Europas höchstes Motorradmuseum

Wer aus dem palmenumsäumten Meran (Südtirol) kommt und sich durch das Passeiertal hinauf auf’s Timmelsjoch schwingt, darf sich auf endlose Kurven freuen. Spätestens ab St. Leonhard (Abzweig zum Jaufenpass) erwarten Euch dreißig Kilometer Fahrspaß, lecker gespickt mit vierzehn – zur Passhöhe hin – immer enger werdende Kehren und diverse Felstunnel. Ein Traum…!

Hat man sich noch im Tal – dank Hitze – den letzten Tropfen Flüssigkeit aus dem Leib transpiriert, so kann es auf dem 2.509 Meter hohen „Passo Rombo“ empfindlich kühl sein. Wenn der Pass nach der Wintersperre Anfang Juni endlich öffnet, türmen sich dort nicht selten noch meterhohe Schneeberge.

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Das Timmelsjoch schimpft sich auf italienisch „Passo Rombo„. Da man das italienische Wörtchen „rombo“ auch mit „dröhnen/grollen/röhren“ übersetzen kann, wisst Ihr spätestens jetzt, was Ihr zu tun habt. …Oder? 😉

Auf der Passhöhe verläuft übrigens die Grenze zwischen Österreich und Italien. Davon zeugt heute lediglich eine verwaiste Grenzstation. Umso lebendiger geht’s im gemütlichen Pass-Restaurant zu, in der es sich übrigens wirklich nett speisen lässt.
Für Kulturhungrige gibt’s ebenfalls eine gute Nachricht: Der Besuch des Passmuseums ist nämlich kostenlos!

Auch bei der Weiterfahrt Richtung Ötztal kommt Freude auf:
Auf einer Strecke von dreizehn Kilometern erwarten Euch elf astreine Kehren! Kurz vor dem österreichischen Ort Obergurgl bremst leider eine Mautstation den bis dato ausgelassenen Frohsinn…

Nun habt Ihr die Wahl:

  • Entweder macht Ihr vor der Mautstation kehrt, wedelt erneut hinauf auf’s Timmelsjoch und genießt die aussichtsreiche Abfahrt hinab ins Passeiertal.
  • Oder Ihr fahrt weiter Richtung Ötztal und nehmt die fällige Mautgebühr in Kauf.

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Die One-Way-Fahrt über die Timmelsjoch-Nordrampe kostet 14 Euro (pro Motorrad). Für die Hin- und Rückfahrt werden 19 Euro fällig. Ab zehn Motorrädern gibt’s eine Gruppenermäßigung. (Stand: 2016)

Ab dem 16. April 2016 gibt’s dafür einen triftigen Grund, denn dann eröffnet genau dort – auf 2.175 Höhenmetern – das höchstgelegene Motorradmuseum Europas!

Zu finden ist es im Top Mountain Crosspoint, einem Multifunktionsgebäude, das (neuerdings) nicht nur die Mautstation, sondern auch ein Restaurant mit weitläufiger Terrasse und grandiosem Panoramablick auf die Ötztaler Alpen beherbergt.

Ganz neu ist auch die Umlauf-Gondelbahn. Besonderer Clou: Damit’s die Bergbezwinger nicht fröstelt, sind die Sitze beheizt!
Auch E-Auto, -Mopped- und -Räder-Besitzer dürften frohlocken: Hier finden diese eine Aufladestation für ihre Elektro-Vehikel.

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Bildnachweis: © Alexander Lohmann – Ötztal Tourismus (www.oetztal.com)

Was erwartet Euch im Motorradmuseum?

Im neuen Motorradmuseum dürft Ihr Euch auf 170 historische Motorräder freuen.

Museums-Eigner sind beiden Ötztaler Urgesteine Attila und Alban Scheiber, denen das Motorradgen durch ihren Vater, Alban senior – seines Zeichens Profi-Rennfahrer der 50er Jahre – förmlich in die Wiege gelegt wurde.

