Nordspanien-Pyrenäen-Tour 2016

Auf der Suche nach dem perfekten Urlaub versuchen wir’s in diesem Jahr mal mit einer Mischung aus Bergen und Meer. Und das gleich zwei Wochen am Stück. Das Allerbeste aber: Unsere Moppeds kommen mit!

spanienverladen1

Dienstags werden unsere Moppeds verladen und machen sich den Weg Richtung Süden. Fünf Tage später dürfen wir ihnen endlich folgen.

Samstag, 18. Juni 2016 – Auf nach Spanien!

Wir sind nicht die Einzigen, die sich die Nacht um die Ohren schlagen, um sich am

>> Airport Weeze (NRN) zu vergnügen. Als die Schalter um 4 öffnen, werden wir endlich unser Gepäck los. Dies besteht lediglich aus je einer komprimierten Packrolle, wobei jede an die acht Kilo auf die Waage bringt.

So wenig Gepäck? Wie geht das?
Dies funktioniert natürlich nur, weil sich ein Großteil unserer Klamotten bereits im Transporter befindet. Da wir bei der Flugbuchung im Dezember nicht abschätzen konnten, wie es mit der Packerei so hinhaut, hatten wir bei der Airline vorsorglich 15 Kilo Gepäck pro Nase und Weg hinzugebucht. Dass unsere Täschchen heute glatt als Handgepäck durchgegangen wären, konnten wir vorab ja nicht ahnen…

Flughafen-Weeze und die ollen Nikotinsüchtigen

Wer den Sicherheitsbereich überwunden hat, muss in Weeze nicht auf seine Zigarette verzichten: Es gibt einen winzigen – mit Stühlen und Tischen – bestückten Raucherraum. Ideal für Leute wie wir, die für Frühstücks-Kaffee und Baguette gerade ein Vermögen losgeworden sind und sich auf den Schock erstmal eine durchziehen müssen…

Etwas über zwei Stunden später landen wir in Girona. Je näher wir dem Ziel kommen, desto dichter wird das Wolkengeflecht. Mist, hatte die olle >> Wetter-App wohl doch recht!

Urmüde, aber trotzdem aufgekratzt marschieren wir hochmotiviert zum vereinbarten Mopped-Abhol-Treffpunkt, dem >> Hotel Vilobi direkt vor dem Flughafengebäude.

Kaum ist die Auslands-Handy-Verbindung hergestellt, erfahren wir, dass unser Mopped-Spediteur wegen eines Unwetters gerade mal bei Narbonne (Südfrankreich) weilt und sich pi mal Daumen zwei Stunden verspäten wird.

Egal. Schließlich haben wir Urlaub und können unser Ferien-Domizil eh nicht vor 17 Uhr beziehen. Eigentlich. Denn als ich letzte Tage beim Vermieter anrief um zu erfragen, ob wir möglicherweise die zugehörige Garage schon vorher nutzen können, um nicht stundenlang wie die Schließhunde auf unserem Gepäck hocken zu müssen, verriet er mir, dass die Wohnung – Vorsaison sei Dank – vermutlich ab mittags bezugsfertig sei.

Zwei Kaffee, eine Cola, ein Baguette und unzählige Auf-und-abgeh-Schritte weiter rollt das große Gespann endlich auf den hoteleigenen Parkplatz. Whoooa… Eine große Last fällt von uns ab! – Schon ein ziemlich mulmiges Gefühl, sein allerliebstes Spielzeug einem völlig Wildfremden anzuvertrauen…

Nachdem sich das Wetter nach unserer Landung kurzzeitig beruhigt hatte und sogar sonnig daherkam, türmen sich mittlerweile neue bedrohliche Wolken auf und es wird mit einem Schlag spürbar kühler. Zeit, dass wir loskommen (auch wenn es nur knapp 73 Kilometer bis zum Ziel sind)!.

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Links: MÄNNER-Mopped – Rechts: FRAUEN-Mopped.

Aber: Man(n) braucht ja im Urlaub so gut wie nix! 🙂

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Hiermit bescheinigen wir der Großkatze hervorragende Eigenschaften als Packeselin!

Die stupide N-II Richtung „Figueres“ bzw. spanisch-französischer Grenze („La Jonquera“) verläuft teilweise parallel zur „Autopista de la Mediterrania“ (AP7), mutiert in Frankreich zur „Autoroute La Catalane“ (A3) und ist bereits ab Flughafen Girona gut ausgeschildert.

Highlights? – Fehlanzeige! Einzige Spannung bietet eine megadunkle Regenwolke, auf die wir geradewegs zufahren und die – natürlich – kurzzeitig undicht wird. Iss doch immer dasselbe… Warum putze ich mein Mopped eigentlich vor einer Tour???

Als wir die Nationalstraße verlassen, können wir uns kaum vorstellen, dass es noch dröger kommen kann. Die zwanzig Kilometer lange, schnurgerade C-260 von Figueres nach Rosas belehrt uns jedoch eines Besseren. Einzige Auflockerung: die gefühlt mindestens hundert zweispurigen Kreisverkehre. Keine Ahnung, warum die Piste es in der ADAC-Motorradkarte zu einer „Schöne-Route-Empfehlung“ geschafft hat…?
Naja, immerhin sind auf der Strecke hundert Stundenkilometer erlaubt (WHOAAAH – Geschwindigkeitsrausch!)

Wer IN einen spanischen Kreisverkehr einfahren will, muss grundsätzlich warten, bis er ein freies Plätzchen findet. Ist das Gekreisel gar zweispurig, hat offenbar derjenige Vorfahrt, der auf der äußeren Spur fährt. Auf jener welchen tummelt man sich legalerweis allerdings nur, wenn man plant, die Kreiserei unmittelbar bei der nächsten Ausfahrt zu beenden. Ansonsten bleibt man hübsch auf der inneren Spur und blinkt lediglich beim Spurwechsel. Klappt – trotz ziemlichem Gewusel – erstaunlich gut und unfallfrei.

Endlich in Rosas angekommen, durchqueren wir einmal komplett die Stadt und erspähen am Hafen endlich ein Schild zur kleinen Bucht „Canyelles Petites“.

Eigentlich liegt unser Domizil direkt an der Durchgangsstraße. Dennoch können wir es – Einbahnstraße sei dank – nicht direkt anfahren, sondern müssen einen kleinen Schlenker einlegen.

Endlich angekommen, begrüßt uns Anlagen-Verwalter Peter aus den Niederlanden sehr herzlich, zeigt uns direkt unsere Garage und besorgt uns ein Vorhängeschloss für die Holztür.

garage

Kaum haben wir unsere Moppeds abgeparkt und das Gepäck abgeschnallt, sind die „guten Feen“ mit der Appartmentreinigung fertig und wir können einziehen. Gut so: Wegen der Ameisen-Invasion in der Garage wäre es vermutlich unklug gewesen, unser Gepäck dort längere Zeit zwischenzulagern…

Vermieter Peter fährt übrigens selbst Motorrad (allerdings bevorzugt in Shirt, Shorts und Flip-Flops) und versorgt uns direkt mit Kartenmaterial, auf dem er die – für uns – interessanten Punkte der Umgebung markiert hat. Seeehr nett, vielen Dank!

Der Ferienort

Wir haben uns in der kleinen, beschaulichen Bucht „Canyelles Petites“ einquartiert. Der Vorort gehört zum größeren Örtchen >> Rosas (katalanische Bezeichnung: Roses).

Canyelles Petites hat infrastrukturtechnisch nicht allzuviel zu bieten. Immerhin gibt’s aber eine Handvoll Restaurants, zwei Supermärkte, von denen einer täglich bis 20 Uhr geöffnet hat und einen Bäcker. Wer bummeln möchte, ist besser im größeren „Rosas“ aufgehoben.

Unsere Unterkunft

Glück braucht der Mensch! 🙂

Dank des sympathischen Webauftritts der >> Anlage Casa Caliente hatten wir uns recht fix für jene entschieden und suchten uns „Wohnung 2“ aus.

Irgendwie hat die Webseite dann doch ein wenig tiefgestapelt:

Unser Appartement mit zwei Schlafzimmern ist sehr geräumig und liebevoll eingerichtet und von unserem Lieblingsplatz – dem großen, terrassenähnlichen, halbüberdachten Balkon, hat man einen grandiosen Blick auf die kleine Bucht.

balkonblick   canyelles-bucht

Die Ausstattung ist top:

Highlights im Außenbereich:

  • Fest installierter, gemauerter Grill auf dem Balkon
  • Großer Tisch mit vier Stühlen, kleiner Tisch mit zwei Stühlen und ein großer Sonnenschirm. Stuhlauflagen gab’s natürlich auch
  • Wäscheständer
  • … und massig Platz!

Highlights im stilvollen Innenbereich:

  • Waschbecken im Schlafzimmer
  • Großer geräumiger Schrank im Wohnzimmer
  • Vernünftige Kaffeemaschine mit integrierter Warmhaltekanne
  • Ebenerdige Dusche
  • Es gibt sogar richtige Bettdecken, nicht nur weiße Laken, wie sonst in Spanien üblich und
  • echte Rollos!

