkplatz-Problem, nah an der Autobahn und günstig. Was will man mehr?

Campanile-Hotels gibt es in ganz Frankreich. Die Hotelkette gehört zur „Louve-Hotels-Group“ (ebenfalls: Kyriad, Premiere Classe, Golden Tulip, Royal Tulip und Tulip Inn).

Teilweise könnt Ihr die Hotels auch über Buchungsplattformen (wie z.B. HRS buchen, aber: Schaut besser mal direkt auf die Campanile-Seiten nach, denn hier gibt es oft bessere Angebote!
Beispiel: Unser Hotel wurde bei HRS nicht als frei angeboten. Bei einer anderen Plattformen hätten wir es zwar für 59 Euro buchen können, allerdings pro Person zusätzlich 9,80 Euro für’s Frühstück gezahlt. Dank Direkt-Buchung auf den Campanile-Seiten bekamen wir alles in allem für 59 Euro.

In Valenciennes gibt es gleich zwei Campanile-Hotels: Eins im Süden des Ortes und eins nordwestlich in Petit-Foret. Letzteres kostet zwar 20 Euro mehr als das erstgenannte, bietet aber dafür ein Restaurant mit Bar und eine rund um die Uhr besetzt Rezeption.

Weitere Infos unter: >> www.campanile.com

Wir testen eben fix die Dusche und machen uns dann auf zur Umgebungserkundung. Im direkten Umfeld befinden sich ein „Premìere Class“-Hotel, das „Ibis Budget“, die Burger-Kette „Quick“, ein Buffalo-Grill, eine Pizzeria, eine Brasserie und das Einkaufszentrum ¨Auchan Petit Foret¨. Um diese fortgeschrittene Uhrzeit hat der Supermarkt natürlich schon zu. Auch in der Brasserie ist nichts mehr los. So lassen wir uns nach unserem Rundgang auf den Plastikstühlen der „Outdoor-Bar“ unseres Hotels nieder.

Hätten wir vorab nicht die Speise- und Getränkekarte studiert, hätte uns die End-Rechnung ganz sicher ’nen mittleren Herzinfarkt beschert: 6,90 Euro für EINEN einzigen halben Liter frisch gezapftes Heineken-Bier (Uaaah! *grusel*) Fanden wir dann doch reichlich übertrieben, aber hatten wir eine andere Chance?

Samstag, 26. Juli: Staufahren und ankommen

Als unser Smartphone-Wecker uns aus dem erholsamen Schlaf rappelt, sind wir entsetzt: Es regnet!

Somit erstmal entspannt frühstücken. Der Kaffee ist genießbar und die Auswahl ganz ok. Es gibt Croissants, Baguette, Aufschnitt und Käse, süßen Aufstrich, Joghurt, Milch, Dosen-Fruchtsalat und Müsli.

Auch als wir ausgecheckt haben, regnet es weiter. Bei Außentemperaturen über 25 Grad stellt sich die Frage: Lieber nassregnen lassen und die Klamotten nach dem Schauer einfach wieder trockenfahren? Oder doch besser das Regenkondom überwerfen und derart darin schwitzen, dass die Brocken anschließend ebenfalls nass sind?

Wir setzen besser mal auf „Sicherheit“, denn zum Nassregnenlassen ist die noch verbleibende Wegstrecke von 400 Kilometern einfach zu lang.

Kaum haben wir Valenciennes passiert, erreichen wir die erste Maut-Station (Pèage).

Frankreich-Maut

Im Vorfeld hatten wir überlegt, uns Bip&Go zu besorgen, um die Mautstellen frei passieren zu können. Voergab, dass dies nur in den Service-Zentralen vor Ort erhältlich sei. Allerdings bestünde die Möglichkeit, es telefonisch zu ordern. Mit unserem angestaubten Schulfranzösisch kamen wir am Telefon jedoch nicht weit.

Da uns die Tatsache der freien Mautpassage ganz ohne Handschuh-aus-Handschuh-an doch doch sehr reizte, recherchierten wir mögliche Alternativen.
Bei „Tolltickets“ fanden wir dann allerdings den Hinweis, dass man als Motorradfahrer tunlichst auf die automatische Abrechnung verzichtet und besser durch bemannte Mautstationen fährt, um nicht als „Auto“ (Kategorie 1), sondern tatsächlich als „Motorrad“ (günstigere Kategorie 5) berechnet zu werden.

