Europas höchstes Motorradmuseum am Timmelsjoch

Wer von Nord- nach Südtirol fahren möchte, kann sich weit über hundert Kilometer sparen, wenn er den Weg über das Timmelsjoch nimmt. Geöffnet ist der Pass allerdings regelmäßig nur von Anfang Juni bis Ende Oktober (in der Zeit von 7:00 bis 20:00 Uhr). Vor fünfzig Jahren war dies noch undenkbar.

2018 gibt es ein Jubiläum: Die Straßenverbindung über das Timmelsjoch – von Nord- nach Südtirol und umgekehrt – wird 50 Jahre alt! Bis 1959 war die Passhöhe neun Jahre lang ausschließlich über die Nordtiroler Seite erreichbar. Erst 1968 wurde die steile Südrampe auf Südtiroler Seite fertiggestellt und freigegeben. – Damit erfüllte sich der langgehegte Traum des

Ist die Timmelsjoch Hochalpenstraße geöffnet
In diesem Jahr feiert (2018) feiert die Straßenverbindung über das Timmelsjoch

Wer aus dem palmenumsäumten Südtiroler Meran kommt und sich durch das Passeiertal hinauf auf’s Timmelsjoch schwingt, darf sich auf endlose Kurven freuen. Spätestens ab St. Leonhard – und somit dem Abzweig zum Jaufenpass – erwarten Euch dreißig Kilometer Fahrspaß, lecker gespickt mit vierzehn, Richtung Passhöhe immer enger werdende Kehren und diversen Felstunneln. – Ein Traum!

Hat man sich bei der Hitze im Tal den letzten Tropfen Flüssigkeit aus dem Leib transpiriert, kann es auf dem 2.509 Meter hohen „Passo Rombo“ hingegen empfindlich kühl sein. Wenn der Pass nach der Wintersperre Anfang Juni endlich öffnet, türmen sich dort nicht selten noch meterhohe Schneeberge.


Selbst Mitte Juni empfing uns die österreichische Seite des Timmelsjochs noch mit Schnee.

Das Timmelsjoch schimpft sich auf italienisch „Passo Rombo„.
Da man das italienische Wörtchen „rombo“ auch mit „dröhnen/grollen/röhren“ übersetzen kann, wisst Ihr spätestens jetzt, was Ihr zu tun habt. …Oder? 😉

Auf der Passhöhe verläuft die Grenze zwischen Österreich und Italien. Davon zeugt heute nur noch eine verwaiste Grenzstation. Umso lebendiger geht’s im gemütlichen Pass-Restaurant zu, in der es sich nett speisen lässt. Kulturhungrige kommen ebenfalls auf ihre Kosten: Hier oben steht das Passmuseum, das sich kostenlos erkunden lässt.

Auch bei der Weiterfahrt Richtung Ötztal kommt Freude auf:
Auf einer Strecke von dreizehn Kilometern erwarten Euch elf astreine Kehren! Kurz vor dem österreichischen Ort Obergurgl bremst leider eine Mautstation den bis dato ausgelassenen Frohsinn…

Nun habt Ihr die Wahl:

  • Entweder macht Ihr vor der Mautstation kehrt, wedelt erneut hinauf auf’s Timmelsjoch und genießt die aussichtsreiche Abfahrt hinab ins Passeiertal.
  • Oder Ihr fahrt weiter Richtung Ötztal und nehmt die fällige Mautgebühr in Kauf.


Die One-Way-Fahrt über die Timmelsjoch-Nordrampe kostet 14 Euro (pro Motorrad).
Für die Hin- und Rückfahrt werden 19 Euro fällig.
Ab zehn Motorrädern gibt’s eine Gruppenermäßigung.
(Stand: 2017)

Seit dem 16. April 2016 lohnt sich die Weiterfahrt, denn just an dem Tag öffnete an der Mautstation das mit 2.175 Höhenmetern höchstgelegene Motorradmuseum Europas!


Das Multifunktionsgebäude Top Mountain Crosspoint beherbergt nicht nur das Motorradmuseum und die Mautstation,
sondern auch ein Restaurant mit einer weitläufigen Terrasse und grandiosem Panoramablick auf die Ötztaler Alpen

Bildnachweis: © Alexander Lohmann – Ötztal Tourismus (www.oetztal.com)

Was erwartet Euch im Motorradmuseum?

Im neuen Motorradmuseum dürft Ihr Euch auf 170 historische Motorräder freuen.
Museums-Eigner sind die beiden Ötztaler Urgesteine Attila und Alban Scheiber.
Ihnen wurde das Motorradgen förmlich in die Wiege gelegt, denn ihr Vater, Alban senior, war in den 50er Jahren Profi-Rennfahrer.