Service:

  • Die Betten sind bereits bezogen
  • Einmal pro Woche gibt’s neue Bettwäsche.
  • Handtücher müssen normalerweise mitgebracht werden. Da der Vermieter weiß, dass wir per Mopped anreisen, leiht er uns netterweise kostenlos einen Stapel Frotteewaren aus.
  • Freies WLAN (funktioniert mal super, mal ziemlich schleppend)

Einziger Nachteil der schönen Ferienwohnung:
Während die Sonne bereits zur Frühstückszeit auf dem Balkon brennt, ist es nachmittags schon sehr früh schattig.

Die Anlage:

Die zahlreichen Ferienwohnungen schmiegen sich harmonisch in einen Hang ein. Da allesamt weiter oben liegen als unsere, hat man von dort vermutlich einen noch grandioseren Blick auf die Bucht. Dennoch haben wir uns bewusst für das vordere Haus direkt an der viel befahrenen Durchgangsstraße entschieden und bereuen es keinesfalls: Die Schlafzimmer liegen nach hinten beziehungsweise zur Seite heraus, so dass man trotz alledem ruhig schläft.

Zur Anlage gehört zudem ein Pool und eine Poolbar mit kleiner Speisekarte zu fairen Preisen. Haben wir allerdings nicht angetestet.

Außerdem stehen Waschmaschinen bereit.

Übrigens: Laut Peter gibt’s abseits der Hauptsaison (Juli/August) auch kurzfristig freie Wohnungen! 😉

Leider wird es an unserem ersten Abend empfindlich kühl. So tauschen wir die Shorts freiwillig gegen lange Jeans, Flip-Flops gegen Turnschuhe und gehen tatsächlich mit Jacke aus dem Haus.

Nach unserem kleinen Rundgang durch den Ort ist uns nach leckerem Essen. Leider ist’s erst 19 Uhr. Vor 20 Uhr ist dahingehend offenbar leider nix zu machen.

Schließlich werden wir jedoch im Restaurant „Berganti“ fündig, das im übrigens auch >> Unterkünfte vermietet.

Das Essen ist ok, die Bedienung sehr nett. Mit einer Mischung aus englisch und einigen Brocken spanisch kommen wir gut durch.

Sonntag, 19. Juni 2016 – Dusselige-Kuh-Tour

Der erste Tag beginnt vielversprechend: Die Wolken haben sich verzogen und die Sonne lacht!

Kaum haben wir unsere Bucht verlassen, spiele ich kurzzeitig mit dem Gedanken, direkt wieder umzukehren. Es ist derart stürmisch, dass eine gehörige Portion Kraft dazugehört, das Mopped einigermaßen in der Spur zu halten.

Die bevorstehende Fahrt durch Rosas-City macht’s nicht besser: Die Slow-Mo-Fahrt mit nervigem Stop-and-Go macht wenig Freude. Schon gar nicht bei lecker warmen 26 Grad! Der anschließende Fahrtwind in der freien Prärie kann’s aber letztendlich retten.

sant-pere-pescador

Erster Stopp:
Sant Pere Pescador bzw. der zirka drei Kilometer vom Örtchen entfernte,
sehr schöne, weitläufige Sandstrand.

Weiter gehts über „Toroella de Montgri“ nach „Estartit“.

Dort finden wir ad hoc weder ein einladendes Café noch einen geeigneten Parkplatz. Auf Sucherei haben wir keine Lust, zumal gerade ein Sandsturm über den Strand peitscht. So lassen wir die Kameras lieber in den Jacken und satteln fix auf.
Weiter geht’s in den Vorort „El Griells“, wo wir uns ursprünglich eine Ferienwohnung ausgesucht hatten.

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Links: Toller Blick auf die Medes-Inseln – Rechts: Weitläufiger Strand „Platja Gran“. Dieser zieht sich von Estartit durch und geht weiter südlich in den „Platja de Pals“ über.
Urlaubstechnisch ist Estartit (samt seiner Vororte) sicher nicht der schlechteste Urlaubsort. Leider viel zu weit von den Pyrenäen entfernt!

Nächstes Ziel: Das „Cap de Begur„.
Von dort aus wollen wir eigentlich weiter nach Lloret de Mar, wo unser jüngstes Familienmitglied bald Urlaub machen will. Dass es heute dazu nicht mehr kommen wird, können wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen…

Bis „La Bisbal d’Emporda“ ist die Strecke ziemlich öde. Kaum fahren wir auf das Cap zu, werden die Straßen kurviger und die vorab flache Landschaft erhebt sich in sanfte Hügel.

Zunächst folgen wir einer hübsch geschwungenen Straße, landen aber nach steiler Abfahrt in einer Sackgasse. Dort erleben wir – wie im gesamten Urlaub noch sooft – live

„Ausparken auf spanisch-französisch“:

Fakt 1: Große Parkplätze mit Parkboxen sucht man meist vergeblich. In den kleineren Orten dominieren Parklücken, die sich parallel zur am Steilhang gebauten Straße tummeln.
Fakt 2: Spanier und Franzosen geben sich allergroße Mühe, möglichst nah hinter ihrem Vordermann einzuparken.
Fakt 3: Wenn sie beim Ein/Ausparken nicht den hinten parkenden Wagen antitschen, trifft’s halt ihren Vordermann.
Fakt 4: Vehikel-Anrempelei gilt hier offenbar ein Kavaliersdelikt. Zumindest haben die Unfallverursacher wenig Skrupel, sich anschließend unerkannt vom Acker zu machen. Die Geschädigten juckt’s erstaunlicherweise herzlich wenig. Hut ab vor soviel Gelassenheit!
Fakt 5: Das Zeitalter, in dem in Spanien kleine alte ramponierte Autos dominierten, ist wohl vorbei. Zumindest tummeln sich auffallend viele große, recht neue und teuer wirkende Kisten. Nicht alle waren beschädigt.
Fakt 6: Hier Autofahren? – Nein danke!
Fakt 7: Wer dennoch mit ’nem Mietwagen unterwegs ist, tut sicherlich gut daran, sich zusätzlich gegen die im Schadensfall fällig werdende Selbstbeteiligung zu versichern!

 

Aaah… Sie hat meine Navi-Halterung getötet!

Irgendwie ist uns nach einem Kaffee. In der nächsten kleinen Einbahnstraße haben wir Glück: Auf der rechten Seite liegen diverse Cafés und Restaurants und der Wendehammer grenzt direkt an einen Strand.

Während Norby seine Großkatze direkt hinter einem Jeep auf der anderen Seite des Wendehammers parkt, stelle ich meine in Reichweite des Cafés ab, in dem wir uns sodann niederlassen.

Kaum hat uns die Kellnerin unseren Kaff kredenzt, steuert ein Vehikel die Einbahnstraße an, verzweifelt an dem dort parkenden Jeep, setzt unbeholfen zurück und ich muss tatenlos zusehen, wie mein Mopped – wie in Zeitlupe – umfällt! – SCHOCK!!!!!

Rational betrachtet kein Grund zur Aufregung:
Weder gehört mein Zweirad zu den außergewöhnlich Wertvollen seiner Gattung, noch ist es individuell hergerichtet oder auch nur annähernd so formschön wie meine „GSR„. Damit ist es doch einfach „nur“ ein blöder, ersetzbarer Gegenstand…?

Neiiin, ist es nicht!!! – Wenn’s um mein Mopped geht, tut mir einfach jeder einzelne Kratzer in der Seele weh!

Glück im Unglück:
Dank des nebenan liegenden Beetes purzelt meine BMW so glücklich-sanft, dass sie ohne den geringsten Kratzer aus der Aktion hervorgeht.

Der immaterielle Schaden ist allerdings immens, denn leider hat’s die oben herausragende Ram-Mount-Halterung zur Befestigung des Navis zerrissen, die den Schubs offenbar komplett allein abgefedert hat. (Besser so, als ein beschädigtes Mopped.) Eigentlich… Aber fortan lässt sich das Navi weder am Lenker befestigen, noch mit Strom versorgen. Kein Navi – keine Touren!

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Wenn Ihr an diesem grauseligen Sonntag einen Urschrei gehört habt, dann war ich das! AAAAAAAAAAH!!!

Zum ätzenden Gefühl der Ohnmacht gesellt sich recht fix eine Mischung aus blanker Verzweiflung. Hatte ich doch just vor dem Urlaub noch investiert:

Zum einen Geld für das Neuverlegen der Kabel, um weiteren Navi-Ausfällen vorzubeugen und für die „>> MyRouteApp Gold„, um unterwegs spontan Touren planen und auf’s Navi ziehen zu können. Zum anderen natürlich eine Unmenge an Zeit, um all die Touren zu planen, die ab sofort völlig nutzlos auf dm Gerät schlummern…

Da wir uns noch nie auf’s Navi verlassen konnten, hatten wir natürlich vorsorglich diverses Kartenmaterial im Gepäck. Aber finde doch mal nachträglich all die kleinen netten Wege der geplanten Route, die Du vorab nur per Hineinzoomen in die Onlinekarten gefunden hast…???

Besonders dolle: Die Mädels hatten kaum Geld dabei und hielten auch so rein gar nichts von dem Vorschlag, mir das defekte Teil zu besorgen und zum Urlaubsort zu bringen…
Nach unzähligen Diskussionen meinten sie sogar noch, ich sei schließlich selbst Schuld, da ich dort nicht hätte parken dürfen.