Letztendlich bereuten wir den Verzicht nicht. An einem Hauptanreisetag während der allgemeinen Sommerferien staut sich der Verkehr vor den Maustellen derart weit, dass einem die freie Durchfahrt eh nicht hilft.

Wer weiterhin an dem System interessiert ist, möge einen Erfahrungsbericht auf den Seiten des bzw. der „Reisecruiser“ nachlesen.

Mitten in Frankreich dann das erste Tank-Drama:
Kurz bevor unsere Moppeds auf Reserve umspringen, steuern wir einen Rastplatz an. Der ist jedoch so überfüllt, dass sich die tankwilligen Dosen fast bis zum einleitenden Kreisverkehr der sehr weitläufigen Rastanlage reihen. Also nix wie umdrehen, zurück auf die Autobahn und weiterfahren. Spannend wird’s, wenn die nächste Autobahntankstelle angeblich 68 Kilometer entfernt ist, die Tankanzeige aber plötzlich hysterisch doppelblinkt, weil die letzten zwei Liter angebrochen wurden. Was nun? – Auf der Autobahn mangels Sprit liegen zu bleiben, wird sicherlich auch in Frankreich teuer, also fix runter von der Bahn und eine Tanke suchen.

normandie-mautstelle-aumale

„Runter von der Bahn“ ist manchmal leichter gesagt, als getan, denn an der Autobahn-Ausfahrt machen wir Bekanntschaft mit einer unbemannten Peage-Station:
Vorfahren – feststellen, dass man hier nur per Karte zahlen kann – Moppeds zurückschieben – zum Zahlautomaten flitzen – Mautkarte rein und zahlen – erneut am Mautasten vorfahren – Ticket einschieben – Schranke öffnet sich – durchfahre – Geht doch! 🙂

Dann heißt es: Tankstelle suchen – Dringend! Unsere schlaue Idee, per Smartphone zu googeln, schlägt leider wegen mangelnder Internetverbindung fehl. Also versuchen wir’s im Blindflug. Im Kreisverkehr entscheiden wir uns für „geradeaus“, denn der dort ausgeschilderte Ort klingt irgendwie vom Namen her am größten. Ist er aber leider nicht. Der wohl einzige Mensch in diesem Nest erklärt uns, die nächste Tanke liege in „Omöll“, zirka zehn Kilometer zurück in die Richtung, aus der wir gerade gekommen sind. – Schluck…

Also wenden und im Schleichtempo extrem niedrigtourig tockern, in der Hoffnung, dass unsere Maschinen durchhalten. Tun sie auch. Als wir das Ortseingangsschild von „Aumale“ passieren und gleich am Ortseinang eine Tanke sichten, machen unsere Herzen einen Freudenhüpfer. Dich dann der nächste Schock: Die Tankstelle hat geschlossen. Zahlen per Karte ist möglich, aber leider nicht mit unseren und kein Mensch weit und breit. Und nun? Nach einem kleinen Fußmarsch überraschen wir einen älteren Herrn in einer kleinen Gartenanlage. Zum Glück holt er nicht direkt mit der Harke aus, sondern schaut uns bei der Frage nach der Tankestelle an, als fühle er sich vergackeiert: Diese sei doch direkt im Ort…?

Ok – Aufsatteln und weiter Richtung Ortskern. Tatsächlich gibt es dort eine bemannte Tankstelle – Yeah!

Tankstellenpanik in Frankreich
Wenn die Deutschen auf ihren Straßen plötzlich Maut kassieren möchten, zetert plötzlich die gesamte EU. Dass die Franzosen Ausländer von ihren heimischen Zapfsäulen ausschließen, indem sie teilweise flächendeckend weder ausländische EC-, noch Kreditkarten oder Bargeld akzeptieren, danach kräht offenbar nicht ein einziger (gallischer) Hahn! Grrr…

Vielleicht hätte uns die tolle Tankstellen-Finder-App „Carbeo“ helfen können (=> Empfehlung vom Reisecruiser (=> „Tankstellensuche für Frankreich, Belgien und Luxemburg“). Leider scheiterte im Vorfeld der App-Download für mein Android-Smartphone, da diese „App in Ihrem Land nicht zur Verfügung steht“.