Auch das Museums-Innere ist sehr holzlastig und erinnert an eine antike Motorrad-Steilwand (auch „Todeswand“, „Wall of death“ oder „Motodrom“ genannt).

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Bildnachweis: © Brötz Architecture

Seit den 20er Jahren verzaubern tollkühne Motorrad-Artisten ihr Publikum mit halsbrecherischen Kunststücken beim Steilwandfahren. Gefahren wird dabei in fünf Meter hohen Holztrommeln mit einem Durchmesser von sieben bis zehn Metern.
In Deutschland wurde das Steilwandfahren in den 30er- und 40er-Jahren berühmt. Schuld daran war Käthe Müller, vielen besser bekannt als „Steilwand-Kitty„.
Noch heute gastiert Pitt’s Todeswand auf dem Münchener Oktoberfest oder der „European Bike Week“ am Faaker See. Die Holztrommel ist immer noch dieselbe. Für die drei legendären, sehr wendigen Indian Scouts 101 (gebaut von 1928 bis 1931) gilt dasselbe.
>> Pitt’s Todeswand auf dem Oktoberfest
>> Pitt’s Todeswand
Wer „Steilwand-Kitty“ einmal live in action sehen möchte, werfe einen Blick in die >> Filmothek von bundesarchiv.de (ab Minute 1:20).

Unter den Museums-Exponten finden sich legendäre Moppeds aus jedem Jahrzehnt. Neben Harley-Davidson, Indian und BMW sind auch Motoguzzi, Ducati, NSU, DKW, Zündapp, Triumph, Sunbeam, Norton, Matchless, A.J.S., Honda und Henderson vertreten.

Die älteste Maschine ist eine Laurin & Klement aus dem Jahr 1905.
Ebenfalls dabei: Eine britische „Vincent“, der man nachsagt, eine der schnellsten, teuersten und exklusivsten Maschinen zu sein, die es damals zu kaufen gab.

Schon 1948 ließ sich mit einer Vincent der US-amerikanische Rekord von 242 Kilometern pro Stunde brechen. 1955/56 wurde ein neuer Weltrekord aufgestellt, mit exakt 298 Kilometern pro Stunde!

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Bildnachweis: © Ötztal Tourismus (www.oetztal.com)

Weitere Highlights der Ausstellung:

  • eine Brough Superior von 1939. (Angeblich soll der legendäre Rennfahrer und Erbauer George Brough diese selbst gefahren haben)
  • eine Zweizylinder-Indian von 1912 und
  • die MV Agusta, mit der Giacomo Agostini selbst seine Rennen bestritt.
    Noch heute ist der Ex-Moto-GP-Weltmeister 15 WM-Titeln und 122 GP-Siegen (1965 – 1975) Rekordhalter. Darüber hinaus fuhr er diverse Isle-of-Man-TT-Siege ein und war Mitentwickler des Sondermodells „F4 AGO“ von MV Agusta.
    Wen wundert’s, dass genau diese Mopped-Renn-Legende gebeten wurde, Pate der Grundsteinlegung für das neue Motorradmuseum zu werden?

>> Zur Motorrad-Galerie

Übrigens:
Angeblich sind alle Motorräder fahrtüchtig. Wundert Euch also nicht, wenn Euch am Timmelsjoch mal die ein oder andere der historischen Maschinen entgegenkommt! 🙂

Weitere Infos unter:
>> www.crosspoint.tirol
>> www.facebook.com/topmountaincrosspoint

Öffnungszeiten des Museums:
Ab 16. April 2016: Täglich von 9:00 bis 18:00 Uhr.

Die Scheiber-Brüder: Größenwahnsinnig oder Genies?

Die Scheiber-Zwillinge stammen aus einer Touristik-Pionieer-Familie aus dem Ötztaler Ort Obergurgl.