Bevor ich endgültig rot sah und drauf und dran war, die örtliche Polizei einzuschalten, holte mich Norby auf den Boden der Tatsachen zurück: Wem wird jene wohl recht geben? Der ihrer Sprache nicht mächtigen Ausländerin oder den jungen Landsgenossinnen?

Zum Glück! Denn im Nachhinein lasen wir, dass Falschparken in Spanien sehr streng geahndet wird:

Parken in Spanien

Von wegen, Spanier sehen das alles gaaanz locker.
– Nein. Tun sie nicht!

  • Unterbrochene gelbe Linien bedeuten Parkverbot
  • Durchgezogene gelbe Linien stehen für ein absolutes Halte- bzw. Parkverbot
  • Blaue Linien weisen darauf hin, dass das Parken gebührenpflichtig ist
  • Auch Schilder mit der Aufschrift „Prohibido aparcar“ bedeuten „Parkverbot“

Übrigens ist auch das Parken auf Gehwegen streng verboten!

Möglicherweise ist man in Spanien deshalb so streng, weil es dort – im Gegensatz zu D’land – fast überall Motorradparkplätze gibt…?

Parkverstöße lassen sich die Spanier mit mindestens 200 Euro aufwärts bezahlen. Parkt man auf einer gelb markierten Fläche, erhöht sich der Mindestbetrag angeblich sogar auf 250 Euro!

Rabatt für Verkehrssünder
Übrigens: Zahlt man das fällige Bußgeld innerhalb von zwanzig Tagen, bekommt man angeblich fünfzig Prozent Rabatt!
Nach dem tätlichen Angriff auf mein Mopped ist die Stimmung im Eimer:
Frustriert machen wir uns auf direktem Wege zurück in unseren Ferienort, gönnen uns eine kalte Dusche und machen uns zu Fuß auf nach Rosas.

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Von „Canyelles Petites“ führt ein knapp drei Kilometer langer Fußweg oberhalb des Meeres entlang bis zum Hafen von Rosas. Der Ausblick: gigantisch!
Sobald es dämmert, herrscht dort allerdings akute Stolpergefahr, so dass wir abends den Weg an der Straße vorzogen. Mangels durchgängigem Fußweg keine sichere Alternative, aber wir haben’s jedoch überlebt!

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Hafen-Idylle in Rosas

 

Montag, 20. Juni 2016 – Ersatzteilsuche

Nachdem Vermieter Peter von unserem Missgeschick erfahren hat, möchte er helfen. Da er eh in die Stadt muss, will er sich dort umschauen, ob man das „Klemmhalterteil“ irgendwo kaufen kann.

Fündig wird er leider nicht und empfiehlt uns, nach Girona zum Media-Markt zu fahren. Da ich mir kaum vorstellen kann, dass das Teil dort einzeln verkauft wird, verbringe ich den weiteren Vormittag lieber mit der Googelei nach Motorradläden in der Umgebung.

Tricky:
Wie findet man heraus, wie das Teil auf spanisch heißt, wenn man die korrekte Bezeichnung nicht einmal auf deutsch kennt? Zum Glück weiß „das Internet“ alles und behauptet, das Teil schimpfe sich „Klemmbackenverbinder“.

Ok: Ruf ich doch einfach mal in der BMW-Werkstatt-meines-Vertrauens an. Vielleicht verraten sie mir eine Teilenummer und haben bestenfalls sogar einen Tipp, wo ich das Dingen schnellstmöglich bestellen kann..?


Blöderweise hat der Werkstattmeister den Begriff jemals gehört, noch kann er mit einer Teile-Nummer dienen. Allerdings gibt er mit den „klugen“ Rat, „doch einfach mal danach zu googeln“… – Vielen Dank auch. Hat mir in der Notsituation echt „gaaanz prima“ weitergeholfen!!!

Nach einiger Sucherei (und somit leider überflüssig verschenkter Urlaubszeit) ist das Teil dann endlich gefunden:
Auf Spanisch schimpft es sich „brazo conexion“. Dank einer Internetseite lässt sich sodann auch die Bezeichnung aus dem offiziellen „TomTom-Paket“ herausfinden: „Braza RAM pequeno B-201U-A“.

Tipp:
Falls Ihr mal einzelne Teile aus dem TTR400-Paket nachbestellen müsst, gibt’s

>> hier die konkreten Bezeichnungen sämtlicher Teile aus dem Original-Tom-Tom-Rider-400-Paket (auf spanisch)

ttr400-paketinhalt

Bild-Quelle: www.lacasadelgps.com
Ergo heißt es weitergoogeln nach Läden in der Umgebung, die möglicherweise RAM-Mount-Teile vertreiben. Da sich der nächste offenbar bei Barcelona befindet, beschränke ich die Suche auf Motorradläden in der Umgebung und werde gleich in der Nachbarschaft (in „Figueres“) fündig.

Dank spanischer „Siesta“ ist es mittlerweile zu spät: Alle einschlägigen Motorradläden öffnen frühestens um 16:00 Uhr wieder ihre Pforten.

So machen wir uns auf zum Strand.
Dort ist es jedoch so lecker warm, dass wir völlig transusig werden und den Ersatzteilkauf kurzerhand auf „morgen“ verschieben.

Jooo… Endlich haben wir verstanden, was es mit „mañana„, dem Lieblingswort der Spanier, auf sich hat…

Dienstag, 21. Juni 2016 – Ersatzteilsuche Teil 2

Auf geht’s nach Figueres. Kein Spaß! Immerhin ist’s hier im Inland gefühlt mindestens zehn Grad wärmer als an der Küste.

Die üblichen Straßenkarten helfen innerhalb eines Ortes kaum weiter. So kreisen wir durch die sengende Hitze der überfüllten Stadt und suchen verzweifelt unsere erste Mopped-Laden-Anlauf-Adresse: >> Tienda-Moto (www.tienda-moto.com).

Blöderweise versteckt sich der Laden in einem Hinterhof mitten in der City und lässt sich durch reines „Augen-offen-halten“ nicht finden. Durch Zufall erspähen wir ihn endlich. Weiterhelfen kann man uns dort leider nicht.

Also auf zur nächsten Adresse, die zum Glück weiter auswärts liegt:

>> Tecnimoto (www.tecnimoto.es).

Auch dort hat man das Teil nicht vorrätig. Allerdings bemühen sich die drei Damen trotz der bevorstehenden Mittagspause sehr, eine Lösung zu finden. Jene soll eigentlich ihr TomTom-Vertreter liefern. Der ist jedoch nicht an die Strippe zu kriegen. Als der versprochene Rückruf auch nach ’ner Stunde noch ausbleibt, greift die Chefin höchstselbst zum Telefon und hat endlich Glück. Blöderweise teilt er ihr mit, dass es das Teil in Spanien nicht einzeln zu kaufen gibt. Ergo empfehlen mir die Mitarbeiterinnen ebenfalls, zum Media-Markt nach Girona zu fahren.

Ok. Wir haben ja sonst nix Besseres zu tun…
So machen wir uns auf, die 46 Kilometer bis Girona auf der langen öden N-II in der gleißenden Mittagshitze abzuspulen.

Einmal kurz nicht aufgepasst, finden wir uns urplötzlich an einer Mautstation der hier beginnenden Autobahn. Dumm gelaufen, aber die Hitze lässt keine rationalen Gedanken zu…
Als wir in Girona-Süd abfahren, wundern wir uns nicht schlecht, dass die Fahrt trotz alledem nichts gekostet hat. 🙂

Der „Media Markt“ liegt in einem riesigen Industriegebiet in Flughafennähe (Carretera Barcelona im „Centro Comercial Mas Gri Parcela“). Direkt davor sind ein MC Donalds, ein Decathlon-Sportladen und – man glaubt es kaum – ein „Bauhaus“-Heimwerkermarkt angesiedelt.

Wie vorab bereits geahnt, war der Weg nach Girona vergeblich…

Erstaunlicherweise fanden wir später, zurück in D’land, heraus, dass es das Teil offenbar tatsächlich in deutschen Media-Märkten gibt:

> www.mediamarkt.de/de/product/_rammount-ram-b-201u-a-2055952.html

Zurück daheim fragen wir unseren Vermieter fix nach der Paketdresse der Ferienanlage und bestellen das Teil online bei >> www.lacasadelgps.com.

Angeblich wird es binnen 48 Stunden geliefert. Kostenpunkt 24 Euro (mit Versand allerdings knapp 33 Euro). Passt! Alles ist besser, als weitere kostbare Urlaubszeit sinnlos damit zu verbringen, suchend-und-möglicherweise-nicht-findend durch irgendwelche Städte zu eiern!

Bestellbar übrigens auch bei Amazon.
Allerdings liefert die Firma nicht so mir-nix-dir-nix ins Ausland…

 

Mittwoch, 22. Juni 2016 – Küstentour Nord

Oje: Wie sollen wir ohne Navi bloß all die kleinen Straßen finden, ohne alle Nase lang anhalten und die Lesebrille aufsetzen zu müssen?