Nachdem unsere Moppeds wieder einsatzbereit sind, geht’s zurück auf die blöde Autobahn.
Aber auch das soll irgendwie nicht sein: Der Automat an der Auffahrt weigert sich, ein Mautticket auszuspucken. Um die Schranke herumfahren – unmöglich. Nach einem ratlosen Blick ab auf den Standstreifen, die Maschinen zurückschieben und die nachfolgenden Autofahrer beobachten. Auch sie haben kein Glück und schauen fragend durch die Gegend. Soll man etwa irgendwas zahlen? Fix zum Automaten. Der Automat ist leider außer Betrieb. Und nun? Irgendwie schafft es ein Auto nach dem anderen, dass die Schranke sich hebt. Also zurück in die Schlange. Als wir an der Reihe sind, versuchen wir’s mit dem Notrufknopf. Eine männliche Stimme brabbelt irgendwas daher; dann hebt sich die Schranke und wir jagen durch.
Sch… was auf’s Ticket! – Letztendlich brauchen wir es auch nicht, da keine Mautstelle mehr kommt. Dafür ein neuer Stau. – Herrlich!

Wenn’s Eure Zeit erlaubt, vergesst die A29 und fahrt über Land. Die Autobahn ist einfach meganervig, landschaftlich furchtbar eintönig und bietet nur wenig abwechslungsreiche Ausfahrten und Rastplätze.

stau

Spätestens als wir die Brücke der Normandie erreichen, sind wir megaangenervt: An der letzten Raststätte steppte wieder mal der Bär und es gab nichtmal mehr Eis am Stiel. Vielleicht ganz gut so. Bis wir in der Schlange die Kasse erreicht hätten, wäre es eh geschmolzen.

Vor der Brücke erneut ein Stau – ganze 24 Kilometer lang! Sowas Blödes: Dabei dürfen Motorradfahrer sie doch kostenlos passieren?

Nachdem wir uns auch hier im Schritttempo durch die Blechlawine schlängeln, folgen wir kurz vor der Mautstelle einem offenbar einheimischen Motorradfahrer, der einach auf der Standspur an der Kolonne vorbeifährt. Ziemlich schlau, denn im Bereich der Mautstation befindet sich die „Kostenlos-Spur“ für Motorrad- und Radfahrer ebenfalls ganz rechts.

Von unseren unmittelbaren Benelux-Nachbarn können deutsche Dosenfahrer noch viel lernen: Belgische und niederländische Autofahrer machten ausnahmslos Platz, als sie uns im Stau herannahen sahen. Auch die Franzosen gehören durchweg gelobt (mit Ausnahme einiger alten Tanten in ihren dicken Autos). Schwer wird die Passage allerdings mit kofferbestückten Reise-Enduros, die sich breit machen wie ein Laster…

Nach der Brücke erneut ein kurzer Stau und noch einmal latzen: 0,60 Euro an der Mautstelle zur „Pont L’Eveque“. Nun reicht’s aber: Runter von der Autobahn und das restliche Stück über Land. Auch dies zieht sich noch ganz schön und wir schlagen erst gegen 19 Uhr in unserer Ferienwohnung auf.

Schon Wahnsinn: Bei der gestrigen Anfahrt brauchten wir für dieselbe Wegstrecke (mit Pausen) 6.5 Stunden – heute waren wir tatsächlich drei Stunden länger unterwegs!

Da wir uns erst im März beschlossen, in die Normandie zu reisen, war das Angebot an freien Ferienwohnungen schon sehr mager. Was jetzt noch frei war, war entweder extrem teuer oder hatte eine unattraktiven Lage. Schließlich entdeckten wir die Ferienwohnung in Arromanches-les-Bains.