Das Museums-Innere ist sehr holzlastig und erinnert an eine antike Motorrad-Steilwand, auch bekannt als „Todeswand“, „Wall of death“ oder „Motodrom“.
Bildnachweis: © Brötz Architecture

Seit den 20er Jahren verzaubern tollkühne Motorrad-Artisten ihr Publikum mit halsbrecherischen Kunststücken beim Steilwandfahren. Dabei drehen sie ihre Runden in einer fünf Meter hohen Holztrommel mit einem Durchmesser von sieben bis zehn Metern.

In Deutschland wurde das Steilwandfahren in den 30er- und 40er-Jahren vor allem durch „Steilwand-Kitty“ berühmt, die mit bürgerlichem Namen Käthe Müller hieß. Wer „Steilwand-Kitty“ einmal live in action sehen möchte, werfe einen Blick in die >> Filmothek von bundesarchiv.de (ab Minute 1:20).

Noch heute gastiert Pitt’s Todeswand auf dem Münchener Oktoberfest oder der „European Bike Week“ am Faaker See. Die Holztrommel ist immer noch dieselbe. Für die drei legendären, sehr wendigen Indian Scouts 101 (gebaut von 1928 bis 1931) gilt dasselbe.
>> Pitt’s Todeswand auf dem Oktoberfest
>> Pitt’s Todeswand

Highlights der Ausstellung

Unter den Museums-Exponten finden sich legendäre Moppeds aus jedem Jahrzehnt. Neben Harley-Davidson, Indian und BMW sind auch Motoguzzi, Ducati, NSU, DKW, Zündapp, Triumph, Sunbeam, Norton, Matchless, A.J.S., Honda und Henderson vertreten.

Die älteste Maschine ist eine Laurin & Klement aus dem Jahr 1905.
Ebenfalls dabei: Eine britische „Vincent“, der man nachsagt, eine der schnellsten, teuersten und exklusivsten Maschinen zu sein, die es damals zu kaufen gab.
Schon 1948 konnte mit ihr den amerikanischen Rekord von 242 Kilometern pro Stunde brechen. 1955/56 wurde ein neuer Weltrekord aufgestellt: 298 Kilometern pro Stunde!

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Bildnachweis: © Ötztal Tourismus (www.oetztal.com)

Ebenso dabei:

  • eine Brough Superior von 1939. (Angeblich soll der legendäre Rennfahrer und Erbauer George Brough diese selbst gefahren haben)
  • eine Zweizylinder-Indian von 1912 und
  • die MV Agusta, mit der Giacomo Agostini der Ex-Moto-GP-Weltmeister einst seine Rennen bestritt.
    Die Motorrad-Rennlegende Agostini ist Rekordhalter mit 15 WM-Titeln und 122 GP-Siegen (1965 – 1975). Darüber hinaus fuhr er diverse Isle-of-Man-TT-Siege ein und war Mitentwickler des Sondermodells „F4 AGO“ von MV Agusta. Wen wundert’s, dass man ihn bat, Pate der Grundsteinlegung für das neue Motorradmuseum zu werden?

>> Zur Motorrad-Galerie

Übrigens:
Angeblich sind alle Motorräder fahrtüchtig. Wundert Euch also nicht, wenn Euch am Timmelsjoch mal die ein oder andere der historischen Maschinen entgegenkommt! 🙂

Weitere Infos unter:
>> www.crosspoint.tirol
>> www.facebook.com/topmountaincrosspoint

Öffnungszeiten des Museums:
Winter- bzw. Skisaison: Täglich von 9:00 bis 17:00 Uhr.
Ab Mitte April 2018: Täglich von 9:00 bis 18:00 Uhr.
Der Eintritt kostet 10 Euro.

Die Scheiber-Brüder: Größenwahnsinnig oder Genies?

Die Scheiber-Zwillinge stammen aus einer Touristik-Pionieer-Familie aus dem Ötztaler Ort Obergurgl.

Man munkelt, Opa Angelus habe Anfang der 50er Jahre hoch zur „Angerer Alm“ geschaut und gesagt: „Dort oben ist es so sonnig, da könnte man gut Skifahren„.
Seine Vision: „Mittags Skilaufen auf den Ötztaler Gletschern – Nachmittags Entspannung unter Palmen in Meran„. Zwillings-Vater Alban senior spann die Idee später weiter, eröffnete 1961 das erste Hotel und einen Skilift auf dem Högel und nannte das Fleckchen Erde fortan „Hochgurgl“.

An eine Durchfahrt nach Italien war zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu denken:
Zwar reichte eine stillgelegte Militärstraße bis kurz vor die Passhöhe, jedoch wurde die heutige Straße auf der Südrampe erst zehn Jahre später (im September 1968) fertig. Damit war die Nord-Süd-Verbindung vom österreichischen Ötztal ins italienische Passeiertal endlich perfekt!