Wir beschließen, zunächst die „einfachsten“ Touren anzugehen, bei denen die „klassische Touren-Variante“ funktioniert: die wichtigsten Eckpunkte der Route auf einem Zettel notieren und jeweils die nächsten zwei-drei-vier Stationen merken…

Den Anfang macht die „Küstentour Nord“:

Kaum in Rosas-City, schwenken wir rechts ab und wir landen schließlich auf der G-614 Richtung „Cadaques“. Schwer beeindruckt nehmen wir zur Kenntnis, dass eine derart schöne Strecke doch sooo nah an unserem Urlaubsort liegt!

Eigentlich ja kein Wunder: Immerhin liegt Rosas in direkter Nachbarschaft des „>> Parc Natural de Cap de Creus“ und die Strecke führt direkt hindurch.

Statt der Straße bis zum Ende zu folgen, biegen wir vorzeitig links ab auf die G-613 Richtung „Port de la Selva“. Auch hier bleibt die Straßenführung einfach konstant genial!

Achtung!

Im kompletten Gebiet reizen unendlich viele schöne Kurven zum unbeschwerten locker-flockigen Fahren.

Allerdings staunen wir nicht schlecht, als uns urplötzlich hinter einer nicht einsehbaren Kurve ein seitenrand-grasmähender Trecker abrupt zum Anhalten zwingt. Letzterer wurde nicht durch ein einiges Warnschild angekündigt!

 

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El Port de la Selva – das Städtchen hat was…!

wir

Wir!

Über Llanca und Colera geht’s weiter Richtung Portbou. Schließlich verlassen wir Spanien und erreichen Frankreich, um kurz hinter der Grenze das „Cap Cerbere“ zu erreichen. Der Weg dorthin macht glatt NOCH ein Stück mehr Laune!

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Am Cap Cerbere

Unterwegs ist die Aussicht auch nicht gerade übel:

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„Ihr müsst unbedingt die Küstenstraße fahren“, haben sie uns gesagt.

… Dass sich hinter all den schönen Stränden derart geniale Motorradstrecken verbergen, haben sie uns all die ganzen Jahre, als wir noch „reine Strandurlaube“ machten, nicht gesagt!

Kaum haben wir „Cerbere“ verlassen, bremst uns leider ein kriechender Belgier aus. Überholen? Leider chancenlos! Nichtsdestotrotz meint ein französischer Dosenfahrer, er könne es besser, drängt erst uns in einer waghalsigen Aktion ab und nötigt dann den vor uns herdümpelnden belgischen Opa, indem er beinahe seine Stoßstange küsst. Letzterer lässt sich allerdings kaum von diesem fluchenden Idioten beeindrucken, fährt sein „Ding“ wie gehabt und denkt nicht dran, auch nur irgendwie rechts ranzufahren. Unzählige Kilometer weiter leistet sich der irre Franzmann eine waghalsige Aktion und schießt an dem Belgier vorbei. Kurze Zeit spät biegt dieser dann zum Glück ab.

Über „Banyuls sur Mer“ geht’s weiter Richtung „Port Vendres“, „Collioure“ und schließlich nach „Argeles Plage“ beziehungsweise dessen Vorort, „Racou Plage“. Genau dort hatten wir uns einst mal eine Ferienwohnung ausgesucht, sind aber im Nachhinein froh, hier bislang nicht gebucht zu haben.

Eigentlich stand auch der Tour de Madeloc auf unserem Plan.
Angeblich „muss“ jeder Pyrenäen-Fahrer hier einmal hochgefahren sein, zumal man vom 670 Meter hohen Berg bei klarer Sicht einen weiten Blick über den Golf du Lion genießen kann.

In diversen Tourberichten hieß es, die Auffahrt sei nur schwer zu finden.
Wir entdeckten sie direkt. Allerdings mehr oder weniger per Zufall, als wir von „Racou-Plage“ zurück Richtung Banyuls sur Mer fahren.

Das Erklimmen verschieben wir allerdings auf „später“, denn in dieser Region ist es heute eher trüb und bewölkt.

Stattdessen werfen wir im netten Örtchen „Banyuls-sur-Mer“ den Anker und gönnen uns im „>> Le glacier bleu“ ein Eis, dem wir einen Kaffee folgen lassen.

Zurück auf dem Bock verpassen wir blöderweise die weitere Route an der Küstenstraße entlang und landen – ehe wir uns versehen – auf einer Umgehungsstraße, die uns ratzfatz zurück nach Rosas führt. Egal. Ist eh spät genug…

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Eigentlich erschreckend: Je länger wir in Spanien weilen, desto öfter ertappen wir uns dabei, nicht nur in diese „Mir-doch-sch…-egal-machen-wir-halt-morgen-Stimmung“ zu verfallen, sondern das auch noch völlig in Ordnung zu finden!

Achtung!

Die Küstenstraße N260 (die in Frankreich nahtlos in die D31 übergeht) ist wirklich traumhaft und gehört zur extremen Straßen-Kategorie „Was-jetzt-Gucken-oder-Fahren?“:
Auf der einen Seite sieht man die Berge (Serra de l’Albera), auf der anderen das Meer. Zudem ist die Straße gespickt mit unzähligen schönen Kurven.

Aber: So übersichtlich die Strecke auch wirkt, so unübersichtlich ist sie tatsächlich:
Während man eben noch glaubt, die Piste sei einsehbar und frei, kommt einem im nächsten Moment bereits völlig überraschend ein Fahrzeug entgegen!

 

Donnerstag, 23. Juni 2016

Eigentlich müsste heute unser heiß-ersehntes Paket eintreffen…

Da wir mitbekommen, dass unser Vermieter per Mopped das heimische Revier verlässt und befürchten, dass der Paketbote vergeblich klingelt, halten wir die Stellung. Als er mittags zurückkehrt, ist es uns zum Losfahren bereits zu heiß und wir machen uns auf zum Strand.

Genützt hat der Fahrpausentag letztendlich nicht die Bohne: Als wir vom Baden zurückkehren, habe ich prompt eine Nachricht in der E-Mail-Box, die ich so deute, dass das Paket leider nicht zugestellt werden konnte. – Irgendwie doof jetzt!

Katalanische Sommersonnenwende: die Johannisnacht „San Juan“

Der 24. Juni ist in Katalonien ein wichtiger Feiertag. Genau an diesem Tag San Juan, der Schutzheilige Kataloniens, seinen Geburtstag und die Katalanen mit ihm mit:

So treffen sich die Einheimischen am Vorabend des arbeitsfreien 24. Juni mit Freunden, Bekannten und Verwandten, um gemeinsam zu essen, zu tanzen und abzufeiern. Bereits ab den frühen Abendstunden wird das Fest begleitet durch zahlreiche Feuerwerke und das Geböller dauert die ganze Nacht über. Und das nur, um all die bösen Dämonen zu vertreiben…

Da dieser Tag rein zufällig mit der kürzesten Nacht des Jahres einhergeht (die man im Süden Deutschlands häufig mit „Sonnenwendfeiern“ huldigt), wird auf dem Gipfel des katalonischen „Hausbergs“, dem 2.784 Meter hohen „Pic de Canigou“ in der Nacht zum 22. Juni ein Feuer entflammt, das freiwillige Staffelläufer anschließend durch alle angrenzenden Ortschaften tragen.

Irgendwo hatten wir vorab gelesen, dass die feiernde Meute um Punkt Mitternacht ins Meer springt. In unserer Bucht kannte man diese Sitte offenbar nicht…

Zu einem besonderen Abend gehört auch ein besonderer Nachtisch: die „Coca de Sant Juan“, ein mit bunten kandierten Früchten belegter Hefekuchen.

Letzteren dürfen wir heute auch in dem Restaurant kosten, in dem wir unser Abendmahl genießen. Schmeckte erstaunlich gut und war bei weitem nicht so süß, wie er ausschaut.

 

Freitag, 24. Juni 2016 – Katalonischer Feiertag „Sant Juan“

Am heutigen Feiertag arbeitet in Katalonien niemand, der nicht unbedingt arbeiten muss.

Auf die Paketzustellung brauchen wir heute nicht zu hoffen und beschließen, die erste Pyrenäen-Tour in Angriff zu nehmen.

Zunächt geht’s Richtung „Figueres“ (*graus*) und anschließend auf die öde Nationalstraße N-260, die dann irgendwie wohl oder übel in die Autobahn Richtung „Olot“ (A26) übergeht.

Hätten wir gekonnt, hätten wir auf der Autobahn direkt abgedreht: Es weht nicht EIIIN Lüftchen, unsere Helme scheinen zu glühen und öffnet man das Visier, strömt einem gleißende Luft entgegen. *Hölle in Tüten!*

In „Sant-Juan-les-Fonts“ haben wir die Faxen dicke und fahren ab. Der Ort liegt direkt in der Vulkanlandschaft des „Parc Natural de la Zone Volcànica de la Garrotxa“ am Fluss „Fluvià“ und angeblich gibt’s hier einen Wasserfall. Finden wir allerdings nicht und können auch niemanden fragen: Selbst mit viel gutem Willen ist hier um die Mittagszeit kein menschliches Wesen auszumachen…

Zurück über die Autobahn kommt nicht in Frage. Daher fahren wir über „Olot“ auf die GIV-524 Richtung „Santa Pau“.