Was Fotos im Internet doch manchmal täuschen?
Während unsere Ferienwohnung auf den Bildern einen leicht „abgewohnten“ Eindruck machte, sind wir angenehm überrascht: Die Wohnung ist hell, sauber, für zwei Personen ausreichend groß und mit Liebe zum Detail eingerichtet. Während uns die Fotos weismachten, es gäbe einen extrem großen, über einer Garage gebauten veranda-artigen Balkon, ist dieser in der Realität zwar nicht klein, allerdings fernab der Größe einer Veranda. Egal. Immerhin überzeugt er mit Morgen- UND Abendsonne. Direkt vor der Tür verläuft die Hauptdurchgangsstraße von Arromanches-les-Bains. Macht nix, denn das Schlafzimmer liegt auf der anderen Seite.

normandie-balkon-hinten  normandie-balkon-vorne

Das Haus der Vermieter liegt zurückversetzt auf demselben Grundstück. Ihr Vorgarten gleicht einem Blumenparadies. Direkt hinter dem Gartentor befindet sich der Eingang zu unserer Ferienwohnung im ersten Stock. Die Treppe ist etwas steil, aber selbst mit Motorradgepäck passierbar, ohne sich irgendwie seitlich durch den Gang quetschen zu müssen. Zur Ferienwohnung gehört eine Garage. Das Angebot nehmen wir gerne an, denn die Parksituation in der Straße ist etwas schwierig.

Die Vermieter sprechen französisch und etwas englisch, sind sehr nett und aufmerksam, aber keinesfalls aufdringlich. Zur Familie gehört auch der große Langhaar-Terrier „Ora“, dessen Name wir uns wegen unseres diesjährigen Südtirol-Urlaubs besonders gut merken können.

bunte-stadt-frankreich

Arromanches-les-Bains

ist – wie viele andere Orte in der Normandie – sehr vom zweiten Weltkrieg geprägt. Am Meer wurde ein künstlicher Hafen nachgebaut und es gibt zwei Museen.
Erschreckend allerdings die zahlreichen „Touri-Shops“: Statt Flip-Flops, Eimerchen- und Schüppchen verkauft man hier lieber militärische Andenken an die französische Befreiung: Kriegsspielzeug, T-Shirts und und und…

Direkt am Strand gibt es eine tolle Eisdiele. Der komplette Ort ist sehr touristisch geprägt: In der kurzen Fußgängerzone reiht sich ein Restaurant an das nächste. Die meisten verkaufen mindestens „Moules Frites“ (Muscheln mit Pommes) und „Foie au Gras“ (Stopfleber). Beides nicht so unser Ding. Wir „genießen“ irgendwie anders, so zum Beispiel leckere Burger im Restaurant Brasserie d’en face.

pilsbier

Im Ort gibt es genau einen Supermarkt. Eine Riesenauswahl kann man nicht erwarten; er bietet aber alles, was man so braucht. Baguettes und andere Backwaren findet man hundert Meter weiter beim Bäcker. In der Hauptsaison (Juli und August) hat dieser täglich geöffnet, in der Nebensaison legt er allerdings Ruhetage ein und öffnet erst um 9 Uhr).

Ein Tabakshop ist ebenfalls vor Ort, eine Tankstelle leider nicht. Die nächste „bemannte“ Esso-Tanke haben wir im 9 Kilometer entfernten Bayeux entdeckt (aber Achtung: Sie schließt um 20:30 Uhr!)

Entgegen aller Versprechungen, an einigen Supermarkttankstellen auch per EC-Karte tanken zu können, wurden wir leider enttäuscht: Wir fanden nicht EINE einzige. Somit unser Tipp: Tankt in der Normandie – wann immer Ihr irgendwie könnt – voll, sonst heißt es irgendwann „schieben“!

Sonntag, 27. Juli: Chillen und Umgebung erkunden

Heute ist zunächst einmal Ausschlafen und anschließend gemütliche Ortserkundung per pedes angesagt. Was wir sehen, gefällt uns gut.

weisse-felswand1
meer2 meer

Im Gegensatz zum Vortag wird es gegen Abend leider etwas frisch und sobald die Sonne untergeht, braucht man definitiv eine Jacke.

normandie-sonnenuntergang3   normandie-sonnenuntergang4

normandie-sonnenuntergang2   normandie-sonnenuntergang1

Montag, 28. Juli: Normannische Schweiz

Nach dem Frühstück treibt uns die Neugier auf „La Suisse Normande“ auf unsere Böcke.