Seitdem lassen sich auf dem Weg nach Meran weit über hundert Kilometer sparen; zumindest während der Pass-Öffnungszeiten (in der Regel von Anfang Juni bis Ende Oktober in der Zeit von 7:00 bis 20:00 Uhr.

Zum Vergleich – Entfernung Obergurgl – Meran:
– Über Landau und den Reschenpass: ca. 200 Kilometer
– Über die Timmelsjoch Hochalpenstraße: ca. 63 Kilometer

Heute ist das Örtchen Hochgurgl fest in Hand der „Scheiber-Dynastie“:
Ihnen gehört nicht nur das 5-Sterne-Hotel, sondern auch eine Skischule, Sportmodeläden, Skilifte, die Beschneiungsanlagen auf den umliegenden „Hügeln“ und die Gastronomie. Allem voran das „Top Mountain Star“, ein rundumverglastes Restaurant mit 360-Grad-Blick bis hin zu den Dolomiten.
Ausufernde Hi-Ho-Après-Ski-Parties sucht man in Hochgurgl übrigens vergeblich: In dem exklusiven Skiressort setzt man auf „Klasse statt Masse“ und bietet seinen Gästen den Luxus, direkt von ihrem Hotel auf ihre Ski steigen zu können.

Seit 2011 ist die Timmelsjoch-Hochalpenstraße nicht mehr nur „Panorama-„, sondern auch „Erlebnisstraße„. Auf der Straße wurden insgesamt fünf Stationen installiert.

  1. An der Mautstation Hochgurgl: Steg
  2. Schmuggler: Begehbarer Würfel
  3. Das Pass-Museum (auf Südtiroler Seite)
  4. Fernrohr (Südtirol)
  5. Granat: Toller Ausblick (bei Stuls in Passeier); Schauraum auf einem Felsenhang

[>> Infos zur „Timmelsjoch Erfahrung“]

Weiterführende Links:

Sehenswertes in der Nähe

In der >> Ötztaler Bier Manufaktur in Umhausen könnt Ihr eine Braurerei-Führung oder eine Bierverkostung buchen.

Lust auf Abenteuer?
Dann auf zur >> Area47, dem Abenteuerspielplatz für Kids und Erwachsene. Neben Rafting und Canyoning erwarten Euch im Ötztaler Freizeitpark weitere Outdoor-Abenteuer, Events und Wasserspaß.

Im nahegelegenen Paznaun-Tal, genauer: in Ischgl, könnt Ihr Euch Euer Traum-Mopped ausleihen.
>> Highbike-Center Paznaun
Wir haben es bereits ausprobiert und waren begeistert: >> Bericht „Motorräder testen im Paznauntal“

Soviel Action macht hungrig: Falls Ihr mal richtig gute Burger essen möchtet, fahrt einfach ins österreichische Haiming. Dort findet Ihr das >> www.oilers69.com, das von uns eine ganz klare Empfehlung erhält: Die Location ist sehr sehenswert und Ihr könnt unter zahlreichen – sehr schmackhaften – Burger-Variationen wählen.


Im Innen- und Außenbereich des „Oilers 69“ lässt sich viel entdecken!

Für alle, die das besondere Abenteuer suchen:
Im „Schneedorf“ in Hochötz könnt Ihr in einem Iglu auf 2.000 Metern Höhe übernachten. Das Dorf ist in der Regel von Weihnachten bis Anfang April geöffnet.
>> www.schneedorf.com

Bei >> www.vacancia.at lassen sich Fahrtechniktrainings im Schnee buchen, unter anderem mit Rallyautos, Eiskartfahren und Snowbikes.

Sucht Ihr Übernachtungsmöglichkeiten, Einkehr- oder Touren-Tipps in Tirol, dann werft doch mal einen Blick auf die Kurveneldorado-Seiten.
Dort findet Ihr unter anderem eine Liste aller Alpenpässe im Umkreis.

Kurveneldorado

 

Susy
Susy
Geboren "Anno Pief" (im letzten Jahrhundert). Im zarten Alter von vierzehn - keine Ahnung wieso - mit dem Mopped-Fieber infiziert und eine gefühlte Ewigkeit um den Moppedschein gekämpft. Mit sechzehn zunächst an der "unendlichen Macht" ihrer "Ernährer" gescheitert, mit achtzehn dann aber endlich erfolgreich. *YEAH!* Danach - trotz Schein - erst einmal nie aktiv gefahren und den "Virus" eine halbe Ewigkeit erfolgreich verdrängt. Vor etwa zehn Jahren brach er allerdings - umso heftiger - wieder aus... Seitdem einfach "unheilbar krank" dem Moppedwahn verfallen. :D
http://www.motorrado.de

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