Die Straße törnt uns zunächst nicht wirklich an und die öde Felder-Landschaft erinnert unweigerlich ans heimische Münsterland. Kaum haben wir „Mieres“ passiert, zeigt die Piste allerdings ein völlig anderes Gesicht und windet sich urplötzlich wie ein nicht enden wollender Ringelwurm durch diverse Waldstücke.

Eigentlich genial. Da die Sonne weiterhin erbarmungslos auf unsere Helme knallt, fühlen wir uns allerdings so duselig im Kopf, dass wir Mühe haben, dem Straßenverlauf zu folgen und schieben unsere Moppeds wie blutige Anfänger durch die allerschönsten Kurven!

Als wir den nächstgrößeren Ort, Banyoles, erreichen, wird’s endgültig Zeit für einen Kaffee-Stop.

Irgendwie sind wir vor Ort derart auf die Suche nach einer Bar fixiert, dass wir uns urplötzlich wundern, von zwei uniformierten Herren herangewunken zu werden. Was wollen DIE denn jetzt von uns…?

Dumm gelaufen, denn wir haben’s tatsächlich geschafft, gleich ZWEI Einbahnstraßen in verkehrter Richtung zu erklimmen!

Während der ältere Kleine auf spanisch auf uns einredet, beobachtet uns der jüngere Große mit Argusaugen. Meine Güte, was können die dortigen „Flics“ streng gucken!

Gerade, als wir ihm irgendwie begreiflich machen wollen, dass er reden kann, was er will, wir aber allenfalls Bruchstücke verstehen, schnappen wir sinngemäß folgendes auf:

Wir…
a) … kommen straffrei aus der Nummer heraus,
b) … bekommen eine kurze Gnadenfrist, um in der Bar nebenan fix was zu trinken,
c) … sollen uns aber spätestens zehn Minuten später aus diesem Ort verkrümeln.

Schön blöd, wer da noch aufmuckt!
So sagen wir schnell artig „Muchas gracias Señor“ und bemühen uns umso mehr, unser Kopfkino einzudämmen, das uns irgendwie dauerhaft das Bild von „Kling und Klang *“ einzuspielen gedenkt.

* Ihr wisst schon, die beiden Dorfsheriffs, die die gesamte >> Pipi-Langstrumpf-Serie über versuchten, die kleine Pippilotta Viktualia Rollgardina Schokominza Efraimstochter Langstrumpf, früher Schrecken der Meere, jetzt Südseekönig, in ein Kinderheim zu verfrachten…

Polizei ist nicht gleich Polizei, zumindest in Spanien

In Spanien gibt es viele unterschiedliche Arten Polizei und die Zuständigkeiten sind nicht immer ganz klar. Verstanden haben wir es folgendermaßen:

Zunächst ist da die Guardia Civil, eine Art Militär-Polizei. Sie untersteht dem Innenministerium, überwacht den Straßenverkehr außerhalb geschlossener Ortschaften und kümmert sich um den Grenz- und Küstenschutz.

Auch die CNP (Cuerpo Nacional de Policia) hört auf das Innenministerium. Jene kümmert sich exklusiv um das Ausstellen von Personalausweisen und Reisepässen, überwachet die Ein- und Ausreise und kommt bei Drogenkriminalität ins Spiel.

In den autonomen Gemeinschaften wie Katalonien, dem Baskenland, Navarra und auf den Kanaren, übernimmt eine eigenständige Polizei die Aufgaben der „Policia Nacional“. In Katalonien sind das die „Mossos dÈsquadra“ (umgangssprachlich auch „Mossos“ = „Jungs“) genannt.

In einigen Gemeinden gibt es zusätzlich die Gemeinde- bzw. Stadtpolizei, bekannt als
Guardia Urbana„, „Policia local“ oder „Policia municipal„. Jene untersteht dem jeweiligen Bürgermeister und kümmert sich um örtliche Angelegenheiten.

 

Samstag, 25. Juni 2016 – Tour 4: Küste Süd

Zeit, die eigentlich für den ersten Tourtag geplante Südküsten-Tour nachzuholen:

Auch dieses Mal bietet die Strecke bis „La Bisbal d’Emorda“ keine besonderen Highlights.

Kaum haben wir die – kniffelig zu findende – GI-660 Richtung „Calonge“ ausfindig gemacht, geht’s jedoch auf der C-66 glatte 24 Kilometer kurvenreich zur Sache!

Die Laune steigt, zumal auf der Strecke nur ein einziges Vierrad versucht, die extrem geilen Kurven zuzuparken und jenes welches fix überholt ist.

Nach „Sant Antoni de Calonge“ passieren wir „Platja de Aro“ und „Castell Platja d’Aro“. Nix für uns: Zu groß, zu touristisch, zu voll!

Aber dann:
… erwartet uns auf der GI-682 von „Sant Feliu de Guixols“ nach „Tossa de Mar“ ein wahres Kurven-Feuerwerk! Wer sich die Karte ansieht, ahnt, was einen hier erwartet: 23 Kilometer, die zeitmäßig mit 43 Minuten berechnet werden, sagen sicherlich einiges aus!

Eigentlich ist längst Kaff-Zeit. Leider finden wir in Tossa keinen freien Motorradparkplatz. So folgen wir der GI-682 weiter bis „Lloret de Mar“ und fallen erneut in einen nicht enden wollenden Kurvenrausch.

>> Zur Tour-Karte

Lloret selbst braucht kein Mensch! Etwas geschockt von besoffenen Jugendlichen am hellichten Tag, einem Fernseh-Team am Strand, Touristen-Nepp und einer Steilpassage der übelsten Sorte mitten im Ort sehen wir zu, dass wir diesem Anti-Ort fix den Rücken kehren.

Eigentlich wollten wir in „Tossa de Mar“ die GI-681 Richtung „Llagostera“ erwischen. Finden wir dank hervorragender Beschilderung leider nicht. So fahren wir auf demselben Weg zurück, wie wir gekommen sind.

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Wooow!
Sooo viele Kurven haben wir während unseres gesamten
einwöchigen Schwarzwald-Urlaubs nicht gesehen!

 

Sonntag, 26. Juni 2016 – Strandtag

Mit Sonntags-Ausfahrten haben wir schlechte Erfahrungen. So legen wir heute einen weiteren Strandtag ein und folgen dem westlichen Küstenweg bis zum Strand „Almadraba“. Per pedes.

Blöderweis spielt das Wetter nicht so ganz mit und es bewölkt sich derart, dass man die Sonne nur noch erahnen kann. Egal. Immerhin bleibt’s trocken und warm…

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Sonnenuntergang. Schön kitschig!

Es gibt Schönere – der in Rosas ist dennoch nett anzuschauen… 

Montag, 27. Juni 2016- Tour 5: Ripoll-Tour

Laut Wetter-App soll es in den Pyrenäen zur Abwechslung mal nicht ganz so heiß werden. Gute Gelegenheit, uns erneut an der „Ripoll-Tour“ zu versuchen. Diesmal bei angenehmen 28 Grad.

Vorab studieren wir die Straßenkarte und finden recht fix eine brauchbare Umfahrung für Figueres: Über „Fortia“ und „Vilamalla“ geht’s nach „Ordis“ und von dort auf die N260/A26 Richtung Olot.

Erneut fahren wir in „Sant-Juan-les-Fonts“ ab und landen bei unserer Weiterfahrt unweigerlich auf der GIV-5128. Diese führt uns direkt weiter auf der N-260 nach „Sant Salvador de Bianya“ und von dort über den „Col de Capsocosta“ nach „Sant Pau de Seguries“.

Über „Sant Joan de les Abadesses“ geht’s über die N-260 nach „Ripoll“.

Kurz vor dem Ortseingang verheißt ein Straßenschild „nur noch schlappe 110 Kilometer bis Andorra“. Zugegebenermaßen reizt es schon sehr, einfach weiterzufahren. Angesichts der fortgeschrittenen Uhrzeit kommen wir allerdings nicht in Versuchung…

Im Ort müssen wir nicht lange nach einer Einkehrmöglichkeit suchen. Zum Glück warnt uns ein netter Café-Besucher mit Händen und Füßen vor dem unberechtigten Parken auf einem Elektromobil-Parkplatz und macht uns mit vollem Körpereinsatz auf den – so gut wie danebenliegenden – Motorradparkplatz aufmerksam. *Vielen Dank auch!!!*

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Nach Kaffee und Eis am Stiel geht’s weiter über die GI521 Richtung „Valfogana de Ripolles“ und im Anschluss durch das Vulkangebiet „La Garrotxa“.

Hmmm… Die Landschaft törnt uns nicht übermäßig an, allerdings sind die Kurven ganz nett…

Ehe wir uns versehen, gelangen wir über den „Coll de Canes“ (auf 1.120 Metern) auf den „Coll de Coubet“. Ehe wir uns versehen, sind wir aber schon wieder zurück in „Olot“.

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Von dort weiter geht’s erneut nach „Sant Cristofol de les Fonts“, wo wir ein weiteres Mal die GI-524 (Richtung Santa Pau – Mieres und Banyoles) in Angriff nehmen. Dank moderater Temperaturen machen die Kurven heute WIRKLICH Spaß! 🙂

Auch ab Banyoles finden wir eine nette, kurvenreiche Ausweichstrecke und fahren über die GI-513 sehr nett über „Dalt“ und „Orreils“ zurück nach „Rosas“.