Man munkelt, Opa Angelus habe Anfang der 50er Jahre hoch zur „Angerer Alm“ geschaut und gesagt: „Dort oben ist es so sonnig, da könnte man gut Skifahren„.
Seine Vision: „Mittags Skilaufen auf den Ötztaler Gletschern – Nachmittags Entspannung unter Palmen in Meran„. Zwillings-Vater Alban senior spann die Idee später weiter, eröffnete 1961 das erste Hotel und einen Skilift auf dem Högel und nannte das Fleckchen Erde fortan „Hochgurgl“.

An eine Durchfahrt nach Italien war zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu denken:
Zwar reichte eine stillgelegte Militärstraße bis kurz vor die Passhöhe, jedoch wurde die heutige Straße auf der Südrampe erst zehn Jahre später (im September 1968) fertig. Damit war die Nord-Süd-Verbindung vom österreichischen Ötztal ins italienische Passeiertal endlich perfekt!

Seitdem lassen sich auf dem Weg nach Meran weit über hundert Kilometer sparen; zumindest während der Pass-Öffnungszeiten (in der Regel von Anfang Juni bis Ende Oktober in der Zeit von 7:00 bis 20:00 Uhr).

Zum Vergleich – Entfernung Obergurgl – Meran:
– Über Landau und den Reschenpass: ca. 200 Kilometer
– Über die Timmelsjoch Hochalpenstraße: ca. 63 Kilometer

Heute ist das Örtchen Hochgurgl fest in Hand der „Scheiber-Dynastie“:
Ihnen gehört nicht nur das 5-Sterne-Hotel, sondern auch eine Skischule, Sportmodeläden, Skilifte, die Beschneiungsanlagen auf den umliegenden „Hügeln“ und die Gastronomie.
Allem voran das „Top Mountain Star“, ein rundumverglastes Restaurant mit 360-Grad-Blick bis hin zu den Dolomiten.
Ausufernde Hi-Ho-Après-Ski-Parties sucht man in Hochgurgl übrigens vergeblich: In dem exklusiven Skiressort setzt man auf „Klasse statt Masse“ und bietet seinen Gästen den Luxus, direkt von ihrem Hotel auf ihre Ski steigen zu können.

Seit 2011 ist die Timmelsjoch-Hochalpenstraße nicht mehr nur „Panorama-„, sondern auch „Erlebnisstraße„. Auf der Straße wurden insgesamt fünf Stationen installiert.

  1. An der Mautstation Hochgurgl: Steg
  2. Schmuggler: Begehbarer Würfel
  3. Das Pass-Museum (auf Südtiroler Seite)
  4. Fernrohr (Südtirol)
  5. Granat: Toller Ausblick (bei Stuls in Passeier); Schauraum auf einem Felsenhang

[>> Infos zur „Timmelsjoch Erfahrung“]

Timmelsjoch   timmelsjoch-streety   Timmelsjoch-Kurven

Weiterführende Links:

Sucht Ihr Übernachtungsmöglichkeiten, Einkehr- oder Touren-Tipps in Tirol, dann werft doch mal einen Blick auf die Kurveneldorado-Seiten.

Dort findet Ihr unter anderem eine Liste aller Alpenpässe im Umkreis.

Kurveneldorado

 

PS

Hier gibt’s einen >> lesenswerten Bericht (blick.ch) über das Museum.

Auch >> Thomas von www.motor8.de war schonmal dort und hat über seinen Ausflug ins Museum berichtet.

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Susy
Susy

Geboren „Anno Pief“ (im letzten Jahrhundert). Im zarten Alter von vierzehn – keine Ahnung wieso – mit dem Mopped-Fieber infiziert und eine gefühlte Ewigkeit um den Moppedschein gekämpft. Mit sechzehn zunächst an der „unendlichen Macht“ ihrer „Ernährer“ gescheitert, mit achtzehn dann aber endlich erfolgreich. *YEAH!*
Danach – trotz Schein – erst einmal nie aktiv gefahren und den „Virus“ eine halbe Ewigkeit erfolgreich verdrängt. Vor etwa zehn Jahren brach er allerdings – umso heftiger – wieder aus… Seitdem einfach „unheilbar krank“ dem Moppedwahn verfallen. :D

http://www.motorrado.de

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