Unsere Vermieter haben uns tolles Kartenmaterial zur Verfügung gestellt.

Normandie-Karten

Zunächst fahren wir nach „Courseulles-sur-Mer“, um uns die Ferienwohnung anzuschauen, die wir zuerst im Auge hatten. Das Örtchen ist etwas größer und wartet mit einem kleinen Hafen im Zentrum auf. Irgendwie nett.

normandie-gsr-karte

Anschließend geht es querfeldein Richtung Caen und Richtung Evrecy. Danach folgen wir der auf unserer Karte eingezeichneten Route. Erst später bemerken wir, dass dies offenbar eine Fahrradstrecke war. Egal: Die Sträßchen sind eng, kurvig, bergig und traumhaft schön. Am Ortsrand von Clecy lassen wir uns an der Orne zu einem Kaff nieder. Leider beginnt es zu regnen und gewittern, so dass wir dort länger ausharren müssen, als geplant.

Als es nur noch wenig tröpfelt, starten wir wieder durch. Wider Erwarten war’s das offenbar mit Regen. Auch die Straßen trocken dank der Wärme sehr schnell ab. Nur in den Waldgebieten gibt es weiterhin die ein oder andere nasse Stelle. Hier ist generell Vorsicht geboten, denn die Kurven sind oft mit Horden kleiner Steinchen gespickt. Übertreibt’s also nicht mit der Schräglage!

Tipp: Folgt einfach der Beschilderung „Suisse Normande„. Diese führt Euch durch die entlegensten Orte kreuz und quer durch die schöne hügelige und kurvige Gegend.

suisse-normande2   suisse-normande1

Am frühen Abend geht’s zurück über Bayeux nach Arromanches. Eine Tankstelle entdecken wir unterwegs leider nicht mehr. So stehen unsere Moppeds erneut auf Reserve, als wir Arromanches erreichen.

Dienstag, 29 Juli: Halbinsel Cotentin

Es ist bewölkt und sieht schwer nach Regen aus. Kein Grund zur Beunruhigung, denn die Wetter-App hat uns dies bereits am Vortag verraten. Zudem verspricht sie, Richtung Halbinsel Cotentin sei es freundlicher.

Erster Akt: Tankstelle suchen!
An der Supermarkt-Tankstelle haben wir kein Glück (da Kartenzahlung). Folgt man der Straße Richtung „St. Lo“, liegt auf der linken Seite eine bemannte Esso-Tankstelle. Aus Richtung Arromanches ist sie etwas umständlich zu erreichen: So muss man zunächst in eine Nebenstraße abbiegen und dort wenden, um dann auf die Tankstelle auffahren zu können.

Danach geht’s ein kleines Stück auf die Autobahn. Unser Ziel: Die angeblich megagroßen Sanddünen des Cap Carteret im Westen der Halbinsel Cotentin.

Auf dem Weg dorthin wird es zunehmend freundlicher. Spätestens in der Mitte der Halbinsel angekommen, schmeißt Norby abrupt den Anker und entledigt sich seiner Regenpelle.

Die Straßen Richtung Barneville-Carteret sind fast vehikel-leer und machen Laune: Geschwungene Kürvchen und toller Straßenbela!

In Carteret steuern wir unsere Moppeds Richtung Leuchtturm, stellen sie unterhalb auf dem Parkplatz ab und werden nicht enttäuscht: Tolle Sanddünen, toller Blick, Felsen und und und…

cap-de-cateret2

Wir wollen weiter die Küste entlang, landen jedoch auf einer Nebenstraße und fahren nach Granville.
Dort muss ich unbedingt mal gewesen sein, weil ich im Glauben bin, dort den tollen kleinen Hafen vorzufinden, den ich mal im Fernsehen gesehen habe. Dann der Schock: Granville ist größer als gedacht, strotzt vor Trubel und vom besagten kleinen Hafen keine Spur.