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Sonnenblumenfeld-Idylle mitten in der Pampa

Dienstag, 28. Juni 2016

Nachdem wir letzte Tage per E-Mail mehrfach eine – für uns unverständliche – Nachricht vom Paketdienst erhalten haben, laufen wir hilfesuchend zu Peter, der netterweise dafür sorgt, dass unser Päckchen fortan in einer Filiale in Rosas geparkt wird.

Direkt nach dem Frühstück machen wir uns zu Fuß auf nach Rosas, nehmen das Päckchen freudestrahlend entgegen und vergnügen uns sodann am dortigen weitläufigen Strand.

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Die Badia de Roses (Bucht von Rosas) zieht sich kilometerweit – vom Hafen durch den kompletten Ort und weiter bis Empuriabrava. Dabei gehen diverse Strände nahtlos ineinander über. Kaum vorstellbar, dass jene zur Hochsaison möglicherweise gnadenlos überfüllt sein könnten. – Das Beste ist jedoch die lange, sehr breite Strandpromenade!

Der – für uns – schönste Strandabschnitt beginnt an der „Cuitadella“ (Strandabschnitt „El Rastrell“) und zieht sich – vom Meer aus gesehen – westlich bis zum Strand „Santa Margarida“.

Letztgenannter Vorort ist leider ausladend bebaut. Noch schlimmer fanden wir eigentlich nur die Retortenstadt „Empuriabrava“ mit seinen künstlich angelegten Kanälen und dem riesigen Appartementkomplex, der schon von Weitem den Blick auf die eigentlich sehr schöne Bucht verschandelt.

Übrigens lassen sich an der Promenade auch diverse Ausflüge buchen. Unter anderem fährt die Bimmelbahn dort ab: >> www.trenrosesexpres.com

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DAS ist wahre Kunst! 🙂

 

Mittwoch, 29. Juni 2016- Tour 6: Tapis-Coustouge-und-so-weiter

Yeaaah. Ab heute sind wir endlich wieder mit Navi unterwegs! 🙂

Doof nur, dass für die Pyrenäen laut Wetter-App spätestens ab dem Mittag „landunter“ angesagt ist und sich dieser Zustand bis zum Ende der Woche angeblich kaum ändern wird…

Ok, dann menn wacker hin, bevor die schöne Landschaft heillos im Regen versinkt!

Nach dem ersten stupiden Teilstück Richtung Figueres geht’s auf die N-II Richtung Norden. Landschaftlich übrigens sehr schön, weil man stets die Berge im Blick hat…

Kurz bevor wir an einem nicht-überholbaren Lastwagen verzweifeln, können wir endlich abbiegen (auf die Gi-504 Richtung Biure).

Unmittelbar vor dem Ort zwingt uns eine Straßensperrung, das winzige Kaff zu durchqueren.
Hatte ich bereits erwähnt, dass ich steile Straßen HASSE??? – Kaum auszudenken, was passiert wäre, wenn ich genau dort hätte anhalten müssen: Ganz sicher wäre mein Maschinchen mangels Bodenkontakt meiner Füße gnadenlos gekippt! (… was ganz sicher von denjenigen belächelt wird, denen die Natur ausreichend lange Beine geschenkt hat!)

Weiter geht’s Richtung Darnius und schließlich auf der GI-503 über „Macanet de Cabrenys“, und „Tapis“ über die Landesgrenze nach Coustouges (Frankreich), wo die Straße zur „D3“ wird. Schlagartig wird der Belag so mies, wie vorab an diversen Stellen zu lesen war…

Absoluter Tipp!

Die Strecke ist nicht nur kurventechnisch gesehen ein absolutes Highlight, sondern hat auch landschaftlich eine Menge zu bieten. Dabei wechselt das „Bild“ von Kurve zu Kurve: Während sich eben noch dicke und kleinere weiße Steine wie Wattebäuschchen in die Pampa kuscheln, starrt man bereits im nächsten Moment auf rötliche Felsen, um sich sodann von zahlreichen Bäumen begafft zu fühlen. – Echt krass!

Leider gab es nirgends eine geeignete Stelle, um Fotos zu schießen…

Nach einem kurzen Halt im verschlafenen Örtchen „Saint-Laurent-de-Cerdans“ überrascht die „D3“ allerdings bei der Weiterfahrt Richtung „Arles-sur-Tech“: Hat man der Strecke hier offenbar ganz frisch einen schönen, neuen, aalglatten Belag spendiert! 🙂

Richtiger Kurvenspaß kommt aber trotz alledem nicht auf: Dafür liegt einfach zuviel – offenbar vom Berg stammendes – Geröll auf der Straße…

Auf der D115 angekommen, gestaltet sich der weitere Weg Richtung Osten ziemlich nervig: Ein Kaff reiht sich an das nächste (wobei „Amélie-les-Bains-Palalda“ noch zu den Nettesten gehört…)

Bei „Ceret“ schwenken wir ab Richtung D900 und damit auch zum „Col de Perthus„.
Jener welcher ist viel befahren. Die Straße selbst ist jedoch nett geschwungen und landschaftlich sehr schön.

col-de-perthus

In „Le Perthus“ selbst steppt merkwürdigerweise der Bär und die Ortsdurchfahrt nervt extrem. Das wirft Fragen auf:

  • Gibt’s hier irgendwas umsonst oder warum wimmelt es hier vor Leuten und Motorsport-Shops?
  • Warum ist kaum nach Erreichen des spanischen Örtchens „La Jonquera“ so gut wie nichts los?
  • Und warum in alles in der Welt kann man von hier aus diese Pyramide nicht sehen, die man zwangsweise passiert, wenn man per Autobahn die französisch-spanische Grenze passiert?

Aufklärung gibt’s erst im Nachhinein:

Le Perthus ist eine geteilte Stadt. Seine knapp 600 Einwohner wohnen allesamt im französischen Teil. Der spanische Teil „Els Limits“ besteht fast ausschließlich aus Geschäften, in denen man steuerbegünstigt einkaufen kann.

Die Pyramide von Le Perhus von Ricardo Bofill am Autobahn-Grenzübergang Frankreich-Spanien symbolisiert die Einigkeit der „beiden Katalonien“: Das heutige Katalonien (Spanien) und „Nordkatalonien“, der nördliche Teil des historischen Fürstentums, das heute als „Departement Pyrenées Orientales“ zu Frankreich gehört.

Tatsächlich hätten wir sie auch abseits der Autobahn sehen können, hätten dazu jedoch hoch zum Fort de Bellegarde fahren müssen, das auf einem 420-Meter-Felsen thront und vom 1. Mai bis 30. September eines jeden Jahres geöffnet hat. Von der Terrasse der Festung hat man angeblich einen Rundumblick über die Landschaft des „Canigou“ und die Pyramide.

Kurz vor dem Ortsausgang von La Jonquera spielt erneut ein Franzose „wilde Sau“ und schneidet uns derart, dass wir voll in die Eisen gehen müssen, um ihm nicht unmittelbar in die Karre zu fahren.

Spanier, Franzosen, Katalanen und die Esel

Stecken eigentlich alle südlich angesiedelten Franzosen mit den Spaniern (sorry – „Katalanen“) unter einer Decke? Und warum kleben an auffallend vielen französischen Autos diese Esel-Aufkleber?

Was es mit Esel und Stier auf sich hat
Der Katalanische Esel (el burro catalan) ist eine spanische Hauseselrasse, der es in Katalonien zum inoffiziellen Nationalsymbol geschafft hat. Der Grund: Esel gelten als eigenwillig und störrisch, aber arbeitsam. Genau so sehen sich auch die Katalanen. Ebenso wie die autonomen Basken (Nationalsymbol: Schaf) und die Galicier (Nationalsymbol: Kuh) legen auch die Katalanen viel Wert auf ihre Eigenständigkeit, grenzen sich gern von den Spaniern ab und verurteilen unter anderem die brutalen Stierkämpfe.

Das Nationalsymbol Spaniens – der Stier – geht auf eine Werbefigur zurück: den „Osborne“-Stier. Wer in den Achtzigern mal über die Autobahn Richtung Spanien gefahren ist, erinnert sich sicher noch an die riesige Stier-Silhouette, die in Nähe der französisch-spanischen Grenze prominent auf einem Hügel prankte.

Weitere Infos unter:

>> www.katalonien-netz.de („Der katalanische Esel“)

>> www.burrotrek.com („Die Geschichte Kataloniens“)

Haben Franzosen verkehrsbestrafungstechnisch in Katalonien nichts zu befürchten?

Keine Ahnung. Da wir in Spanien mehrfach in Kontakt mit „Wilde-Sau-spielenden-Franzmännern“ kamen, nehmen wir es einfach mal an…

Natürlich gäbe es auch eine rationale Erklärung:

So ist „zu schnelles Fahren“ in Spanien halt günstiger als in Frankreich.
Während sich die Franzosen – laut ADAC – zwanzig überhöhte Stundenkilometer mit 135 Euro aufwärts bezahlen lassen, muss man in Spanien „nur“ mit 100 Euro aufwärts rechnen.

Merkwürdig jedoch, dass sie auch Überholverbote missachteten (Kostenpunkt in Frankreich: 135 Euro – in Spanien jedoch ab 200 Euro aufwärts!) Jene welche gelten in Spanien übrigens generell vor Bergkuppen und Straße, die man nicht mindestens 200 Meter einblicken kann.

Was sonst noch auffiel:

In unserem Ferienort passte sich ausschließlich JEDER kleine Kellner an die französischen Kunden an und bediente jene in ihrer Landessprache. Dabei machte nicht EINER der anwesenden Franzosen irgendwelche Anstalten, sich bei der Bestellung oder dem Austausch von Begrüßungsfloskeln des spanischen Vokabulars zu bedienen.

Dieses Benehmen erinnerte uns unweigerlich an deutsche Tours auf Malle! *grusel*

Als wir die Grenze passiert haben, wird es wesentlich ruhiger:
Bei „Capmany“ verlassen wir die „N-II“ und fahren über die GI-602 Richtung Espolla und sodann Richtung „Mollet de Peralda“.

Da es auch heute sehr schwül ist, schenken wir dem „Col de Banyoles“ keinerlei Beachtung und steuern – völlig erledigt – unseren Urlaubsort an.

Donnerstag, 30. Juni 2016 – Bootsfahrt nach Cadaques/zum Cap de Creus

Was gehört unbedingt zu einem gelungenen Sonne-Strand-und-Meer-Urlaub? – Klar: Boot fahren! Wenn nicht heute, wann dann???

In Rosas gibt’s diverse Möglichkeiten:

Am reizvollsten fanden wir die Fahrt mit dem Katamaran. Dieser startet jedoch erst abends. Daher entscheiden wir uns für die 19-Euro-Tour um 15 Uhr mit „Don Pancho“.

Das Ziel: „Port Llegat – Cadaques – Cap de Creus“ mit einer Stunde Aufenthalt im einstigen Fischerort Cadaques.

Während der Tour werden wir automatisiert vom Band beschallt. Zu allen Sehenwürdigkeiten gibt’s mehrsprachige Erklärungen. Doof nur, wenn man sich einen Sitzplatz ganz hinten ausgesucht hat: Hier klingeln einem beim Volle-Lautstärke-Pausen-Don-Pancho-Jingle unweigerlich die Ohren.

Die Tour führt uns zunächst an unserer Bucht vorbei Richtung Port Llegat, wo wir kurz rasten, weil dieser Ei-fanatischen Künstler Salvatore Dali damals dort wohnte. Sorry, aber mit dieser „Eier-Kunst“ können wir einfach absolut nix anfangen!

Weiter geht’s ins beschauliche Örtchen Cadaques und wir dürfen für eine Stunde an Land:

Nettes kleines Örtchen mit winzigen kopfsteingepflasterten Gassen. (Nix für „hohe Hacken“!)

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Da dieser Dali-Künstler seine Kindheit hier verbrachte, hat man ihm eingangs des
Kiesstrandes eine riesige Statue gewidmet.

cadaques-stadtbild   cadaques

Eine Stunde später sammelt uns unser Boot wieder ein und führt uns weiter zum „Cap de Creus“. Leider wird es zunehmend bewölkter, so dass wir uns auch auf der Rückfahrt an keinerlei türkisfarbenen Meeresbildern ergötzen können.

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Mit etwas Fantasie erkennbar: der „Katzenfelsen“

Kurz bevor wir Rosas erreichen, steuern wir auf eine bedrohlich dicke Wolke zu. Zum Glück bringt diese kurz vor Einfahrt in den Hafen von Rosas nur leichten Regen statt Gewitter.

Merkwürdigerweise wird es auch hier bei Eintritt des Regens extem schattig. Kennen Urlaubsorte eigentlich keinen „warmen Sommerregen“ wie bei uns daheim?

Freitag, 1. Juli 2016

Unseren letzten Urlaubstag verbringen wir am schönen langen Sandstrand von Roses…

Samstag, 2. Juli 2016 – Flughafen-Tour

Während der Hauptsaison müssen die Ferienwohnungen um 9:00 Uhr morgens geräumt sein.

Wussten wir bereits vorab und sind darauf eingestellt. Umso mehr überrascht uns, als Vermieter Peter am Tag zuvor abfragt, wann wir unser Appartment zu verlassen gedenken und uns in Aussicht stellt, die Annehmlichkeiten der Anlage noch den kompletten Tag nutzen zu dürfen.

Wir belassen es bei unserem ursprünglichen Plan, beginnen ab 9:00 Uhr, unsere Habseligkeiten auf den Moppeds zu verzurren und fahren auf direktem Weg Richtung Flughafen-Hotel.

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Unseren Flug haben wir extra spät (gegen 20 Uhr abends) angesetzt, um sicherzugehen, dass die Moppedabholung reibungslos funktioniert. Mit unserem Transporteur ist vereinbart, dass er unsere Maschinen 12 und 14 Uhr am Flughafenhotel abholt.

 

Flughafen-Hotel

Um nicht stundenlang verschwitzt auf unseren Flieger warten zu müssen, haben wir schon von Deutschland aus ein Zimmer im >> Airport-Hotel Salles in Girona vorgebucht.

Anders als das >> Hotel Vilobi trennen unser Hotel 1,2 Kilometer vom Flughafen. Keine wirkliche Entfernung, allerdings ist eine vielbefahrene Hauptstraße ohne Fußgängerweg zu überwinden.

airporthotel

Dafür bietet es einen Außenpool, einen Wellness-Bereich und einen kostenlosen Flughafen-Transfer. Außerdem ist es möglich, die Zimmer stundenweise (drei oder sechs Stunden) zu buchen. Für eine sechsstündige Nutzung (12:00 bis 18:00 Uhr) berappen wir 54 Euro.

Bei der Reservierung gab es diverse Fragen, die ich gern telefonisch geklärt hätte. Leider vergeblich: Ständig landete ich in einer Telefoncomputer-Hotel-Auswahl-Schleife der Kette >> Sallés Hotels, die jedes Mal erneut zu laufen begann, sobald ich das Flughafenhotel ausgewählte hatte…

Auf meine daraufhin losgeschickte E-Mail erhielt ich allerdings postwendend eine Antwort auf all meine Fragen.

Als wir unser Flughafen-Hotel erreichen, sind wir positiv überrascht: das Personal ist sehr freundlich, das Zimmer sehr nett eingerichtet und es bietet sogar einen kostenlosen Safe.
Im Gang Richtung „Spa“ liegt allerdings ein schwer deutbarer, strenger Geruch: Schimmel? Desinfektionsmittel? – Keine Ahnung!

Der Außenbereich mit Pool ist sehr ansprechend. Rundherum stehen breite Liegen und Sonnenschirme. Der/die ein oder andere hat allerdings schon bessere Zeiten gesehen.

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Erstaunlicherweise lässt es sich im hoteleigenen Restaurant zu recht zivilen Preisen speisen. Kein Highlight, aber dennoch ganz ordentlich.

Leider warten wir auf die Moppedabholung länger als gedacht: Gegen 14 Uhr teilt uns unser Transporteur telefonisch mit, dass er gerade mal in Südfrankreich sei, da auf der Bahn gerade der Bär steppt. Hmm… Gut, dass wir den Abflug so großzügig spät geplant haben!

Als er gegen 16:15 Uhr endlich um die Ecke rollt, atmen wir auf…

Darüber hinaus gibt’s eine kleine Planänderung:

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Statt im geschlossenen Transporter „fahren“ unsere Moppeds auf dem Heimweg wider Erwarten auf einem riesigen Anhänger, dem die Plane abhanden gekommen ist.
Diese Art Mopped-Transport schmeckt mir irgendwie so gaaar nicht…!

Mopped-Transport

Dass unser Transporteur gerade auf dem Weg nach Malaga ist, er frühestens am kommenden Wochenende zurück sein wird und wir unsere Moppeds erst am Montag oder Dienstag darauf zurückbekommen, war vorab klar.

Da wir uns bei der Abholung noch im gechillten Urlaubsmodus befinden und wir keinen Kalender im Blick haben, schrillt bei uns jedoch nicht eine einzige Alarmglocke, als er den Termin kurzerhand eine Woche nach hinten verschiebt. Eigentlich ärgern wir uns erst maßlos darüber, nachdem wir zurück im Alltag angekommen sind und wir so rein gar nix von ihm hören. Zumal nicht nur unsere Moppedschlüssel, sondern auch die Original-Papiere bei ihm weilen…

Letztendlich war unsere Sorge unbegründet und der Transport hat schadenfrei funktioniert.

Dennoch hätten wir gerne vorab gewusst, dass sich diverse Spediteure hin und wieder mal Fuhren teilen und unsere Maschinen bereits von Süddeutschland nach Olpe transportiert worden waren. Just an jenem Wochenende hatte das gute Wetter endlich auch Deutschland erreicht. Hätten wir es vorab gewusst, hätten wir uns nach Olpe bringen lassen, um von dort eine schöne Tour nach Haus zu unternehmen!

Lange Rede, kurzer Sinn:
17 Tage lang auf die Rückkehr seines Moppeds warten müssen, geht GAR nicht!
Zum Glück war in der Zeit zu Hause kein Mopped-Wetter, sonst hätten wir definitiv am Rad gedreht!