Also fix raus aus der Stadt und weiter Richtung Süden. Vor Jullouville stoppen wir abrupt, denn der Ausblick ist genial:

20140729_174736   20140729_174714   20140729_151215

Kurz bevor wir die Küste verlassen, müssen wir bei Saint-Jean-le-Thomas erneut einen Foto-Stop einlegen: Von hier hat man einen fantastischen Blick auf den Mont-Saint-Michel. Leider ist es ein wenig diesig.

Anschließend verlassen wir die Küste und finden kurvige kleine Straßen vor. Yeah!
Aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit und mangels Kartenmaterial wechsen wir dann auf die Autobahn nach St. Lo.

Kurz vor Bayeux entdecken wir ein Restaurant. Norby ist von dem Tagesangeobt (Escalope Frites) begeistert. Meine Pizza Calzone überzeugt – dank Blätterteig – nicht so.

Da die Esso-Tanke in Bayeux schon geschlossen hat, fahren wir – zwar nicht leer, aber fast – zurück nach Arromanches-les-Bains.

Mittwoch, 30. Juli: Vire-Schluchten

Heute geht es Richtung „Gorges de Vire“ – die Schluchten von Vire.

Die Straßen hier „unten“ sind kurvig und fast menschenleer. Laufend sehen wir Schilder zur Schlucht, denen wir einfach folgen.
Plötzlich finden wir ein Schild zum „Viaduct Souleuvre“ und biegen gespannt in die Schmale Straße ein. Als wir das Ende der Huckelpiste erreichen und wieder auf die Hauptstraße stoßen, haben wir weder das Viaduct gesehen, noch bekommen wir einen weiteren Schilder-Hinweis. Wir versuchen es sowohl links als auch rechts, müssen aber leider passen. Ähnlich ergeht es uns mit den „Gorges de Vire“-Schildern…
Egal. Wir fahren irgendwie kreuz und quer und genießen die tolle Landschaft und die kleinen kurvien Straßen.

Schließlich geht es weiter nach Vire. Zeit für ’nen Kaffee und ein leckeres Eis. Erstaunlicherweis ist der Kaffee hier fast die Hälfte günstiger als an der Küste.

Nach einem Abstecher in die normannische Schweiz geht es nach tollen Strecken mit langgezogenen Kurven zurück nach „Haus.

Ausnahmesweise spielte mein Handy heute mit, so dass ich endlich wieder mal eine Route mit CheckMyTour aufzeichnen konnte.
>> Zur Karten-Ansicht

Donnerstag, 31. Juli: Strandtag

Für heute ist super Wetter angesagt. Wir beschließen, einen Strandtag einzulegen.

dosen

Zunächst steht ein Strandmarsch bis Asnelles auf dem Programm. Als wir an der Strandpromenade ankommen, gibt’s zunächst lange Gesichter: Die Flut ist da und der Strandweg dorthin unpassierbar!

Laut Infotafel an der Rettungsstation ist erst gegen Abend mit Ebbe zu rechnen. Macht nix. Laufen wir halt die Straße entlang bis Asnelles. Unterwegs ist es angenehm warm. Wir chillen am Strand und als wir den Rückweg antreten, ist der Strandweg bereits einigermaßen passierbar 🙂

Ebbe und Flut beobachten macht voll Laune!

trecker   Dumm gelaufen

Freitag, 1. August: Küstentour

Grobe Richtung heute: Honfleur. Hier soll es auf dem Weg zur Kapelle Notre-Dame de Grace angeblich eine Serpentinenstrecke geben…
Etwas Sprit haben wir noch im Tank. Viel ist es nicht. Langsam aber sicher nervt’s echt gewaltig, jeden Tag mit blöder Tankstelensucherei beginnen zu müssen! Nichtmals in den größeren Orten wie Courseulles und Ouistreham finden wir eine bemannte, offene Tankstelle. Fündig werden wir erst in Dives-sur-Mer.

Es ist schwül-warm und spätestens hier wird’s Zeit für eine Planänderung: Beim „Kaff-Durchkreuzen“ mit Tempo 50 beziehungsweise 30 bei den eingebauten Schikanen kommt weder Fahrfreude, noch kühlender Fahrtwind auf.

So fahren wir kreuz und quer Richtung Caen. Nach einem Abstecher zum Harley-Laden und dem daneben liegenden Motorradbekleidungsgeschäft „Dafy“ geht’s zurück in unseren Ferienort.