Flughafen Girona

Der Flughafen Girona ist übrigens echt klasse:
Nach dem Passieren der Sicherheitskontrollen locken ein „Subway“, ein „Mc Donalds“ und gleich drei Dachterrassen, auf dem sich Raucher gnadenlos ausleben dürfen – TOP!!!

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Fa(hr)zit

Gesamt-Kilometer: Mit 1.414 Kilometer

Ja. Tatsächlich haben wir wesentlich weniger Kilometer zurückgelegt, als ursprünglich gedacht… Tja, irgendwie trübte die umgefahrene Maschine mit all den unglücklichen Navi-Folgen unseren Elan. Somit blieben zahlreiche geplante Touren schlichtweg ungefahren.

Gern hätten wir mehr von den Pyrenäen gesehen und auch mal einen Abstecher nach Andorra gemacht. Dafür war es (uns) allerdings schon viel zu heiß.

Klima:

Theoretisch herrschten an der Küste mit 25 – 26 Grad Temperaturen, über die man selbst hier in D’land allenfalls schmunzelt. Gefühlt war es allerdings wesentlich wärmer!
Schon merkwürdig: Zumal uns selbst die Durchschnittstemperatur von 34 Grad im >> vergangenen Jahr auf Sardinien keinerlei Probleme bereitete.

Ist Juni die optimale Reisezeit?
Kann sein. Weiß man aber nicht.
Laut unserem Vermieter war es bis eine Woche vor unserer Ankunft unbeständig bzw. regnerisch und kühl. Typisch war dies allerdings nicht…

Kartenmaterial:

Folgende Karten waren im Dauereinsatz:


ADAC-Motorrad- und Oldtimertouren-Karte „Pyrenäen“

Für’s Grobe!
(Kostenlos erhältlich beim ADAC oder als pdf-Download)

Michelin Zoom (1:150:000) Blatt 146:
„Espagne, Pyrenees Orientales, Andorra“

Sehr detailliert und auch für „altersweitsichtige Zeitgenossen“ ohne Lesebrille gut lesbar!


Michelin Regionalkarte Spanien 74:
„Katalonien, Aragon, Andorra“ (1:400:000)

Leider sehr grob, sagt aber bereits der Maßstab…

Nicht benötigt:

Michelin-Karte 244 (1:150:000):
„Departemental France – Aude – Pyrenees-Orientales“

Außerhalb der von uns bereisten Region…


Reise Know-how Pyrenäen 1:250:000, wasser- und reißfest

Zu Haus gelassen, da zu kleinformatig

Sonstige Reiseliteratur:


„Die schönsten Motorradtouren Pyrenäen: Traumtouren zwischen Atlantik und Mittelmeer“ (Markus Golletz)

Sehr empfehlenswert!

Motorrad-Reiseführer: Pyrenäen (Hightlights Verlag)

Aufschlussreich, aber nur teilweise für die Gegend rund um unseren Basisort geeignet.


„CURVES: Band 4: Pyrenäen“

Über die Retro-Bilder-Darstellung lässt sich streiten. Die fortlaufende Inhaltsstory ist Geschmacksache. Unser Fazit: Kann man lesen, muss man nicht…

Und sonst?

Google-StreetView

Als wir uns – irgendwann, zu Beginn unseres Urlaubs – gerade startklar machten, rollte ein >> „Google-Streetview-Auto“ um die Ecke und hat uns voll erwischt:

(Zoomt hinein und schwenkt nach rechts. Dann könnt Ihr uns tatsächlich sehen!) 🙂
Kaffee in Spanien

Wer sich in der Ferienwohnung Kaffee kochen kann und kein Pulver von zu Hause mitgebracht hat, kann das Tüchs natürlich auch in Spanien kaufen. Filterkaffee erkennt Ihr am Symbol „filtre“. Die Packungen sind mit Ziffern von 1 bis 5 gekennzeichnet. Dabei steht die „1“ für „mild“ und 5 für „stark“. „3“ ist angeblich genießbar.
Können wir nicht bestätigen, da wir uns Kaffee von zu Hause mitgebracht hatten. Leider fehlten uns ausreichend Filtertüten. Jene zu besorgen, war nicht so leicht wie gedacht. Fündig wurden wir allerdings erst nach einer Rallye quer durch alle Läden der gesamten Stadt und latzten für die Mini-Packung fast vier Euro!

Roses (Rosas) an der Costa Brava (Nord-Spanien)

Wundert Euch nicht, wenn Ihr an der „Costa Brava“ (der „wilden Küste“) auf unterschiedliche Ortsbezeichnungen trefft:

Der Ort liegt in „Katalonien“, einer der 17 autonomen Gemeinschaften Spaniens, im Nordosten der Iberischen Halbinsel zwischen der Mittelmeerküste und den Pyrenäen. Hier haben – nicht nur Orte – zwei unterschiedliche Namen: eine katalanische und eine spanische Bezeichnung.

So ist beispielsweise „Roses“ die katalanische Bezeichnung des spanischen Ortes „Rosas“ (Region Alt Emporala, Provinz Girona).

Im frühen 16. Jahrhundert wurde Rosas häufig von nordafrikanischen Piraten angegriffen und geplündert. Der spanische König, Karl V, beschloss irgendwann, die wichtigsten Küstenstädte zu sichern. Daraufhin ließ er in der Küstenstadt folgende „Sicherungen“ errichten:

Nach Belagerungs- und Eroberungsfeldzügen der Franzosen und Österreicher vom 17. bis 19. Jahrhundert, wurde die Artilleriefestung „Trinitat“ 1814 so gut wie zerstört. Mit dem Wiederaufbau startete man erst 2002. Seit September 2010 ist die Anlage so gut wie komplett wiederhergestellt.

Essen in Roses:

  • >>Pizzeria Vito in der Innenstadt von Rosas
  • In der Innenstadt genossen wir in der >> „Pastisseria Cairo“ extrem leckere Frappés und erfrischende Smoothies
  • In unserer Bucht gab es eine coole, mit dem Boot anfahrbare >> Piratenbar. Angetestet haben wir sie allerdings nicht.
  • In den meisten Restaurants wird „Paella“, das typische spanische Pfannenreis-Gericht“, ausschließlich für mindestens zwei Personen angeboten. In einem Restaurant unmittelbar an der Festung fanden wir allerdings ein Lokal, das auch Einzelpersonen die Verkostung ermöglichte.

Zwergenstaat und Fürstentum Andorra

Das Steuerparadies „Andorra“ liegt in einem Hochtal, inmitten der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien. Rundherum dominieren die Berge: Dabei liegen gleich 65 Gipfel über der 2.000-Meter-Grenze. Höchster Gipfel ist der „Coma Pedrosa“ mit 2.942 Metern.

Bevölkerungstechnisch ist Andorra mit seinen zirka 77.000 Einwohnern etwa so groß wie Wilhelmshaven. Klingt nicht übermäßig groß. Dennoch gilt das Land als Größtes der sechs (geologisch gesehen) europäischen Zwergenstaaten. Neben den Ureinwohnern tummeln sich hier viele Immigranten aus Spanien, Frankreich und Portugal.

Das Mini-Land steht unter einer Doppelherrschaft: Das Sagen haben sowohl der Französische Staatspräsident als auch der amtierende Bischof von Urgell.

Zwar gehört Andorra nicht zum „vereinigten Europa“. Dennoch könnt Ihr dort (seit 2014) mit dem Euro bezahlen, da sich das Land der „Europäischen Währungsunion“ angeschlossen hat.

Fahrtechnisch gesehen findet Ihr hier ein Offrad-Paradies, denn viele der zahlreichen Gebirgsstraßen sind nicht geteert!

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Urlaubs-Überraschung:
„James Bond“ lässt grüßen! (BMW R 1200 C) 🙂

 

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Susy
Susy
Geboren "Anno Pief" (im letzten Jahrhundert). Im zarten Alter von vierzehn - keine Ahnung wieso - mit dem Mopped-Fieber infiziert und anschließend eine gefühlte Ewigkeit um den Moppedschein gekämpft. Mit sechzehn zunächst an der "unendlichen Macht" ihrer "Ernährer" gescheitert, mit achtzehn dann aber endlich erfolgreich. *YEAH!* Im Anschluss - trotz Schein - leider nie aktiv gefahren und den "Virus" eine halbe Ewigkeit erfolgreich verdrängt. Vor etwa zehn Jahren brach er allerdings - umso heftiger - wieder aus... Seitdem "isse" - moppedtechnisch gesehen - mindestens "unheilbar krank"! :D
http://www.motorrado.de

2 thoughts on “Nordspanien-Pyrenäen-Tour 2016

  1. …wieder ein toller Bericht mit nützlichen Infos. Vielleicht dient er uns tatsächlich wieder als Inspiration wie schon Euer Sardinienbericht!

    Viele Grüße aus Köln

    1. Vielen Dank für die „Blumen“, Ralf!
      Na dann warten wir mal gespannt auf’s nächste Jahr: Nordspanien können wir auf jeden Fall wärmstens empfehlen 😉

      Viele Grüße aus dem Münsterland
      Susy

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