20140801_170228

Samstag, 2. August – Normandie adieu!

Heute geht’s Richtung Heimat. Am Himmel stapeln sich tiefdunkle Wolken und noch vor Bayeux wird’s Zeit, unsere Regenkombis überzuwerfen.

Kaum auf der Autobahn wird es voll – voll – voll.
Kurz nach der Brücke der Normandie hört es auf zu regnen, es bleibt aber bedeckt und warm Zudem böken unsere Moppeds nach Sprit. So bleibt uns nichts anderes übrig, als einen Rastplatz anzusteuern und uns in die Tankstellen-Schlange einzureihen. In der Regenpelle kein Spaß! Nach einer gefühlten Ewigkeit sind wir endlich dran. Auch an den Toiletten heißt, es Ewigkeiten anstehen. Gleiches gilt vor den Kaffeeautomaten, von denen gerade mal zwei funktionieren.

Erst eine geschlagene Stunde später rollen wir zurück auf die Bahn. Der Verkehr ist glücklicherweise nur zähfließend und ein Stau bleibt uns erspart.

Eine weitere Zwischenübernachtung in Frankreich wollten wir uns nicht antun – von den dortigen Getränkepreisen sind wir erstmal geheilt! Das nächste – einigermaßen bezahlbare – Hotel liegt in „La Louvière“.
Laut „booking.com“ gibt es hier gleich mehrere. Wir entscheiden uns für „Le New Matinal“ mitten in der – uns bis dahin unbekannten – Stadt und haben es am Vorabend gebucht. Mit gemischten Gefühlen: Immern haben wir an der Mosel mit „booking.com“ trotz Sicherung per Kreditkarte einen Reinfall erlebt…

Ungefähr 20 Kilometer vor Charleroi entdecken wir dann die Abfahrt nach „La Louviere“. Überraschenderweise ist der Ort größer als gedacht. Das Hotel liegt mitten in der Innenstadt am „Place Maugretot“. Auf dem angrenzenden Platz hat man einen künstlichen Strand aufgeschüttete und wir platzen mitten in ein Stadtfest mit Live-Bands. Prima! 🙂

Das Hotel wirbt mit „Bar rund um die Uhr“ (wobei der Barbetrieb laut Schild um 4 Uhr endet). Das Einchecken verläuft reibungslos und halb französisch, halb englisch kommen wir gut klar. Parken dürfen wir kostenlos in der direkt angrenzenden Tiefgarage. Ganz geheuer ist uns dies nicht, denn auf der Straße entdecken wir zahlreiche dubiose Gestalten. (Hilfe, in welchem Viertel sind wir hier gelandet?)

Der Treppenflur ist eng und irgendwie „plüschig“. Als wir unser Zimmer betreten, kippen wir fast hintenüber: Ein goldfarbener Brokat-Bettüberwurf und ein riesiges Wandgemälde über dem Bett. Die Fenster gehen direkt zur Straßenseite hinaus.

20140802_204804  Hotelchic

Das Bad ist extrem eng. Die Dusche wirkt schmuddelig und die Duschtasse ist gesprungen. Einen Temperaturregler kennt man hier nicht und ähnlich wie im Freibad gibt es hier nur einen Druckknopf. Sobald man ihn drückt, fließt das Wasser geschätzte zwei Minuten. Am Waschbecken ist es ähnlich. Hier spritzt das Wasser aber derart, dass man besser einen Schritt zurücktritt um keine unfreiwillige „Dusche“ zu erhalten. Die Toilette ist so angebracht, dass wir den ausgewachsenen Menschen gern sehen würden, der es schafft, sich in unverdrehter Haltung auf ihr niederzulassen.

Schnell duschen und dann auf ins Getümmel. Wir verbringen einen netten Abend auf dem Stadtfest bzw. im Außenbereich der hotelzugehörigen Bar. Je später der Abend, desto mehr wird deutlich, dass das Hotel offenbar in sizialinscher Hand ist. Der Kellner spricht ein wenig deutsch (da er schonmal in Berlin arbeitete), französisch (da schon mehrere Jahre hier) und natürlich italienisch. Ein älterer Herr scheint der „Junior-Patron“ zu sein – ein noch älterer der „Patron“.

Egal. Dank endloser Müdigkeit schlafen wir trotz des unendlichen Lärms der Disco nebenan direkt ein.

Sonntag, 3. August – Zurück nach D’land

Im Hiterraum der Kneipe sind kleine Frühstückstische gedeckt. Schon am frühen Morge lungern hier merkwürdige Gestalten herum. Der Kaffee zieht einem die Schuhe aus. Netterweise „bastelt“ die Servicedame mir auf Nachfrage einen Latte Macchiato. Es gibt Brötchen, Brioches, Croissants, Toast (wird vom Service sogar getoastet), hartgekochte Eier und mehrere abgepackte Aufstriche (Marmelade, Schmierkäse, Nutella). Dazu noch O-Saft – fertig. Wer es so mag, wird zufrieden sein. Wir kennen Frühstück allerdings anders.

Unsere Moppeds stehen zum Glück unversehrt in der Tiefgarage. Raus kommen wir allerdings nicht, denn die Schranke macht keinerlei Anstalten, sich zu heben. Nach Rücksprache mit der „Hoteldame“ umfahren wir die Schranke trotz der montierten Videokamera („Kein Problem, ich kenne die alle, auch den Bürgermeister“, hat sie gesagt. Soso…)

Auf Richtung Heimat. Da es erneut dringend Zeit wird zu tanken, fahren wir diesmal nicht über die Niederlande (extrem teuer!), sondern nehmen Kurs auf Aachen.

Tipp: Nehmt die zweiletzte Autobahnausfahrt nach Eynatten. Dort gibt’s super Fritten!
Wir haben die Ausfahrt leider verpennt und landen in Lichtenbusch auf dem kleinen Coffee-Shop-Platz. Der Kaffee ist hier zwar einigermaßen günstig, kommt aber an die niederländischen Preise nicht ran. Auch die Zigaretten sind immer noch teurer als in Deutschland. Wir gönnen uns eine große Schachtel Fritten spezial, sind zwar pappensatt, es geht aber besser.

Schließlich geht’s auf die Autobahn Richtung Aachen und Mönchengladbach. Bei der Auffahrt auf die A46 nach Ddorf fuchtelt Norby wie wild herum, denn seine Großkatze meldet, sie habe angeblich noch eine Reichweite von 0 Kilometern. Boah, nicht schon wieder!
Das folgende Kaff ist tankstellenfrei. Eine Passantin schickt uns nach Mönchengladbach-schlag-mich-tot. Dank eines Taxifahrers finden wir dort tatsächlich die rettende Tanke und sehen anschließend zu, dass wir nach Hause kommen.

Gesamt-Fazit: 2.670 gefahrene Kilometer und zwei plattgesessene Hinterteile

Tourkarten:
Marco Polo Autokarte Frankreich West Blatt 2 (Maßstab 1:700.000)
Carte Touristique – Touristmap Calvados von www.calvados-tourisme.com
Carte Touristique Normandie von www.normandie-tourisme.com
Für’s Grobe: ADAC Tour-Set Normandie

[Unsere Motorrad-Touren findet Ihr auf unserer Tourenseite www.moppedia.de!]

Print Friendly, PDF & Email
Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someoneShare on Tumblr
Susy
Susy
Geboren "Anno Pief" (im letzten Jahrhundert). Im zarten Alter von vierzehn - keine Ahnung wieso - mit dem Mopped-Fieber infiziert und anschließend eine gefühlte Ewigkeit um den Moppedschein gekämpft. Mit sechzehn zunächst an der "unendlichen Macht" ihrer "Ernährer" gescheitert, mit achtzehn dann aber endlich erfolgreich. *YEAH!* Im Anschluss - trotz Schein - leider nie aktiv gefahren und den "Virus" eine halbe Ewigkeit erfolgreich verdrängt. Vor etwa zehn Jahren brach er allerdings - umso heftiger - wieder aus... Seitdem "isse" - moppedtechnisch gesehen - mindestens "unheilbar krank"! :D
http://www.motorrado.de

3 thoughts on “Normandie-Tour 2014

Schreibe einen Kommentar

*

Top